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B-Standort statt Big 7Wie wird sich der Trend zu B- und C-Destinationen entwickeln?

Weil gute Standorte in den deutschen Top-7-Städten immer rarer und teurer wurden, flossen bereits in den vergangenen Jahren Investorengelder zunehmend in Hotels in sogenannten B- und C-Destinationen – Städte ab etwa 100.000 Einwohner mit einem Mix aus Businessgästen und Touristen. Nun kamen diese Häuser sogar besser durch die Pandemie als ihre Kollegen in den Großstädten. Wird das so bleiben?

Ein Rooftop-Restaurant mit Terrasse und Blick auf den höchsten Kirchturm der Welt, lokale Produkte und eine zentrale Lage am Rande der historischen Altstadt: Das neue Me and All Hotel der Lindner Hotels & Resorts in Ulm hat einiges zu bieten. Der Ansturm, den es in diesem Sommer erlebte, war dennoch überwältigend. „Insbesondere in Kiel und Ulm haben unsere Me and All Hotels einen sehr starken Sommer erlebt. Dabei waren besonders die Wochenenden oft ausgebucht“, sagt Lindner-Vorstand Andreas Krökel. „Gäste waren zum großen Teil Leisure-Reisende auf Kurz- oder Städtetrips. In Kiel kommen Kreuzfahrt-
und Strand-Touristen dazu. Ulm wird gern als Zwischenstopp nach Südeuropa ­genutzt.“

Unbeteiligt war das Lindner-Team an diesem Erfolg nicht, die Gruppe hatte verschiedene Arrangements aufgelegt: vom Family-Special, bei dem ein zweites Zimmer für Kinder bis 17 Jahre kostenlos hinzugebucht werden konnte, bis zu verschiedenen City-Trip-Rabatten von 20 Prozent, bei längerem Aufenthalt mit zusätzlichem Getränkegutschein. „Die Gäste buchen weiterhin recht kurzfristig, die Auslastung bleibt bisher stabil, und es kommen immer mehr Business-Reisende dazu. Erste Messen sorgen ebenfalls für entsprechende Nachfrage“, so Krökel zur aktuellen Lage. Ulm und Kiel sind keine Ausnahmen: Wie bereits im ersten, von der Sonne verwöhnten Pandemiesommer 2020 blieben auch im wolkigen Juli und August 2021 viele deutsche Reisende im Inland und besuchten Destinationen, die sowohl einen hübschen Stadtkern als auch Ausflugsmöglichkeiten in die Natur zu bieten haben.

Kleinere Städte während der ­Pandemie beliebt

Die Treugast Unternehmensberatung meldet unter Berufung auf Zahlenmaterial der Marktforschungsunternehmen STR, Fairmas und MKG, dass im ersten Halbjahr 2021 Städte wie Bremen, Rostock, Bonn und Umgebung, die Regionen um Leipzig, Aachen, Hannover, Münster und Freiburg im Breisgau zu den Destinationen mit den geringsten Einbrüchen gegenüber dem Vorjahreszeitraum bei der wichtigen Kennzahl RevPAR (Revenue per available room, Umsatz pro verfügbarem Zimmer) zählten. Auf den weiteren Rängen folgten Wiesbaden und Heidelberg. In den Großstädten hatten sich die Flughäfen in Frankfurt und München in die Tabelle gearbeitet, denen diese Ehre allerdings eher durch die dort zu erzielenden Raten als durch die Auslastung zuteilwurde. B- und C-Standorte brachten ihren Betreibern und Investoren somit im Vergleich zu den Big 7 (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, München, Köln und Stuttgart) mehr Glück.

„Größter Lichtblick des deutschen Hotelmarktes ist die verhältnismäßig geringe Abhängigkeit von der internationalen Reisetätigkeit, speziell in den B- und C-Städten und im Tourismus“, erklärt Olivia Kaussen, Head of Hotels Germany beim Immobiliendienstleistungs- und Investment-Unternehmen CBRE. Mit einem Anteil von mehr als 80 Prozent an den Gesamtübernachtungen sei die Hotellerie in Deutschland seit jeher stark von der Inlandsnachfrage abhängig. Im Gegenzug sind die meisten der Top-7-Märkte stark von international Reisenden bestimmt.

Neue Herausforderungen durch mehr Leisuregäste

Gerald Kink, Eigentümer des Viersternehauses Oranien Hotel & Residences in Wiesbaden und Präsident des Dehoga Hessen, bestätigt, dass generell gute Häuser in C- und B-Destinationen, sobald sie für Touristen geöffnet werden konnten, bessere Belegungen erzielten als Hotels in Großstädten. „Wir hatten im August 2021 eine Auslastung von 60 Prozent, 2019 waren es 80“, relativiert er allerdings eine allzu große Euphorie. Das Hotel Oranien zeichne sich traditionell durch einen hohen Privatgästeanteil von rund 30 Prozent aus.

