Aus dem ehemaligen Gästehaus „Zum Weber“ entstand unter Petra und Rüdiger Schumann eines der führenden Wellnessresorts Sachsens. Gemeinsam mit Tochter Samira wollen sie die Region voranbringen.
Weite Wälder, sanfte Hügel und stille Teiche prägen das Bild der Oberlausitz, eine Region im Osten Sachsens an den Grenzen zu Polen und Tschechien. Seit 1998 führen Petra und Rüdiger Schumann hier das Hotel Bei Schumann in Schirgiswalde-Kirschau mit 62 Zimmern und 124 Betten. Als Wellnessresort verfügt es über zwei Spa-Bereiche auf rund 6.000 Quadratmetern Fläche, darunter ein römisch inspirierter Spa-Tempel mit Whirl-, Innen- und Außenpool. Quellen mit Kirschauer Bergkristallwasser, zahlreiche Saunen, Ruheräume und ein Meditationsraum laden zusätzlich zur Entspannung ein. Bei den Gästen besonders gefragt ist der 2019 eröffnete Seeflügel mit 19 Juniorsuiten und einer Schneesauna, der sogenannte Flying-Pool soll der erste seiner Art in Deutschland gewesen sein.
Hotelchefin Petra Schumann (60) wusste bereits früh, wo sie einmal arbeiten will: in der Hotellerie. In jungen Jahren sammelte die Stuttgarterin Erfahrungen im In- und Ausland, besonders prägend war ihre Zeit im Hotel Bareiss im Schwarzwald. „Damals sagte ich mir: Wenn ich jemals ein Hotel habe, dann wird es ein Ferienhotel. Ein Ort des Glücks, an dem Gäste Ruhe, Freude und Geborgenheit finden.“
Ein Juwel vor dem Verfall
In die Oberlausitz verschlug es Petra Schumann, als sie eine Stelle als Hotelmanagerin in jenem Haus antrat, das Rüdiger Schumann (79) einst aufgebaut hatte. So lernte sie den Unternehmer kennen und lieben. Der gebürtige Hesse war 1990 über familiäre Kontakte nach Sachsen gekommen, wo er den damals leerstehenden Fremdenhof „Zum Weber“ erwarb.
„Das Gefühl, Menschen wirklich glücklich zu machen, ist das Schönste.“
Petra Schumann, Hotelchefin, Hotel Bei Schumann
Das Jugendstil-Kleinod mit 34 Zimmern war seinerzeit dem Verfall preisgegeben, doch Schumann erkannte die Chance: Hier ließ sich ein Hotelprojekt verwirklichen, das das touristische Potenzial der Region nutzen und gleichzeitig die Immobilie retten konnte. „Wir hatten eine klare Vision: Aus einem versteckten Juwel sollte ein modernes Refugium entstehen“, so Petra Schumann. „Heute wissen wir: Es war die beste Entscheidung unseres Lebens.“
Sieben Millionen D-Mark kostete seinerzeit die umfassende Sanierung des ehemaligen Gästehauses zum „Luxushotel Weber“, das 1998 wiedereröffnet und 2005 in Hotel Bei Schumann umbenannt wurde. „Wir leben das Hotel, wir führen es nicht nur“, betont Petra Schumann. Längst ist sie mehr als nur Gastgeberin: Mit Tochter Samira treibt sie die Entwicklung des Hotelkonzeptes voran, optimiert das Umsatzmanagement und setzt auf Innovation. „Dazu gehört, dass wir alle fünf bis sieben Jahre etwas Neues bauen, um kontinuierlich Akzente zu setzen.“
Glücksbringerin statt Gastgeberin
Neben ihrem Mann Rüdiger, der sich um die Zahlen und technische Belange kümmert, verantwortet Samira Schumann als Juniorchefin insbesondere Marketing und Gästebetreuung. Während sich viele Hoteliers als Unternehmer, Gastgeber oder Visionäre bezeichnen, hat Petra Schumann für sich einen eigenen Begriff gefunden: Glücksbringerin. „Denn das Gefühl, Menschen wirklich glücklich zu machen, ist das Schönste“, sagt sie. Mit vielen abgestimmten Details sorgt sie stets für die besondere Note: Angefangen bei personalisierten Botschaften für die Gäste auf den Zimmern über Liebesbrief-Bücher mit Feder und Tinte, die für Paare bereitliegen, bis hin zu individuell eingerichteten Suiten.
