Analyse Ausbildungsreport 2026: So schneidet die Hotellerie ab

Bei Hotelfachleuten sind nur 53,6 Prozent mir ihrer Ausbildung „zufrieden“.
Bei Hotelfachleuten sind nur 53,6 Prozent mir ihrer Ausbildung „zufrieden“. © pressmaster - stock.adobe.com

Während die Mehrheit der Befragten ihre Ausbildung positiv bewertet, fällt das Urteil bei Hotelfachleuten zurückhaltender aus. Der Report zeigt, was Lehrlinge zunehmend belastet.

Die duale Berufsausbildung wird von der Mehrheit der jungen Menschen weiterhin positiv bewertet. Gleichzeitig offenbart der Ausbildungsreport 2026 der DGB-Jugend deutliche Unterschiede bei den Ausbildungsbedingungen und insbesondere bei der Zufriedenheit in einzelnen Berufen. Für die am 20. August 2026 in Berlin vorgestellte Untersuchung wurden 13.227 Auszubildende aus den 25 am stärksten besetzten dualen Ausbildungsberufen befragt.

Insgesamt geben 65,7 Prozent der Befragten an, mit ihrer Ausbildung „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“ zu sein. Gibt es im Betrieb eine betriebliche Interessenvertretung, steigt dieser Anteil auf 75,7 Prozent. Gleichzeitig berichtet rund die Hälfte der Befragten von psychischen Belastungen.

Große Unterschiede zwischen den Ausbildungsberufen

Besonders positiv bewerten Verwaltungsfachangestellte ihre Ausbildung: 81,8 Prozent sind mit ihrer Situation „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“. Vergleichsweise hohe Werte erreichen zudem Mechatroniker, Industriemechaniker und Industriekaufleute.

Deutlich niedriger fällt die Zufriedenheit bei Hotelfachleuten aus. Hier bewerten lediglich 53,6 Prozent ihre Ausbildung positiv. Auch bei Friseuren, Zahnmedizinischen Fachangestellten und Köchen zeigen sich niedrigere Zufriedenheitswerte.

Der Report nennt mehrere Faktoren, die den Ausbildungserfolg beeinflussen. Mehr als ein Drittel der Befragten, konkret 35,4 Prozent, leistet regelmäßig Überstunden. Weitere 16,3 Prozent müssen „immer“ oder „häufig“ Aufgaben übernehmen, die nicht Bestandteil ihrer Ausbildung sind und aus Sicht der Befragten nicht zum Lernerfolg beitragen.

„Junge Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung, weil sie einen Beruf lernen und darin gut werden wollen. Dafür brauchen sie gute fachliche Anleitung, planbare Arbeitszeiten und Aufgaben, die wirklich zum Ausbildungsziel gehören“, sagt DGB-Bundesjugendsekretärin Nina Krüger. Wo die Ausbildung gut organisiert sei, stiegen Motivation und Zufriedenheit sowie die Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss.

Die Forderungen der DGB-Jugend auf einem Blick:

  • Fort- und Weiterbildungen zu mentaler Gesundheit für Ausbildungspersonal und Berufsschullehrkräfte,
  • Mindestausbildungsvergütung erhöhen auf mindestens 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung über alle Branchen hinweg,
  • Azubiwohnheime mit sozialpädagogischer Begleitung bundesweit aufbauen,
  • Die unbefristete Übernahme aller Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss sicherstellen. Ausbildung braucht verlässliche Perspektiven.

Mitbestimmung beeinflusst Ausbildungsbedingungen

Eine zentrale Rolle spielt laut Ausbildungsreport die betriebliche Mitbestimmung. Wo eine Jugend- und Auszubildendenvertretung, ein Betriebs- oder Personalrat vorhanden ist, werden Probleme demnach eher angesprochen und Rechte besser durchgesetzt. Die Interessenvertretungen sollen zudem dazu beitragen, dass Ausbildungspläne eingehalten werden.

