Caroline Groszer im PorträtMein Rundhaus, mein Gutshof, mein Stadthaus…

»Alchemie« nennt Caroline Groszer ihren heutigen Job. Ihr Lebenslauf, sagt die Deutsch-Schweizerin, sei nicht stringent gewesen, enthalte vielmehr viele verschiedene Elemente. In der Summe ergibt das eine Boutique-Hotel-Chefin mit zwei Anwesen in Apulien.

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Es hätte ein Leben in der Schweiz werden können. Schließlich wurde Carolin Groszer in Genf geboren. Die heute 51-Jährige hätte auch auf der Bühne landen können. Ihr Vater Christoph Groszer war Intendant, unter anderem am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden und am Zürcher Opernhaus. »Eigentlich wollte ich Architektur studieren. Doch ein befreundeter Professor meines Vaters hat so lange trocken über Brücken und Hochhauskonstruktionen referiert, dass meine Begeisterung weg war«, erzählt sie diese Geschichte heute als heitere Anekdote. Dann eben ein Wirtschaftsstudium. Das würde, so dachte die junge Carolin Groszer, ihr genügend Geld einbringen, um später ihre eigenen Häuser zu renovieren und, ob ihres Faibles für Kunst und Design, auch noch mit Stil einzurichten – womit sie ihre eigene Zukunft bereits ziemlich treffend vorausgesehen hat.

Dem Wirtschaftswissenschafts- und Marketing-Studium mit der Spezialisierung auf Bankwirtschaft an der Elite-Universität in St. Gallen folgte ein internationaler Karrierestart der damals 23-Jährigen in der Marktforschung, im Marketing, Import und Export. »Als ich in Luzern in der Marktforschung gearbeitet habe, wurde ich nach Mailand geschickt, um dort eine Filiale zu eröffnen«, erinnert sie sich. Dort begann sie nicht nur, sich in Italien zu verlieben, sondern traf auch ihren späteren Ehemann. Noch immer war aber nicht an die Hotellerie zu denken. Vielmehr wechselte sie die Branche in eine andere Richtung, wurde selbstständige Fotografin, Fokus Menschen und soziale Themen, stellte in Deutschland und Italien aus.

Mein Rundhaus

»Gereist bin ich aber schon immer viel und Hotels haben mir immer gefallen«, sagt Caroline Groszer. Vor 17 Jahren verschlug es sie in einem Urlaub nach Apulien. Eine der dortigen architektonischen Attraktionen, die Rundhäuser, genannt »Trulli«, begeisterten sie so sehr, dass sie Rundhäuser in Fasano kaufte. »Mit den dazugehörigen Ställen war das Ganze jedoch zu groß. Ich war gerade Mutter geworden, hatte Zeit und begann aus Langeweile, die Ställe einfach, aber charmant auszubauen«, so Groszer, die im Anschluss einen Schritt weiterging: Sie eröffnete ein B&B mit vier Zimmern. »Es lief überraschend gut, acht bis neun Monate im Jahr war ich ausgebucht«, so die Wahl-Italienerin mit deutschem und Schweizer Pass. Sie sammelte praktische Erfahrungen in der Beherbergungsbranche, machte ihr Gäste-Domizil über einige Messen bekannter und freute sich über ihre zwar nicht zum Reichtum führende, aber solide und steigende Einnahmequelle. Inzwischen waren auch zahlreiche Reiseführer und Reiseportale auf sie aufmerksam geworden und der »Geheimtipp« sprach sich rum. »Dann buchte sich ein schwules Paar aus London ein und sagte, es wolle mein Trulli-B&B kaufen«, erinnert sie sich. »Als ich die Summe hörte, sagte ich ›okay‹.«

