Hoteltest: andel’s Berlin Bunt & bemerkenswert

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Professionelle Gastlichkeit wird heute nicht nur in der Luxuskategorie als selbstverständliche Basisleistung vorausgesetzt. Auch im Business-Segment sind die Ansprüche der Geschäftsreisenden stark gestiegen. Tophotel fühlt den bekannten Adressen auf den Zahn. Dieses Mal im Test: das andel’s Hotel Berlin.

FR. 20/01, 17:10 · Telefonische Reservierung

Frau S. meldet sich freundlich und spult den Buchungsvorgang routiniert und standardmäßig ab. Aber eben auch nur das. Wenn sie sich schon danach erkundigt, ob ich schon einmal zu Gast im andel’s gewesen sei – was ich verneine –, warum stellt sie mir das Haus dann nicht in ein paar Sätzen vor oder bietet mir das wenigstens an? Wenn sie mir schon zwei Zimmerkategorien zur Auswahl offeriert, warum informiert sie mich dann nicht über die Möglichkeit, diese Zimmer auf den Executive-Etagen mit Zugang zur »a.lounge« (einem exklusiven Aufenthaltsbereich mit spezieller F&B-Offerte) zu buchen? Warum beschreibt sie mir nicht das Fine Dining-Restaurant und verlockt mich zu einer Tischreservierung? Und warum sagt sie kein einziges Wort zum attraktiven Spa-Bereich mit seinen Massage- und Beauty-Angeboten? Schade. Schade für den Gast, dessen Entscheidung für das Hotel so noch positiver besetzt werden könnte und der sich noch besser umsorgt fühlte. Und bedauerlich für das Hotel, das eine bessere Auslastung seiner Zusatzofferten sicherlich begrüßen würde.

Umso erfreulicher ist dagegen die zügige Reaktion des Concierges, der mich wenige Minuten nach dem Telefonat mit der Reservierungsabteilung anruft, um die Details für den von mir gebuchten Airport-Shuttle zu klären. Die schriftliche Reservierungsbestätigung wird erst am Montag in die Post gegeben und trifft somit nach vier Tagen bei mir ein. Sie ist korrekt und informativ, die gewünschten Broschüren sind beigelegt.
Wertung: noch gut

Internet-Auftritt / Online-Buchung

Die Website des andel’s ist grafisch nicht so anspruchsvoll, wie man es bei einem derart designorientierten Hotel erwarten könnte. Aber sie ist übersichtlich und bietet detaillierte Informationen, auch zu den 3.800 Quadratmetern Konferenz- und Eventfläche, die hier zur Verfügung stehen. Ein E-Mail-Anfrageformular zur Veranstaltungsplanung ist ebenfalls vorhanden. Die Online-Buchung funktioniert unkompliziert und offeriert neben den »Best Rates« auch interessante ­Packages wie das »book.eat.sleep«, bei dem neben der Übernachtung noch ein Abendessen und die Parkgebühr enthalten sind. Außerdem lassen sich weitere Features wie der Shuttle vom Airport (45 Euro) oder die Nutzung der Executive Lounge (30 Euro) hinzubuchen. Eine Bestätigung kann man sofort ausdrucken, erfolgt jedoch auch noch einmal automatisch generiert per E-Mail.
Wertung: sehr gut

Lage / Anfahrt

Einem modernen Kirchenbau gleich ragt der Tower des andel’s in den Himmel über Ostberlin, während der rhombusförmige Korpus des Hotels sich in den Winkel zwischen Landsberger Allee und Storkower Straße schmiegt. Fluch und Segen zugleich sind die Bahngleise, die an einer dritten Seite den Gebäudekomplex begrenzen. Sie sorgen zwar für optimale S-Bahn-Anbindung durch eine Haltestelle direkt vor der Tür, aber eben auch für Rund-um-die-Uhr-Verkehr und entsprechende Geräuschkulisse, zusätzlich zu dem hohen Lärmpegel, den die mehrspurige Landsberger Allee schon hervorbringt. Die Lärmschutzfenster des Hotels haben infolgedessen einiges zu schlucken – mit gutem Erfolg.

