Seit 25 Jahren ist Robert van Straaten Gastgeber in der Althoff Villa Belrose in Saint-Tropez. Er kennt die Eigenheiten eines Sehnsuchtsorts. Und weiß: Wahrer Luxus entsteht durch persönliche Nähe.
„Herrlich. Oder?“ Robert van Straaten strahlt, als er auf die Bucht von Saint-Tropez blickt. Viel mehr muss der General Manager der Althoff Villa Belrose nicht sagen. Vom satten Grün der Pinien schweift der Blick über das azurblaue Meer, Boote setzen weiße Farbtupfer. Dahinter schmiegen sich kleine und große Orte der Côte d’Azur an die bewaldeten Hänge des Mauren-Massivs, ganz rechts liegt Saint-Tropez. Es ist eine Aussicht, bei der auch der Besucher erst einmal innehält. Van Straaten kennt die Wirkung seiner Terrasse – und genießt sie sichtlich. „Diese Location spricht für sich“, sagt er.
Die gute Seele des Hauses
„Der kleine Niederländer“, wie er sich selbst gerne nennt, ist ein Riese. Von der Statur her – mit 1,96 Meter und 105 Kilo ein Kerl wie ein Baum –, und als Gastgeber. Van Straaten führt das kleine und feine Refugium der deutschen Hotelkollektion in Südfrankreich seit 25 Jahren sehr persönlich. Er ist das Gesicht, der Motor und die gute Seele des Hauses mit nur 39 Zimmern und Suiten. Und er verstärkt mit seinem Team den Eindruck der Gäste, den auch Ambiente und Atmosphäre vermitteln: in einer privaten Residenz und nicht in einem Hotel zu sein. Gut versorgt und bestens betreut in erholsamer Ruhe und auf Distanz zum pulsierenden Leben des berühmten Ferienorts – und in fünf Minuten mittendrin.
„Der Standort ist unser größter Vorteil“, weiß der Hotelchef. „Und wir geben alles, damit die Gäste sich wohlfühlen.“ Dabei bezieht er Thomas Althoff ein. Der Gründer der Althoff Hotels, heute Chairman of the Board, hat die florentinische Villa auf dem Hügel von Gassin in den vergangenen vier Jahren für mehrere Millionen Euro komplett renoviert und mit viel Geschmack verschönert, zuletzt das Restaurant und andere öffentliche Bereiche. Das einzige Hotel in diesem noblen Viertel ist auf einem 10.000 Quadratmeter großen Grundstück von Pinienwald umgeben und mit Palmen, Zypressen, Oleander, Rosen, Jasmin, Bananenstauden und Buchs geschmückt. Luxus wird in dem von Ende April bis Anfang Oktober geöffneten „Leading Hotel of the World“ nicht zur Schau gestellt, sondern ist selbstverständlich.
Anreisende werden zum Check-in und Willkommensdrink nach draußen geführt. Keiner setzt sich gleich hin. Alle gehen bis zum Geländer und zücken das Handy, um zu fotografieren und zu filmen. „Wenn hier jemand nicht Wow sagt und nicht begeistert ist, müssen wir härter arbeiten“, sagt Robert van Straaten zwar augenzwinkernd, aber mit ernstem Hintergrund. Der 58-Jährige bittet zum Interview ebenfalls auf die Terrasse. Er hat alles im Blick, steckt sich ab und zu eine Zigarette an und lässt das Handy nach einem flüchtigen Blick auf das Display meistens durchklingeln. Für ihn gibt es keinen schöneren Platz auf der Welt.
Stets präsent im Hotel
Robert van Straaten erinnert sich noch genau an seinen ersten Arbeitstag in Saint-Tropez. „Ich kam am 1. Januar 2001 mit meinem alten VW Golf. Das Hotel war leer, lediglich drei Mitarbeitende hielten die Stellung“, berichtet er und schiebt sofort hinterher: „Thomas Althoff bin ich noch heute dankbar, dass er mir Jungspund dieses großartige Haus anvertraut und die Möglichkeit gegeben hat, es nach meinen Vorstellungen zu leiten.“ Die Philosophie von Eigentümer und Angestelltem deckte sich freilich weitgehend. „Wenn Premium-Qualität Standard ist, kommt es auf Einzigartigkeit, individuellen Service und die persönliche Note an“, erklärt van Straaten. Ohne vornehmes Getue, versteht sich.