Im Sommer sei die Stadt in der Vergangenheit unter anderem wegen der vielen Feste wie der Rheingauer Weinwoche als Kurzreiseziel beliebt. Da Businessgäste nach wie vor sehr rar seien, habe sich der Anteil an Leisuregästen erhöht, was das Hotel auch vor neue Herausforderungen stelle. „Die Mitarbeiter müssen sich zum Beispiel darauf einstellen, dass Gäste zwei Stunden beim Frühstück sitzen bleiben“, nennt Kink ein Beispiel. F&B, so seine Überzeugung, werde künftig eine noch größere Rolle für sein Haus spielen. „Wir haben das À-la-carte-Geschäft hochgefahren, denn auch Kurzurlauber möchten nicht jeden Tag auswärts essen.“

Boom der Hotel-Gastronomie

Ähnliches meldet das private Rheinhotel Dreesen in Bonn Bad Godesberg. Direktor Christof Keller: „Insgesamt lag die Belegung im Juni noch etwa 30 Prozent unter den Zahlen von 2019“, sagt er. Zahlreiche Kurzreisende hätten die Belegung im Sommer an den Wochenenden immer weiter nach oben getrieben. „Der Juni war noch nicht so verheißungsvoll, aber bereits im Juli lag die Wochenendbelegung nur noch elf Prozent unter 2019, im August sogar darüber“, freut sich Keller. „Wir haben alles, was man im Freien unternehmen kann, in Packages verpackt.“ Die Gastronomie erlebe einen riesigen Ansturm. „Sämtliche Außenflächen wurden aktiviert, der Biergarten, der Kastaniengarten, die Terrasse. Viele Familienfeiern wurden nachgeholt, das F&B-Geschäft kam schnell zurück.“ Inzwischen fänden auch wieder kleinere Tagungen mit bis zu 50 Personen statt.

B-Destinationen auch bei ­Kettenhotels beliebt

Wie gut ihre Häuser in kleineren Städten performen, war auch ein Trostpflaster für internationale Ketten: „Rostock boomt“, erklärte Yilmaz Yildirimlar, Area Senior Vice President Central & Eastern Europe, Russia and Turkey bei Radisson, am Rande des International Hotel Investment Forums in Berlin. Man werde an diesem Standort ein zweites Hotel eröffnen. Auch Daniel Müller, CEO von Motel One, bestätigt, dass im vergangenen Sommer touristische Standorte wie Rostock, Lübeck oder Freiburg sehr gut gebucht gewesen seien, von den Großstädten auch Hamburg.

„Spitzenreiter bei den B- und C-Standorten sind Rostock und Freiburg, die im Juli eine Auslastungsrate von rund 83 beziehungsweise 63 Prozent erzielten“, bestätigt Antonia Pfaffhausen von der Treugast. In Verbindung mit den weiterhin anhaltenden außer-europäischen Reisebeschränkungen ist nach Einschätzung der Treugast auch in den kommenden Jahren mit einer gesteigerten Nachfrage in den deutschen B- und C-Destinationen zu rechnen.

Aus den Treugast-Performancedaten der Monate Juni und Juli 2021 zeichnet sich aber auch ein Nachfrageanstieg in den Big-7-Städten ab. Davon profitierten vor allem Hamburg und Berlin mit ihrem Nachfragemix aus Geschäfts- und Freizeitreisenden. Hamburg (51 Prozent) rangierte im Juli unter den Top Ten Deutschlands, und Berlin (45 Prozent) verfehlte diese nur knapp. Ausschlaggebend für den Nachfrageanstieg dort seien zudem vermehrt Präsenz- und Hybridveranstaltungen.

A-Standorte wieder im Kommen

Yilmaz Yildirimlar von Radisson glaubt nicht, dass der Trend des vergangenen Jahres zu höheren Auslastungen in B-Destinationen langfristig anhalten wird. Im ersten Pandemiejahr hätten sich viele Menschen in kleineren Städten sicherer gefühlt, inzwischen entwickelten sich Destinationen wie Berlin, Madrid, Paris oder Amsterdam wieder deutlich positiv, wenn auch auf wesentlich niedrigerem Niveau als 2019. Gerald Kink vom Dehoga Hessen ist der Meinung, dass B- und C-Städte ihre Attraktivität beibehalten werden, fürchtet allerdings in fünf bis zehn Jahren dort Überkapazitäten, da Anleger bereits in den vergangenen Jahren kräftig in diese Standorte investierten und angesichts deren besserer Resilienz während der Pandemie noch interessierter daran ­seien.

Christof Keller vom Rheinhotel Dreesen zeigt sich zuversichtlich: „Viele Deutsche haben durch die Pandemie erst gemerkt, wie viel es im eigenen Land zu sehen gibt“, sagt er. Nun sei es an den Hoteliers, dieses Interesse aufrechtzuerhalten. Im Rheinhotel Dreesen zum Beispiel mit kulturellen Veranstaltungen wie dem „R(h)eingeflüster“, einer neuen Vortragsreihe mit Prominenten, die im November startet.

Susanne Stauß

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