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StartHotel+TechnikBuilding Information Modeling::3-D-Visionen für Um- und Neubau

Building Information Modeling3-D-Visionen für Um- und Neubau

Sich einen Neu- oder Umbau schon in der Planungsphase perfekt in allen Einzelheiten vorstellen zu können und kritische Punkte schnell zu entdecken: Das und vieles mehr macht BIM möglich, das sogenannte Building Information Modeling, eine digitale Arbeitsmethode, mit der relevante Bauwerksdaten erfasst und fotorealistische virtuelle Gebäudezwillinge erstellt werden.

Technisch, so scheint es, sind beim Bau heute kaum noch Grenzen gesetzt. Da werden Drohnen zur Gelände- und 3D-Laserscanner zur Bestandsgebäudevermessung eingesetzt. „Wir erhalten 360-Grad-Panoramen von jedem Raum, wissen, wo sich jede Leuchte, jede Steckdose und jeder Heizkörper befindet. Das wiederum sind perfekte Ausgangsdaten, um mit BIM zu arbeiten und die Planung perfekt an den Bestand anzupassen“, erläutert Emanuel Homann, Executive Partner der Homann Architects mit Stammsitz in Brilon, die bereits seit 2008 bei ihren Projekten auf weitestmögliche Digitalisierung setzen.

Homann, der das Architekturbüro mit seinem Vater führt, während Mutter und Schwester den Ferienhof Homann im Sauerland betreiben und Gastgebererfahrung beisteuern, hat sogar seine Baurechts-Masterarbeit über BIM geschrieben. Ist das jetzt eine Trockenbau-, Mauerwerks- oder gar Brandschutzwand? Wer kennt die Fragen nicht, die sich im Bestand stellen und die oftmals aufgrund schlecht gepflegter Unterlagen oder überbordender Aktenordner nur mühsam und damit zeit- und kostenintensiv zu klären sind. BIM wirkt indirekt auf diese Thematik ein: „Das Verständnis von Professionalität wird größer“, bemerkt Homann. Wird das BIM-Modell permanent gepflegt, lässt sich jede noch so kleine Baumaßnahme zurückverfolgen und auch der Ursprungszustand virtuell einsehen.

Effizientere und genauere Kommunikation

Building Information Modeling, kurz BIM, bedeutet, dass alle relevanten Bauwerksdaten mithilfe von Software erfasst werden. Im Idealfall sind in diesen Prozess nicht nur die Architekten, sondern auch die Fachplaner eingebunden, werden Architektur-, Statik-, TGA-, Elektro-, Innenarchitektur- und weitere Modelle quasi übereinandergelegt. Die systemische Kollisionsprüfung hilft, Überschneidungen der Gewerke zu vermeiden.

Kostenpläne, Materialmengen, Terminpläne, Simulationen des Bauablaufs, Soll-Ist-Vergleich – das alles lässt sich aus dem Datenmodell ableiten. Planungs- und Baubesprechungen können interaktiv stattfinden und wichtige Punkte direkt am Bildschirm geklärt werden. Jeder, der mit dem Bau beschäftigt ist, hat denselben Informationsstand und weiß, was der jeweils andere Beteiligte tut und wann er es tut. „Die Arbeit mit BIM hilft uns, strukturierter zu planen und den Austausch zwischen allen Projektbeteiligten zu koordinieren“, sagt Frank Dittel, Geschäftsführer der DIA – Dittel Architekten aus Stuttgart.

Kritische Diskussionspunkte verlagern sich zeitlich nach vorn und Fehler werden frühzeitiger entdeckt“, lautet die Erfahrung von Michael Fiedler, Architekt und zertifizierter BIM-Modeler bei Kruse Architekten in Kiel, die unter anderem Gründungsmitglied des „BIM-Cluster Kiel“ sind. Kruse Architekten haben den Hotelneubau des Slow Down Hotels in Travemünde 2018 bis 2020 per BIM begleitet.