Der Hüne geht mit bestem Beispiel voran: immer gut gekleidet und bestens gelaunt. Er strahlt Lebensfreude aus und tritt charmant und herzlich auf. Der Vater von zwei Söhnen (15 und 11) verzichtet in der Saison auf einen freien Tag, ist abgesehen von einer Pause am Nachmittag bei der Familie in Cogolin von morgens bis spätabends präsent und sucht das Gespräch mit den Gästen. Beim ersten Kontakt agiert er noch vorsichtig. „Ich merke sofort, wenn jemand in Ruhe gelassen werden will“, sagt er.
Stammgästen gibt van Straaten das Gefühl, ein guter Freund zu sein – allen anderen zumindest ein fürsorglicher Gastgeber. Abends übernimmt er auch schon mal den Shuttle-Service und fährt Urlauber höchstpersönlich in die Stadt („da lerne ich sie noch besser kennen“). Der General Manager hält es für extrem wichtig, dass Menschen beim zweiten Besuch wiedererkannt und entsprechend angesprochen werden. In der Saison verbringe er etwa 75 Prozent der Arbeitszeit bei Gästen und Angestellten, so van Straaten.
Villa Belrose
Insgesamt 39 Zimmer und Suiten verteilen sich auf fünf Etagen, die aufgrund der verschiedenen Ebenen nicht als solche zu erkennen sind. Das Interior ist hochwertig-elegant und in warmen Farben gehalten. Das Hotel verfügt über drei gastronomische Angebote: Das Gourmet-Restaurant „Le Belrose“ bietet zwei Menüs (vier bzw. fünf Gänge für 145 und 170 Euro) und eine à-la-carte-Auswahl. Hinzu kommen das Pool-Restaurant „Le Méditerranée“ und eine kleine Karte, die in der Bar und auf der Terrasse serviert wird.
Den Gästen stehen außerdem ein 25-Meter-Schwimmbad, ein separater Pool, ein Fitnessraum, ein Beauty- und Spa-Bereich sowie ein Tagungsraum zur Verfügung. Das gesamte Angebot der Villa Belrose können auch die Gäste nutzen, die in einer der 16 von Althoff vermieteten und betreuten Privatvillen auf dem Hügel residieren. Diese Häuser verfügen über drei bis fünf Schlafzimmer und sind ab 6.000 Euro pro Tag buchbar.
Was die persönliche Note einbringt
Diese Strategie zahlt sich aus: Die Belegungsquote liegt im Schnitt bei über 80 Prozent, die Durchschnittsrate bei 1.300 Euro netto, die Aufenthaltsdauer bei durchschnittlich vier bis fünf Tagen. Im Juli und August kosten Zimmer ab 2.800 Euro pro Nacht. Nach Covid hat das Hotel den Umsatz um 15 bis 20 Prozent gesteigert. Preislich sieht van Straaten bei der internationalen Klientel weiter Luft nach oben.
Stammgäste profitieren von verschiedenen Vorteilen, weniger beim Preis als beim Mehrwert (Zahlungs- und Stornierungsmodalitäten, Wunschzimmer sowie Extras). Zu dieser immer größer werdenden Gruppe zählen gut 50 Prozent der Urlauber. Etwa 30 Prozent kommen aus Deutschland, insgesamt rund 75 Prozent aus Europa, überwiegend aus der Schweiz, aus England und den Benelux-Staaten. Seit der Pandemie werden Saint-Tropez und die Villa Belrose bei Nord- und neuerdings auch bei Südamerikanern immer beliebter. Dahinter folgt Asien. Van Straaten spricht fließend Französisch, Englisch, Niederländisch und Deutsch sowie ein bisschen Spanisch und Italienisch.
