Brandschutzmanagement im HotelExperten für den Ernstfall

Brandschutzexperte Ulrich Jander empfiehlt Hoteliers, einmal im Jahr mit dem gesamten Team eine Räumungsübung zu organisieren. (Bild: Arbeitsmedizinischer Technischer Dienst (ASD))

Wenn im Hotel ein Feuer ausbricht, müssen Gäste und Mitarbeiter so schnell wie möglich in Sicherheit gebracht werden. Damit das reibungslos funktioniert, ist ein gut organisiertes Brandschutzmanagement nötig.

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Ein durchdachtes Brandschutzmanagement rettet im Ernstfall Leben und ist eine wichtige Ergänzung zu baulichen Maßnahmen am und im Hotelgebäude. Ulrich Jander, Sachverständiger für Brandrisikomanagement, erläutert, worauf es ankommt.

Hotel+Technik: Herr Jander, was sind die größten Brandrisiken im Hotel?

Ulrich Jander: Das größte Risiko ist ganz klar der Gast, weil er für den Hotelier unberechenbar ist. Manch einer lädt den E-Akku vom Fahrrad auf dem Zimmer auf, was einen Brand auslösen kann, der äußerst schwierig zu löschen ist. So geschehen im Sommer 2017 in einem Hotel in Waldeck. Das ging glücklicherweise glimpflich aus, lediglich der Gast, dessen Akku den Brand auslöste, erlitt leichte Verletzungen. Auslöser eines anderen Brandes waren brennende Kerzen am Boden, die ein Hotelgast für seine Liebste anzündete – plötzlich fing das Interior Feuer.

Welche Risiken gibt es noch?

Ein weiterer Risikobereich ist die Sauna. Besonders gefährlich sind spezielle Aufgüsse, zum Beispiel mit hochprozentigem Schnaps. Weitere Risikofaktoren sind technische Störungen an Geräten wie Waschmaschine oder Trockner. Ein Kurzschluss in der Unterverteilung kann auch schnell zum Brand führen. Womit sich Hoteliers künftig vermutlich stärker auseinandersetzen müssen, ist die Brandgefahr durch E-Autos in der Tiefgarage. Dort ist der Zugang für die Feuerwehr erschwert, und die Fahrzeuge können nicht auf herkömmliche Weise gelöscht werden.

Hoteliers sollten also für den Ernstfall gewappnet sein. Was wäre der erste Schritt?

Zunächst müssen in jedem Hotelbetrieb unter den Mitarbeitern Brandschutzhelfer oder Evakuierungshelfer bestimmt werden. Das schreibt die Technische Regel für Arbeitsstätten für Maßnahmen gegen Brände (ASR A2.2) in Abschnitt 6.2 vor. Ähnlich wie bei der Anzahl der Ersthelfer sollten fünf Prozent der Belegschaft diese Aufgabe wahrnehmen. Der Hotelier muss im nächsten Schritt dafür Sorge tragen, dass die Brandschutz- beziehungsweise Evakuierungshelfer ordnungsgemäß ausgebildet werden. Schulungen werden meist von Brandschutzbeauftragten der Feuerwehr oder ähnlichen Einrichtungen angeboten. Kontrolliert die Arbeitsschutzbehörde das Hotel und bemerkt, dass die Helfer keine entsprechende Schulung erhalten haben, kann sie das anmahnen und sogar mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren ahnden.

Wer eignet sich als Brandschutzbeauftragter im Hotel?

Es ist von Vorteil, wenn die Zuständigen über ein gewisses Maß an technischem Verständnis verfügen. Besonders eignen sich Mitarbeiter, die im Hotelbetrieb mit technischen Aufgaben betraut oder Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr sind. Es könnte sich außerdem lohnen, der Sicherheitsfachkraft im Hotel diese Aufgabe zusätzlich zu übertragen, ist diese doch bereits für Ähnliches zuständig. Es ist auch möglich, Externe zu beauftragen, zum Beispiel von der Feuerwehr. Es gibt aber keine Vorschriften dazu, wie oft sie im Hotel sein müssen. Die Entscheidung darüber obliegt dem Hotelier.

