Das Münchner Traditionshotel hat seinen Empfangsbereich für vier Millionen Euro umgestaltet. Es ist bereits das zehnte Projekt, das der belgische Interior-Designer Axel Vervoordt für das Haus realisiert hat.
Nach rund sechs Monaten Bauzeit hat das Hotel Bayerischer Hof in München seinen neu gestalteten Eingangsbereich fertiggestellt. Die Arbeiten wurden zwischen Juni und Dezember 2025 durchgeführt . Die Lobby soll künftig als architektonischer Mittelpunkt des Hauses fungieren und die verschiedenen Bereiche des Hotels – vom historischen Palais Montgelas über den Festsaal bis hin zu Restaurants wie dem „Trader Vic's“ oder dem „Palais Keller“ – miteinander verbinden.
Für die Gestaltung zeichnet der belgische Inneneinrichter, Kunstsammler und Antiquitätenhändler Axel Vervoordt verantwortlich, der seit 2009 mit dem Hotel zusammenarbeitet. Wie das Haus mitteilt, wollte Vervoordt bereits bei seinem ersten Besuch vor rund 17 Jahren die Eingangshalle grundlegend verändern, da sie aus seiner Sicht nicht die traditionelle Münchner Grandezza eines Fünfsternehotels widergespiegelt habe.
Für die Projektleitung und örtliche Planung war der Münchner Innenarchitekt Gregor Baur zuständig, der bereits bei allen bisherigen Umbauprojekten mit Vervoordt zusammengearbeitet hat.
Sakrale Proportionen und historische Materialien
Das Konzept für die neue Lobby entwickelte Vervoordt gemeinsam mit dem japanischen Architekten Tatsuro Miki. Ziel sei es gewesen, ausgewogene, nahezu sakrale Proportionen zu schaffen. Dafür wurde die ursprüngliche Balustrade, die die Halle umschloss, zurückgebaut und durch nicht tragende Wände ersetzt. Diese Änderung soll neue Blickachsen ermöglichen und entspreche in weiten Teilen der ursprünglichen Architektur des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg.
Eine neu eingefügte Kassettendecke schließt die italienisch anmutende Innenhoffassade nach oben ab. Der Raum soll dadurch wie ein nachträglich überdachter Innenhof wirken. Das Treppenhaus führt zum Emporen Café, das im Zuge der Arbeiten erweitert und angepasst wurde.
Bei den Materialien setzten die Designer auf Natürlichkeit und traditionelle Handwerkstechniken. Der vorhandene Natursteinboden wurde erhalten; ergänzende Arbeiten erfolgten mit demselben Stein „Ungarisch Rot“ aus dem letzten noch aktiven Natursteinbruch Ungarns. Dieser Stein fand laut Hotel historisch vor allem in feudalen und kirchlichen Prachtbauten Österreichs und Süddeutschlands Verwendung. Für die Wandflächen kam ein klassischer Lehmputz zum Einsatz, die Rezeption wurde in europäischem Nussbaum gefertigt, und die Lederarbeiten bestehen aus natürlich gegerbtem Material. Antike Säulen aus Italien und Gestaltungselemente aus Fertigbeton sollen dem Raum historische Tiefe verleihen.
Koreanische Kunst als zentrales Element
Wie bei allen Projekten von Vervoordt spielt auch in der neuen Hotellobby des Bayerischen Hofs Kunst eine tragende Rolle. Das Hauptkunstwerk stammt von dem koreanischen Künstler Chung Chang-Sup (1927–2011). Vervoordt habe dieses Werk ausgewählt, da es den Frieden und die Stärke des sogenannten Sumbi-Geistes zum Ausdruck bringe – eine typisch koreanische Form der Intelligenz, die sich „auf edelste und demütigste Weise“ ausdrücke.
Eine Partnerschaft seit 2009
Die Zusammenarbeit zwischen dem Hotel und Axel Vervoordt begann 2009 mit der Neugestaltung der Restaurants „Atelier“ und „Garden“. Gemeinsame Freunde hätten Vervoordt und Hotelchefin Innegrit Volkhardt zusammengebracht und den Belgier überzeugt, eine Ausnahme von seinem Grundsatz zu machen, nur für private Kunden zu arbeiten. Aus der beruflichen Verbindung sei über die Zeit eine Freundschaft entstanden.
Vervoordt ist als Kunst- und Antiquitätenhändler international bekannt. Sein Stil zeichnet sich durch Authentizität, natürliche Materialien, historische Elemente und eine ruhige, ausgewogene Gestaltung aus. Die Lobby ist bereits sein zehntes Projekt für den Bayerischen Hof. Zuvor gestaltete er unter anderem die Cinema Lounge, die Palaishalle, den Süd- und Nordflügel mit 28 Zimmern, die 350 Quadratmeter große Penthouse Garden Suite, den Palais Keller, die Veranstaltungsräume im Palais Montgelas, das Atrium und die Panorama Suite 7.
Investitionen von mehr als 200 Millionen Euro
Seit der Übernahme durch Innegrit Volkhardt im Jahr 1992 wurden mehr als 200 Millionen Euro in Architekturprojekte und Renovierungen in dem Luxushotel investiert. Die Zusammenarbeit mit Vervoordt soll fortgesetzt werden: Aktuell werde bereits an einem weiteren Bauprojekt mit neuen Hotelzimmern und Suiten gearbeitet. red/sar