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StartBusiness & ManagementBranchenreaktionen: Skepsis über Hamburger "2G-Optionsmodell"

BranchenreaktionenSkepsis über Hamburger "2G-Optionsmodell"

Hamburg führt am kommenden Samstag das „2G-Optionsmodell“ ein – und ist damit als Bundesland Vorreiter. Wenn Theater, Restaurants oder Clubs wollen, dürfen sie nur Geimpfte und Genesene einlassen, keine Getesteten. Doch wie kommt das neue Modell eigentlich in den Branchen an?

Hamburg geht ab Samstag, den 28. August 2021, einen neuen Weg: Theater, Restaurants oder Konzerthäuser dürfen ihre Türen ausschließlich für Geimpfte und Genesene öffnen, wenn sie wollen – dafür sind viele Einschränkungen für die Besucher dann aufgehoben. Nach Angaben der Hamburger Gesundheitsbehörde vom Mittwoch ist der Stadtstaat das erste Bundesland, das das sogenannte „2G-Optionsmodell“ in der Corona-Pandemie in dieser Form umsetzt. „Neu ist, dass bei solchen Veranstaltungen, bei denen nur Geimpfte und Genesene teilnehmen, die Einschränkungen zu weiten Teilen fallen“, sagte ein Sprecher. Mitmachen können unter anderem Kneipen, Restaurants, Theater, Kinos, Opern und Beherbergungseinrichtungen. Ausnahmen für Schwangere und Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, soll es laut Gesundheitsbehörde nicht geben. Die Verordnung werde wohl am Freitag, den 27. August 2021, veröffentlicht.

Doch die Reaktion bei Veranstaltern und Betrieben auf das „2G-Optionsmodell“ ist zunächst überwiegend zurückhaltend. Viele beklagen ungeklärte Fragen und kritisieren, dass die Maskenpflicht in Innenräumen bei 2G weitgehend bestehen bleibt. Sie sehen zudem die Gefahr von Ausgrenzung und wollen deshalb erst einmal das 3G-Modell fortführen. Dieses bezieht Getestete und damit Ungeimpfte mit ein und unterliegt den bisherigen Einschränkungen. Einige Reaktionen aus den Branchen:

Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Hamburg

Das „2G-Optionsmodell“ stößt bei den Mitgliedern des Hamburger Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) auf ein geteiltes Echo. „Die einen begrüßen das und betrachten das als Chance“, sagte Dehoga-Landesgeschäftsführerin Ulrike von Albedyll. Die anderen sagen, damit werde auf dem Rücken der Betriebe die Impfpflicht indirekt eingeführt. Sie persönlich halte das Modell für einen Schritt Richtung Normalität. „Ich bin schon froh, dass unser vorsichtiger Bürgermeister jetzt doch einen Weg gegangen ist, der überraschend ist.“

Konzertveranstalter

Das neue Modell stößt bei der Karsten Jahnke Konzertdirektion auf Skepsis. „Wenn das die Vorschrift ist, um einen regelmäßigen Kulturbetrieb zu bekommen, ist das ein Anfang“, sagte der Sprecher des Unternehmens, Frehn Hawel, der Mopo. „Allerdings steht Hamburg ziemlich alleine da. Für uns als Tournee-Veranstalter ist das keine Grundlage, denn dafür müsste das bundesweit gelten.“

Konzerthäuser

Auch ein Sprecher von Elbphilharmonie und Laeiszhalle sieht noch viele offene Fragen. So stelle die Regelung, dass Beschäftigte, die sich mit Kunden in denselben Räumlichkeiten aufhalten, ebenfalls geimpft sein müssen, die Veranstalter „vor große operative und rechtliche Herausforderungen„. Vor einer endgültigen Entscheidung müssten die genauen Regelungen abgewartet werden. Fest stehe aber: „Die Hamburg Musik wird keine Veranstaltung, für die bereits Karten an Besucher verkauft worden sind, nachträglich unter diese Option fassen.“ Daher werde es 2G-Veranstaltungen frühestens im November geben können.