„Wir waren für die Ausführungsplanung ab Leistungsphase 5 verantwortlich. Die Entwurfsplanung erhielten wir noch klassisch als 2D-Papierplan. Wir haben die Fachplaner mit ins Boot geholt. Da es nicht vertraglich geschuldet war, konnten alle Beteiligten ohne Druck wertvolle BIM-Erfahrungen sammeln und die Werkzeuge kennenlernen.“

Denn natürlich gibt es auch Herausforderungen. „Bereits beim Anlegen der Datei muss präzise und ordentlich gearbeitet werden“, betont Frank Dittel. Da es bisher keinen einheitlichen Datenstandard gibt, muss zudem der Datenaustausch gut und klar geregelt werden. „Es gibt noch Schnittstellenprobleme zwischen den verschiedenen Programmen, die nicht immer reibungslos miteinander harmonieren“, weiß Eva Holdenried, Geschäftsführerin der Stereoraum Architekten aus Wörrstadt, die BIM bereits seit der Bürogründung 2009 konsequent einsetzen.

Grundsätzlich unterscheiden sich die Verfahren Closed BIM und Open BIM. Bei Closed BIM arbeiten alle Beteiligten mit derselben Software, was naturgemäß einfacher, aber eher selten der Fall ist. Open BIM steht für die softwareübergreifende Planung, bei der die Austauschformate richtig verknüpft werden müssen.

Zugang über BIM-Viewer

Für Bauherrinnen und Bauherren, in diesem Fall Hoteliers, ist es im Regelfall einfach. Sie erhalten Zugang über den sogenannten BIM-Viewer, einen Link, über den sie das Modell öffnen und auch Kommentare einfügen können. „Die 3D-Visualisierungen sind sehr hilf- reich, denn vielen fällt es schwer, klassische Grundrisse und Ansichten ‚zu lesen‘. Dafür braucht es viel Vorstellungskraft. Wir merken, dass es dank der BIM-Modelle, die ja quasi richtig ‚durchlaufen‘ werden können, immer wieder Aha-Momente gibt, Entscheidungen sich leichter treffen lassen und auch für die Auftraggeber Änderungsbedarf viel besser sichtbar wird“, berichtet Eva Hol- denried.

Die Stereoraum Architekten haben unter anderem den Erweiterungsneubau des Weinhotels Wasem 2016/17 in Ingelheim am Rhein per BIM geplant. „Ich halte BIM für sehr wertvoll für die Hotellerie, da die Projekte in der Regel einen hohen Technikanteil aufweisen. Je mehr Technik, desto sinnvoller ist der Einsatz von BIM“, so die Fachfrau, die bedauert, dass „viele Fachplaner leider noch nicht so weit sind“.

Denn Holdenried hält BIM für die Planungsmethode der Zukunft, weshalb sich die Stereoraum Architekten auch im „BIM Cluster Rheinland-Pfalz“ engagieren und Informationsveranstaltungen organisieren. Emanuel Homann, der meist auch anschauliche 3D-Druck-Modelle anfertigt, sieht den BIM-Nutzen insbesondere auch für Hotelketten, „die einen hohen Replikationsfaktor haben“.

Homann Architects sind unter anderem für die B&B Hotels sowie Center Parcs tätig. „Oftmals sind die Anforderungsprofile bei den Projekten sehr ähnlich, mitunter schwankt nur die Zimmeranzahl, während Einrichtung und Technik identisch sind. Mittels BIM lassen sich Neu- und Umbauten dann sehr effizient konfigurieren und multiplizieren. Planungsprozesse beschleunigen sich da – durch erheblich.“ Hoher Nutzen im laufenden Betrieb „Phantastische Möglichkeiten“ eröffne BIM darüber hinaus im laufenden Betrieb, was aus Hoteliersicht allerdings die Anschaffung einer eigenen Software voraussetzt. In den digitalen Gebäude-Zwilling lassen sich beispielsweise auch Wartungsintervalle für technische Komponenten wie Fahrstühle und Heizungen, Spezifikationen der Lüftungsanlagen oder Pflegeanleitungen der Böden eingeben.

Das erleichtert das Facility Management. Und wenn nach 20 Jahren eine Bodensanierung an – steht, ist der im Gebäude vorhandene Bodenaufbau in der digitalen Planung ersichtlich. „Generell sollten die Modelle wie eine Datenbank permanent weiter gepflegt werden“, so die Empfehlung von BIM-Experte Michael Fiedler.

Stefanie Hütz

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