China in Frankfurt Diaoyutai Mansion soll vor Jahresende eröffnen

Das Diaoyutai Mansion Frankfurt soll Reisenden aus dem Reich der Mitte einen sanften Start für Deutschland- und Europatouren bereiten. GM Holger König will mit
minutiöser Planung vor Jahresende das Grand Opening feiern.

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Das Diaoyutai ist kein Hotel wie jedes andere. Dafür sorgt schon seine Anmutung im Stil eines chinesischen Palastes: Ein 130 Meter breites Gebäude, was in China, wo nicht die Höhe zählt, für einen machtvollen Auftritt steht. Dazu die geschwungenen gelben, nicht goldfarbenen Dächer, die Farbe, die einst den kaiserlichen Hoheiten vorbehalten war. Die Dächer golden zu nennen würde der chinesischen Vorstellung von Bescheidenheit widersprechen.

Fünf Meter “Critical Path”

Knapp fünf Meter säuberlich aufgerollt misst der „Critical Path“, 700 unterschiedliche Positionen, die abgearbeitet werden müssen bis zum Tag X, dem Tag der Eröffnung, der nach einigen Bauverzögerungen für Ende des Jahres vorgesehen ist. Die computerbasierte Konzeptplanung macht sichtbar, welche Abteilung für welche Aufgaben verantwortlich ist, was wann genau begonnen und abgeschlossen sein muss, wo es Arbeitsschritte gibt, die miteinander verzahnt sind oder aufeinander aufbauen. Der Plan macht auf einen Blick sichtbar, welche Mammutaufgabe bis zum großen Opening zu bewältigen ist.

Neues Flagship der chinesischen Gruppe

Implementiert hat den Plan Holger König, der vor wenigen Wochen sehr kurzfristig als GM diese Herausforderung angenommen hat. Ohnehin scheint der 48-Jährige der Mann für die besonderen Missionen zu sein. Er kehrte zweimal nach Heiligendamm zurück, wo ihm als GM der Turnaround für die Jagdfeld-Gruppe gelang. Beim zweiten Mal holte ihn der Insolvenzverwalter, um den erfolgreichen Verkauf an den heutigen Eigentümer zu ermöglichen. Nach einer Zwischenstation bei Tertianum, wo er als Regionaldirektor drei anspruchsvolle Seniorenresidenzen verantwortete, hat ihn nun die Luxushotellerie wieder.
Nicht weniger als eine Brücke nach China soll The Diaoyutai Mansion Frankfurt sein, Flagship der Gruppe nicht nur in Deutschland, vielmehr das Tor öffnen für weitere Expansionen auf dem europäischen Markt.

Das Diaoyutai State Guesthouse – eine Institution in Peking

Ein „Wunschpaket“, nennt Holger König seine Aufgabe. Das Außergewöhnliche daran scheint für ihn doppelter Anreiz zu sein. Eine Neueröffnung, die fordernd, aber auch fördernd sei, bei der man vieles in die Wege leiten könne. Zum Zweiten, dass das Diaoyutai das erste Großprojekt im Bereich der Luxushotellerie einer chinesischen Firma in Deutschland sei.
„Wir tragen einen großen Namen: Das Diaoyutai State Guesthouse in Peking, wo über 1.200 Staatsgäste empfangen werden können, ist in China eine legendäre Institution. Ein 800 Jahre altes Ensemble mit einer 165.000 Quadratmeter großen bebauten Fläche in einem Park.“ Nicht weniger reizvoll sei für ihn als Berliner der Standort Frankfurt, dessen Markt gerade im Luxussegment noch viele Chancen biete.

Mitstreiter gesucht

Holger König hat nach seinem Antritt zunächst Bilanz gezogen, einen Projektleiter bestimmt, „mit dem wir den ‚Critical Path’ erstellt haben.“ Es bleibe nicht viel Zeit, er brauche absolute Fachleute, damit alles effektiv ablaufe. Mehr noch: Mitstreiter. Menschen, die wie er für das Projekt brennen. Mitarbeiter, die seine Vorstellung von Dienstleistung teilen. Da sei er in Frankfurt genau in der richtigen Stadt gelandet: „Was ich im Vorfeld so nicht wusste, die Frankfurter sind ausgesprochen herzlich.“ Neben den vielen Aufgaben, die ihn momentan beschäftigen, sei das die zeitintensivste. Er konzentriere sich auf die Gespräche mit den Mitarbeitern. Kommuniziert klar: „Was erwarte ich von dir, und umgekehrt, was kann ich dir dafür geben? Wo treffen wir uns auf einer Ebene und wo werden wir weiter die Energien entwickeln, sodass es zu Synergien kommt, damit wir das Beste daraus machen?“

