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StartBusiness & ManagementMonotalkBeatrice Zarges im #Monotalk::Was Berufung für sie bedeutet

Beatrice Zarges im #MonotalkWas Berufung für sie bedeutet

Mit dem Aufbau von Thurnher’s Alpenhof hatten sich Elfi und Oskar Thurnher 1964 ihren Traum von einem Domizil in den Bergen erfüllt. Seit 2005 leitet Tochter Beatrice Zarges mit großem persönlichen Engagement und Feingefühl die Geschicke des Fünfsterne-Superior-Hauses in Zürs am Arlberg. Und führt die Familienvision fort: Einen Ort der Geselligkeit und Gastfreundschaft zu schaffen, wo Menschen aus aller Welt zusammenkommen. Das Winterhotel öffnet seine Pforten nur von Dezember bis Mitte April, um dann wieder in einen langen Sommerschlaf zu fallen. Tophotel hat die charismatische Gastgeberin getroffen, die sich in dieser Zeit um jedes noch so kleine Detail kümmert.

Tophotel: Frau Zarges, der Alpenhof gehört zu den exklusivsten Skiresorts der Alpen. Das könnte auch eine distinguierte, ja distanzierte Klientel mit sich bringen. Ihr Haus strahlt jedoch in jedem Winkel natürliche Wärme und aufrichtige Gastfreundschaft aus. Was ist Ihr Geheimnis, luxuriösen Service und unaufgesetzte Herzlichkeit derart erfolgreich zu vereinen?

Beatrice Zarges: Müssen sich Luxus und Herzlichkeit ausschließen? Oder liegt das nicht eher an der Persönlichkeit, die das Haus führt? Ich bin einfach ein warmherziger Mensch. Vielleicht ist das mein Erfolgsgeheimnis. Natürlich achte ich als Betriebswirtin auf die Zahlen, aber noch wichtiger sind mir die Menschen. Das ist meine Berufung.

… was sich auch unter den Gästen bemerkbar macht?

Tatsächlich ist der Umgang der Gäste miteinander bei uns außergewöhnlich herzlich. Es freut mich, Saison für Saison zu sehen, welche internationalen Freundschaften in diesem Haus entstehen. Wir haben unglaublich angenehme Gäste, die trotz ihres Vermögens recht nahbar sind. Bei uns gehen Weltwirtschaftsgrößen, Diplomaten, Prominente aus Kunst, Kultur und Sport und viele andere liebe Menschen ein und aus. Für mich als Gastgeberin ist es wunderschön, zu sehen, wie natürlich sich unsere Gäste hier bewegen.

Das klingt, als könnten Sie Ihre Gäste besonders gut lesen?

Wer aufmerksam hinsieht, merkt schnell, welche Gäste eher ihre Ruhe brauchen, und wer sich gern auch einmal unterhält. Jeder Gast ist anders, so wie wir Menschen eben sind. Darauf versuche ich einzugehen, zuzuhören. Unsere Gäste spüren diese Offenheit, dass wir da sind für sie, als authentische Gastgeber. Dadurch fühlen sie sich bei uns wie zu Hause.

Ist das Hotel während der Saison auch Ihr persönliches Zuhause?

Ja, ich wohne im Hotel. Ich bin ja vor Ort ganz allein verantwortlich für das Haus. Während der Saison ist das Hotel mein Leben. Wenn ich in der Früh herunterkomme, dann bleibe ich bis abends bei den Gästen, den Mitarbeitern oder im Büro. In dieser Zeit gönne ich mir so gut wie keine Freizeit. Ich möchte einfach täglich wissen und sehen, was passiert. Ich weiß genau, wer welches Zimmer hat, ich kenne jede Korrespondenz und jegliche Zahlen aus den Abteilungen.

Welches Herz schlägt stärker in Ihnen, das der Betriebswirtin, oder das der Gastgeberin?

Beides gleichermaßen, das braucht es auch. Als ich hier angefangen habe, war ich sehr stark marketing- und salesgetrieben. Das war die Welt, aus der ich kam. Entsprechend fokussiert war ich auf Umsatz und Kosten. Heute bin ich leidenschaftliche Hotelbesitzerin mit allem, was dazu gehört – ich bin Gastgeberin, Personalberaterin, Coach, Unternehmerin.
Mit dem Alpenhof haben sich ihre Eltern einen langjährigen Traum in den Bergen erfüllt.

Was hat Sie ermutigt, diesen Traum weiterzuleben, als Sie 1995, nach dem plötzlichen Tod Ihres Vaters, das Hotel übernahmen?

