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StartHotel+TechnikBirgit Georgi im Interview::Wie gelingt Klimawandelanpassung?

Birgit Georgi im InterviewWie gelingt Klimawandelanpassung?

Starkregenereignisse, Hitzewellen, Trockenperioden: Der Klimawandel wird spürbar. Welche Bedrohungen gibt es, wie können Grundstück, Gebäude und Business vor den Folgen geschützt werden? Ein Gespräch mit der auf Klimawandelanpassung spezialisierten Beraterin Birgit Georgi. 

Hotel+Technik: Frau Georgi, Klimaschutz und Klimawandelanpassung – wo liegen die Unterschiede?

Birgit Georgi: Es sind unterschiedliche Konzepte, mit dem Klimawandel umzugehen – beide Strategien sind erforderlich. Klimaschutz bedeutet die Reduktion von Treibhausgasen und Ressourceneinsparung, um die Klimaveränderungen auf ein verträgliches Maß zu begrenzen. Klimawandelanpassung heißt, sich auf die schon jetzt nicht mehr vermeidbaren Folgen der Erderwärmung vorzubereiten und sich proaktiv davor zu schützen.

Welche Klimaveränderungen kommen auf uns zu?

Wir müssen neben dem Anstieg der Durchschnittstemperaturen je nach geo­graphischer Lage mit der Verschiebung der Jahreszeiten, dem Anstieg der Höchsttemperaturen und des Meeresspiegels sowie der Zunahme von Ex­tremwetterereignissen in Zahl und Intensität rechnen. Dazu gehören Sturmflu­ten, Hochwasser, Starkregen, Hitzewellen und Dürren. Extremwetter­ereignisse verstärken unter anderem das Risiko für Überschwemmungen, Hangrutschungen, temporäre Wasserknappheit, Ernteausfälle, Waldbrände und die Einschleppung von Schädlingen und Krankheitserregern.

Und: Sie unterbrechen möglicherweise die Versorgung mit Energie, Wasser, Lebensmitteln und anderen Gütern, behindern pendelnde Mitarbeitende oder die An- und Abreise von Gästen, beschädigen Gebäude und Infrastrukturen und gefährden unsere Gesundheit.

Das klingt nach Handlungsbedarf. Wie finden Hoteliers heraus, ob sie für ihre Gebäude und Standorte Klimawandelanpassungen vornehmen sollten? Und welche genau müssten das sein?

Großräumig wissen wir, was uns erwartet. Lokal können Vorhersagen schwieriger sein. Zunächst ist es wichtig, das ­eigene Bewusstsein zu schärfen, Geschäftsmodell, Gebäude und Standort mit gesundem Menschenverstand zu betrachten und sich einen Überblick zu verschaffen. Wo liegt das Hotel? Welche der genannten Risiken könnten zu­treffen?

Es geht darum, die Verwundbarkeit ganzheitlich zu analysieren. Es gibt In­strumente zur systematischen Ermittlung der Betroffenheit – auf meiner Web­site finden sich zum Beispiel einige Leitfäden, Werkzeuge sowie weiterführende Links, die Anhaltspunkt geben – beispielsweise Zonierungssysteme für das Überschwemmungsrisiko. Starkregen ist inzwischen überall in Deutschland ein Problem.

So gilt es, die Fragen zu beantworten: Wo kann Wasser herkommen und wie kann es abfließen? Wie geschützt sind Fenster und Eingänge? Sind mobile Barrieren vorhanden? Stehen die Server sicher? Ist man auf einen Blackout vorbereitet? Der nächste Weg sollte dann zur Kommune führen. Gibt es dort bereits regionale Anpassungsstrategien und -maßnahmen? Insgesamt empfehle ich allen Unternehmern, sich einzeln vorzubereiten, aber zugleich zu vernetzen. Schließlich kann jeder für sich nur einen begrenzten, wenngleich elementar wertvollen Beitrag leisten. In der Gemeinschaft lassen sich oft umfassendere Lösungen finden.

