Im Keller des Andaz München braut die Schwabinger Tor Brauerei seit einem Jahr Bio-Bier. Nun hat das Hotel mit dem Schwabinger Tor Bräu den passenden Ausschank eröffnet.
Bier aus Schwabing wird wieder mitten im Viertel gebraut und ausgeschenkt. Im Andaz München Schwabinger Tor hat das Wirtshaus „Schwabinger Tor Bräu“ eröffnet. Die angeschlossene Schwabinger Tor Brauerei im Keller des Hotels produziert bereits seit einem Jahr.
Damit knüpft das Haus an eine Tradition an, die im Stadtteil seit 1919 unterbrochen war. Damals schloss mit dem Schwabinger Bräu die letzte lokale Brauerei. 107 Jahre später erhält die einzige Brauerei Schwabings nun ein eigenes Wirtshaus. Es liegt im Ostflügel des Hotels und richtet sich an Anwohner, Münchner und internationale Hotelgäste gleichermaßen.
Neuer Treffpunkt im nördlichen Schwabing
Wirt ist Johannes Egger. Der gelernte Biersommelier war zuvor bereits in mehreren Positionen im Andaz München tätig. Das Konzept des Wirtshauses soll bayerische Lebensart modern interpretieren. Tradition will das Haus nicht kopieren, sondern in Handwerk, Qualität und Atmosphäre weiterentwickeln. „Bier steht wie nichts anderes für das Lebensgefühl und die Kultur Münchens“, begründet Egger den Schritt. „Für uns war deshalb klar: Schwabing hat wieder eine eigene Brauerei verdient.“
Die Wirtsstube bietet 84 Sitzplätze, auf der Terrasse kommen 128 weitere hinzu. Ein Detail prägt den modern und offen gestalteten Gastraum: Die Biertanks sind über der Schank und den Tischen angebracht, sodass das Bier von oben direkt in die Gläser fließt. Die Preise kalkuliert das Haus nach eigener Aussage nachbarschaftlich. Ein halber Liter Schwabinger Gold kostet 4,90 Euro, ein halber Liter Zwickel 4,80 Euro.
Für die Küche ist Filippo Zuccagnoli verantwortlich. Seine Karte folge einem neoklassischen Wirtshausstil mit persönlicher Note. Den Auftakt bilden Brotzeitklassiker und Bratwürste in verschiedenen Varianten. Hinzu kommen Gulaschsuppe, Spinatknödel und Kalbsschaufelbraten, als Dessert steht eine Dampfnudel mit Vanillesoße auf der Karte.
Hausbier für alle Outlets
Gebraut wird ein Stockwerk unter der Andaz Lounge. Dort entwickelt Braumeister Valentin Schöttke seit mehr als einem Jahr gemeinsam mit Frank Heckelmann, General Manager des Andaz München Schwabinger Tor, die Sorten und den Stil der Brauerei. Inzwischen produziert Schöttke in neun Gär- und Lagertanks. Seine Biere fließen nicht nur im Wirtshaus, sondern als Hausbier in allen Restaurants und Bars des Hotels. Dazu zählen das „Modern Meat House The Lonely Broccoli“, die „M’Uniqo Rooftop Bar & Restaurant“ und die „Andaz Lounge Bar“. Bier ist laut Hotel das meistverkaufte alkoholische Getränk im Haus.
Bei den Rohstoffen setzt das Hotel konsequent auf die Region. „Wir pflegen nachhaltige Beziehungen zu unseren lokalen Produzenten und dies ist uns auch bei der Herstellung unseres Bieres sehr wichtig. Deshalb haben wir ausschließlich lokale und biozertifizierte Erzeuger und Betriebe ausgewählt“, unterstreicht Heckelmann.
Zwei Standardsorten braut Schöttke ganzjährig, dazu zahlreiche saisonale Biere. Die Stilistik beschreibt der Braumeister als vollmundig, frisch, intensiv und malzig. Das „Schwabinger Gold“ ist ein Münchner Helles, das sich an traditionellen Exportbieren orientiert und etwas kräftiger ausfällt. Es soll malzig und nicht zu herb schmecken und eine deutliche Aromahopfennote mitbringen. Eine Reifezeit von acht bis zehn Wochen soll für Bekömmlichkeit sorgen. Die zweite Sorte, das „Blau-Weiße“, interpretiert das klassische Weizenbier neu: möglichst hell eingebraut, kräftig aromagehopft, spritzig und mit cremigem Mundgefühl.
Neben der Bio-Zertifizierung legt die Brauerei Wert auf frisches Bier. Gemeint ist ein unpasteurisiertes, unfiltriertes Bier ohne Konservierung, das nach dem Brauen durchgehend gekühlt wird. Die geschlossene Kühlkette soll die natürlichen Aromen erhalten. Die maximale Kapazität liegt bei 80.000 bis 100.000 Litern pro Jahr. Saisonal ergänzen Sorten wie Red Ale, Pale Ale, Stout, Bockbier oder Festbiere das Angebot. Die beiden Standardbiere gibt es zudem in 0,3- und 0,5-Liter-Flaschen zum Mitnehmen im Tagescafé „Bicicletta“.
Stammtisch mit dem Braumeister
Das Haus will die Brauerei auch für Gäste öffnen. Auf dem Programm stehen Brauereiführungen und Bierverkostungen. Jeden zweiten Donnerstag im Monat setzt sich Schöttke zudem an den Stammtisch und beantwortet Fragen. Der ausgebildete Brau- und Malzmeister hat bereits in mehreren Brauereien gearbeitet. „Wir wollen hier nichts inszenieren, sondern etwas zurückbringen, das zu Schwabing gehört“, stellt er klar. Gäste könnten erleben, wie aus Hopfen, Malz, Wasser und handwerklichem Können ein Bier entsteht, und es anschließend gemeinsam am Tisch trinken. „Genau so wird aus einem Kulturgut etwas Lebendiges.“ red/sar
