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StartBusiness & ManagementAusgezeichnet ökologisch::Wie Klaus-Günther Wiesler sein Seehotel nachhaltig aufstellt

Ausgezeichnet ökologischWie Klaus-Günther Wiesler sein Seehotel nachhaltig aufstellt

Was gut für die Umwelt ist, ist auch gut für den Geldbeutel: Nach zahlreichen nachhaltigen Maßnahmen für sein Seehotel im Schwarzwald zieht Klaus-Günther Wiesler eine positive Bilanz. In einigen Bereichen leistete er sogar Pionierarbeit.

Das Seehotel Wiesler am Titisee im Schwarzwald ist in Sachen Nachhaltigkeit im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnet: Klaus-Günther Wiesler, der das Hotel führt, erhielt 2019 für sein Engagement rund um die Themen Ökologie, Umweltbewusstsein und Natur das Bundesverdienstkreuz. Dabei hatte er keinen einfachen Start, als er 1994 das von seinen Eltern gegründete Haus übernahm.

Eine seiner ersten Investitionen war die Hackschnitzel-Heizung, um die laufenden Kosten zu senken. „Damals ging es nur um wirtschaftliche Aspekte, nicht um Nachhaltigkeit“, gibt der Hotelier zu. Aber schnell merkte er: Eine nachhaltige Investition zahlt sich fast immer aus. Die Anschaffungs- oder Umstellungskosten seien oftmals hoch, mit den Jahren ließe sich das Geld aber wieder reinholen. Heute läuft das Hotel so gut, dass Wiesler es sich leisten kann, nicht mehr jede nachhaltige Maßnahme durchzurechnen. „Irgendwann denkt man nicht mehr drüber nach, sondern macht einfach.“

Kleine Maßnahmen lohnen sich

Wiesler hat das, was er in den vergangenen 15 Jahren umgesetzt hat, in einer Excel-Tabelle erfasst, damit er den Überblick behält. Das Dokument umfasst knapp 100 Punkte und wird ständig ergänzt. Die kleinen Veränderungen verzeichnet der Hotelier darin nicht, etwa die Kosmetikpads in den Zimmern, die nicht einzeln in Plastik verpackt sind, sondern offen in einem Glas bereitstehen. Oder die dünnen Fleece-Auflagen für den Wellness-Bereich, die anstatt großer schwerer Handtücher auf den Liegen als Unterlage dienen. An dieser Maßnahme zeigen sich die Vorteile deutlich: Die Mitarbeiter müssen keine schweren Handtücher tragen und die Umwelt wird geschont, da weniger Waschmittel zum Einsatz kommen und der Trockner kaum arbeiten muss. Wiesler spart Geld, und die Gäste haben ein gutes Gefühl.

Was er stets abwägen muss ist, ob eine neue Maßnahme mit höherem Aufwand für das Personal verbunden ist und – ob aufwendiger oder nicht – die Akzeptanz hierfür ausbleibt. Bei der Umstellung der Reinigung der Zimmer und des Wellnessbereichs hatten die Mitarbeiter anfangs Zweifel, dass das System, das ohne chemische Mittel auskommt, ebenso effektiv ist. Die Reinigung erfolgt anhand von Trockendampf-Maschinen. Die Flächen werden dabei unter hohem Druck mit heißem, nahezu trockenem Dampf behandelt. Mitarbeitende zu überzeugen, die Philosophie zu leben, gehört laut Wiesler zu den schwierigsten Aufgaben.

Ständiger Spagat

Auch Wiesler selbst plagen immer wieder Zweifel. Er muss den Spagat schaffen, mit seinem Viersterne-Superior-Hotel nachhaltig zu agieren und dabei trotzdem konkurrenzfähig zu bleiben. Wenn der Hotelier im Winter von der Terrasse Richtung See blickt, schickt der Freiluft-Whirlpool im Garten ununterbrochen dampfende Grüße. „Natürlich wollen die Gäste 34 Grad Celsius warmes Wasser, wenn sie draußen im Pool sitzen“, sagt der Hotelier. Dennoch spielten beim Umbau des Wellnessbereichs 2013 Nachhaltigkeitskonzepte beziehungsweise Einsparpotenziale eine große Rolle.

