Hoteltest Engel ObertalAuf Wolke 7 schweben

Seit 1992 fühlt Tophotel den Vorzeigebetrieben der gastlichen Branche auf den Zahn. Bis Anfang 2010 standen dabei ausschließlich Hotels der Luxuskategorie im Fokus der Tester, dann dehnte Tophotel seine Mystery Checks auf das Business- bzw. Wellnesssegment aus. Dieses Mal im Test: das Hotel Engel Obertal in Baiersbronn.

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FR. 19/08, 12:45
Telefonische Buchung: Zimmer

Herr V. begrüßt mich am helllichten Mittag mit einem schwungvollen: »Guten Abend!« Ein kleiner Fauxpas, der während unseres sechsminütigen Telefonats der einzige bleibt. Der außerordentlich zuvorkommende Rezep­­-­tionist weiß mit sympathischer Stimme meine Fragen gut zu beantworten und bietet mir zum angefragten Wochenende ein geräumiges Doppelzimmer zur Einzelnutzung an. Der stolze Preis: 254 Euro pro Nacht zuzüglich Kurtaxe. In der »Engel-Verwöhnzeit« inbegriffen sind das Frühstück, das Lunchbuffet, die Sportangebote und die Nutzung der Wellnessanlage »Wolke 7«. Halbpension kostet 27 Euro Aufpreis. Meine Schnappatmung wohl noch im Ohr, ruft mich Herr V. wenige Tage später erneut an und erklärt freudig, zwischenzeitlich sei ein sehr schönes Einzelzimmer frei geworden – zu 158 Euro pro Nacht. Hut ab: Der junge Mann hat mitgedacht. Der Zimmerwechsel ist nicht nur in meinem Interesse, sondern durchaus auch im Interesse des Hotels, da es das Doppelzimmer nun teurer an zwei Gäste vermieten kann.

Die Reservierungsbestätigungen kommen jeweils prompt – einmal per Post, einmal per E-Mail – und müssen rückbestätigt werden. Eine Anzahlung wird, im Gegensatz zu vielen anderen Urlaubs- oder Wellnesshotels, nicht erwartet. Bei weiteren Anrufen im Hotel nimmt man sich meiner Anliegen ebenfalls immer sehr nett und freundlich an. Die nachträglich angemeldete zweite Person wird für 60 Euro pro Nacht eingebucht.
Wertung: sehr gut

DI. 30/08, 11:20
Telefonische Buchung: Anwendungen

»Wolke 7, grüß Gott!« – ob die Spa-Mitarbeiterinnen sich wie im Himmel fühlen, wenn sie sich so melden? Glockenhell und engelhaft zart ist jedenfalls die Stimme von Frau Y., mit der ich wegen meiner Behandlungen telefoniere. Schließlich wurde ich schon bei der Zimmerreservierung und -bestätigung darauf hingewiesen, entsprechende Wünsche frühzeitig anzumelden. Doch obwohl ich brav zehn Tage vor Anreise anrufe, werde ich an der Himmelspforte abgewiesen. »Wolke 7« ist voll, zumindest, was die Kosmetik anbelangt. Eine Massage könne ich noch buchen, aber für die Gesichtsbehandlung müsse ich mich auf eine Warteliste setzen lassen – Frau Y. ist untröstlich, weiß mich dafür aber bei der Auswahl der Massage gut zu beraten. Klassische und Sportmassagen stellt sie mir ebenso vor wie die ayurvedische Abhayanga, die hawaiianische Lomi-Lomi-, Kräuterstempel-, Aromaöl-, Hot-Chocolate- und Hot-Stone-Massagen. Das Behandlungsprogramm ist umfassend und bietet von allem etwas: von der Partneranwendung im Serailbad über das Schwarzwald-Package mit Wiesenkräutern bis hin zu verschiedenen Körperpackungen und Gesichtsbehandlungen. Verwöhnt wird dabei mit Produkten von La Prairie, Maria Galland, Ligne St. Barth und Cellcosmet.
Wertung: sehr gut

FR. 09/09, 13:40
Lage / Anreise / Check-in

Wer mit dem Auto anreist, schlängelt sich von der A5, Abfahrt Achern, eine halbe Stunde lang bergauf: Das hübsche Schwarzwalddorf Obertal-Buhlbach liegt 600 Meter über dem Meeresspiegel und darf aufgrund seiner guten Luft den stolzen Titel »Heilklimatischer Kurort Premium Class« tragen. Was es nicht alles gibt. Ich für meine Person fahre mit dem Zug bis nach Baiersbronn und werde dort am Bahnhof abgeholt – meine Begleitung wird etwas später nachkommen.

Der nette Herr P. chauffiert mich in einer schicken Luxuslimousine zum Hotel Engel, dessen verzweigtes Gebäudeensemble mich regionaltypisch begrüßt – mit weiß verputzten Häusern, dunklen Holzbalken und roten Geranien an den Balkonen. Sauber, adrett und einladend. Herr P. lädt mein Gepäck aus und bittet mich, ihm zur Rezeption zu folgen. Dort heißt mich Rezeptionistin J. standesgemäß im Dirndl mit Handschlag und offenem Lächeln herzlich willkommen. Ich unterschreibe das korrekt vorausgefüllte Meldeformular und werde von Frau J. zum Zimmer gebracht. Auf dem Weg dorthin zeigt mir die sympathische Mitarbeiterin, wo sich das Restaurant befindet und wo es zum Wellnessbereich geht. Auf dem Zimmer erhalte ich von ihr einen ganzen ­Stapel Unterlagen: das »Urlaubsblättle« mit dem Programm für den Tag, ein »Einkaufskärtle«, mit dem ich in zum Hotel gehörigen Läden zehn Prozent Nachlass erhalte, das Ferien- und Sportprogramm, das aktuelle Fit- und Aktivprogramm, die Broschüre für »Wolke 7«, einen Behandlungsterminplan und die Kurkarte.
Frau J. erkundigt sich freundlich, ob mir das Zimmer gefalle und lässt mich dann allein – nicht ohne vorher ausdrücklich zu betonen, dass ich mich bei Fragen jederzeit an die Rezeption wenden könne. Hätte man mir an der Rezeption ein Begrüßungsgetränk angeboten, wäre das »Willkommen« im Hotel Engel perfekt gewesen. Aber auch ohne dieses ist es immer noch:
sehr gut

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