Krisenmanagement und Resilienz stehen im Fokus einer Fachtagung an der Hochschule München. Und die Frage: Hat die bayerische Tourismusbranche aus der Pandemie gelernt?
Die COVID-19-Pandemie gilt als beendet, aber die Folgen für die Tourismusbranche waren und sind enorm – und die neuen Krisen haben die Branche längst im Griff. Deshalb geht die Hochschule München am Donnerstag, dem 26. Oktober, in einer Fachtagung nun dem Thema „Krisenmanagement und Resilienz – hat die bayerische Tourismusbranche aus der Pandemie gelernt?“ nach. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Präsentiert werden dabei auch die Ergebnisse des dreijährigen Forschungsprojekts „COVID-19 und die bayerische Tourismusbranche – Krisenmanagement, Resilienzfaktoren und Handlungsempfehlungen“ (CoReTour), das in seinem Umfang und seiner interdisziplinärer Ausrichtung als einzigartig in der Forschungslandschaft gilt.
Wandel von Organisations- und Mitarbeiterstrukturen
„Von Hotels bis Destinationen – die letzten drei Krisenjahre haben vielerorts einen Wandel der betrieblichen Organisations- und Mitarbeiterstrukturen erzeugt“, sagt Celine Chang, Professorin für Human Resources Management an der Fakultät für Tourismus der Hochschule München. „Wir haben analysiert, welche Maßnahmen wirksam waren und welche nicht.“
Im Projektteam mit Markus Pillmayer, der die Professur für Destinationsentwicklung & Destinationsmanagement innehat, sowie der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Katrin Eberhardt wurden seit 2021 vier Resilienz-Studien mit betrieblichen, regionalen und überregionalen Perspektiven sowie Einschätzungen von Experten, Arbeitgebern und Arbeitnehmern durchgeführt.
Personal-Management als Einflussfaktor
Zu den Kernergebnissen des Forschungsprojekts zählt unter anderem, dass die Art und Weise, wie das Personal während der Pandemie gemanagt wurde, bis heute einen deutlichen Einfluss auf die organisationsbezogene Resilienz hat. So tragen eine mitarbeiterorientierte Führung und eine regelmäßige Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden wesentlich dazu bei, Mitarbeitende im Unternehmen zu halten.
Wann & wo?
Die Tagung findet am 26. Oktober 2023 von 9 bis 16.30 Uhr an der Fakultät für Tourismus der Hochschule München in der Schachenmeierstraße 35 statt. Die Teilnahme ist kostenfrei, die Teilnehmerzahl ist auf 70 begrenzt. Interessierte finden auf der Projektwebsite das komplette Programm und den Anmeldelink.
Als stärkende Resilienzfaktoren wurden zudem kostensenkende Maßnahmen beispielsweise via Kurzarbeit identifiziert, bei zugleich neuen wirksamen Digitalisierungsprozessen in der Tourismuswirtschaft.
„Speziell für die Destinationsmanagementorganisationen (DMOs) als großen Forschungsschwerpunkt haben wir als bedeutende Resilienzfaktoren die Anpassungsfähigkeit an Veränderungen und die Geschwindigkeit bei der Umsetzung von Maßnahmen herausstellen können, aber auch die Leistung der Ministerien“, so Markus Pillmayer. „Auffällig bei den DMOs selbst wiederum war, dass es proaktiv agierende gab, und welche, die ihren Leistungsträgern in der Region in der Krise keine Unterstützung boten beziehungsweise nicht in Erscheinung traten. Die Frage stellt sich hier, welchem Selbstverständnis und welcher Verantwortlichkeit DMOs in Krisenzeiten folgen und folgen sollten“, so Pillmayer.
„Lessons Learned“ im Fokus
„Auf unserer Fachtagung dreht sich alles um die ‚Lessons Learned‘ aus der Pandemie in der bayerischen Tourismusbranche“, so Celine Chang und Markus Pillmayer. „Wir präsentieren die Kernergebnisse und echte Handlungsempfehlungen. Außerdem diskutieren wir mit den Teilnehmern, inwiefern die bayerische Tourismusbranche aus der Pandemie gelernt hat.“ Eingeladen sind Praxispartner des Projekts, darunter Wolfgang Wagner von BayernTourismusMarketing, Susanne Droux vom Dehoga Bayern, Ralf Zednik von der Landeshauptstadt München, Heike Tröster vom ADAC Südbayern sowie Karl-Heinz Jungbeck vom Wirtschaftsbeirat der Union.
In Impulsverträgen werden Tourismusbetriebe und Destinationen in den drei Kernbereichen Krisenmanagement und Resilienz, Destinationsmanagement und Tourismuspolitik sowie Leadership und HR zu Wort kommen. Dazu zählen unter anderem Philipp Flamm, Geschäftsführer Hotel Kloster Holzen, Sebastian Gries, Geschäftsführer Tourismus Ostallgäu, sowie Alfons Weiß, Hoteldirektor des Hotel Bayerwaldhof.
Erstmals wird auf der Fachtagung auch eine Broschüre mit den Ergebnissen und Handlungsempfehlungen des gesamten Forschungsprojekts vorgestellt. red/brg