Carsten K. Rath zur Kempinski-Personalie "Martin weiß, wie man Geld verdient"

Carsten Rath (Bild: Anton Schlegel)

Martin Smura soll das Ruder bei Kempinski von Markus Semer übernehmen. Das zumindest behaupten zuverlässige Brancheninsider. Auf Tophotel-Anfrage hat das Pressebüro der Luxushotelkette dies am heutigen Dienstagmorgen auch nicht dementiert. Die Redaktion fragte beim Management-Berater, Kempinski-Kenner und langjährigen Weggefährten Smuras, Carsten K. Rath, nach.

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Tophotel: Herr Rath, Ihr langjähriger Freund und Kollege Martin Smura soll zum CEO berufen werden. Freut Sie das?
Carsten K. Rath: Das freut mich vor allem für die Gäste, die Mitarbeiter, die Shareholder und alle, die im Kempinski-Umfeld arbeiten.

Sie kennen Kempinski, haben selbst viele Jahre für das Unternehmen gearbeitet. Was wird die größte Aufgabe sein?
Der wunderbare Luxusliner Kempinski steht aus meiner Sicht halb unter Wasser, da er sich in den letzten Jahren der Mittelmäßigkeit hingegeben hat. Es ging mehr um Misstrauen und Kontrolle als um Motivation, Vertrauen und unternehmerische Freiheit.

Martin kann sicher den Luxus wieder einkehren lassen und die Qualität über alles andere stellen. Außerdem weiß Martin, wie man Geld verdient und wird sehr schnell positiv auf die Eigentümer zugehen. Er gewährt seinen Führungskräften große Freiräume, wenn sie die entsprechende Leistung bringen. All das ist notwendig, um aus dem angeschlagenen Kempinski-Tanker wieder einen schnellen Luxusliner zu machen. Und genau dafür ist er genau der Richtige.

Sie kennen Martin Smura schon lange.
Wir sind seit fast 30 Jahren befreundet und haben unsere Jugend gemeinsam verbracht. Erst in Südafrika, dann in China und später in Deutschland. Martin war mein Trauzeuge, unsere Freundschaft ist durch die vielen gemeinsamen Orte und Erlebnisse gewachsen.

Was unterscheidet Martin Smura vom bisherigen Kempinski-CEO?
Das weiß ich nicht, wahrscheinlich alles! Wenn Sie auf Reto Wittwer anspielen, dass kann ich sagen, dass beide einige Gemeinsamkeiten haben und einige Züge, die sie grundsätzlich unterscheiden.

Was sind die Gemeinsamkeiten?
Beide können Service-Excellence von Mittelmäßigkeit unterscheiden. Beide haben den Drang, intelligent zu expandieren. Beide berühren die Menschen positiv – die Eigentümer, die General Manager, die Mitarbeiter und die Gäste gleichermaßen. Beide sind erfolgreich.

Was sind die Unterschiede?
Zunächst einmal liegt zwischen den beiden eine Generation. Die Zeiten haben sich sicher verändert.

Was würden Sie Ihrem Freund raten?
Martin braucht meinen Rat nicht. Ich kann mir schon vorstellen, wie er vorgehen würde.

Nämlich?
Vermutlich würde er erst einmal die – bereits erwähnte – Mittelmäßigkeit aus dem Corporate Office vertreiben.

Was halten Sie für seine Stärken?
Er ist wie gesagt ausgesprochen fokussiert, den Menschen zugewandt und hochintelligent. Ein echter Grand Hotelier der Zukunft.

Und seine Schwächen?
Er wird häufig unterschätzt und ich rate seinen Gegnern, dies nicht zu tun. Lassen Sie es mich so formulieren: Martin ist nicht nachtragend, aber er vergisst auch nicht.

Hat Sie die Aufgabe nicht gereizt?
Seit ich vor eineinhalb Jahren Kameha verkauft habe, wurde ich mehrmals gefragt, ob ich zurück in die Corporate Welt möchte. Ich kann dies nicht für den Rest meines Lebens ausschließen, im Moment stellt sich mir diese Frage schlicht nicht.

Auch nicht, wenn Martin Smura Sie fragen würde?
Da halte ich es mit dem Kaiser… Schau‘n wir mal.

Für wie entscheidend halten Sie es, dass ein Deutscher die Hotelgesellschaft führen soll?
Das halte ich nicht für entscheidend. Kempinski hat als älteste deutsche Hotelgesellschaft ihren Sitz in der Schweiz. Insofern freue ich mich persönlich, dass ein Deutscher die Führung übernehmen soll. Sicher hätte auch jede andere Nationalität ihre Chance verdient. Lässt man Martin einmal wirken, wird man in einem Jahr sehen, dass Kempinski wieder auf Erfolgskurs ist – dort, wo Reto Wittwer es hingebracht hat.

Erwarten Sie einen umfangreichen Personalwechsel bei Kempinski?
Wie im richtigen Leben: Die Guten werden weiterkommen, die Schlechten werden ab jetzt erkannt oder gehen sicher auch freiwillig.

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