Wer übernimmt, wenn die Zuständigen krank oder im Urlaub sind?

Ein guter Brandschutzbeauftragter sollte auch außerhalb der Dienstzeit erreichbar sein. Für den Fall, dass er nicht vor Ort ist, empfehlen sich Absprachen innerhalb des Hotelbetriebs. Konkret könnte das bedeuten, einen Stellvertreter zu bestimmen. Grundsätzlich gibt es aber keine Vorschrift, die besagt, dass der Brandschutzbeauftragte 24 Stunden am Tag im Betrieb beziehungsweise erreichbar sein muss.

Welche Informationen oder Unterlagen sollten für die Helfer im Hotel verfügbar sein?

Da im Brandfall auch die Brandschutzbeauftragten meist mit der Situation so überfordert sind, dass sie einen Black-out haben, empfehlen sich Informationen, die im Backoffice griffbereit sind. Dazu zählt ein Notfallplan. Dieser kann von Hotelmitarbeitern, aber auch von externen Profis erarbeitet werden. Wir vom Arbeitsmedizinischen und Sicherheitstechnischen Dienst Jander GmbH haben speziell für unsere Betriebe ein sogenanntes Notfall-Orga-Board entwickelt. Das ist ähnlich wie eine Kladde aufgebaut. Darin sind alle wichtigen Notfallregeln entsprechend aufgelistet, die wir aus einer jahrelangen Erfahrung im Bereich des Risikomanagements in der Hotellerie zusammengetragen haben. Das Einzige, was für jedes Hotel individuell ergänzt werden muss, sind die Kontaktdaten und spezielle Handlungsvorgaben.

Nur ein Bruchteil der Belegschaft ist beim Brandschutzmanagement involviert. Wie können auch die anderen Mitarbeiter einbezogen werden?

Es sollten regelmäßig Notfallszenarien in unterschiedlicher Form geübt werden. Dabei sollte zum Beispiel der Umgang mit dem Feuerlöscher erklärt werden. Auch Räumungsübungen zählen dazu. Meine Empfehlung: Machen Sie diese einmal im Jahr, und zwar dann, wenn die Firma, die die Rauchmelder installiert, bei Ihnen vor Ort ist. So kann sofort gehandelt werden, sollten diese nicht ordnungsgemäß funktionieren oder an falscher Stelle angebracht sein. Am besten geeignet ist die Zeit zwischen 11 und 12 Uhr, da sich dann die wenigsten Gäste im Hotel befinden.

Welche Unterstützung gibt es bei solchen Übungen von extern?

Früher haben sich die örtlichen Feuerwehren an solchen Räumungsübungen beteiligt. Durch die dünne Personaldecke sind sie aber nur noch selten dabei. Es geht aber auch gut ohne Hilfe. Die Übungen sollen zeigen, dass alle Rauchmelder funktionieren, der Alarm hörbar ist und die Mitarbeiter ordnungsgemäß das Gebäude verlassen – dabei dürfen aber auch die Fremdfirmen wie Cleaner und Handwerker nicht vergessen werden. Auch sie sollten eine Unterweisung erhalten. Falls eine Übung ansteht, können Sie das die Gäste und Mitarbeiter im Vorfeld wissen lassen. Versicherungstechnisch sollten Hoteliers Verhaltensregeln im Brandfall für die Gäste auf eine Karte drucken lassen, die in den Zimmern ausliegt. Gäste darüber hinaus einzubeziehen macht wenig Sinn, da die Frequenz zu hoch ist. Der einzige Vorteil, wenn Gäste bei der Übung mitmachen, wäre zu erfahren, wie sie reagieren. Aber daraus lässt sich keine Blaupause ableiten.

Brandschutzexperte Ulrich Jander empfiehlt, dass Hoteliers anhand einer Checkliste selbst festlegen, zu welchem Zeitpunkt sie was überprüfen.

Interview: Mareike Knewitz

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