Vom Flughafen Tegel aus braucht man zum andel’s mit Bus und S-Bahn etwa eine halbe Stunde, mit dem Taxi oder dem Hotelshuttle je nach Tageszeit mindestens genauso lange. Der Flughafen Schönefeld liegt etwas weiter weg, der Hauptbahnhof ist ein wenig schneller zu erreichen. 550 Pkw-Stellplätze umfasst die hauseigene Tiefgarage, was nahezu exakt der Anzahl der Hotelzimmer (557) entspricht. Mit zehn Euro pro Nacht ist das Parken hier günstig.
Wertung: sehr gut

Donnerstag 02.02 · Anreise

Ich lasse mich vom Flughafen abholen. Meine Erwartung, dass der gebuchte »Shuttle/Limousinen-Service« zum Vier-Sterne-Superior-Hotel per komfortablem Wagen und durch einen schnieken Chauffeur erfolgt, wird jedoch nicht erfüllt. Zwar steht da jemand und hält ein Schild mit meinem Namen hoch, doch handelt es sich dabei um einen schlecht rasierten Herrn in Trainingsjacke und Pudelmütze, der mich auf dem Rücksitz eines Vans verstaut, in dem es während der Fahrt durch das eiskalte Berlin nicht richtig warm wird. Jedes halb so teure Taxi wäre da genauso gut, wenn nicht besser gewesen.

Der Eingangsbereich des andel’s ist unspektakulär – es gibt eine Vorfahrt, ein paar große Blumenkübel und die unvermeidlichen ­Standascher mit den ebenso unvermeidlichen Rauchern drum herum. Alles wirkt gepflegt, der Raucherbereich ausgeklammert.
Wertung: gut

Check-in

In der riesigen, lichten Eingangshalle könnte man sich glatt verlaufen; die Rezeption in Form eines mit goldenen Schindeln ­bedeckten Kokons ist jedoch nicht zu übersehen. Design ist ein wichtiges Thema im andel’s. Mich muten die Uniformen des Empfangspersonals – schwarze Stehkragen-Oberteile mit pinkfarbener Einfassung – allerdings eher wie eine Kreuzung aus Asia-Look und Friseurkittel an.

Ich werde von Frau D. sehr nett begrüßt und willkommen geheißen. Das Anmeldeformular muss ich nur noch unterschreiben, außerdem die obligatorische Kreditkarte vorlegen. Informationen zum Hotel erhalte ich keine, aber das übernimmt dafür ein junger Mann im weißen Hemd, der mich zum Zimmer geleitet. Dort gibt er mir noch einen Überblick über die wichtigsten Dinge im Raum.
Wertung: sehr gut

Zimmer 668

Zimmer 668 liegt im sechsten Stock über den S-Bahn-Gleisen, was sich des Nachts bei geöffnetem Fenster geräuschtechnisch deutlich bemerkbar macht. Der Blick nach unten geht auf (noch) brachliegende Grundstücke, eine Fabrikhalle aus Ziegelstein und eher triste Wohnblocks. Hingegen hebt der Blick ins Zimmer die Stimmung deutlich – seine schwarz-weiß-graue Grundfarbgebung wird frisch aufgepeppt durch zitronengelbe Farbtupfer. Das Zimmer liegt mit seiner Breitseite zur Gebäudefront, hat zwei große Fenster und verfügt so über reichlich Tageslicht. Es gehört zur Deluxe-Kategorie und kostet preiswerte 139 Euro pro Nacht einschließlich Frühstück und der Nutzung der Executive Lounge.

Der 32 Quadratmeter große Raum ist luftig möbliert und mit Couch sowie Lounge Chair dennoch komfortabel ausgestattet. Das King-size-Bett steht vor einer hohen, schwarz-gelben Rückwand und hat auf beiden Seiten von innen beleuchtete Kunststoffwürfel als Nachttische. Zusätzliche Punktstrahler sorgen für gutes Leselicht im Bett, sonstige Lampen sind von jeder Bettseite aus bedienbar. Der große, hinterleuchtete Flatscreen an der Wand zum Bad ist von der Sitzgruppe wie vom Bett aus gut zu sehen. Neben den zahlreichen internationalen Fernseh- und Radiokanälen ist auch Sky-TV kostenlos zu empfangen. Der Wandschrank in weißer Hochglanzlackierung verschwindet optisch völlig hinter der Eingangstür. Hier ist genügend Stauraum für Kleidung untergebracht, die gelegt oder auf ordentlichen Kleiderbügeln (teilweise mit Klemmvorrichtung für Hosen) aufgehängt werden kann. Außerdem sind hier die Minibar und ein geräumiger Safe mit integrierter Steckdose zum Aufladen von Laptop oder Handy eingebaut.