Auch die Frage der späteren Übernahme sorgt bei vielen jungen Menschen für Unsicherheit. 37,1 Prozent der Auszubildenden im letzten Ausbildungsjahr wissen kurz vor dem Abschluss noch nicht, ob ihr Betrieb sie übernehmen wird. Die Chancen auf eine Weiterbeschäftigung unterscheiden sich dabei nach Angaben der DGB-Jugend je nach Branche und Betrieb.

Doch auch der Weg in eine Ausbildung sei oft schwierig. 2,76 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren hätten keinen Berufsabschluss. Und nicht einmal mehr 19 Prozent der Betriebe bildeten aus. „Arbeitgeber müssen endlich stärker in die Verantwortung – wer über Fachkräftemangel klagt, muss auch ausbilden. Deshalb brauchen wir eine umlagefinanzierte Ausbildungsplatzgarantie, die Ausbildungskosten solidarisch verteilt, ausbildende Betriebe stärkt und alle Betriebe in die Verantwortung nimmt“, fordert die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack deshalb. Das Bauhauptgewerbe sowie die Länder Bremen und Berlin würden zeigen, dass es möglich ist.

Hälfte der Auszubildenden berichtet von psychischer Belastung

Ein weitert Schwerpunkt des Ausbildungsreports ist die mentale Gesundheit. 50,6 Prozent der Befragten geben an, psychische Belastungen zu erleben. Zu den abgefragten Belastungsfaktoren im Arbeitsumfeld zählen Leistungs- und Zeitdruck, den gut 21 Prozent nennen, sowie Personalmangel mit 19,6 Prozent und Verantwortungsdruck mit 19,2 Prozent.

Dabei spielt die Betreuung im Ausbildungsbetrieb eine wichtige Rolle. Sind Ausbilderinnen und Ausbilder nach Angaben der Befragten immer erreichbar, fühlen sich 8,5 Prozent hoch belastet. Ist die Betreuung selten oder nie erreichbar, steigt dieser Anteil auf 36 Prozent.

„Gute fachliche Anleitung, planbare Arbeitszeiten, ausreichend Zeit für Erholung und Aufgaben, die dem Ausbildungsziel dienen, können Belastungen reduzieren“, sagt Nina Krüger. Gleichzeitig fehlt vielen jungen Menschen eine Möglichkeit, über ihre Probleme zu sprechen: 41,7 Prozent der psychisch belasteten Auszubildenden geben an, niemanden zu haben, mit dem sie darüber sprechen können. Die DGB-Jugend fordert deshalb niedrigschwellige Ansprech- und Beratungsangebote sowie verpflichtende Fortbildungen zur mentalen Gesundheit für das Ausbildungspersonal.

Finanzielle Situation belastet viele Auszubildende

Neben den Bedingungen im Betrieb spielt die finanzielle Situation eine weitere Rolle. 65,3 Prozent der Befragten geben an, von ihrer Ausbildungsvergütung „weniger gut“ oder „gar nicht“ selbstständig leben zu können. Fast ein Drittel ist auf zusätzliche finanzielle Unterstützung der Eltern angewiesen, etwa jeder Achte arbeitet neben der Ausbildung.

Dementsprechend fühlen sich 49,9 Prozent belastet, 35 Prozent durch eine schwierige Wohnsituation. Nebenjobs, die Pflege von Angehörigen und Kindererziehung werden jeweils von knapp zehn Prozent als Belastungsfaktoren genannt.

Krüger fordert deshalb eine höhere gesetzliche Mindestausbildungsvergütung. „Ausbildung muss jungen Menschen einen eigenständigen Start ins Berufsleben ermöglichen. Wer eine Ausbildung beginnt, braucht eine Vergütung, die zum Leben reicht“, sagt sie. Gerade angesichts steigender Mieten und Lebenshaltungskosten dürfe die finanzielle Situation nicht darüber entscheiden, ob junge Menschen ihren Wunschberuf erlernen können. red/sar