Christian Zunk im PorträtDer Weitgereiste

Ein Leben in der Luxushotellerie wurde Christian Zunk schon in die Wiege gelegt. In Abidjan geboren, verbrachte er seine Kindheit durch die Tätigkeit seines Vaters in Häusern von Kempinski bis Rafael. Nachdem er der Familientradition folgte und zahlreiche Openings von Fünf-Sterne-Häusern in Deutschland begleitet hat, ist Christian Zunk mittlerweile in Asien heimisch und will jetzt mit seiner neuen Arbeitsstelle in Bangkok Zeichen setzen.

»Wenn ich einen Ort nehme, an dem ich meinen längsten Lebensabschnitt verbracht habe, bin ich ein Berliner.« Entspannt lässt sich Christian Zunk, General Manager des im neuen Bangkoker In-Viertel Thonglor liegenden Akyra Thonglor Hotels, einen Cappuccino schmecken. Seit Januar 2017 steht der Deutsche dem jüngsten Akyra-Ableger vor. Sein Auftrag: Das 148-Zimmer-Hotel, das bis 2016 zur Apartmentkette Pan Pacific gehörte, unter den Luxusadressen der thailändischen Metropole zu positionieren. Aktuell gleicht das Haus jedoch eher einer Baustelle. In zwei Bauphasen wird das zur Akarym-Gruppe der ehemaligen Small Luxury-Vorstandsvorsitzenden Anchalika Kijkanakorn gehörende Haus bis 2019 an seine neuen Bedürfnisse angepasst. »Wir werden uns im Luxury Boutique-Segment positionieren und hier Vorreiter sein, eine Art ›W‹ mit Thai-Hospitality«, umreißt Christian Zunk seine Aufgabe in Bangkok. Denn Akarym will in den kommenden Jahren in Südostasien wachsen – vor allem mit seiner Marke Akyra.

Dass man seitens der Hotelgesellschaft den deutschen General Manager mit der Entwicklungsaufgabe betraute, kommt nicht von ungefähr. Mit 23 Jahren in der internationalen Luxushotellerie verfügt der in Abidjan geborene Zunk über eine enorme Erfahrung. Schon als Kind wächst er in Fünf-Sterne-Häusern auf, schließlich leitet sein Vater Hartmut Zunk Ende der 1970er-Jahre das Kempinski Bristol in Berlin, danach das Rafael in München und schließlich das Mandarin Oriental auf den Bermudas. Dass Christian Zunk 1994 im Hamburger Vier Jahreszeiten seine Ausbildung als Hotelkaufmann beginnt, ist da nur konsequent. Drei Jahre später tritt er dann in Berlin im Pre-Opening-Team des Adlon endgültig in die Fußstapfen seines Vaters.

Als »aufregende Zeit« bezeichnet Christian Zunk seinen Einstieg in die Berliner Luxushotellerie heute. Ursprünglich sollte seine Berliner Zeit sogar länger dauern als nur das eine Jahr, dass er im Adlon verbringt, da Stefan Simkovics den aufstrebenden Nachwuchshotelier in sein Berliner Four Seasons-Team lotsen wollte. »Four Seasons als Hotelkette fand ich überzeugend. Aber innerhalb Berlins wollte ich diesen Schritt nicht unmittelbar tun«, erläutert Christian Zunk. Er unternimmt seine ersten Schritte bei Four Seasons in New York, ehe er im Dezember 1999 in die deutsche Hauptstadt zurückkehrt. »Ich hatte drei oder vier Mentoren im Leben. Stefan Simkovics ist sicherlich einer von ihnen«, umschreibt Christian Zunk heute das Verhältnis zu seinem damaligen Hoteldirektor. Nach drei Jahren am Gendarmenmarkt folgt der Schritt in die Resorthotellerie – nach Hawaii, wo Christian Zunk sein Four Seasons-Gastspiel 2003 nach insgesamt fünf Jahren beendet. 