Die Minibar enthält – außer einer Spreewaldgurke in der Dose – keine Überraschungen und hat moderate Preise. Angenehm: der Wasserkocher und eine Auswahl an Kaffee- und Teezubereitungen. Zwei Bademäntel und Badeschlappen sind im Schrank verstaut sowie auch ein Sortiment von nützlichen Amenities wie Schuhputzschwamm, Schuhlöffel und Nähetui. Ein bisschen meckern ließe sich allenfalls über die Tatsache, dass der Schreibtisch – der, wie der Couchtisch auch, aus einer satinierten Glasplatte auf verchromtem Gestell besteht – nicht vor dem Fenster platziert ist und ruhig etwas größer hätte ausfallen können. Und darüber, dass die schlicht-edle Artemide-Leuchte darauf nur einen sehr begrenzten Lichtkegel wirft.

Die Ausstattung auf dem Schreibtisch stimmt: Hotelinformationen, Gäste-A-Z, Notizblock mit Stift, TV-Zeitung – alles vorhanden und trotzdem noch genügend Platz zum Arbeiten. Der Highspeed-Internetzugang per Kabel oder WLAN funktioniert leicht und schnell, kostet allerdings bei meinem Aufenthalt noch zwei Euro pro Stunde oder 14 Euro für 24 Stunden. Wie ich später von einem Front-Office-Mitarbeiter erfahre, soll diese Gebühr in Kürze wegfallen. Von den beiden Steckdosen am Schreibtisch ist die eine von einem DVD-Recorder belegt. Das Telefon lässt sich aus- und neben dem Bett wieder einstöpseln. Der Verzicht auf einen zweiten Apparat ist das Einzige, woran in diesem Zimmer gespart wird. Es ist im Übrigen bis auf das von außen ziemlich verschmutzte Fenster picobello sauber. Nur das Touch Screen Panel der Klimaanlage funktioniert nicht.
Wertung: sehr gut

Bad

Schick, schön und schwer zu putzen: Die Mitarbeiter vom Housekeeping dürften ob der vielen Glasflächen stöhnen. Denn im komfortablen Bad sind nicht nur die Duschwand und die Wand zur Toilette aus Glas, sondern auch die Trennwand dazwischen. Das bedeutet zudem: Bei Doppelbelegung des Zimmers und gleichzeitiger Nutzung beider Gäste von Dusche und WC hat die Person auf der Toilette freien Blick auf die duschende Person – und umgekehrt. Das könnte für Heiterkeit sorgen – günstigenfalls.

Ansonsten gibt es im Bad eine Wanne, einen schlicht-schönen Waschtisch mit satinierter Glasplatte, ein gut sortiertes Vanity Kit sowie Flakons mit Duschgel und Body Lotion der Vienna International Hotels, zu denen das andel’s gehört. Tageslicht spendet ein schönes, großes Fenster. Aber auch die Ausleuchtung am Abend – seitlich des Spiegels und von oben – ist vorbildlich. Einzige Mängel im sehr sauberen Bad: Der Kosmetikspiegel ist nicht beleuchtet und hängt viel zu tief. Und die Duschtür ist nicht ganz dicht. Außerdem hält die Dusche die Temperatur nicht konstant.
Wertung: sehr gut

Housekeeping

Die nette, mütterlich wirkende Dame vom Housekeeping trägt Hose, Polohemd und Namensschild und holt umgehend nach meinem Anruf die zu behandelnden Kleidungsstücke ab. Das Hemd wird nach 13 Minuten sauber gebügelt und in Zellophan verpackt auf einem Drahtbügel zurückgebracht, der Knopf an der Hose ist angenäht und das Beinkleid darüber hinaus sorgfältig »entfusselt«. Berechnet wird nur die Bügelleistung mit 5,10 Euro. Die Etagenwagen wirken weitgehend ordentlich, die (meisten) Mitarbeiter grüßen freundlich.
Wertung: sehr gut