Das Ergebnis ist eine Schwimmhalle, die mit Glas umbaut ist, um die Wärmeverluste möglichst klein zu halten. Neben dem Becken gibt es nur vier Liegen, die anderen befinden sich außerhalb in verglasten Räumen, sodass alles trotzdem weitläufig wirkt. Ein weiterer Nebeneffekt: Die Akustik ist gedämpft. Auf dem Dach befindet sich eine Solaranlage, die das Wasser mitheizt.

Bei der Versorgung der Saunas mit Wärme hat der Hotelier trotz Bedenken seitens des Herstellers seinen Plan umgesetzt. Von seiner zentralen Hackschnitzel-Heizung legte er eine Leitung zu den beiden Holzhütten im Garten, die die Schwitzstuben beheimaten. Er rechnete damit, dass er sie so auf 40 Grad Celsius heizen kann, den Rest sollten Elektroöfen liefern. Vom Ergebnis war Wiesler selbst überrascht: Im besten Fall werden sogar 65 Grad Celsius per Fernwärme erreicht. Der 61-Jährige spart damit Geld und schont die Umwelt. Die Bäume für die Hackschnitzelanlage wachsen quasi vor der Haustür des Hotels.

Nicht nur heiße Luft

Die Trockner ließ der Hotelier so umbauen, dass sie wie die Sauna ebenfalls mit der Energie aus der Hackschnitzelanlage statt mit Strom laufen. Das warme Wasser verwandelt sich im Wärmetauscher in heiße Luft. Und dem Whirlpool hat er eine Spar-Funktion verpasst. Dieser leert sich nach einer gewissen Zeit, wenn er nicht genutzt wird. Der Effekt: Das Wasser kühlt sich im Kellerbecken nicht so schnell ab. „Beides hat sich die Industrie mittlerweile bei mir abgeschaut“, betont Wiesler. Auch die hybriden Saunas, bei denen die Hersteller anfangs skeptisch waren, gibt es mittlerweile in Serie, sagt er.

Viel Werbung für all die Maßnahmen macht Wiesler nicht. Auf den Zimmern liegt lediglich ein Flyer, der auf die Nachhaltigkeits-Zertifizierungen hinweist, den genutzten Ökostrom anpreist und Aufschluss über die regionalen und Bio-Produkte gibt, die in der Küche verarbeitet werden. Nur selten kritisieren Gäste einzelne Maßnahmen – einmal hat sich ein Gast über das Öko-Toilettenpapier beschwert, erinnert sich Wiesler. Essensreste wandern nicht in die übliche Entsorgung, vielmehr verfügt das Hotel über zwei Kompostiermaschinen, die zum Beispiel übrig gebliebene Salate innerhalb von 24 Stunden umwandelt. Der Kompost landet in Beeten rund ums Hotel als Nährboden für Blumen und Pflanzen.

Beim Thema Nachhaltigkeit rät Wiesler anderen Hoteliers: „Zählen, Messen, Wiegen. Es empfiehlt sich zunächst, sich einen Überblick zu verschaffen.“ Das gilt zum Beispiel für den Strom- und Wasserverbrauch. „Energie macht bis zu zehn Prozent vom Umsatz aus. Tendenz steigend“, konstatiert er. Es empfehle sich zudem, die eigenen Zahlen mit denen anderer, ähnlich aufgestellter Hotels zu vergleichen.

Auch die Abfallmengen zu analysieren und Warenlieferungen auf ihre Verpackung hin zu prüfen sei ratsam. Wiesler sucht immer wieder das Gespräch mit seinen teils kleinen Lieferanten. So stieß er an einigen Stellen ein Umdenken an, auch bei größeren Anbietern im Foodbereich. Auf seine Initiative hin hätten sie zum Beispiel neue Tee- oder Kaffeesorten aufgenommen, die einen besseren ökologischen Fußabdruck haben.

Christian Schreiber

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