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StartBusiness & ManagementAllgemeinAusblick: Wann kommt der Robo-Koch?

Ausblick Wann kommt der Robo-Koch?

Für kommende Generationen könnte die Zusammenarbeit mit Robotern völlig natürlich werden. Noch allerdings fehlt es vielerorts an Vorstellungskraft, dass eines Tages gelernte Köche und mechanische Assistenten Seite an Seite in der Küche arbeiten und gemeinsam Menüs zubereiten. In den Augen der Entwickler liegt dieser Tag näher als gedacht.

Rund 1.000 Mauersteine legt »Hadrian X« pro Stunde. Stein um Stein reiht der neuartige, automatisierte Bauroboter aneinander und lässt so in nur zwei (!) Tagen ein kleines Haus entstehen – x-mal schneller, als es die fleißigsten Maurer je fertigstellen könnten. Das dazugehörige Video kursierte Ende vergangenen Jahres in den sozialen Medien und zeigte eindrucksvoll den aktuellen Stand der Technik. Und es warf jene Fragen auf, die seit jeher in einem Atemzug mit der Automatisierung genannt werden: Mischen die Roboter nach den Fabrikhallen jetzt auch andere Wirtschaftszweige auf? Sind Berufsbilder – wie im oben genannten Fall der Maurer – mehr oder weniger austauschbar? Nehmen Roboter den Menschen folglich Arbeitsplätze weg?

Die Antwort lautet: Selbstverständlich! Weil dies der technologische Fortschritt eben mit sich bringt. Auch auf Bauernhöfen sind Melkmaschinen, die ohne menschliche Aufsicht arbeiten, keine Seltenheit mehr. In Krankenhäusern werden Roboter als präzise Helfer am OP-Tisch eingesetzt und vor allem dem Bereich Transport und Logistik wird durch das vernetzte und automatisierte Fahren ein hoher Grad an Automatisierung zugeschrieben. Auf der anderen Seite wäre ein internationaler Autobauer ohne den Einsatz modernster Technik heute wohl kaum in der Lage, wettbewerbsfähige Fahrzeuge auf den Markt zu bringen.

Und auch in der gastlichen Branche ist es längst so, dass durch technologische Hilfsmittel bereits Jobs eingespart werden. »Rofobox« beispielsweise faltet seit Jahren Servietten mitsamt Banderolen und – wenn gewünscht – mit eingerolltem Besteck. Gepäck kann längst von Roboterarmen und Transportsystemen gelagert und wieder hervorgeholt werden – das Hotelkonzept Yotel wurde damit weltbekannt. Und auf Kreuzfahrtschiffen mixen Roboter Cocktails zur Freude der Gäste. Auch die Erfindung des Kombidämpfers durch Rational in den 1970er-Jahren beispielsweise sorgte dafür, dass vermehrt qualifizierte Köche durch angelernte Mitarbeiter ersetzt werden konnten. Entsprechend gab das Landsberger Unternehmen seinem Erfolgsprodukt den Namen »SelfCookingCenter«.  

Chance für den Küchenroboter?

Dass Unternehmen aus Hotellerie und Gastronomie hohe Personalkosten schultern müssen und daher kontinuierlich zu Rationalisierungsprozessen gezwungen sind, ist nicht neu. De-Personalisierung war lange Zeit  das Stichwort an dieser Stelle, mittlerweile trägt aber der Fachkräftemangel vielerorts dazu bei, dass weniger Personal in der Küche oder im Service auf der Payroll steht. Aber: Können die für vereinfachte Betriebsabläufe stehenden Hightech-Innovationen wie beispielsweise Koch-Roboter dieser Vakanz entgegenwirken? Die Meinungen darüber gehen auseinander, Estrel-Küchendirektor Peter Griebel ist beispielsweise überzeugt, dass Fingerfertigkeit und Leidenschaft eines Kochs nicht durch Roboter ersetzt werden können. Ganz ähnlich argumentiert VKD-Mitglied Franz Berlin aus Bad Teinach, der auf die sehr komplexen Prozesse verweist: »So weit, sie automatisiert umzusetzen, ist die Technologie noch nicht.«

GM Klaus Michael Schindlmeier aus dem Palatin Kongresshotel Bad Wiesloch, selbst gelernter Koch, schließt seinerseits für die Zukunft generell nichts aus: »Es wird sicher möglich sein, bestimmte Essensformen von Robotern herstellen zu lassen. Es wird in Zukunft auch neue Hotels geben, die ihre Gäste mittels Technik ganz ohne oder mit wenig Personal erreichen werden«, wagt Schindlmeier eine Prognose. 

