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Beginn der OsterferienMallorca gut gebucht – Bundesregierung warnt weiter vor Reisen

Trotz aller Appelle zum Reiseverzicht wegen Corona sind zu Beginn der Osterferien am Wochenende Tausende Urlauber nach Mallorca geflogen. Allein am Samstag kamen 60 Flugzeuge aus Deutschland in der Inselhauptstadt Palma an. Die Bundesregierung warnt derweil erneut eindringlich vor Urlaubsreisen.

Alleine Eurowings schickte mit 44 Fliegern fast vier Mal so viele auf die Lieblingsinsel der Deutschen wie vergangenes Wochenende. Die Autobahnen in Deutschland blieben dagegen ziemlich leer, wie der ADAC mitteilte. Anders als auf Mallorca sind in Deutschland Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze für Touristen geschlossen.

“Osterurlaub ist bei den momentanen Entwicklungen schlicht nicht verantwortbar”

Die Bundesregierung erneuerte ihre Warnung vor Urlaubsreisen angesichts stark steigender Infektionszahlen in Deutschland. “Osterurlaub ist bei den momentanen Entwicklungen schlicht nicht verantwortbar”, sagte Kanzleramtsminister Helge Braun der “Bild am Sonntag”. Er ließ weiter offen, ob es zu einem Reiseverbot kommen wird, das derzeit im Auftrag des Kanzleramts geprüft wird. Gleichzeitig verteidigte er den umstrittenen Lockdown für das Gastgewerbe in Deutschland. Eine Öffnung verbiete sich in einer Zeit, in der die Infektionszahlen jede Woche um 30 Prozent wüchsen. Der Kanzleramtschef geht davon aus, dass sich die Infektionslage im Mai entspannen und Reisen ab August wieder möglich sein werden. “Ich rechne damit, dass die entlastende Wirkung durch das Impfen und durch den Beginn der warmen Jahreszeit im Mai spürbar sein wird”, sagte der CDU-Politiker der “Bild am Sonntag”.

Die Bundesregierung hält Mobilität für einen der stärksten Pandemietreiber und rät seit Monaten von Urlaubsreisen im In- und ins Ausland ab. Trotzdem strich sie am 14. März Mallorca von der Liste der Risikogebiete, nachdem die Zahl Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner dort innerhalb von sieben Tagen unter den Grenzwert 50 gesunken war. Seitdem sind Urlauber auf den spanischen Balearen-Inseln von Quarantäne und Testpflicht bei Rückkehr befreit, was zu einem Buchungsboom für die Osterferien führte. Ab Dienstag muss allerdings jeder aus dem Ausland einreisende Flugpassagier einen negativen Corona-Test vorweisen. Eine entsprechende Verordnung tritt dann in Kraft.

Infizierte sollen kostenfrei in Hotel untergebracht werden

Sollten Mallorca-Urlauber vor dem Heimflug positiv auf Covid-19 getestet werden, müssen sie zumindest nicht mit zusätzlichen Kosten rechnen. Das regionale Gesundheitsministerium will sie nach einem Bericht der “Mallorca Zeitung” kostenlos in einem der eigens auf der Insel eingerichteten Hotels für Infizierte unterbringen, bis sie genesen sind und niemanden mehr anstecken können. Dafür müsse nur die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) vorgelegt werden.

Mallorca-Flüge “recht gut gebucht”

Wann die Bundesregierung die rechtliche Prüfung eines vorübergehenden Reiseverbots abschließt blieb auch am Wochenende offen. Die Wirkung wäre aber ohnehin begrenzt, da schon jetzt viele Tausend Osterurlauber auf Mallorca gelandet sind. Eurowings flog die Insel am Samstag und Sonntag nach eigenen Angaben 44 Mal von neun deutschen Flughäfen an, am Wochenende zuvor gingen nur zwölf Flüge. Genaue Passagierzahlen nannte die Fluggesellschaft nicht. Alle Flüge seien aber “recht gut gebucht” gewesen, teilte ein Sprecher des Unternehmens der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. Das Flugangebot liege aber im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit immer noch bei weniger als 40 Prozent.

Tui brachte knapp 2.000 Pauschalurlauber mit 15 Maschinen von fünf deutschen Flughäfen auf die Insel. Von anderen Fluggesellschaften wie Condor oder Ryanair wurden zunächst keine Passagierzahlen bekannt. Da insgesamt pro Flug im Durchschnitt von mehr als 100 Passagieren auszugehen ist, dürfte die Gesamtzahl der am Wochenende in Mallorca landenden deutschen Urlauber bei 120 Flügen deutlich über 10.000 liegen. Reiseveranstalter schätzten sogar 16.000 bis 18.000.

Lockdown im Gastgewerbe

Im Inland zeigt der harte Gastgewerbe-Lockdown unterdessen Wirkung. Der ADAC verzeichnete zum Auftakt der Osterferien in zwölf Bundesländern deutlich weniger Verkehr als in den Vorjahren und nahezu freie Autobahnen. Aufgrund der “unklaren Situation und der Corona-Beschränkungen” seien Reisen und Besuche am Wochenende größtenteils weggefallen, teilte eine ADAC-Sprecherin am Sonntag mit. Lediglich an der Grenze zu Österreich habe sich der Verkehr leicht gestaut mit bis zu 30 Minuten Wartezeit.

Auch im Bahnverkehr war am Wochenende nichts von Osterferien zu spüren. “Der Reiseverkehr liegt derzeit im Fernverkehr auf dem niedrigen Niveau der letzten Wochen”, sagte eine Bahnsprecherin am Sonntag.

Dass Osterurlaub im Inland praktisch gar nicht möglich ist, aber auf Mallorca schon, hatte in den letzten Wochen für viel Unverständnis gesorgt. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, sprach sich in einem “Zeit online”-Interview erneut für Lockerungen aus: “Warum kann man nach Mallorca fliegen und Urlaub machen und auf Sylt hat alles zu, obwohl da vielleicht ein ähnlich niedriges Risiko besteht? Das kann keiner nachvollziehen und ich kann den Ärger darüber auch verstehen”, sagte der CDU-Politiker.

Neue Reiseregeln für Nachbarländer

Für einige Nachbarländer Deutschlands gelten seit Sonntag neue Einreiseregeln. Wegen stark steigender Corona-Infektionszahlen ist Frankreich nun aus deutscher Sicht Hochinzidenzgebiet. Das bedeutet, dass man bei der Einreise nach Deutschland ein negatives Testergebnis dabei haben muss. Für das an Rheinland-Pfalz und das Saarland grenzende Département Moselle gelten weiterhin noch strengere Einreiseregeln.

Tschechien, das österreichische Bundesland Tirol und die Slowakei wurden auf der Risikoliste des Robert Koch-Instituts dagegen aus der höchsten Kategorie der Virusvariantengebiete zurückgestuft und ein Teil der Reisebeschränkungen aufgehoben. Die stationären Kontrollen an den Grenzen zu Österreich und Tschechien bleiben aber vorerst bestehen.

Auch ganz Dänemark ist nun – mit Ausnahme der autonomen Inseln Färöer und Grönland – Corona-Risikogebiet. Bisher waren noch die Regionen Nordjylland und Midtjylland als “risikofrei” eingestuft. dpa

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