Schaden Geplatzter Aquadom in Berlin: Was sagt das Gutachten?

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Das 16 Meter hohe Aquadom mit 1.500 Fischen, das in der Hotellobby nahe dem Alexanderplatz stand, war am 16. Dezember in den frühen Morgenstunden geplatzt. © Union Investment

Im Dezember 2022 war das Aquarium in der Lobby des Radisson Collection Berlin zerborsten. Nun präsentiert der Gutachter den Abschlussbericht zur Ursache.

Das Riesenaquarium Aquadom in Berlin ist mutmaßlich durch das Versagen einer Klebenaht sowie durch Fehler bei einer Sanierung des Wasserbeckens geplatzt. Ingenieur und Gutachter Christian Bonten zufolge gibt es drei Schadenshypothesen für das Unglück Ende 2022. Allerdings: "Wir haben keine eindeutigen Belege für die verschiedenen Schadenshypothesen", sagte Bonten bei der Vorstellung seines Gutachtens. Warum genau das 16 Meter hohe Aquarium vergangenen Dezember in der Hotellobby des Radisson Collection in der Berliner Innenstadt platzte, könne daher nicht endgültig geklärt werden.

Diese drei Ursachen kommen in Frage

Eine der Hypothesen sei das Versagen einer Klebenaht. Das sind die Stellen, an denen die einzelnen Teile des Aquariums während des Baus zusammengesetzt wurden. Ein weiterer möglicher Grund: Es könne sein, dass das Wasserbecken bei einer Sanierung im Jahr 2020 durch eine Kerbe beschädigt worden sei. Dadurch hätten sich Risse bilden können.

Im Zuge der Sanierung wurde das Becken vollständig entleert und möglicherweise zu spät wieder mit Wasser befüllt - das ist die dritte Hypothese: "Die Wand wurde im Übermaße ausgetrocknet", erklärte Bonten. Dadurch könnten Spannungen im Acrylglas entstanden sein, die Risse verursachen oder begünstigen können. "Aus meiner Sicht ist das nicht fachmännisch gemacht worden", sagte der Ingenieur. Der Gebäudeeigentümer hatte das Gutachten in Auftrag gegeben.

Mehr als 700 Bruchstücke wurden untersucht

Gemeinsam mit einem weiteren Ingenieur hatte der Kunststoffexperte die mehr als 700 Bruchstücke in einer Lagerhalle in Brandenburg akribisch untersucht. Eine absichtliche Beschädigung des Wasserbeckens wurde bereits im August ausgeschlossen. Die Versicherung komme für den Schaden auf, sagte der Sprecher des Gebäudeeigentümers, Fabian Hellbusch. Der Gebäudeschaden liege mindestens in einem hohen zweistelligen Millionenbereich.

Das 16 Meter hohe Aquadom mit 1.500 Fischen, das in der Hotellobby nahe dem Alexanderplatz stand, war am 16. Dezember in den frühen Morgenstunden geplatzt. Daraufhin ergossen sich eine Million Liter Wasser aus dem zerstörten Acrylglas-Zylinder unter anderem in das Hotel und auf die Straße. Zwei Menschen wurden leicht verletzt.

Wann kann das Hotel wieder öffnen?

Die Wiederöffnung für das Fünfsternehotel werde "mit größter Anstrengung vorangetrieben", wie Fabian Hellbusch, Sprecher des Gebäudeeigentümers Union Investment, auf Tophotel-Anfrage bestätigte. Die Abrissarbeiten in der Lobby seien soweit abgeschlossen und die Maßnahmen zum Wiederaufbau seien im August angelaufen. In enger Abstimmung mit dem Hotelbetreiber erarbeite Union Investment derzeit ein Konzept für die Neugestaltung des Mittelpunktes der Hotellobby. Das Nachnutzungskonzept bezieht den acht Meter hohen Stahlbeton-Sockel des ehemaligen Aquadoms mit ein.

"Wir bereiten jetzt die Einreichung des Bauantrags mit den detaillierten Planungen vor und hoffen, die Genehmigungen der Baubehörde kurzfristig zu erhalten, um die Neugestaltung zügig starten zu können", so Hellbusch.

Der auf dem Betonsockel stehende innere Acrylzylinder war vom Unglück nur gering betroffen und ist neben der Besucherplattform im Obergeschoss sowie den künstlichen Korallen weitestgehend erhalten. Ein Wiederaufbau des Aquadoms oder ein neues Großaquarium wurde von Union Investment bereits vor Ablauf der Untersuchungen ausgeschlossen. sar/dpa