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StartBusiness & ManagementMonotalkAxel Möller im #Monotalk::Was Nächstenliebe für ihn bedeutet

Axel Möller im #MonotalkWas Nächstenliebe für ihn bedeutet

„Der Mensch braucht ein Zuhause, auch wenn er nicht zu Hause ist.“ Diese Philosophie gehört zu den innersten Überzeugungen des Verbandes Christlicher Hoteliers (VCH). Im Gespräch mit Axel Möller ging es darum, wofür der Verband heute steht und wie er das Leitmotiv der Gründerväter zeitgemäß interpretiert, vor allem aber um Vielfalt, Geborgenheit und den ältesten menschlichen Wert: Nächstenliebe.

In Gemeinschaft, auf der Grundlage christlicher Tradition besser für Reisende sorgen zu können, bei gleichzeitiger Wertschätzung der Mitarbeiter: Mit dieser Zielsetzung wurde die Vereinigung 1904 aus der Taufe gehoben. Der Name hat sich geändert, aus dem „Verband christlicher Hospize und Erholungsheime e.V.“ wurde 1990 der VCH – der Leitgedanke ist geblieben und mit Blick auf die heutigen HR-Herausforderungen aktueller denn je: „Herberget gern“ (Brief an die Römer 12,13). Seit 2015 leitet Axel Möller als Geschäftsführer „die traditionsreichste und älteste Hotelkooperation Europas“, der rund 60 unterschiedlichste Häuser, einige davon in kirchlicher oder karitativer Trägerschaft, angehören.

Tophotel: Herr Möller, was verbinden Sie damit, wenn Sie von christlichen Werten sprechen?

Axel Möller: Das sind in erster Linie Werte wie Nächstenliebe und Fürsorge, aber auch eine vorbildliche Haltung etwa zu Nachhaltigkeit oder Inklusion. Mit Blick auf die doch sehr unterschiedlichen Hotelwelten und Menschen in unserer Kooperation, vom Pfarrer im Klosterhotel bis zum Hotelmanager im Businesshotel, ist auch Vielfalt ein Wert, den ich damit verbinde.

Aus welchen Quellen beziehen Sie Ihre christlichen Werte? Gibt es neben der Bibel andere Inspiration?

Selbstverständlich ist die Bibel eine wichtige Quelle für uns, und wir haben uns gerade auch bei der Erarbeitung unseres neuen Werteprofils darauf besonnen. Für mich persönlich aber bezieht jeder Mensch seine Werte vor allem auch aus dem Leben: Aus den Erfahrungen, die man macht und die einen auch immer wieder dazu nötigen, sich und die Dinge zu hinterfragen. Eine wichtige Inspiration besteht im menschlichen Miteinander – darin, immer wieder zu schauen, wer das Gegenüber ist, und wie man sich in den anderen Menschen hineinversetzen kann.

Sie sprechen von einem neuen Werteprofil. Was ­meinen Sie damit ganz genau?

Durch die Vielfalt unserer Mitgliedsbetriebe leben die einzelnen Häuser ein unterschiedliches Selbstverständnis im Hinblick auf das Thema Werte. Das heißt, die Werte unseres Verbandes werden entsprechend unterschiedlich erlebbar gemacht. Mit unserem neuen Werteprofil machen wir das, was es ohnehin schon gibt, für Mitarbeiter und Gäste greifbarer. Wir sehen für unsere Hotelkooperation drei große Markenwerte: Werteorientierung, Geborgenheit und Vielfalt. Natürlich können diese weiter ausgeführt werden, sodass zum Beispiel Werteorientierung für Nachhaltigkeit, für Christlichkeit, für Fairness steht. Letztlich münden unsere Markenwerte natürlich immer im ganz ursprünglichen Leitmotiv unserer Gründerväter: ‚Herberget gern‘. Und dieses ist heute so aktuell wie damals.

Die Beherbergung von Fremden findet sich in allen Weltreligionen als Grundauftrag. Wo zeigt sich die christliche Gastfreundschaft besonders?

Uns ist das Miteinander wichtig, wie wir andere wertschätzen, unabhängig von Religionen, Ansichten und Hautfarben. Alle unsere Gäste sollen diese Grundhaltung und Werte in unseren Häusern spüren. Unser USP ist nicht Bett und Frühstück, sondern das Quäntchen persönliche Zuwendung und Geborgenheit mehr. Das wird getragen durch unsere Mitarbeiter, die wissen, wo und wie die VCH-Werte in ihrem Haus gelebt werden. Sie schaffen Erlebnisse, die von Geborgenheit getragen werden, etwa indem sie wissen, wo der Gast in der Nähe einen Andachtsraum oder Seelsorge findet.

