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StartAufmacherAusbildung::Digitale Transformation macht Schule

AusbildungDigitale Transformation macht Schule

Die Neuordnung der gastgewerblichen Berufe, die zum 1. August in Kraft getreten ist, ebnet den Weg für eine zeitgemäßere Ausbildung. Die Digitalisierung wird damit explizit Bestandteil der Lerninhalte. Wir werfen einen Blick auf den so langwierigen wie dringend nötigen Modernisierungsprozess und seine Ergebnisse.

Die Generation Z hat keine Schwellenängste, wenn es um digitale Medien geht. Die heutigen Auszubildenden sind Digital Natives und assoziieren mit neuen Technologien eher Spaß als Aufwand. Doch teilweise wurden sie noch nach Verordnungen aus dem Jahr 1998 ausgebildet. Seit dem 1. August ist das nun anders: Die neue Ausbildungsordnung fürs Gastgewerbe, die verstärkt die Digitalisierung integriert, ist in Kraft getreten.

Modernisierte Ausbildungsberufe

Schon 2014 wurde das vom Dehoga und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) auf den Weg gebrachte Vorhaben den behördlichen Stellen vorgetragen. Rund acht Jahre später kam im März 2022 die Mitteilung, dass die modernisierten Ausbildungsberufe im Hotel- und Gastgewerbe an den Start gehen. Außer der Digitalisierung sind nun auch Nachhaltigkeit und Umwelt­schutz explizite Bestandteile der Lerninhalte für:

  • Köchinnen und Köche
  • Fachkräfte Küche
  • Fachleute für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie
  • Fachkräfte für Gastronomie
  • Fachleute für Systemgastronomie
  • Hotelfachleute
  • Kaufmänner/Kauffrauen für Hotelmanagement

Und das in dem Umfang und für die Bereiche, wie sie für die jeweiligen Tätigkeiten relevant und angemessen sind.

Der Prozess dahinter

Acht Jahre sind eine lange Zeit. Allerdings hat es der Prozess zur Novellierung von Ausbildungsgängen in sich. Initiatoren für die Modernisierung der Lerninhalte an Berufsschulen und in den Betrieben sind im Allgemeinen die Branchenvertreter. Sie nehmen die Veränderungen in der betrieblichen Praxis wahr und identifizieren dementsprechend die Fähigkeiten, die in der Ausbildung zukünftig vermittelt werden sollten.

Über die Festlegung der Inhalte des Lehrplans jedoch hat der Staat die Hoheit. Und hier wird es kompliziert. Auftraggeber für Novellen der Ausbildungsinhalte im Gastgewerbe ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK). Auf Initiative der Branchenvertretungen stößt das BMWK zunächst die Kosten-Nutzen-Prüfung und, bei positivem Ergebnis, die Umsetzung des Vorhabens an.

Dabei werden von staatlicher beziehungsweise behördlicher Seite unter anderem die Bildungsministerien von Bund und Ländern sowie weitere Bundes- und Landesministerien, Vertreter der Berufsschulen und sogar der Bunderechnungshof involviert. Damit der Bezug zur Praxis und zu den Belangen in der Ausbildung gewährleistet ist, bringen sich der Dehoga und seine Landesverbände, die NGG und auch die Kammern in den Prozess ein.

Alle diese Parteien und ihre Interessen unter einen Hut zu bringen, ist Aufgabe des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Als „Projektkoordinator“ hat das BIBB die Aufgabe, alle Beteiligten einzubinden, die Erstellung der neuen Lerninhalte zu moderieren und am Ende die Ergebnisse dem BMWK zur Unterschrift vorzulegen. Das finale Dokument ist eine „Verordnung über die Berufsausbildung“ und wird im Bundesgesetzblatt veröffentlicht.

Die Basis für die Zukunft ist gelegt

Nach Veröffentlichung der neuen Ausbildungsverordnungen hatten Schulen und Kammern wenige Monate Zeit, die Vorgaben in schulische Lernsituationen zu übertragen und Lehrmaterialien zu erstellen. Die Kammern hatten die Aufgabe, die Ausbildungsbetriebe über die Neuerungen zu informieren, die Integration in die innerbetriebliche Ausbildung anzustoßen und die Prüfungsinhalte zu überarbeiten.

Bei alledem müssen die Akteure sicherstellen, dass insbesondere die grundsätzlichen Zusammenhänge vermittelt werden, die zur Auseinandersetzung mit den Herausforderungen befähigen, die in der Zukunft entstehen. Die Wissensvermittlung darf nicht zu technisch sein, um bestimmte Personengruppen nicht von vornherein auszuschließen.

Alles keine leichte Aufgabe. Aber dank der neuen Ausbildungsverordnungen kommt die Branche einen wichtigen Schritt voran: Sie hat nun die Basis, den Nachwuchs systematisch auf die Zukunft vorzubereiten. Im Idealfall wird die Ausbildung sogar zur Innovationsquelle für die Betriebe. Zum Beispiel, wenn sich Azubis über Best-Practice-Erfahrungen austauschen und ihren Arbeitsplatz mit neuen Ideen bereichern.


Ausbildungsrahmenplan

Hinsichtlich der Digitalisierung fokussiert sich der Ausbildungsrahmenplan für Köchinnen und Köche auf die Vermittlung von Kenntnissen in den Bereichen innerbetriebliche Kommunikation und Warenwirtschaft. In etwas reduzierter Form gilt das auch für die Fachkräfte Küche.

Diese Kenntnisse gehören auch zum Lehrplan in den übrigen gastgewerblichen Berufen. Darüber hinaus steht für die Fach- und Kaufleute in der Hotellerie und Gastronomie das Erlernen des Umgangs mit digitalen Methoden in den folgenden Bereichen auf dem Plan:

  • Marketing und Verkaufsförderung
  • Reservierungen/Buchungen, Check-in und Check-out
  • Bestellungen und Beratung der Gäste
  • Preiskalkulation
  • Kasse und Bezahlsysteme
  • Organisation, Planung und Durchführung von Veranstaltungen, Tagungen und Banketten
  • Arbeitsplanung und Personalentwicklung

Die Kaufleute werden zusätzlich darin geschult, digitale Tools und Anwendungen für den betrieblichen Büroalltag, die Korrespondenz sowie für das Datenmanagement zu nutzen. Es wurde auch Sorge dafür getragen, dass in allen Berufen Wissen zu den Themen Datensicherheit und Risikomanagement vermittelt wird – und dass die Auszubildenden zum lebenslangen Lernen befähigt werden.


Jochen Stähler

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