Sicherheit

In puncto Sicherheit werden fast alle Kriterien erfüllt. Die Housekeeping Offices auf den Etagen sind mit Kartenschlössern gesichert, auf den Reinigungswagen liegen keine Zimmerlisten sichtbar aus. Die Reinigungskraft, die ich um Öffnung meiner Zimmertür bitte, zögert zwar einen Moment, lässt sich dann aber doch nicht erweichen, sondern schickt mich zur Rezeption. Dort erhalte ich allerdings eine Inforechnung, ohne dass man auch nur die von mir angegebene Zimmernummer mit meinem Namen abgleicht.
Wertung: gut

Front Office

Prinzipiell agieren alle Rezeptionsmitarbeiter im Kontakt mit mir zuvorkommend und hilfsbereit. Auch gibt es ein Concierge Desk, an dem der Gast diverse Auskünfte und Dienstleistungen erfragen kann. In puncto Beschwerdemanagement besteht am Front Office jedoch definitiv noch Schulungsbedarf. Grund meiner Beschwerde: Die um 16:30 Uhr telefonisch für mich am Empfang eingegangene Nachricht, dass mein Termin um 19:00 Uhr ausfällt, wird mir exakt um 19:01 Uhr von einem Pagen aufs Zimmer gebracht. Das ist definitiv ein No-Go und hätte im »Ernstfall« für Ärger sorgen können.

Mit der Souveränität der beiden Damen, bei denen ich mich direkt abends und noch einmal am nächsten Morgen beschwere, ist es nicht weit her: Beide beteuern lediglich, dass es ihnen leid tue und bestätigen mich in meiner Aussage, dass so etwas nicht passieren dürfe. Keine kommt jedoch auf die Idee, sich um eine umgehende Kompensation für mich zu bemühen. Auch im Nachhinein erreicht mich keine Entschuldigung des Managements. Das ist dürftig.

Dem Gast, der im Hotel arbeiten muss und entsprechendes Equipment braucht, steht ein komplett ausgestattetes, schickes Business Center zur Verfügung. Seine Nutzung wie auch der Internetzugang sind kostenfrei, und auch der Ausdruck von Dokumenten wird erst ab zehn Seiten berechnet. Das versöhnt ein wenig.
Wertung: befriedigend

»a.lounge«

Im andel’s spielt man gern mit dem Anfangsbuchstaben, und so wird auch der Executive Lounge ein neckisches »a.« vorangestellt. Wer ein Zimmer auf den Executive Etagen oder für 30 Euro Aufpreis die Nutzung dieser Lounge bucht, erhält Zugang zu einem sehr angenehmen, lichtdurchfluteten Aufenthaltsbereich, der über zwei Etagen geht, über eine riesige Terrasse verfügt und auch Rauchern ein Zuhause bietet. Farbenfroh, modern, aber durchaus behaglich eingerichtet, setzt sich hier das Designkonzept des Hotels fort.

Von 7 bis 23 Uhr kann der Gast in der »a.lounge« frühstücken, Heiß- und Kaltgetränke zu sich nehmen, die Cocktail Hour bei Bier, Wein und Prosecco einläuten und dabei Snacks genießen. Zeitungen, Zeitschriften und Bücher liegen aus, die iMAC-Surfstation ist frei nutzbar und neben den regulären Sky-Kanälen sind angeblich auch Blue Movies zu empfangen – fragt sich nur, wer diese hier »nutzen« soll. Alles in allem ein sehr schönes Zusatzangebot.

Von der »exklusiven Betreuung durch das erfahrene Guest Relation Team« bemerke ich allerdings bei keinem meiner Besuche etwas. Nie ist jemand vom Personal anwesend – allerdings auch kein Gast. Die Getränke stehen dennoch zur Selbstbedienung bereit.
Auf einem PC, den ich versehentlich für die Surfstation gehalten habe, ist das Hotelprogramm noch geöffnet. Ich habe freien Zugang zu den Belegungsforecasts und -statistiken, zu Zimmer- und Gruppenpreisen und weiß jetzt auch, wie viele Gäste-Pkws wann in der hauseigenen Tiefgarage demoliert wurden. Mich amüsiert dies – das Hotelmanagement sicherlich weniger.
Wertung: peinlich

