Bayern öffnet am heutigen Montag in einigen Landkreisen und kreisfreien Städten die Biergärten. Wo gestartet wird und welche Regeln gelten – ein Überblick.
(Stand: 10.05.2021, 16.00 Uhr) In einem guten Dutzend Landkreisen und kreisfreien Städten in Bayern haben am Montag Biergärten, Wirtsgärten und Freischankflächen wieder geöffnet. Die Kreise hatten dies mit Zustimmung des Gesundheitsministeriums erlauben können, wenn sie am Freitag seit fünf Tagen eine stabile Inzidenz unter 100 aufgewiesen hatten. In der bayerischen Gastronomie sorgte der Schritt nach rund einem halben Jahr Schließung für Zuversicht.
"Ein Stück Lebensfreude kehrt zurück"
"Es kehrt ein Stück Lebensfreude zurück in unser Land", sagte der Landesgeschäftsführer des Branchenverbands Dehoga, Thomas Geppert. Am Mittag hielt sich der Andrang laut Geppert noch in Grenzen, für den Abend seien die Biergärten allerdings bereits durch Reservierungen ausgebucht, sagte er.
Von Amberg-Sulzbach bis Würzburg
Darüber in wie vielen Landkreisen und kreisfreien Städten am Montag die Öffnung erlaubt war, herrschte zunächst Verwirrung. So sprach Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Montag von 14. Eine vom Gesundheitsministerium veröffentlichte Liste führte allerdings nur Genehmigungen für 13 Städte und Landkreise: die Städte Schwabach, Bamberg, Passau, und Erlangen sowie die Kreise Landsberg am Lech, Starnberg, Würzburg, Tirschenreuth, Kitzingen, Neustadt an der Waldnaab, Amberg-Sulzbach, Lindau und Garmisch Partenkirchen.
Kreisfreie Stadt Weiden prescht bei Öffnung vor
Allerdings hat auch die kreisfreie Stadt Weiden, die nicht auf der Liste des Gesundheitsministeriums steht, bereits am Freitag in ihrem Amtsblatt die Öffnung zum Montag veröffentlicht, noch ohne dass eine Genehmigung aus dem Gesundheitsministerium vorlag. Dies sei ein Versehen gewesen, sagte ein Sprecher. Der Antrag sei nachgereicht worden. Die Außengastronomie sei aber geöffnet. Weiden lag am Montag den 14. Tag bei einer Inzidenz unter 100.
Strenge Hygieneauflagen
Die Öffnungen finden unter strengen Hygieneauflagen statt, darunter eine Maskenpflicht mit Ausnahme des Sitzplatzes sowie eine Testpflicht, sollten an einem Tisch Menschen aus mehreren Haushalten Platz nehmen (mehr dazu weiter unten im Text).
Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 100
Öffnen dürfen nur Regionen, in welchen die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 100 liegt, hieß es vom Ministerium. Stabilität wird dann angenommen, wenn in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und einer Woche fünf Tage lange unter 100 bleibt. Danach seien zwei Tage zur Umsetzung vorgesehen, am achten Tag könne geöffnet werden.
Das Ministerium hatte am Freitagmittag in einer Pressemitteilung geschrieben: "Die Sieben-Tage-Inzidenz muss insgesamt fünf Tage in Folge unter 100 liegen. Anschließend sind zwei Tage zur Umsetzung vorgesehen." In der am selben Tag vom Ministerium versandten Maßgabe heißt es dagegen: "Eine stabile Entwicklung ist dabei dann anzunehmen, wenn sich die Sieben-Tage-Inzidenz acht Tage lang in Folge unter 100 beziehungsweise 50 befindet." Am Samstag wurde nun dargelegt, dass "am achten Tag" geöffnet werden könne, sollten die Voraussetzungen erfüllt sein.
Inzidenz in Bayern
Insgesamt lag die Inzidenz in Bayern am Montag bei 119,80 wie aus einer Auflistung des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hervorgeht. Die aktuellen Fallzahlen nach kreisfreien Städten und Landkreisen finden Sie auf der Homepage des LGL.
Testung von Gästen im Gastgewerbe
Angesichts der Öffnung der Außengastronomie hat der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband ein Schaubild erstellt, das Auskunft darüber erteilt, bei welchen Inzidenzwerten Testungen erforderlich sind und welche Auswirkungen sie auf die Zusammensetzung an einem Tisch haben. „Es ist mitnichten so, dass alle Gäste getestet sein müssen“, erklärt Dehoga-Bayern-Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert in einer offiziellen Mitteilung des Verbandes. „Laut Verordnung müssen Negativtests nur vorliegen, wenn Personen aus mehr als einem Hausstand an einem Tisch sitzen, die weder geimpft noch genesen sind.“

Unabhängig davon fordert der Verband grundsätzlich die Öffnung von Hotels und Gastronomie für alle Geimpften, Genesenen und negativ Getesteten unabhängig von Inzidenzwerten. „Wir müssen bei weiter rückläufigem Infektionsgeschehen sehr zeitnah wieder den Weg zu mehr Normalität ohne Tests wie in der Phase nach dem ersten Lockdown wagen. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass unsere Betriebe sicher sind."
Informationen zum Rahmenhygienekonzept
Der Dehoga Bayern weist zudem auf das staatlich vorgegebene Rahmenhygienekonzept hin, das die Vorgaben enthält, die beim Öffnen und Führen des Betriebs zwingend beachtet werden müssen. Zudem weisen die Verantwortlichen darauf hin, dass es nicht ausreiche, die Vorgaben des Dokuments nur zu erfüllen - das entsprechende Hygienekonzept müsse individualisiert, idealerweise ausgedruckt und unterschrieben vorliegen. Hier können Sie sich das Konzept für die Gastronomie herunterladen. Wichtige Fragen beantwortet der Dehoga Bayern in den FAQ - Fragen und Antworten, die laut dem Verband laufend erweitert und ergänzt werden.
Änderungen wurden auch in den Aushängen des Dehoga Bayern berücksichtigt, die Gastgeber als Druckvorlage verwenden können.
Statements von Dehoga Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer

Zum Restart der Außengastronomie sagte Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes: "Wir freuen uns von ganzem Herzen, dass es zumindest in den ersten Betrieben außen wieder los geht. Für Wirte und Gäste ist das gleichermaßen ein Moment zum Aufatmen. Nach Monaten des Wartens ist das der erste Schritt zurück ins Leben. Wir denken aber auch an die große Mehrheit aller Betriebe, die nach wie vor geschlossen bleiben müssen“, sagt Angela Inselkammer angesichts der ab heute in Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen Inzidenz von unter 100 möglichen Öffnung der Außengastronomie.
Der Verband fordert grundsätzlich die Öffnung aller gastgewerblichen Betriebe für alle Geimpften, Genesenen und negativ Getesteten unabhängig von Inzidenzwerten. „Wir müssen schnellstmöglich wieder den Weg zu mehr Normalität ohne Tests wie in der Phase nach dem ersten Lockdown wagen. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass
unsere Betriebe sicher sind. Dies haben auch zahlreiche Experten immer wieder
bestätigt.“ ver/mit dpa