Ein Beispiel sind nachbarschaftliche Kooperationen rund um die Regenwasserrückhaltung. Auf der Website des Umweltbundesamts gibt es die „Tatenbank“ mit zahlreichen konkreten Projektbeispielen. Auf Wunsch erarbeite ich die Grundlagen sowie Pläne Schritt für Schritt gemeinsam mit den Unternehmen und unterstütze sie bei der Umsetzung. Entscheidend ist, dass ein gesamtheitliches Konzept mit aufeinander abgestimmten Maßnahmen entsteht.

Welche notwendigen beziehungsweise empfehlenswerten Maßnahmen kristallisieren sich bei Ihren Beratungen am häufigsten heraus?

Ein Notfall- und Risikomanagement inklusive Evakuierungsplänen ist auf jeden Fall sinnvoll. Ich erwähnte bereits das sehr relevante Thema Starkregen. Hier sind stark versiegelte Flächen ein Problem, das durch Entwässerungsmulden, aber auch durch mehr Vegetation gemildert werden kann. Gründächer beispielsweise speichern Wasser zwischen und verzögern den Ablauf. Sie sind zudem ein gutes Beispiel dafür, wie nah Risiken und Chancen beieinanderliegen. Denn mehr Vegetation ist ja auch attraktiv und lockt Gäste an.

Gut vermarktetes Klimaengagement, für das teils Fördermittel bereitstehen, steigert zugleich das Image bei Gästen und Mitarbeitenden. Allerdings ist Grün nicht gleich Grün. Klassischer Rasen zum Beispiel benötigt sehr viel Wasser und verstärkt damit das Problem des zunehmenden Wassermangels in Sommermonaten. Man sollte sich intensiv Gedanken über die Gartengestaltung machen und beispielsweise auf trockenheitsresistente Wiesen und Stau­den setzen. Und das Regenwasser wiederum für die Bewässerung nutzen.

Was die zunehmende Hitze angeht, kann Vegetation ebenfalls einen hervorragenden Beitrag leisten. Bäume an den richtigen Standorten spenden Schatten und effektive Kühlung beziehungsweise Verdunstungskälte. Die gefühlte Temperatur kann durch sie um bis zu zehn Grad niedriger liegen. Begrünte Fassaden sind eine weitere Möglichkeit. Ebenso passive Kühlung durch Dämmung und Verschattung, die von außen angebracht am effektivsten ist.

Richtiges Lüften, idealerweise mit Nachtluft, kommt hinzu. Sprühnebel, bestenfalls basierend auf Solarbetrieb, ist an besonders heißen Tagen ein angenehmer
Service. Klar ist: Konventionelle Kühlung verschärft das Problem. Das ist nicht das, wo wir hinwollen. Das gilt ebenso für Beschneiungsanlagen und Co. in Wintersportgebieten, in denen weniger Schnee fällt. Hier lautet die erstrebenswerte Maßnahme, über ein alternatives Konzept und eine Diversifizierung des Angebots nachzudenken.

Können Hoteliers auch in Mietobjekten aktiv werden?

Auf jeden Fall können sie die sogenannten weichen Maßnahmen umsetzen, wie eben das Notfall- und Risikomanagement. Kleine Dinge wie Sonnensegel, Wasserspender, mobile Barrieren sind immer möglich. Zudem rate ich dazu, das Gespräch mit dem Vermieter zu suchen. Es gibt Maßnahmen die viel, aber auch solche, die fast gar nichts kosten. Sie auf später zu verschieben ist auf jeden Fall keine gute Lösung. Wer ohnehin Renovierungs- oder Ausbauarbeiten plant, sollte gleich die richtigen Weichen stellen.


Über Birgit Georgi

Die Diplom-Landschaftsarchitektin Birgit Georgi arbeitete unter anderem für das Umweltbundesamt sowie zehn Jahre für die Europäische Umweltagentur. Seit 2017 ist sie freiberuflich tätig und berät beziehungsweise begleitet Städte, Gemeinden,
Verbände und Unternehmen auf ihrem Weg zu mehr Klimaresilienz.


Interview: Stefanie Hütz

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