Seit 2010 setzt das Hotel auf ein Adults-only-Konzept – aus Überzeugung. Anfangs gab es Kritik, inzwischen ist es akzeptiert, sogar geschätzt. „Ich habe selbst Kinder“, sagt die Hotelchefin, „doch kleine Kinder passen einfach nicht in ein Spa dieser Art. Da geht die Ruhe verloren – und genau die suchen viele unserer Gäste.“ Ebenso wie Individualität und emotionale Geborgenheit, die viele in den eher anonymen Kettenhotels vermissen würden. „Unsere Gäste kommen, um sich zu spüren, nicht um sich abzulenken.“
Was bedeutet Luxus in der heutigen Zeit? Für Petra Schumann ist es insbesondere Aufmerksamkeit und Zuvorkommenheit. „Luxus ist, wenn ich die Wünsche des Gastes kenne, bevor er sie ausspricht“, sagt sie. „Wenn der Gast ankommt und sein Lieblingskissen oder die gewünschte Hamam-Zeit schon vorbereitet ist – das ist echter Luxus.“ Mehr als 70 Prozent Stammgäste sprächen für sich. „Und auch dafür, dass in einer zunehmend uniformen Hotellandschaft für Gäste das Authentische zählt“, ist Petra Schumann überzeugt.
Im Laufe der Jahre habe sich der Gästekreis zugleich verändert: „Die Gäste sind weltoffener, informierter, aber auch anspruchsvoller geworden“, beobachtet die Hotelchefin. Darauf reagiert sie mit neuen Retreat- und Coaching-Angeboten wie Achtsamkeits- und Balancewochen. Ein neuer Garten zum Lustwandeln und eine Yoga-Villa sind in Planung. Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Weiterentwicklung des kulinarischen Angebots: Gerade erst wurden die beiden Restaurants „Juwel“ (1 Michelin-Stern) und „Weberstube“ (Bib Gourmand) zusammengelegt und tragen jetzt den Namen „Restaurant zwei Traum mit Weberstube“. Seit Ende August läuft ein neues, nachhaltigeres Genusskonzept, mit dem die Schumanns einen Grünen Stern beim Guide Michelin anstreben.
Bei allem persönlichen Erfolg, in der Region selbst sehen Petra und Rüdiger Schumann auch 27 Jahre später noch immer touristischen Nachholbedarf. Es fehle an starkem Marketing, überregionalen Aushängeschildern und einem klaren touristischen Profil: „Die Oberlausitz müsste viel mehr in den Tourismus investieren. Sie braucht mehr Aktivitäten, mehr Identität – und vor allem mehr Stolz“, so Petra Schumann. „Hier wurde lange nur in Tradition gedacht, aber nicht in Zukunft. Dabei braucht es genau beides“, betont sie. Denn: Wer nur auf Bewährtes setze, verpasse die Chance, sich weiterzuentwickeln.
Teamgeist und Teamtreue
Tatsächlich gilt dieser Teil Sachsens trotz seiner einzigartigen Landschaft, der kulturellen Vielfalt und historischer Städte wie Görlitz noch als Geheimtipp. „Die Gegend ist landschaftlich wunderschön, aber von Touristen nicht oft besucht“, so Schumann. „Wir möchten mit unserem Haus als Leuchtturm wirken, weil wir glauben, dass alle profitieren könnten.“ Das Bei Schumann ist längst über die Region hinaus bekannt, Gäste aus der Schweiz und Italien finden den Weg in das versteckte Wellnessresort.
Als Hotelchefin legt Petra Schumann zugleich Wert auf Fleiß, Disziplin und Toleranz. „Ich bin sehr pflichtbewusst – aber vor allem: Ich respektiere Menschen. Das gilt für Gäste wie für Mitarbeitende.“ Das zeigt Wirkung: Viele aus der Belegschaft halten dem Haus seit mehr als zehn Jahren die Treue, neues Personal kommt überwiegend auf Empfehlung von Gästen, Freunden oder aus dem direkten Umfeld. Auch an jungen Talenten mangelt es nicht: Außer 68 Angestellten beschäftigt das Hotel in diesem Jahr 13 Auszubildende. „Wir hatten so viele Initiativbewerbungen, dass wir nicht einmal mehr auf der Website für die Ausbildung bei uns werben mussten“, so Schumann.
In nicht mehr allzu ferner Zukunft wird Tochter Samira das Hotel in der Rolle der geschäftsführenden Gesellschafterin übernehmen. Mit Blick auf zwei starke Vorbilder entwickelt sie momentan noch ihre eigene unternehmerische Identität: „Von meinen Eltern lerne ich täglich, und das ist für meinen eigenen Weg unbezahlbar“, sagt die 24-Jährige. Für die Weiterentwicklung des Resorts sei ein guter Mix entscheidend: „Tradition gibt Stabilität, Neues sorgt für Inspiration – beides braucht es, um ein Haus lebendig zu halten.“