Anzeige
Anzeige
Anzeige
StartHotel+TechnikInterior DesignHotellerie::18 Tipps für barrierefreies Bauen

Hotellerie18 Tipps für barrierefreies Bauen

Barrierefreie Zimmer können zu den Bestsellern eines Hotels werden. Weil das, was sie im  Idealfall bieten, allen Menschen zugutekommt. Mit ihrem Plädoyer für mehr Engagement in dieser Richtung verbindet Kornelia Grundmann, Architektin und beeidigte Sachverständige für barrierefreies Bauen, konkrete Gestaltungsempfehlungen. Sie weiß, wovon sie spricht.

„Reisen war unser Leben“, sagt Kornelia Grundmann in Bezug auf ihren Mann, ebenfalls Architekt, und sich selbst. 2001 jedoch konnte sie von einer Sekunde auf die andere keinen Schritt mehr vor den anderen setzen. Multiple Sklerose machte die agile Frau, die aus einer Bauunternehmerfamilie stammt und immer selbstständig war, zur Rollstuhlnutzerin. Sie stellte fest, dass es von nun an durchschnittlich drei Tage dauerte, bis sie Hotels recherchiert hatte, die ihren Bedürfnissen gerecht werden. „Wer, wenn nicht ich?“, lautete ihre Reaktion, die zur Gründung von Gabana führte, der Agentur für Barrierefreiheit.

Spezialisiertes Angebot

Das Wort Gabana setzt sich aus den ersten Buchstaben der Worte ganzheitlich, barrierefrei und nachhaltig zusammen. Mit ihrem spezialisierten Angebot stehen Kornelia und Ralf Grundmann Bauherren aus Hotellerie sowie Gastronomie beziehungsweise deren planenden Architekten beratend zur Seite, und das „je früher, desto besser. Die Beratung durch einen Sachverständigen stellt sicher, dass die Maßnahmen wirklich den Bedürfnissen der Zielgruppe und zudem dem jeweiligen Baurecht entsprechen. Schließlich gilt es, die national wie regional unterschiedlichen Gesetze und ebenso Förderprogramme zu kennen sowie korrekt anzuwenden“. Auch für Tourismusverbände, die Baubranche und Privatpersonen ist Gabana mit Sitz im österreichischen Elmau tätig.

Potenzial wird unterschätzt

„Für die paar Betroffenen?“ – das fragte einst ein Hotelier Kornelia Grundmann, die genau hier einen der neuralgischen Punkte sieht. „Das Potenzial wird fehleingeschätzt, da allzu häufig bei Barrierefreiheit nur an Menschen mit Behinderungen gedacht wird.“ In einer Studie des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie wird es hingegen so auf den Punkt gebracht: „Für zehn Prozent der Bevölkerung ist Barrierefreiheit absolut unentbehrlich, für 30 bis 40 Prozent ist sie notwendig, und für 100 Prozent der Gesellschaft ist eine barrierefreie Umgebung komfortabel und ein Qualitätsmerkmal.“ Denn: Auch Kinder stolpern über Schwellen. Von einer zunehmend älter werdenden Bevölkerung ganz zu schweigen.

Einige Zahlen: Mehr als 18 Millionen Menschen in Deutschland sind über
65 Jahre alt. 41 Millionen sind Brillenträger. 3,7 Millionen tragen ein Hörgerät. 1,6 Millionen sind Rollstuhlnutzer. „Meistens ist die Person mit Mobilitätseinschränkung ausschlaggebend für die Entscheidung, wohin eine ganze Gruppe reist, wo sie Essen geht oder eine Feier veranstaltet“, macht die Sachverständige deutlich.

Und ergänzt: „Gäste mit Handicaps bleiben häufig länger an einer Urlaubsdestination als andere. Ihre täglichen Ausgaben liegen über dem Durchschnitt. Wenn sie von einem Angebot überzeugt sind, werden sie meist treue Stammgäste. Zudem sind die Nebensaisons ihre bevorzugte Reisezeit.“ Grundmann empfiehlt daher: „Neubauten sollten grundsätzlich barrierefrei realisiert werden. Die Mehrkosten im Neubau sind überschaubar und liegen laut Grundmanns Erfahrung bei rund zwei bis drei Prozent. Bei Umbauten im Bestand raten wir – soweit möglich –, mindestens zehn Prozent der Zimmer barrierefrei zu gestalten. Und zwar mit Style und Komfort, denn auch das ist ein Vorurteil, dass sich Barrierefreiheit und Ästhetik ausschließen.“