Unbestritten ist, dass derzeit mit hohem Aufwand daran geforscht wird, die Technologie in der Küche durch den Einsatz von Robotern auf ein anderes Level zu heben. Allen voran das britische Unternehmen Moley Robotics macht in diesem Kontext mit seinem »Robo-Chef« von sich reden – wobei man sich jetzt bitte nicht Androiden à la »C3PO« aus der Star Wars-Saga vorstellen sollte, sondern ganz pragmatisch zwei Roboterarme, die kameragesteuert ihrer Arbeit nachgehen. 2015 stellte der Erfinder Mark Oleynik seinen technischen Küchenhelfer der Öffentlichkeit auf der »Hannover Messe« vor und erntete damit weltweite Aufmerksamkeit. Einerseits weil das System tatsächlich auf Befehl selbstständig eine Krabbensuppe zubereiten konnte, andererseits weil Oleynik ankündigte, »Robo-Chef« binnen weniger Jahre zur Serienreife weiterzuentwickeln und ihm 2.000 verschiedene Gerichte einzuspeichern.

Die Kosten für das Gesamtpaket sollen bei rund 14.000 Euro liegen. Auch wenn die Technik vorerst primär für den privaten Haushalt ausgetüftelt wurde, lassen sich ohne Weiteres Szenarien für die Profiküche ableiten, zumal mit dem bekannten britischen Koch Tim Anderson ein »Lehrmeister« gefunden wurde, der dem Küchenroboter sein erstes Gericht beigebracht hat. Dafür wurde der Kochprozess zunächst in einem Studio in 3D aufgenommen und die Bewegungen von Tim Anderson anschließend in Algorithmen transferiert, sodass diese von den Roboterarmen nachgeahmt werden können. Letztere sind oberhalb eines Arbeitsfeldes angebracht und verfügen über zwei äußerst filigran ausgearbeitete Hände mit insgesamt 20 Motoren, 24 Gelenken und 129 Sensoren. Diese können Töpfe greifen und auf den Herd stellen, Gemüse schneiden oder hacken, Zutaten in ein Gefäß geben und die Masse anschließend rühren und mixen.

Auch wenn jede Aktion für sich bereits erstaunlich geschmeidig wirkt – was »Robo-Chef« fehlt, ist die eigene künstliche Intelligenz. Denn: Befindet sich bei dem Setting nur ein Element nicht an seinem vorgeschriebenen Platz – ist beispielsweise der Löffel ein stückweit verrückt oder der Topf nicht an der vorgeschriebenen Stelle – können die Roboterarme ihre vordefinierten Aktionen nicht ausführen und das Chaos ist vorprogrammiert. An diesen und weiteren Punkten wollen die Forscher noch intensiv arbeiten, unter anderem, indem sie dem System in der nächsten Entwicklungsstufe ein eigenes Sehvermögen implementieren. 

Praxisnähe ist  unabdingbar

Die derzeit noch fehlende künstliche Intelligenz ist also das große Manko der Küchenroboter, die ihre Arbeit stur nach Schema F, beziehungsweise dem jeweiligen Kochprogramm erledigen. Zweifellos wird in den kommenden Jahren auch diese Problematik von den Forschern gelöst werden, sodass intelligente Küchenroboter schneller zur Serienreife gelangen, als man es sich mancherorts heute vorstellen kann.

Abschmecken wird der Robo-Chef die Gerichte aber auch in Zukunft nicht können, ebensowenig wie neue Speisen kreieren oder eine Menüfolge zusammenstellen. Deshalb ist Klaus Michael Schindlmeier überzeugt, dass es neben einem hohen Grad an Technisierung in der Küche auch immer Hotels und Restaurants geben wird, die »Handarbeit und traditionelle Kochkunst« pflegen werden. Nichtsdestotrotz hat der GM gerade erst wieder 200.000 Euro in seine Küche investiert, »aber nicht aus Personalmangel, sondern um die Mitarbeiter zu entlasten und Möglichkeiten zu schaffen, noch kreativer und zukunftsorientierter zu kochen.« Auch das Berliner Estrel macht vor Hightech-Innovationen selbstverständlich nicht halt, da moderne Geräte Betriebsabläufe vereinfachen, weniger Platz benötigen und Kosten senken. »Wichtig ist aber, dass diese Technologien einfach und schnell bedienbar sind. Niemand hat Zeit, sich eine Stunde hinzusetzen und eine umfangreiche Bedienungsanleitung für einen Salamander oder einen Konvektomaten zu lesen«, betont Peter Griebel. 

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