Öffentliche Bereiche

Bei den Treppenhäusern handelt es sich um reine Fluchttreppenhäuser. Sinnvollerweise wird an den Türen darauf hingewiesen, dass der Gast das Treppenhaus erst wieder im Erdgeschoss verlassen kann. Die Flure sind lang und verwirrend gleichförmig in Schwarz-Grau-Weiß-Gelb gehalten. Der schmutzempfindliche Teppichboden präsentiert sich gut gesaugt. Auch die sonstigen öffentlichen Bereiche samt Toiletten sind sehr gut gepflegt und instand gehalten. Als es schneit, versuchen zwei Mitarbeiterinnen ebenso pausen- wie erfolglos, den weißen(!) Fußboden der Lobby mit ihren Wischmopps sauber zu halten.
Wertung: sehr gut

Sauna / Fitness

Wie ein roter – oder bunter – Faden zieht sich das innenarchitektonische Farbkonzept durch alle Bereiche des Hotels. Das macht Spaß und gute Laune, denn die Farbtupfer werden selten gebündelt, sondern meistens nur als Varianten eines Farbtons eingesetzt. So auch im attraktiven Spa- und Wellnessbereich des andel’s. Apfelgrün setzt hier einen frischen Akzent in das sich wiederholende Grau und Weiß und passt sehr gut zum Thema.

Aus der Finnischen Sauna kann man schön über die Stadt gucken, außerdem gibt es eine Biosauna, ein Dampfbad und einen Whirlpool. Alles sehr gepflegt. Das gilt auch für den dezent gestalteten Ruheraum mit seinen bequemen Liegen, wo Decken und Zeitschriften bereit liegen. Der nette und aufmerksame junge Mann von der Spa-Rezeption, der auch für die Vergabe von Handtüchern und Massageterminen zuständig ist, bringt mir gern auch ein erfrischendes Kaltgetränk (Kombucha) hierher.

Der Fitnessraum hat viel Platz, große Fens­ter und eine sehr gute Auswahl hochklassiger Cardio- und Muskeltrainer. Wasser, Handtücher, Fernseher: Alles ist vorhanden und rund um die Uhr nutzbar. Einen Termin für eine Rückenmassage bekomme ich auch noch bei meiner Anreise am Mittag. Nur die Tatsache, dass einer der beiden in die Liege integrierten Lautsprecher defekt ist und die Entspannungsmusik mich daher einseitig berieselt, stört mein Wohlgefühl ein klitze-kleines bisschen. Ansonsten bin ich nicht nur von der Massage, sondern auch von diesem ebenso ansprechenden wie gepflegten Spa-Bereich schlichtweg begeistert.
Wertung: ausgezeichnet

19:40 · Restaurant »a.choice«

Das Gastronomiekonzept des drei Jahre alten andel’s scheint noch in der Testphase zu sein. Spricht die mir zugesandte Broschüre noch von österreichischen Süßspeisen in »Oscar’s Brasserie«, finde ich dort am Mittag ein italienisches Bistro mit einer sehr bescheidenen Speisenauswahl vor. Wie mir die aufgeschlossene Servicemitarbeiterin berichtet, habe man es zuvor auch schon erfolglos mit einer Raucherlounge und einer Sportsbar versucht. Der Italiener solle nun aber bleiben und eine ordentliche Küche gebaut werden, damit man auch eine entsprechende Speisenauswahl anbieten könne. Das sei nötig, denn das andere Restaurant im Hotel sei wirklich »sehr gehoben«…was die mindestens genauso gehobenen Augenbrauen der Mitarbeiterin eindringlich unterstreichen. Folglich bin ich sehr gespannt auf das Abendessen.

Am Eingang zum »a.choice« im ersten Stock des Hotels begrüßt mich der italienisch-stämmige Restaurantleiter Herr C. und geleitet mich zu meinem Platz. Der leicht gerundete Raum ist in gedämpftes Licht getaucht, die Fenster gehen zum ruhigen Innenhof, Raumteiler aus dunklen Rahmen mit horizontal gespannten Schnüren sorgen für eine angenehme Raumgliederung bei höchstmöglicher Transparenz. Das Farbkonzept: Schwarz-Grau-Weiß mit etwas warmem Beige und Variationen von Grün. Eine frische und dennoch anheimelnde Atmosphäre.