„Luxus wird leiser und zurückhaltender“
„Saint-Tropez hat einen sehr guten Mix“, sagt der GM, „kein Markt hat mehr als 20 Prozent.“ Das Hotel der deutschen Gruppe bilde eine Ausnahme. Der Anspruch an Luxus sei in Südfrankreich besonders ausgeprägt. „Ich dachte im Schlosshotel Lerbach, dass ich mich mit Luxus auskenne – und dann kam ich an die Côte d’Azur …“, erzählt der weltgewandte Mann schmunzelnd. Bei der Ausstattung hätten alle Spitzenhotels in den vergangenen Jahren „massiv aufgerüstet“ und mit Geld sei alles möglich, umso wichtiger sei die persönliche Note. „Der Luxus wird leiser und zurückhaltender; er verlagert sich vom Materiellen stärker hin zum Erlebnis“, sagt van Straaten. Dazu gehörten positive Überraschungen wie Einladungen zum Drink an der Bar oder zu einer kleinen Massage.
Worin liegt für ihn der größte Unterschied in der Luxushotellerie zwischen Frankreich und Deutschland? „Deutschland hat es nicht geschafft, angemessene Preise durchzusetzen“, sagt der Niederländer. Frankreich sei nicht so stark von Buchungsplattformen abhängig, zudem gebe es dort mehr familiengeführte Häuser. Die Herausforderungen seien in beiden Ländern ähnlich: immer höhere Kosten für Personal, Energie und Wareneinsatz sowie mehr regulatorische Vorschriften.
Im Gegensatz zu Deutschland habe sich vor allem in und um Saint-Tropez die Situation auf dem Arbeitsmarkt entspannt. In der Villa Belrose sei derzeit nur eine Stelle nicht besetzt. „Da profitieren wir natürlich enorm von der internationalen Strahlkraft des Ortes“, so van Straaten. „Aber wir müssen auch hier heute viel mehr tun als früher, um gute Fachkräfte zu bekommen“. Das Hotel hilft bei der Wohnungssuche, beteiligt sich teilweise an der Miete und stellt Mitarbeitenden bei Bedarf E-Bikes und Roller zur Verfügung.
Rekordfieber und Konkurrenz
Die Strahlkraft zeigt sich auch in den Tourismuszahlen. Saint-Tropez, lebendige Weltstadt und romantisches Fischerdorf in einem, boomt. Seit Covid ein Rekordjahr nach dem anderen. 2022 gab es 43 Prozent mehr Hotelübernachtungen als 2019; seitdem geht es weiter aufwärts. Das Tourismusbüro meldet von April bis Oktober 2025 rund 500.000 Aufenthalte und drei Millionen Übernachtungen – mehr als 2024.
„Wenn man Kopf und Herz verbindet, macht man guten Service.“
Das beschert auch den teuersten Häusern eine zunehmende Nachfrage – und den Gästen sündhaft hohe Preise. Die Villa Belrose rangiert dabei im unteren Bereich der Top-Adressen in Saint-Tropez und Umgebung. Cheval Blanc, La Réserve Ramatuelle und Airelles Château de la Messardière spielen in einer eigenen Liga. Auf einen Gast kommen zwei bis vier Mitarbeitende. Im La Réserve sind es 200 für 19 Zimmer, neun Suiten und 14 Villen, die sich in der sechs Hektar großen Anlage mit Blick aufs Meer verteilen. Die Durchschnittsrate liegt bei 3.500 Euro.
Nächster Hotspot: Ramatuelle
Das Château de la Messardière ist mit rund 90 Wohneinheiten das mit Abstand größte Hotel in der Spitzengruppe. Mit dem Como Le Beauvallon ist in dieser Saison ein weiteres Juwel hinzugekommen – und nach jahrelanger Schließung eine Ikone zurückgekehrt. Die Oetker-Gruppe kündigt für 2027 die Eröffnung eines Luxushotels bei Ramatuelle an. Robert van Straaten ist vor der Konkurrenz nicht bange, im Gegenteil. Er empfiehlt seinen Gästen sogar Besuche bei den Mitbewerbern. „Der Markt ist groß genug“, sagt der General Manager der Villa Belrose, „und die besten Häuser kann man nicht miteinander vergleichen.“
Sein Credo als Vorgesetzter lautet Führung durch Vorleben. „Das habe ich auf meiner ersten Station bei Althoff im Schlosshotel Lerbach von GM Kurt Wagner gelernt“, erläutert er. Wagner sei auch im Bemühen, nah am Gast zu sein, ein Vorbild für ihn gewesen. Seinen Führungsstil bezeichnet er als „fair und hoffentlich motivierend“. „Wir müssen nett miteinander umgehen, ohne in Kumpanei zu verfallen“, betont der Chef. „Wenn man Kopf und Herz verbindet, macht man guten Service. Die Menschen spüren, ob uns die Arbeit Freude bereitet.“ Er hat im Hotel rund 100 Mitarbeitende, in der Hochsaison 120. Für die von der Villa Belrose vermieteten 16 Villen kommen 15 hinzu. Acht Männer und Frauen sind ganzjährig beschäftigt. „Das ist die größte Herausforderung, vor jeder Saison die richtigen Kräfte zu finden“, meint van Straaten. Viele kommen jedes Jahr wieder, die meisten Abteilungsleiter sind schon länger dabei.