Top-Tipps zur Barrierefreiheit

  • Barrierefreie Parkplätze sollten 3,50 Meter breit sein und sich so nah wie möglich am Haupteingang beziehungsweise am Zugang zur Rezeption befinden.
  • Bewegungsmelder sollten die Höhe von Rollstuhlnutzern (und Kindern) berücksichtigen.
  • Alle Wege sollten mindestens 1,50 Meter breit und hindernisfrei sein, Rampen maximal sechs Prozent Gefälle haben.
  • Kontrastreiche markante Gestaltungen und taktile Leitsysteme erleichtern hochgradig seheingeschränkten Gästen die Orientierung.
  • Bodenbeläge müssen gut berollbar sein. Das bedeutet im Freien: Kieselsteine, Rasengitter oder Kopfsteingitter sind ungeeignet – und übrigens auch kein Vergnügen für Gäste, die Koffer hinter sich oder Kinderwagen vor sich herschieben. In Innenräumen sind Holzböden und Laminat erste Wahl (das wissen auch Allergiker zu schätzen).
  • Ein Highlightprodukt in puncto schwellenlose Türübergänge sind aus Sicht von Kornelia Grundmann sogenannte Magnet-Nullschwellen.
  • Der Rezeptionstisch sollte mit einem Rollstuhl unterfahrbar sein – das gilt im weiteren Verlauf für alle weiteren Tische, von Gastronomie über Schreib- bis Waschtisch.
  • Bequeme Sitzgelegenheiten mit Rücken- und Armlehnen sollten an der Rezeption sowie generell im Innen- und Außenbereich in Abständen von 50 Metern vorhanden sein.
  • Induktive Höranlagen ermöglichen störschallfreies Hören für Hörgeräteträger, ihr Einsatz ist ratsam in Rezeptionen, Restaurants, Veranstaltungsräumen und Hotelzimmern (Fernseher).
  • Die Zimmer für Gäste mit Mobilitätseinschränkungen sollten sich im Erdgeschoss oder in unmittelbarer Nähe zum Aufzug befinden.
  • Lichtschalter sollten im Hotelzimmer direkt neben den Türen in einer Griffhöhe zwischen 80 und 90 Zentimetern angebracht sein.
  • Die lichte Durchgangsbreite aller Türen in barrierefreien Zimmern beträgt mindestens 90 Zentimeter. Für das Bad werden leichtgängige Schiebe- oder Raumspartüren empfohlen. Rollstuhlnutzer benötigen eine Bewegungsfreiheit von 1,50 Metern Durchmesser – vor Kleiderschränken, auf der Betteinstiegsseite und im Bad.
  • Komfortbäder haben bodengleiche Duschen, WCs mit Sitzhöhen von 46 bis 48 Zentimetern sowie entsprechende Halterungen (es gibt auch abnehmbare Stützklappgriffe, so sind Hoteliers je nach Buchung flexibel). Im Sanitärbereich empfiehlt Grundmann eine seitliche Spülauslösung, die mittels Fernbetätigungsplatte hygienisch mit dem Ellenbogen bedient werden kann.
  • Betten mit Bodenfreiheit von 15 bis 18 Zentimetern erlauben die Unterfahrbarkeit mit Rollstuhl und Rollator. Die Oberkante der Matratze ist bei 50 bis 55 Zentimetern optimal. Besonders angenehm: elektrisch höhenverstellbare Matratzen und individuell verstellbare Kopf- bzw. Fußteile sowie Griffmöglichkeiten am Kopfteil.
  • Wichtig ist, dass die Beleuchtung vom Bett aus im Liegen zu bedienen ist.
  • Ein Vibrationskissen sowie optisch wahrnehmbare Feuermelder können für hörgeschädigte Menschen bei Brandalarm lebensrettend sein.
  • Verbindungstüren werden von Gästen geschätzt, die getrennte Schlafzimmer bevorzugen oder mit einer Betreuung reisen.
  • Last, but not least: Übersichtliche Webseiten mit dem Menüpunkt Barrierefreiheit und zuverlässigen, nachvollziehbaren Informationen sind Voraussetzung, um von der Zielgruppe überhaupt erst gefunden zu werden.

Stefanie Hütz

Newsletter-Registrierung

Topaktuell auf den Punkt gebracht!
Werktäglich berichtet der kostenlose Tophotel-Newsletter über aktuelle Ereignisse in der nationalen und internationalen Hotelwelt. Profitieren Sie von journalistisch hochwertiger Information und Inspiration für das tägliche Business.
ANMELDEN
Sie interessieren sich für Produktnews und technische Innovationen in der Hotellerie? Testen Sie auch unseren kostenfreien HOTEL+TECHNIK-Newsletter​
close-link