Stufe für Stufe auf der Karriereleiter – auch im ehemaligen Hotel seines Vaters

»Es war schwierig, die Gruppe nach dieser Zeit zu verlassen, aber die neue Position und die Rückkehr in die Heimat haben mich gereizt«, erinnert sich Christian Zunk. In Hamburg steht im Dorint Alter Wall das Sofitel-Rebranding an. Für den Hotelier ein Karriereschritt, auf den zwei Jahre später die Rückkehr nach Berlin folgen wird: 2005 wechselt Christian Zunk ins Kempinski Bristol – in das Hotel, das sein Vater einst leitete. Er bleibt ein Jahr, bevor es ihn zu Rocco Forte ins Pre-Opening-Team der Villa Kennedy nach Frankfurt zieht. Im Mai 2007 dann der Wechsel nach München. Zunk: »Martin Elsner, den ich noch von meiner Ausbildung im Vier Jahreszeiten kannte, fragte mich, ob ich für die Pre-Opening-Phase und als Hotelmanager im Charles Hotel in München zur Verfügung stehen würde. Da habe ich nicht gezögert.« Bis 2009 bleibt Christian Zunk in München, bevor er einen völlig neuen Lebensabschnitt startet. »Ich war bis dahin immer sehr westlich orientiert. Von Asien hatte ich viel gehört, aber ich hatte dort noch nie gearbeitet«, begründet der Hotelier heute seine Entscheidung, ein Angebot von Shangri-La auf den Philippinen anzunehmen. Das Boracay Resort wird seine erste Asien-Station. Wieder ein Opening, diesmal in einer neuen Kultur. Nach einem Jahr auf den Philippinen verliebt sich Christian Zunk während einer Asienreise in die thailändische Hauptstadt Bangkok: »Der Vibe der City hat mich angesprochen. Dass ich aber schon kurz darauf dort arbeiten würde, hatte ich nicht erwartet.« Für das Marriott Resort & Spa Bangkok, das heutige Anantara Riverside, sucht die Minor Hotel Group zu jener Zeit einen Director of Operations. Sie findet Christian Zunk. Der bezeichnet das Fünf-Sterne-Haus mit seinen 440 Zimmern und 13 F&B Outlets am Ufer des Chao Phraya heute als seinen großen »Abenteuerspielplatz«.

Langsam, aber sicher findet Christian Zunk in Asien und in Anantara seine neue Heimat. Für die thailändische Hotelgruppe übernimmt der Deutsche 2011 in Abu Dhabi seine erste Anstellung als General Manager – und kehrt ein Jahr später zurück nach Thailand. Vier Jahre und sieben Monate lang leitet Christian Zunk im Norden Thailands an der Grenze zu Laos und Birma das Anantara Golden Triangle Elephant Camp & Resort, eines der Flaggschiffe der Hotelgruppe. Dann, zu Beginn dieses Jahres, sucht er die neue Aufgabe in Bangkok. »Thonglor ist in Bangkok das, was Notting Hill für London ist und SoHo oder Greenwich Village für New York«, schwärmt der Hotelier von der Aufbruchsstimmung an seinem neuen Einsatzort. Hier plant er für das Jahr 2017 mit einer 92-prozentigen Auslastung bei einem durschnittlichen Zimmerpreis von 153 Euro. Top-Refugium des Akyra Thonglor ist die »Three Bedroom Deluxe Suite« auf 170 Quadratmetern, die ab 550 Euro offeriert wird. Zu den Zielgruppen befragt, nennt Zunk das internationale Firmenkundengeschäft sowie Leisure-Reisende, die via FTI akquiriert werden.

Auch wenn Christian Zunk mittlerweile sieben Jahre im Land des Lächelns lebt, sieht sich der 44-Jährige längst noch nicht als Thailänder – trotz der thailändischen Wurzeln seiner Frau und Kinder. »Ich bin Thailand persönlich sehr verbunden, doch gebunden sind wir hier nicht.« Der Weitgereiste kann sich weitere Stationen in anderen Ländern durchaus vorstellen. Und führt damit ein Stück Familientradition fort.

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