Auf dem weiß eingedeckten Tisch befindet sich neben einem kleinen Tulpenstrauß in grüner Vase und einem Teelicht in grünem Glas ein grüner Platzteller mit grauer(!), sorgfältig gestärkter Serviette. Außerdem sind eingedeckt: ein formschöner Brotteller mit Messer, ein ebenfalls formschöner Salz­streuer aus weißem Porzellan, ein Weißwein- und ein grünes Wasserglas. Besteck wird jeweils einzeln zu den Gängen eingedeckt.

Noch vor der Speisekarte erhalte ich zu meinem Glas Champagner eine ebenso dekorative wie originelle »Aperitifbegleitung«: auf einer Platte winzige Tramezzini mit Ananas-Gelee, ein überraschend scharfes Ananas-Kompott, essbares Schinkenpapier und ein Miniglas Kirschsaft. Herr C. erläutert mir das Prinzip der Speisekarte. Hier finden sich ein sechsgängiges Gourmetmenü (91 Euro), ein viergängiges vegetarisches Menü (49 Euro), ein Amuse-Bouche-Menü, wahlweise mit elf, acht oder sechs Gängen zu haben (91, 75  oder 65 Euro), sowie eine kleine, feine A-la-Carte-Auswahl. Ab sieben Personen akzeptiert der Küchenchef nur ein einheitliches Menü am Tisch.

Im Trend (oder auch schon wieder nicht mehr) liegt es, die Speisen nur mit ihren Ingredienzien zu listen, also beispielsweise »Pilgermuschel, Rübchen, Macaron, geräucherte Entenstopfleber, Schweineohr, Pekannuss«. Da heißt es raten, fragen oder sich überraschen lassen. Entenstopfleber ist aber aus, erfahre ich, ebenso Wachtel. Ich bestelle die Pilgermuschel als Vorspeise (21 Euro) und zum Hauptgang »Short Ribs 48h vom Uckermärker Rind, Pastinake, Mixed Pickles, weißer und schwarzer Knoblauch«. Um es abzukürzen: Vor der Vorspeise gibt es noch zwei weitere, ausgezeichnete Amuse Gueules, die beiden bestellten Speisen sind traumhaft schön angerichtet und ein Aromen-Fest für den Gaumen, die beiden von Herrn C. empfohlenen offenen Weine (beide Österreicher) passen perfekt dazu – die Mahlzeit entpuppt sich also als ein absoluter Hochgenuss.

Kleine Abstriche gibt es allenfalls bei der wenig originellen Käseauswahl und beim einfachen, nicht einmal warmen »Gourmetbrötchen« vorab (Servicekraft Frau S. auf meine Frage, was daran »Gourmet« sei: »Die sind mit ganz viel Liebe gebacken«). Anzuregen wäre außerdem, die Portionsgrößen der A-la-Carte Gerichte deutlich über Amuse Bouche-Maß anzusetzen; satt werden ist sonst illusorisch.

Zweimal kommt der ambitionierte junge Küchenchef Sascha Friedrichs an meinen Tisch, um eine Frage zu beantworten und um sich zu erkundigen, wie es geschmeckt habe. Dass er anwesend ist, entnahm ich jedoch schon zuvor seinem mehrmals lautstark aus der Küche tönenden Gebrüll nach »Service!«
Wertung: sehr gut

21:45 · Sky Bar

Die Sky Bar im 14. Stock des andel’s ist ein Kracher und rammelvoll, als ich sie betrete. Die rundum raumhohe Verglasung öffnet den Blick auf ein nächtliches Lichtermeer weit über den Funkturm am Alexanderplatz hinaus bis zum Horizont. Kein Wunder, dass die Bar auch viel Publikum von außerhalb anzieht, zumal donnerstags regelmäßig eine attraktive DJane auflegt. Atmosphäre und Stimmung sind gut, der Geräuschpegel ist hoch, und der allein reisende Businessgast findet hier schnell Kontakt, wenn er das will. Das Barkeeperteam hat reichlich zu tun und arbeitet effizient, aber trotzdem bleibt Zeit für ein kurzes Gespräch über den Tresen hinweg.

