Politik Bundeskabinett beschließt neue Nationale Tourismusstrategie

Mit der Nationalen Tourismusstrategie soll der Standort Deutschland nachhaltig gestärkt werden.
Mit der Nationalen Tourismusstrategie soll der Standort Deutschland nachhaltig gestärkt werden. © Patrick Daxenbichler - stock.adobe.com

Die Bundesregierung will die Tourismusbranche durch Bürokratieabbau, Steuererleichterungen und flexiblere Arbeitszeitregelungen stärken. Branchenverbände begrüßen den Beschluss.

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch die neue Nationale Tourismusstrategie verabschiedet. Laut dem Strategiepapier des Bundeswirtschaftsministeriums soll die Wettbewerbsfähigkeit der Tourismuswirtschaft durch Bürokratieabbau, steuerliche Erleichterungen und Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur gestärkt werden.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga Bundesverband) begrüßt den Beschluss ausdrücklich. Präsident Guido Zöllick lobt, dass dem Tourismuskoordinator Christoph Ploß in wenigen Monaten gelungen sei, was zuvor Jahre gedauert habe: „Die Fertigstellung der Nationalen Tourismusstrategie der Bundesregierung mit konkreten Zielen binnen kurzer Zeit lässt hoffen, dass sie jetzt zügig umgesetzt wird.“

Dem pflichtet der Hotelverband Deutschland (IHA) bei. „Entscheidend ist jetzt, dass die angekündigten Maßnahmen schnell und spürbar in den Betrieben ankommen“, betont Otto Lindner, IHA-Vorsitzender.

Flexibilisierung der Arbeitszeiten

Im Zentrum der Strategie steht die dauerhafte Senkung der Umsatzsteuer auf Speisen in der Gastronomie auf sieben Prozent, die Anfang des Jahres bereits in Kraft getreten ist. Hinzu kommen verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten sowie eine schrittweise Senkung der Körperschaftssteuer ab 2028. Beim Bürokratieabbau setzt die Bundesregierung auf weniger Berichtspflichten, straffere Verfahren und Praxischecks. Eine Übererfüllung von EU-Vorgaben soll vermieden werden.

Besonders positiv bewertet der Dehoga die geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes.„Die Umstellung von der täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit schafft für Betriebe und Beschäftigte die dringend benötigte Flexibilität – gerade im People-Business Gastgewerbe mit seinen starken Nachfragespitzen“, sagt Zöllick. Zur Fachkräftegewinnung soll eine digitale „Work-and-Stay-Agentur“ eingerichtet werden, die als zentrale Ansprechpartnerin für ausländische Fachkräfte fungiert.

Auch die Vorschläge zur Digitalisierung oder zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur ließen einen klaren Fokus auf mehr Wettbewerbsfähigkeit erkennen. „Dass das Bundeskabinett sich heute gemeinschaftlich auf diese Punkte verständigt hat, ist ein wichtiges Signal zur richtigen Zeit“, unterstreicht der Dehoga-Präsident.

Tourismusstrategie: 5 wichtige Aspekte im Überblick

  • Bürokratieabbau, der im Hotelalltag wirkt: Weniger Dokumentations-, Nachweis- und Meldepflichten sowie schnellere, planbare Genehmigungen und Förderprozesse, insbesondere für Investitionen, Modernisierungen und Umnutzungen.
  • Erreichbarkeit Deutschlands als Wettbewerbsfaktor: Stärkung der internationalen und nationalen Anbindung (Schiene, Luftverkehr, „letzte Meile“) sowie beschleunigte und digitalisierte Visaverfahren als unmittelbarer Hebel für Incoming und Mice.
  • Fachkräfte sichern und Arbeitszeit praktikabel gestalten: Mehr Flexibilität im Rahmen des EU-Rechts, wirksame Anreize für zusätzliche Stunden sowie deutlich schnellere, digital unterstützte Verfahren bei Fachkräftezuwanderung und Anerkennung.
  • Digitalisierung und KI in die Breite bringen: Niedrigschwellige KMU-Unterstützung für Cybersicherheit, digitale Standards und praxisnahe KI-Anwendungen mit dem Ziel, Prozesse zu vereinfachen, Produktivität zu steigern und das Gästeerlebnis zu verbessern (z. B. digitaler Check-in).
  • Nachhaltigkeit als Investitionsagenda gestalten: Förderung muss KMU-tauglich sein. Einfacher Zugang, realistische Nachweise und planbare Laufzeiten, damit Hotels in Energieeffizienz, Klimaanpassung, Barrierefreiheit und Infrastruktur investieren können, ohne zusätzliche Überlastung