Was hat sich in 25 Jahren am meisten verändert? Persönlich: „Ich bin gelassener geworden, aber nicht lässiger in puncto Aufmerksamkeit. Selbstverständlich profitiere ich heute von meinen Erfahrungen.“ Allgemein: „Die Digitalisierung und der Einfluss von KI. Aber wir arbeiten mit Menschen, die nicht durch Maschinen ersetzt werden können. Du kannst alles über einen Gast gespeichert haben, irgendwann geht es in die persönliche Betreuung.“
Robert van Straaten
Robert van Straaten wurde in Luzern geboren, wo sein Vater als Unternehmer tätig war, und kam nach zwei Monaten in die Niederlande. Der Vater, der gerne Gäste bekochte, weckte sein Interesse an der Branche. 1986 besuchte er die Hotelfachschule Speiser am Tegernsee, danach vertiefte er die Ausbildung vier Jahre lang an einer Hotelfachschule in Den Haag.
1994 startete van Straaten seine berufliche Laufbahn bei Althoff. Er war der Erste, für den in der Gruppe ein Karriereplan erstellt wurde. Der Niederländer begann am Empfang im Vista Palace in der Nähe von Monaco, arbeitete in der Buchhaltung der Kölner Zentrale („nicht mein Ding“) sowie im Food-and-Beverage-Bereich des Schlosshotels Lerbach. 1999 schickte Thomas Althoff ihn wieder ins Vista Palace, diesmal als Assistant Manager. 2001 folgte der Aufstieg zum General Manager der Villa Belrose.
Große Namen, keine Worte
Als dienstältester General Manager eines Luxushotels gehört Robert van Straaten zu den Persönlichkeiten in Saint-Tropez, er betrachtet sich jedoch nicht als Teil der High-Society und geht sehr selten auf Partys. Über Jahre hat er mit seiner Mannschaft auf einem benachbarten Weingut die glamouröse Leonardo-DiCaprio-Gala ausgerichtet. „Das sind gigantische Momente. Du darfst dir aber nicht einbilden, dass du dazugehörst“, sagt der Niederländer.
Auch in seinem exklusiven Hideaway könnte jederzeit ein Weltstar oder ein berühmter Konzernchef die beidseitig geschwungene Freitreppe herunterschreiten. Namen prominenter Gäste kommen dem General Manager nicht über die Lippen (Mario Adorf hat auf der Terrasse eines seiner letzten großen Interviews gegeben), und über Geld spricht er ungern. Über die Magie der Villa Belrose umso lieber. „Wenn Gäste hier nicht happy sind, dann liegt es an uns“, meint der Chef. Wie zur Begrüßung eine rhetorische Aussage.
„Die Minuten vor Sonnenuntergang koste ich ganz intensiv aus“, verrät Robert van Straaten abends bei dezenter Livemusik und schwenkt einen Rosé im Glas. „Das ist für mich der schönste Moment, wenn die Sonne untergeht, die komplette Bucht im Schatten liegt und Saint-Tropez noch zwei bis drei Minuten von der Sonne angestrahlt wird.“ Der sympathische Gastgeber strahlt viel länger, wenn er von der „Faszination und Kraft dieser Destination der Superlative“ schwärmt.