Sbwohl die Barkarte eine große Auswahl an »House-Cocktails« bietet und der von mir ausgewählte »Pretty in Pink« preisgekrönt ist, entspricht er nicht ganz meinem Geschmack. Dass ich den Drink zurückgehen lasse und stattdessen eine Margarita bestelle, scheint mir der Barkeeper krumm zu nehmen. Die Margarita kommt ultrastark und ohne Dekoration. Auf dem Tresen stehen Schälchen mit einer stark gewürzten Nussmischung. Einen Löffel gibt es dazu nicht.
Wertung: gut

Freitag 03/02, 08:10 · Frühstück

Der Weckruf erfolgt pünktlich, aber per Computerstimme, die mich anweist: »Bitte aufstehen!« Bei meinem Besuch erscheine ich zur Hauptfrühstückszeit, in der nahezu jeder Tisch besetzt ist. Je nach Bedarf werden unterschiedlich viele der zusammenhängenden Räume geöffnet. Später erzählt mir der freundliche Kellner stolz, dass bis zu 1000 Gäste bei Vollbelegung im andel’s zum Frühstück erscheinen. Dies bringt die Ser­vice-Mannschaft aber keineswegs aus der Ruhe. Zügig und umsichtig agieren alle Mitarbeiter, die ich von meinem Platz aus beobachten kann, fragen freundlich nach Getränkewünschen, räumen verlassene Tische ab und decken neu ein. Nur mit dem Zwischendurch-Schmutziges-Geschirr-Abräumen an besetzten Tischen hat man es anscheinend nicht so.

Das ist ein bisschen schade, weil die Tische nicht allzu groß sind und weil leere Gläser, gebrauchte Müslischalen, benutzte Eierbecher etc. einfach stören. Mit Übersicht und Aufmerksamkeit hingegen füllen dienstbare Geister aus der Küche ständig das Buffet auf, sodass es an keiner Stelle und zu keinem Zeitpunkt zu Engpässen kommt.

Was Speisen und Getränke anbelangt, so finden sich hier keinerlei Überraschungen, aber das meiste von dem, was ein ordentliches Vier-Sterne-Frühstück beinhalten sollte, ist vorhanden: Eine gute Auswahl an Wurst, Schinken und Käse, einige Salate und Fischangebote, Tomaten und Gurken, diverse Marmeladen, verschiedene Joghurts und eine Auswahl an Cerealien samt Nüssen, Kernen und Trockenobst. Positiv ist die gute Qualität des frisch zubereiteten Bircher-Müslis zu bewerten, ebenso wie die Tatsache, dass neben dem Obstsalat aus dem großen Eimer, bei dem alle Früchte gleich schmecken, auch ein Korb mit frischem Obst bereit steht. Ernährungsbewusste Gäste werden sich über fettarme Milch, Geflügelwurst und fettreduzierte Butter freuen. Diabetiker suchen allerdings umsonst nach Diätmarmelade; Quark und Kräuterquark fehlen ebenfalls, und Liebhaber warmer Frühstücksspeisen überkommt bei der sehr überschaubaren Offerte von Rührei, gekochten Eiern, Speck und Würstchen das große Gähnen. Man muss der Fairness halber aber erwähnen, dass das Frühstück im Zimmerpreis inkludiert ist und mit nur sieben Euro auf der Rechnung ausgewiesen wird.

Die Säfte aus den Dispensern sind von akzeptabler Qualität, Wasser steht ebenso bereit wie frische Zitrone und Kandiszucker am Teebuffet. Normaler Kaffee wird in Kannen an die Tische gebracht, aber auch Milchkaffee oder Latte Macchiato ohne Aufpreis serviert. Kritisch anzumerken ist, dass die angemachten Salate, zu denen so wärmeempfindliche wie Eier- und Fleischsalat gehören, ungekühlt auf dem Buffet stehen. Neben einem Sortiment an kleinen Brötchen sowie dem obligatorischen Toast- und Knäckebrot gibt es nur zwei Sorten Brot zum Selbstabschneiden. Dafür ist das Angebot an süßen Teilchen erstaunlich vielseitig.