Am Ende geht es dennoch um wirtschaftlichen ­Erfolg…

Selbstverständlich wollen wir mit unseren zentralen Markenwerten auch den Vertrieb nachhaltig steigern. Unser Verband war über viele Jahre wenig sichtbar, es fand sehr viel Marketing in Richtung Kirche statt. Jetzt gilt es, neue Märkte für uns zu erschließen. Ich komme wieder darauf zurück: Dafür müssen unsere Werte erlebbar werden. Sie müssen für die Gäste erlebbar werden. Dieses Verständnis für das VCH-Profil in unseren 60 Häusern zu entwickeln, ist ein wesentliches Ziel des neuen Werteprofils. Wir arbeiten derzeit an der Idee, in den Häusern sogenannte Werbebotschafter für dieses Werteprofil zu gewinnen. Sie sollen deutschlandweit in fünf Regionen geschult werden und in den Teams ihrer Häuser den Markenprozess unterstützen.

Die Werte unserer Gesellschaft und der Umgang damit haben sich über die letzten Jahrzehnte verändert. Stellen Sie das auch bei Ihrer Gästeklientel fest?

Die Klientel, die jetzt ganz speziell nach einem christlichen Hotel sucht, ist eine recht spitze Zielgruppe. Letztlich wünschen sich die Gäste auch bei uns in vielen Fällen einen günstigen Preis und vielleicht das Thema Nachhaltigkeit. Der einzelne Gast findet uns ja eben auch über die klassischen OTAs, und da sortieren wir uns letztlich dann auch im Preis ein. Oder wir werden von Firmenkunden gewählt, die Wert auf eine klimaneutrale Buchungsmöglichkeit legen oder darauf, dass sie barrierefrei tagen können.

Sie sind gelernter Hotelier und waren viele Jahre in der Hotel- und IT-Branche zuhause. Haben Sie sich bei Ihrem Wechsel zu VCH andere Gedanken gemacht als bei früheren Karriereschritten?

Das sicherlich. Die Fragen nach den eigenen Werten, Lebenszielen und Lebensglück waren in der Wechselphase schon sehr präsent. Ich habe das jedoch nie unter dem Begriff ‚christlich‘ gesehen, sondern vielmehr als humanistische Werte. Für mich ist ein fairer und offener Umgang miteinander das oberste Gebot in allem. Das macht für mich Christlichkeit aus. Genau dieses Miteinander finde ich in unserer Kooperation.

Wie gelingt es Ihnen, eine jüngere Mitarbeiter- und Gästegeneration anzusprechen?

Wir stehen für Themen wie Nachhaltigkeit und Inklusion, die zeitgemäßer denn je sind. Damit treffen wir definitiv die Vorstellungen junger Menschen. Unsere Erfahrung, gerade auch in den sozialen Medien, zeigt, dass wir immer dann erhöhte Aufmerksamkeit und Nachfrage generieren, wenn wir genau diese Themen kommunizieren: Man schreibt uns diese Werte nicht nur zu, sondern nimmt sie uns auch ab. Genau mit dieser Authentizität punkten wir. Nicht mit unseren Hotels und ihren tollen Zimmern und Services, sondern mit sozialen, emotionalen Themen wie dem barrierefreien Reisen. Und damit, dass wir Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz bieten. Es gehört zu unserem Selbstverständnis, so zu agieren. Aber wir müssen noch besser lernen, darüber zu sprechen.

Weihnachten ist das Fest der ‚Herberge‘ schlechthin. Wie schaffen Sie es, im Weihnachtstrubel dem ­Persönlichen eine Herberge zu geben?

Nur schwer. Ich bin als Hotelkind in einem Familienbetrieb aufgewachsen, da gab es nur 24/7. Von daher fällt es mir nicht immer ganz leicht, abzuschalten. Das ist noch so ein Lernprozess bei mir.

Was wünschen Sie Ihren Hoteliers für das neue Jahr?

Natürlich wünsche ich ihnen Glück und Gesundheit. Gerade jenen unserer Betriebe, die christlich oder kirchlich geprägt und auf dem Weg in die klassische Hotelwelt sind, wünsche ich Mut und Zuversicht, sich neuen Märkten zu öffnen.

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