Auszeichnung als bester NewcomerAlex Lake ist ein Heimathafen am Zürichsee

Mit dem Alex Lake Zürich hat im Juli ein elegantes Luxus-Boutique-Hotel eröffnet, das Kurz- und Langzeitgästen viel zu bieten hat und durch ein gehobenes Restaurant eng mit dem Umfeld am Zürichsee vernetzt ist. Jetzt wurde das Haus, unter anderem von Trustyou, als bestes Newcomer-Hotel der Schweiz ausgezeichnet.

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Das neue Alex zählt zu den wenigen Hotels, die – mit eigenem Bootssteg – direkt am Zürichsee liegen. Zweifellos ist es am eindrucksvollsten, das Haus vom Wasser aus anzusteuern. Die Gäste brauchen dafür natürlich kein eigenes Wasserfahrzeug: Ein hoteleigenes Shuttle-Boot pendelt mehrmals täglich zwischen Hotel und Zürcher Altstadt hin und her. Die zwanzigminütige Fahrt führt bis zu elf Passagiere von der nur zehn Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernten Anlegestelle am Hotel Storchen nach Thalwil, dem Standort des Alex wenige Kilometer weiter südlich am Westufer des Sees.

Auf dem Weg dorthin prägen das Alpenpanorama und die an beiden Seeseiten kleinteilig bebaute und durchgrünte Hügellandschaft das Bild. Hinter der Anlegestelle mit öffentlichem Holzsteg präsentiert sich das Alex als Ensemble aus unterschiedlich hohen und großen Baukörpern mit hellen, klassisch-gediegenen Travertin- und Putzfassaden. Das maßstäblich in die Umgebung eingefügte Gebäude beherbergt ein Restaurant mit über 220 Sitzplätzen und großer Seeterrasse sowie insgesamt 44 Studios und Penthouses. Alle Zimmer bieten Seeblick, die Alex-Studios unter der Restaurantterrasse liegen direkt am Holzsteg. Angesichts dieser Nähe zum Wasser fragen sich auch Menschen ohne baurechtliche Vorkenntnisse, wie es wohl gelungen ist, ein Haus so nah an den See bauen zu dürfen. Die Antwort liegt in der Geschichte des Projekts.

Bestandsschutz für entkernten Altbau

Erbaut wurde das Hotel ursprünglich im Jahr 1958 – als „Hotel Krone“, das später in Hotel Alexander am See umbenannt wurde. Mitte der 2010er-Jahre übernahm ein privater Schweizer Investor das in die Jahre gekommene Haus mit 22 Zimmern. Er beauftragte das Zürcher Architekturbüro Marazzi und Paul zunächst mit Marktforschungen und schließlich mit einer Entwurfs- und Genehmigungsplanung für ein deutlich größeres Haus. Hinsichtlich Kubatur und Gebäudeausdruck sollte eine „Villa am See“ entstehen. Die Planung beinhaltete die Entkernung und eingeschossige Aufstockung des vierstöckigen Altbaus sowie einen dreigeschossigen Erweiterungsneubau im Bereich eines ehemals an der Straße liegenden Festsaals. Hinzu kam eine vollautomatische System-Tiefgarage mit 19 Stellplätzen unter dem nördlichen Parkplatz. Die Entscheidung für die kostspielige und aufwendige Ertüchtigung und Erweiterung des Altbaus erbrachte im Vergleich zu einem Neubau zwei entscheidende Vorteile: Zum einen gilt der Bestandsschutz – ein Ersatzneubau wäre nach heutigem Baurecht nicht mehr direkt am See möglich. Zum anderen trug die Nutzung der alten Baustruktur zur Nachhaltigkeit des Projekts bei.

Die Lage direkt am See spielt für ein tragfähiges Hotelkonzept eine wichtige Rolle, ist allein aber nicht ausreichend. Um sich von anderen Hotels des gehobenen Segments abzugrenzen, entstand die Idee, den Kreis der potenziellen Gäste zu vergrößern und ein Haus insbesondere für Langzeitgäste zu schaffen. Auch deshalb, weil Zürich in dieser Hinsicht bislang nur wenige Konkurrenzangebote bietet, bei denen es sich zudem meist um möblierte Wohnungen mit Reinigungsservice handelt. Im Alex sollten jedoch keine Serviced Apartments, sondern mindestens 33 Quadratmeter große Studios und Penthouses mit Kitchenette und Full Service im Vier- bis Fünfsternesegment entstehen.

White Label sichert Traditionsnamen

Auf Grundlage der Genehmigungsplanung mit fixierter Lage, Größe und Anordnung von Zimmern und Küche lobte der Investor ein Ausschreibungsverfahren für Hotelbetreiber aus. Den Zuschlag erhielt Campbell Gray Hotels, Eigentümer und Betreiber mehrerer Luxushotels in aller Welt. Für diese Wahl sprach unter anderem, dass es sich hierbei um ein White Label handelt, sodass sich nicht der Markenname eines Betreibers, sondern – in Anknüpfung an das Vorgängerhotel – der Name „Alex“ etablieren konnte. Heute wird das Haus unter dem Namen „Alex Lake Zürich – a Campbell Gray Hotel“ betrieben und vermarktet, während sich die Immobilie nach wie vor im Besitz des Investors befindet.