Trotz des hohen Geräuschpegels ist die Atmosphäre im Frühstücksrestaurant angenehm, wozu auch die frischen Farbakzente und die hübsch eingedeckten Tische beitragen. Am Eingang zum Restaurant, wo eine freundliche junge Mitarbeiterin Zimmernummern erfragt und abhakt, liegen Tageszeitungen zum Ausleihen bereit.
Wertung: gut

10:40 · Persönliche Bankettanfrage

Nur fünf Minuten muss ich warten, nachdem ich an der Rezeption um eine Führung durch die Tagungsräume gebeten habe. Dann erscheint schon die adrette, junge Frau T., komplett ausgerüstet mit Visitenkarte, Bankettmappe und sogar einer Sammlung großformatiger Fotos aus dem andel’s: »Falls Sie unser Haus als Veranstaltungsort präsentieren möchten.« Das nenne ich mitgedacht!

Ebenso engagiert führt mich die Convention Sales Assistant durch Ballsaal und Tagungsräume und scheut auch nicht davor zurück, mit mir im Personal- und Lastenaufzug nach oben ins Sky Café und in die Sky Bar zu fahren, da diese noch nicht geöffnet und so mit dem normalen Fahrstuhl auch nicht zu erreichen sind. Frau T. ist aber so stolz auf diese Räumlichkeiten, dass sie sie mir unbedingt zeigen möchte. Wir drehen also eine sehr informative Runde, während der mich die junge Frau auch ansatzweise zu den von mir zu planenden Veranstaltungen befragt. Dass sie hier nicht noch etwas tiefer bohrt, ist wirklich das Einzige, was ihr anzukreiden ist.
Wertung: noch sehr gut

Check-out

Die Rezeptionistin, die mich strahlend fragt, ob ich gut geschlafen habe, sieht aus wie eine Schwedin, spricht wie eine Schwedin – und ist tatsächlich eine Schwedin. Sie heißt Frau E. und erkundigt sich, ob noch etwas aus der Minibar hinzukomme und ob alles auf eine Rechnung könne. Dann liest sie mir leise vom Computerbildschirm die Posten vor, die auf meiner Rechnung aufgelaufen sind. Zwar steht in diesem Moment niemand hinter mir, der mithören könnte – ansonsten wäre mir das aber ziemlich unangenehm. Besser ist in solch einem Fall das Ausdrucken einer Informationsrechnung, die der Gast »still« prüfen kann.

Die Gesamtrechnung beläuft sich auf 347,50 Euro. Erst später fällt mir auf, dass die Internetnutzung im Zimmer nicht berechnet wurde – offenbar handhabt man die noch geltende Kostenregelung bereits großzügig. Ich schneide noch einmal das Thema Nachrichtenübermittlung an, schildere den Vorfall vom Vorabend und händige Frau E. auch die schriftliche Nachricht aus. Die Mitarbeiterin entschuldigt sich und verspricht die Sache nachzuverfolgen, aber obwohl ich mich noch eine Stunde im Zimmer aufhalte, gibt es keine Reaktion mehr auf diese Beschwerde. Hilfe mit dem Gepäck bietet mir Frau E. nicht an, bedankt sich aber ausdrücklich und strahlend für meinen Besuch und wünscht mir einen schönen Tag und eine gute Heimreise.
Wertung: gut

Bilanz

Kaum zu glauben, dass ein Hotel mit 557 Zimmern und Riesen-Eventbereich als Wohlfühl-Hotel durchgeht. Dem ist aber so. Das Farb- und Designkonzept des britischen Architektenduos Jestico & Whiles ist modern und bunt, ohne kühl und aufdringlich zu sein. Die Einrichtung ist behaglich, die Farben machen gute Laune und das ganze Hotel wirkt in sich stimmig. Dazu passt auch das motivierte, junge Team, das sich offenbar stark mit seinem Haus identifiziert. Ob das ambitionierte Fine Dining-Restaurant auf Dauer seine Klientel in- und/oder außerhalb des Hotels findet, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall klafft zurzeit noch eine große Lücke zwischen den beiden Gastronomie-Outlets. Ansonsten ist das andel’s mit seiner guten Verkehrsanbindung und dem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis eine Top-Adresse für Berliner Business- oder Messegäste.

Ergebnis: 82%
Testurteil: sehr gut

100-81 sehr gut;   80-61 gut;   60-41 befriedigend;   40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend.

Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!