Musikclubs

Der Vorstand des Clubkombinats Hamburg sieht das neue Optionsmodell zur Eindämmung von Corona in der Hansestadt aktuell eher kritisch. Bei einer internen Umfrage sei die Hälfte der Clubs noch unentschieden gewesen, ob sie das Modell umsetzen wollten oder könnten, sagte der Vorsitzende Kai Schulz. „Vieles ist noch unklar.“ Das Clubkombinat forderte: „Wenn 2G, dann ohne Maske.“ Das Clubkombinat vertritt etwa 110 Musikspielstätten, 55 Veranstalter und ein halbes Dutzend Festivals der Hansestadt. „Nach 18 Monaten Dauer-Lockdown der Clublandschaft ist das ‚2G-Optionsmodell‘, bei allem Wunsch, wieder aktiv zu werden, jedoch ein Modell, welches uns in eine missliche Lage bringt“, sagte Schulz. Es entstehe ein Impfdruck, der mit einem Ausschluss von sozialer Teilhabe einhergehe.

Theater

Das Ohnsorg-Theater will erst einmal bei 3G bleiben. „Wenn der Staat sich scheut, eine grundsätzliche Impfpflicht einzuführen, dann sollte diese Verantwortung, Menschen zu einem bestimmten Verhalten zu verpflichten, nicht auf die Institutionen verlagert werden“, sagte Intendant Michael Lang. Aus seiner Sicht wäre es hilfreicher, die Maskenpflicht am Platz aufzuheben und bei den Sitzen das Schachbrett-Muster vorerst zu belassen. Die Komödie Winterhuder Fährhaus entschloss sich nach Angaben einer Sprecherin, vorerst an der 3G-Regel festzuhalten, um niemanden ausgrenzen.

Musicals

Der Sprecher von Stage Entertainment mit vier Musicals in der Hansestadt sagte dem Hamburger Abendblatt: „Unsere Musicals befinden sich bereits seit langer Zeit für viele Monate im Voraus im Vorverkauf. Die meisten unserer Gäste haben ihre Tickets unter anderen Voraussetzungen gekauft, das wollen und müssen wir berücksichtigen.“ Die aktuelle Entscheidung des Senats werde man in Ruhe im Detail bewerten. dpa

ETL ADHOGA „Gastrobriefing“

Kurz nachdem der Hamburger Senat das Modell beschlossen hat, sprach ETL ADHOGA-Leiter Erich Nagl im Rahmen einer neuen Ausgabe des „Gastrobriefing“ mit Kerstin Rapp-Schwan, Leiterin der Schwan Restaurants in Düsseldorf, und Dr. Uwe Schlegel, ETL Rechtsanwälte Köln. Sollten Unternehmer im Gastgewerbe beschließen, nur Geimpften und Genesenen den Zutritt zu ihren Lokalitäten zu gewähren, befinden sie sich laut Uwe Schlegel zumindest rechtlich auf der sicheren Seite.

Seiner Einschätzung nach müsste die 2G-Regelung dann aber nicht nur für Gäste, sondern auch für Mitarbeiter gelten – mit erheblichen arbeitsrechtlichen Konsequenzen: „Wenn ein Gastronom sich für 2G entscheidet, darf er niemanden beschäftigen, der nicht geimpft ist. Anders: Ein Ungeimpfter wäre dann arbeitsunfähig und verliert somit seinen Anspruch auf Arbeitsentgelt.“ Das könnte jedoch enorme Folgen für die Gastro-Branche haben. Schließlich seien die Personalsorgen laut Kerstin Rapp-Schwan derzeit ohnehin gravierend. Die Betriebe könnten es sich schlichtweg nicht leisten, ungeimpfte Mitarbeiter zu verlieren, unabhängig von der persönlichen Präferenz.

Gegen eine deutschlandweite Umsetzung des 2G-Modells führt Kerstin Rapp-Schwan unter anderem praktische Bedenken ins Feld. Vor allem die mangelhafte Kontrollierbarkeit sei problematisch. „Gastronomen sind dazu da, eine gute Zeit, eine Auszeit, zu verkaufen. Jetzt verlangen wir von Mitarbeitern, kleine Polizisten zu sein. Das ist kaum praktikabel!“

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