Trotz des fortgeschrittenen Planungsstadiums gab es Möglichkeiten, das Haus an die individuellen Bedürfnisse des Betreibers anzupassen. Die meisten Veränderungen erfolgten im Küchenbereich, in dem die Arbeitsabläufe an das Restaurantkonzept anzupassen waren. Restaurantbetreiber ist Fourpoint Food, Teil der Audeh Group of Companies, zu der auch Campbell Gray Hotels gehört, was den Gästen einige Vorteile beschert. Bei einem unabhängig vom Hotel geführten Restaurantbetrieb wäre unter Umständen weder ein Zimmerservice noch ein morgendliches Frühstück möglich gewesen. Dass der Investor das Restaurant von Anfang an so konzipierte, dass es weitgehend unabhängig vom Hotel funktioniert, lässt sich schon an dessen Größe ablesen. Die Erfolgsaussichten für „The Boat House“ mit 80 Innen- und 160 Terrassenplätzen stehen gut. Schließlich war dieser Standort in Zürich schon zu Zeiten des Vorgängerhotels bekannt für eine hochwertige Gastronomie direkt am See. Die kosmopolitische, unkomplizierte, see- und meerbezogene Küche soll die lokale Bevölkerung ebenso ansprechen wie Touristen und die Business-Community der zahlreichen in der Umgebung angesiedelten Unternehmen.

Reminiszenz Luxusyacht

Das Interior des Hotels entstand unter der kreativen Ägide der Innenarchitekten Brady Williams Studios. In enger Abstimmung mit dem Eigentümer, dem Betreiber und den Architekten entwickelte das Londoner Büro ein feinsinniges Material- und Oberflächenkonzept, das zusammen mit den eigens entworfenen Leuchten und Möbeln entscheidend zur Maßstäblichkeit und Wohnlichkeit des Alex Lake Zürich beiträgt. Ganz gleich, ob in den Studios und Penthouses, der Lobby oder im Restaurant: Prägend sind lichtdurchflutete Räume mit bodentiefen Fenstern sowie helle, warme Holz- und Stoffoberflächen, die Erinnerungen an die Ausstattung von Luxus­yachten wecken. Die angenehm wohnliche Atmosphäre ist auch das Ergebnis einer bis ins Detail sorgfältig durchdachten Architektur. Dies zeigt sich beispielsweise an der luftig-offenen Haupttreppe am Straßeneingang, die dank der abgetreppten Untersicht fast skulpturale Züge trägt. Dass sie zugleich als Fluchttreppenhaus dient, ist kaum spürbar, weil dort – wie auch überall sonst im Haus – notwendige Brandschutzschiebetüren in Wandtaschen versteckt sind. Kaum zu sehen sind auch die zahlreichen zum Erreichen des Schweizer Minergie-Standards realisierten Nachhaltigkeitsmaßnahmen: sehr gute Wärmedämmung, Dreifachverglasung, kontrollierte Lüftung in den Zimmern, vor allem aber eine energieeffiziente Gebäudeheizung und -kühlung mittels Seewasser.

Small Luxury Hotel

Angesichts der bisher nur kurzen Betriebs­zeit lässt sich noch wenig über den Erfolg des Hotelkonzepts berichten. Aber es gibt klare Zielgruppenvorstellungen: In der warmen Jahreszeit werden vor allem Touristen, Leisure- und Business-Gäste erwartet, danach dann – wie auch in Zürich – eher Business-Reisende. Hinzu kommen Langzeitgäste. Für sie liegt der Vorteil vor allem darin, dass das Alex im Gesamtpaket wesentlich mehr zu bieten hat als vergleichbare Longstay-Häuser. So gibt es neben dem Restaurant und der voll ausgestatteten Küchenzeile in jedem Studio auch einen Meeting­raum, eine Residents Lounge direkt am See, eine Selfservice-Wäscherei, einen Fitnessraum sowie einen Wellnessbereich mit kleinem Pool, Dampfbad, Sauna, Behandlungsraum und Seezugang. Die Dienstleistungen des Wellnessbereichs stehen auch externen Gästen offen, etwa für Gesichtsbehandlungen, Massagen, Ernährungsworkshops oder Yogakurse. Eine Sterne-Kategorisierung ist noch nicht erfolgt. Das Hotel definiert sich in seinem Selbstverständnis aber ohnehin weniger über Sterne als durch seine besondere Atmosphäre und seine Services – und seine Mitgliedschaft im Marketingverbund Small Luxury Hotels of the World. Alex Lake Zürich ist ein kleines, familiär wirkendes Hotel, in dem Luxus nicht inszeniert, sondern gelebt wird.

Roland Pawlitschko

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