Frankfurt als Startpunkt für chinesische Gäste

Ein Haus wie dieses im Markt zu positionieren sei unglaublich spannend. Das Diaoyutai soll ein Stück China nach Frankfurt bringen. Chinesische Gäste, die auf ihre Deutschland- oder Europareisen gehen, starten häufig von der Mainmetropole aus. Sie sollen sich im Diaoyutai auf vertrautem Terrain bewegen können. Im chinesischen Fine-Dining-Restaurant wird eine authentische Küche angeboten, wofür spezielle Gerätschaften installiert wurden. Es wird Entertainment-Rooms für Karaoke, Mahjong und Billard geben. Schon heute ist die Nachfrage lebhaft, auch von der ebenfalls stark interessierten amerikanischen Klientel. Holger König überlegt bereits, sagt er schmunzelnd, ob er seinen Kellnern, die die 120 Meter lange Restaurant-Terrasse bespielen werden, Rollschuhe oder Scooter kaufen solle.

Andererseits will man für deutsche und internationale Gäste ein Stück chinesische Hochkultur erlebbar machen. Das beginnt bei der traditionellen chinesischen Architektur, bei der jedes Detail symbolisch aufgeladen ist, ob die Anzahl der Dächer, die Fabelwesen an den Dachkanten oder die handgemalten Ornamente, die sich an der Fassade entlangziehen und neben Glück vieles mehr verheißen.

MICE-Geschäft im Fokus

Im Inneren wird das Diaoyutai in 214 Zimmern, davon 41 Suiten, ein Stück modernes China zeigen. Das MICE-Geschäft soll eine tragende Rolle spielen, man kann mit neun Veranstaltungsräumen und einem Ballsaal aufwarten. Ziemlich einmalig werden die vier Private-Dining-Räume sein, mit ihrer Ausstattung und flexiblen Raumgestaltung.
Als weltoffen und modern wollen seine chinesischen Auftraggeber wahrgenommen werden, berichtet Holger König. Die Kommunikation mit den Eigentümern vor Ort und seinen direkten Vorgesetzten in China verlaufe direkt und unkompliziert.

In seiner Funktion als Hotelier will sich Holger König nicht als Botschafter des Staates verstanden wissen, aber als Botschafter von Diaoyutai, diesem großen Namen und der speziellen Gastfreundschaft, die er transportiert, gerecht werden. Dass er selbst während seiner beruflichen Laufbahn nie in Asien tätig war, versteht er als Handikap und Chance zugleich. Das Erste gleicht er aus mit Mitarbeitern, die Erfahrung und Sprachkenntnisse mitbringen, auf der anderen Seite bringe er eine gewisse Unvoreingenommenheit mit.
Mehr als acht Jahre zogen sich die Bauarbeiten bisher hin. Inzwischen hat sich auch am Standort in Niederrad auf halber Strecke zwischen der Bankencity und dem Flughafen viel verändert. Die Rennbahn, die bei der Entscheidung eine große Rolle spielte, wurde geschlossen, „dafür kommt die DFB-Akademie. Darüber sind wir mindestens genauso glücklich, wenn nicht ein bisschen glücklicher.“

Verzögerungen im Bau

Was ihm imponiert: Mit welcher Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit die chinesischen Eigentümer – die Huarong Group, eine große Firma in China – das Projekt weiterverfolgten, nie lockerließen. Einen Bau so zu verzögern, das koste Geld. Die Planungen wurden immer wieder angepasst. An ihm sei es jetzt, das Projekt mit voller Energie zu Ende zu führen.

Der „Critical Path“ ist beschritten, jeder Mitarbeiter kann zu jedem Zeitpunkt überprüfen, wo er – oder sie – momentan steht, welche Wegstrecke noch zurückzulegen ist. Die zahllosen blauen Balken, die die noch anstehenden Aufgaben markieren, scheinen Holger König nicht aus der Ruhe zu bringen. Er ist jemand, der sich auf das Dringlichste und Wichtigste fokussieren kann. Dafür hat er den gedanklichen Überbau noch zurückgestellt, die Vision für das Haus, die er gemeinsam mit seinem Team erarbeiten will.

Über eine Sache braucht er sich dabei nicht den Kopf zu zerbrechen, den vielbeschworenen USP. Der erschließt sich schon beim allerersten Blick auf das neue Hotel.

Bärbel Holzberg

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