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Anna-Maria-Fäßler, Hoteldirektorin Sonnenalp Resort Ofterschwang im Interview"Platz wird der neue Luxus in der Hotellerie sein"

Mit der Initiative „100 Sterne für die Zukunft des Bayerischen Tourismus“ haben sich namhafte Hotelleitbetriebe aus dem Allgäu, Ober- und Ostbayern zusammengetan, um in einem Brandbrief die massiven Herausforderungen touristischer Betriebe konkret darzustellen und den Forderungen nach einem erweiterten Schutzschirm für die Branche ein Gesicht zu geben. Wir sprachen dazu mit Anna-Maria-Fäßler, Hoteldirektorin des Sonnenalp Resorts in Ofterschwang und Beiratsvorsitzende der „Allgäu Top Hotels“.

Tophotel: Frau Fäßler, worum genau geht es Ihnen mit dem Brandbrief?

Anna-Maria Fäßler: Es geht um die Existenz von Familienbetrieben, die seit Generationen das Bild Bayerns prägen, sehr mutig in die Zukunft investiert haben und damit auch die Zugpferde für die regionale Entwicklung in den ländlichen Räumen sind. Wir kämpfen um unser wirtschaftliches Überleben. Doch die Politik spricht weder über noch mit der Hotellerie. Es braucht spätestens jetzt den Dialog, um gemeinsam weitere Hilfsmaßnahmen zu entwickeln, die den Anforderungen der Hotelbetriebe entsprechen.

Was konkret fordern Sie in Ihrem Schreiben?

Wir fordern vor allem ein Umsteuern. Der Schutzschirm muss über die Betriebe aufgespannt werden und nicht über die Banken. Die Mittel, die jetzt auf Landes- und Bundesebene für die Bürgschaften der Kredite verabschiedet wurden, müssen in die direkten Förderungen für die Unternehmen umgewandelt werden. Es muss darum gehen, Unternehmen zu sichern, nicht Banken zu schützen. Dadurch wird unterstützt, dass die Unternehmen die restlichen Kredite zurückbezahlen können und die Banken daher keinen Schutzschirm brauchen. Unser Nachbarland Österreich hat den Betrieben mit einer solchen Lösung einen Weg aus der Krise aufgezeigt: Es werden 25 bis 75 Prozent der Kredite nach gewissen Kriterien in Zuschüsse gewandelt.

Wie beurteilen Sie die Koalitionsbeschlüsse vom gesterigen Mittwoch?

Die Entscheidung, die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie zu senken, ist einerseits ein Schritt in die richtige Richtung, andererseits mit der Begrenzung auf ein Jahr auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch wird das Geschäft nur langsam wieder hochfahren. Überschlagen macht das für uns vielleicht 600.000 Euro aus, sprich die Hälfte der Lohnkosten für einen Monat. Auch die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes ist ein positives Signal. Allerdings kommt der erste Schritt erst im Juli – dann sollen die Geschäfte ja eigentlich wieder anlaufen. Der zweite Schritt kommt frühestens im Oktober und wenn das so lange dauert, dann sind zwei Drittel unserer Betrieb nicht mehr am Markt.

Interessant klingt die Möglichkeit, dass kleine und mittelständische Betriebe erwartete Verluste mit bereits für 2019 geleisteten Steuer-Vorauszahlungen verrechnen dürfen. Allerdings müssen hier Betriebe ab 250 Mitarbeiter genauso berücksichtigt werden. Ansonsten sind wir hier als Familienbetrieb laut KMU-Bestimmungen einmal mehr nicht förderfähig.

Das ist nicht Ihr erster Brief an die bayerische Staatsregierung…

Ich habe mich mit zwei persönlichen Briefen an Ministerpräsident Söder und Wirtschaftsminister Aiwanger gewandt. Die Sorge darüber, wie wir die enorm hohen monatlichen Betriebskosten in Höhe von 850.000 Euro plus 1,3 Millionen Euro Lohnkosten für das gesamte Unternehmen schultern sollen, ist erdrückend und raubt uns seit vier Wochen den Schlaf. Wir gehen im Rahmen der jetzigen Debatte davon aus, dass wir nicht vor Juni wiedereröffnen können und rechnen dann mit einer Auslastung von maximal 50 Prozent sowie erhöhten Kosten für die zusätzlichen Schutzmaßnahmen der Mitarbeiter und Gäste. Dies bedeutet für das gesamte Jahr einen Umsatzausfall von rund 30 Millionen Euro. Anfang April habe ich unsere Situation in einem ersten Schreiben dargelegt. Letzte Woche haben wir in einem weiteren Schreiben ein umfassendes Exit-Strategiepapier vorgelegt. Bisher haben wir auf keinen Brief eine Reaktion erhalten.

„Platz wird der neue Luxus in der Hotellerie sein.“

Können Sie etwas zu den Maßnahmen des Exit-Strategieplans sagen?

Ganz grundsätzlich muss man sagen, dass das Qualitätsmanagement in der Hotellerie auch in ‚normalen‘ Zeiten hohen Wert auf die Einhaltung von Hygienestandards und vielfältige Sicherheitsmaßnahmen für Gäste und Mitarbeiter legt. Die Sonnenalp hat seit vielen Jahrzehnten einen sehr hohen Hygiene- und medizinischen Qualitätsstandard und wurde deshalb als erstes Luxushotel in Deutschland mit dem Hygienestern des Hohenstein Instituts ausgezeichnet. Wir haben darüber hinaus ein sehr umfassendes Konzeptpapier mit präventiven Maßnahmen vor der Anreise und für die Zeit im Hotel erstellt sowie die gesamten Hygienestandards für alle Abteilungen wie Logis, Spa- und Wellnessbereich, Food & Beverage, Shopping und Kultur, Events sowie den Kinderbereich im Detail ausgearbeitet.

Wir gehen davon aus, dass die Eröffnung der Hotellerie stark von zur Verfügung stehenden Flächen für den einzelnen Gast abhängig ist. Wir haben daher in unserem Konzept den erforderlichen Mindestabstand von 1,5 Metern freiwillig auf drei Meter beziehungsweise neun Quadratmeter verdoppelt. Indem wir die verfügbare Maximalauslastung auf 85 Prozent reduzieren, gewähren wir den geforderten Mindestabstands in jeder Situation. Platz wird der neue Luxus in der Hotellerie sein.

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