Ich habe mir immer einen Hotelhimmel vorgestellt. Also einen Himmel mit allen Hotels dieser Welt, wie eine Art Deckenfresko. Dann machte ich die Augen zu und dachte mir, der Alpenhof stra hlt als hellstes Licht da oben.

Was hat Sie motiviert, sich den Leading Hotels anzuschließen?

Vielfalt und Internationalität liegen mir persönlich sehr am Herzen. Ich hatte jedoch auch schon früh das Gefühl, dass man sich nicht nur auf einen Markt konzentrieren darf. Gerade als Ferienhotel mit nur viermonatiger Öffnungszeit können wir uns nicht von nur einer Zielgruppe abhängig machen. Wir brauchen den Mix eines weltweiten Publikums, aus Leisure- und aus Businessgästen. Nur so schaffen wir eine konstant hohe Auslastung und sind nicht abhängig von unvorhersehbaren Ereignissen in einem einzelnen Markt. Deshalb habe ich schnell begonnen, systematisch internationale Märkte zu bearbeiten. Zunächst in Eigenregie, etwa mit Presseempfängen in London oder Italien, und seit 1998 als Mitglied der Leading Hotels.

Wie ist Ihre Gästestruktur heute?

Die meisten kommen schon noch aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, gefolgt von vielen Gästen aus England, Russland und der Ukraine. Das hält sich fast die Waage. Darüber hinaus haben wir Gäste aus Italien, aus Südamerika, und zunehmend auch aus Asien.

Was bedeutet die internationale Klientel, aber auch die kurze Saison für das Mitarbeiterteam?

Unsere Mitarbeiter müssen selbstverständlich alle englisch sprechen. Das erwarten unsere Gäste. Und sie haben durchweg Erfahrungen in Fünfsternehäusern gesammelt. Aber für uns als Saisonbetrieb ist es schwieriger, ein konstantes Team zu halten. Wir können das Team erst rund zwei Wochen vor der Hotelöffnung trainieren, dann stehen die Gäste schon in der Tür. Umso wichtiger ist es für uns, dass das Team harmoniert. Das erfordert viel Feingefühl in der Führung.

Ein Vorteil für Sie als weibliche Führungskraft?

Ich würde eher sagen, es entspricht meinem Wesen. Ich versuche meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer ganzen Persönlichkeit zu sehen. Wo sehe ich Chancen? Warum handelt sie oder er gerade so? Es ist mir wichtig, Personalentscheidungen überlegt statt übereilt zu treffen. Auch wenn mir manche Entscheidung dadurch nicht leicht fällt.

Wie erkennen Sie bei jungen Nachwuchskräften, ob diese auch eine Berufung für die Hotellerie haben?

Das Wichtigste auch für die jungen Leute ist der Blick für das Detail in einem Hotel. Ich glaube, diesen müssen die jungen Leute mitbringen, aber auch sehr viel mehr trainieren. Es ist ja das Detail, das den Aufenthalt für die Gäste zum Erlebnis macht, ohne dass sie es wahrnehmen. Umgekehrt müssen wir unserem Nachwuchs auch Raum und Zeit geben, diesen Blick zu schulen.

Apropos Raum und Zeit. Sie könnten einen GM oder Hoteldirektor einstellen…

Das könnte ich theoretisch, darüber habe ich auch schon nachgedacht. Aber es würde dem Hotel ein Stück weit seine Seele nehmen. Im Endeffekt wünschen unsere Gäste sich eine ganz persönliche Betreuung. Dass man sich als Besitzer persönlich um sie kümmert und niemanden als Ansprechpartner vorschiebt.

Im Falle des Falles, wie müsste so jemand sein?

In jedem Fall sollte es jemand mit ganz viel Herzblut und Verantwortungsgefühl sein. Wenn, dann müsste ich die Verantwortung jemandem allein übergeben. Es wäre nicht richtig, auf eine starke rechte Hand zu setzen und dieser dauernd hereinzureden.

Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach der Saison?

Überhaupt nicht. Darüber kann ich während der Saison nie nachdenken. Andere haben schon ihre Urlaube geplant, und dieses und jenes. Ich bin entweder zu einhundert Prozent hier, oder zu einhundert Prozent zuhause. Daher kann ich es ihnen wirklich beim besten Willen noch nicht sagen. In jedem Fall freue ich mich auf Zeit mit meiner Familie, das ist mein Luxus.

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