Mein Gutshof

Mit einem unerwartet gut gefüllten Bankkonto entschloss sie sich ein halbes Jahr später, ihren bis dahin gereiften Traum eines eigenen Hotels Realität werden zu lassen. Sie begann nach einem passenden Gutshof, einer »Masseria«, zu suchen und bewarb sich zudem für ein Jungunternehmer-Finanzprogramm der EU für neue touristische Ideen in Süditalien. »Alles, was ich gelernt hatte, nahm ich in meinen Businessplan auf. Es hat funktioniert, ich bekam Geld«, so Groszer, die damit genug zusammen hatte, um einen landestypischen süditalienischen Gutshof zu kaufen und auszubauen. »2006/2007 ging es Schlag auf Schlag. Ich hatte aber auch Glück. Apulien war damals sehr angesagt, die schönsten Gutshöfe befinden sich ganz in der Nähe«, so die Managerin, die mit der Masseria Alchimia ein Privathotel  auf einem drei Hektar großen Gelände mit Olivenhainen bei Fasano geschaffen hat. Das Haus verfügt über zehn Zimmer und Suiten, ausgestattet mit klassischen Designermöbeln und antiken Fußböden sowie kleinen Küchenecken. »Sechs Monate im Jahr bin ich komplett ausgebucht, im November und Januar ist nichts los. Im Jahresschnitt komme ich auf etwa 75 Prozent Belegung«, gibt sich die Inhaberin und Direktorin zufrieden. Geschlossen sei die Masseria nur, wenn sie auf Reisen gehe. Für Stammgäste und Freunde sei aber immer geöffnet, sie bekämen einfach einen Schlüssel.

Apulien ist längst Heimat für Caroline Groszer und ihren 14-jährigen Sohn geworden und die will sie auch ihren Gästen zeigen. Ihr Reiseführer mit persönlichen Tipps ist längst auch bei Nicht-Gästen beliebt. Durch ihr über die Jahre aufgebautes Netzwerk würden ihre Gäste auch bei Restaurantbesuchen und Ähnlichem »besonders betüddelt«. Selber lässt sie es sich nicht nehmen, mit am Empfang der Masseria Alchimia zu arbeiten, um bei Ankünften persönlich begrüßen zu können. »Im Vorfeld nehme ich per Mail Kontakt auf und frage meine Gäste, was sie sich wirklich in ihrem Apulien-Urlaub wünschen. Strand, Sport, Shoppen? Dann kann ich ganz individuelle Vorschläge machen und die meisten finden das gut«, sagt die Chefin, die im Herzen auch Concierge ist und die gesteht, dass sie beim Check-in zuweilen »furchtbar auf die Gäste einrede«. Bei neuen Gesichtern versuche sie, innerhalb von zehn Sekunden zu verstehen, wen sie vor sich habe. Dass sie einen Stammgästeanteil von 30 Prozent habe, freut sie zutiefst. Das Gros der Masseria-Besucher ist deutschsprachig. Die gleiche Muttersprache zu haben, sei ein Vorteil den Gästen gegenüber. Auch um unterschiedliche Gepflogenheiten zu kennen und darauf reagieren zu können. Die Italiener stehen auf Doppelbettdecken, die Deutschen auf getrennte. Groszer: »Deshalb gibt es bei mir eine Bettdecke für jeden.«

Mein Stadthaus

Die im Südosten Italiens gelegene Region Apulien, so die Hotelmanagerin, erfreue sich eines großen Touristeninteresses. »Noch nicht ganz oben, aber stabil. Es kennen uns zwar viele, aber die meisten waren noch nie in Apu-
lien«, sieht sie gute Entwicklungschancen für die Region, in die sie gerade selber wieder investiert hat. »Letztes Jahr hat mir meine Bank Geld angeboten für ein neues Objekt. Daraufhin habe ich mich auf die Suche nach einem Stadthaus gemacht und eine wunderschöne Immobilie in Fasano gefunden. Im November gekauft, bis April zu einer Wohneinheit ausgebaut, im Mai eröffnet und seitdem immer an Feriengäste vermietet«, so Groszer, die im Namen der neuen Palazzina ebenfalls ihr Lebensmotto Alchimia integriert hat.

Masseria Alchimia
Contrada Fascianello 50
72015 Fasano (Brindisi)
Apulien, Italien
Telefon: +39-0335-6094647
www.masseria-alchimia.it
Kategorie: Designhotel
Direktorin: Caroline Groszer
Logis: 10 Zimmer und Suiten
Preise: 99 bis 245 Euro pro Nacht für 2 Pers., 119 bis 275 Euro pro Nacht für 4 Pers.

Palazzina Alchimia
Corso Garibaldi/Via Mogavero 19
72015 Fasano (Brindisi)
Apulien, Italien
Tel.: +39-0335-6094647
www.palazzina-alchimia.it
Kategorie: Ferienwohnung
Direktorin: Caroline Groszer
Logis: 1 Ferienwohnung
Preise: ca. 245 bis 275 Euro/Nacht

 

Manuela Blisse
Freie Autorin
redaktion@tophotel.de

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