Booking.basic "Ärgerlich und wenig partnerschaftlich"

Die kritischen Stimmen zum Programm “Booking.basic”, bei dem die OTA Buchungen von Drittanbietern übernimmt, mehren sich. Das Revenue-Management der Betriebe werde massiv untergraben, ein strategisches Channel-Management ad absurdum geführt, warnen aktuell die HSMA und der ÖHV.

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Dass deutschen Hoteliers das Programm Booking.basic noch weitgehend unbekannt ist, offenbarte unlängst eine Mitgliederumfrage des Hotelverband Deutschland (IHA). So kannten bis zum 25. März 2019 ca. 74 Prozent der teilnehmenden Hotels die Neuentwicklung der OTA nicht – obwohl diese reichlich Zündstoff bietet. Wie die HSMA erklärt, greift Booking via “Booking.basic” auf Raten anderer Anbieter (z.B. Portale, Bettenbanken und Mittler) zu und bucht diese ein – vorausgesetzt diese Raten sind günstiger als die Booking.com Raten.
 Das Weiterreichen von Konditionen und Verfügbarkeiten an dritte Plattformen ist dabei in der Distributions/portalwelt nichts Neues. Neu ist, dass auch Booking.com sich nun dieser Praxen bedient.

Die “Booking.basic”-Raten sind mit deutlichen Restriktionen versehen: Sie müssen vom Buchenden vorab bezahlt werden und sind nicht stornierbar. Auch erhält der Reisende für die Buchung nach Informationen der HSMA keine Rechnung für die Zahlung an Booking.com.

 “Das Hotel bekommt diese Buchungen nicht via Booking.com, sondern direkt von dem jeweiligen Anbieter übermittelt. D.h. das Hotel kann nicht erkennen, dass über Booking.com gebucht wurde. 

Dies führt zu großen Verwirrungen an den Hotelrezeptionen und bei den Gästen, denn der Gast denkt, er hat seine Buchung bei Booking durchgeführt”, informiert die HSMA.

Der ÖHV vermutet, dass dass Booking.com diese neuen Angebote unter anderem dann einspielt, wenn der “Price/Quality Score” der jeweiligen Häuser unter 70 liegt und dann vor allem, wenn der Betrieb auf der eigenen Homepage bzw. anderen Kanälen günstiger anbietet als auf Booking.com.

“Booking.com geht hier einen Schritt zu weit”

Der “Expertenkreis Distribution & Revenue Management” der HSMA hat zu “Booking.basic” deutlich Stellung bezogen. Anna Heuer, Fachvorständin für Revenue Management und MICE: “Wichtig ist zu verstehen, dass nur solche Raten auftauchen können, die das Hotel auch verkauft hat und die der Gast auch selbst hätte buchen können. Somit liegt das Problem, dass so ggf. niedrigere Netto-Raten auftauchen eher bei den anderen Anbietern als bei Booking.com selbst. Ärgerlich und wenig partnerschaftlich ist, dass die Hotels von Booking.com über dieses Vorgehen mal wieder nicht informiert worden sind und inakzeptabel ist es, dass es für die Hotel keine Opt Out Möglichkeit aus dem Programm gibt.” Ihre Kollegin Marissa Friedrich sagt: “Booking.com geht hier einen Schritt zu weit und versucht in die Segmentation der Hotels einzugreifen. Eine Verteilung der Umsätze auf unterschiedliche Segmente bietet Hotels eine wirtschaftliche Absicherung.”

Auf der HSMA-Homepage hat der Verband neun Punkte herausgearbeitet, die seitens der Hotellerie als Herausforderungen in Zusammenhang mit Booking.basic zu verstehen sind.

 

 

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