Quelle: Hotelverband Deutschland (IHA)

DTV: „Grundlage für touristische Angebote“

Der Deutsche Tourismusverband (DTV) begrüßt den Fokus auf leistungsfähige Infrastruktur. „Wenn Busse, Bahnen und Fähren nicht fahren, bleiben die Gäste aus. Leistungsfähige Verbindungen zum Reiseziel und vor Ort sind für die Tourismusentwicklung entscheidend“, betont Präsident Reinhard Meyer. Mit der Strategie werde „die Grundlage für eine nachhaltige Qualität der touristischen Angebote geschaffen.“  

Neben Investitionen in das Schienen-, Straßen- und Wasserstraßennetz sehe die Strategie zusätzliche Förderungen der Rad- und Wanderwege, der Ladeinfrastruktur sowie der Barrierefreiheit vor. Insgesamt ist ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro für Infrastruktur und Klimaneutralität veranschlagt.

Die Ziele müssten nun im neuen "Tourismuspolitischen Forum" in konkrete Maßnahmen überführt und vom Bund finanziell abgesichert werden, mahnt Meyer. Der Verband wolle dabei auch über eine sichere finanzielle Basis des öffentlich geförderten Tourismus sprechen, die insbesondere bei den Kommunen zunehmend unter Druck gerate.

BTW sieht Forderungen erfüllt

Auch der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) reagiert zustimmend. BTW-Präsident Sören Hartmann lobt den wirtschaftspolitischen Fokus der Strategie und betont, die Bundesregierung bekenne sich damit zum gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Wert der Branche.

Die Themen, die der BTW gefordert habe, fänden sich in dem Papier wieder – vom Bürokratieabbau über den geplanten Visaturbo mit maximal acht Wochen Bearbeitungsdauer bis zum klaren Bekenntnis zur Pauschalreise. Bei der Umsetzung der novellierten EU-Pauschalreiserichtlinie soll es keine weiteren Verschärfungen geben. Außerdem soll der Luftverkehr entlastet werden. „Diese und weitere gesetzte Themen zeigen, dass die Strategie die Branche in ihrer gesamten Breite sieht und berücksichtigt“, so der BTW-Präsident. „Das ist für uns als Dachverband dieser vielfältigen Tourismuswirtschaft essenziell.“

DZG sieht Ergänzungsbedarf

Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) bewertet den Vorstoß des Bundeskabinetts grundsätzlich positiv, sieht jedoch weiterhin Nachbesserungsbedarf. In einigen Teilen handele es sich um eine Bündelung bereits laufender oder ohnehin geplanter Vorhaben, bei denen der Tourismus mitgedacht werde, ohne selbst klarer Treiber politischer Initiativen zu sein. Ein übergeordnetes Zukunftsbild fehle bislang und müsse im weiteren Prozess schnellstmöglich entwickelt werden. „Die aktive Unterstützung der Gastwelt und ihrer 250.000 Unternehmen darf nicht mit dem Kabinettsbeschluss enden“, so Marcel Klinge, Vorstandsvorsitzender der Denkfabrik.

Auch das angekündigte „Tourismuspolitische Forum“ auf Bundesebene sieht die Denkfabrik mit klaren Erwartungen. Entscheidend sei, wie verbindlich es ausgestaltet werde und ob es tatsächlich in politische Entscheidungsprozesse eingebunden werde. Ohne klare Aufgaben und politische Andockpunkte bestehe die Gefahr, dass das Gremium hinter seinem Anspruch zurückbleibe. Ähnlich sei in der vergangenen Wahlperiode mit der „Nationalen Plattform Zukunft des Tourismus“ passiert. Das dürfe sich angeschts der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Sitation nicht wiederholen.

Unter dem Strich zieht die DZG ein positives Fazit: Die Nationale Tourismusstrategie sei ein guter und notwendiger Start, der politische Aufmerksamkeit und Struktur schaffe. Als echte Zukunftsstrategie müsse sie jedoch weiterentwickelt werden. red/sar