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Start Technik & Betrieb Design & Inspiration Ambivalenz-Gründer Malte Grieb im Interview: "Es muss immer einen Twist geben"

Ambivalenz-Gründer Malte Grieb im Interview"Es muss immer einen Twist geben"

Wer sich am volatilen Einrichtungsmarkt standfest etablieren will, braucht Innovationskraft und Durchhaltevermögen. Malte Grieb, Gründer des Labels Ambivalenz, war mit seiner Idee erfolgreich und stattet Hotels aller Couleur und Klassen mit klappbaren Möbeln aus. Im Gespräch mit Hotel+Technik erläutert er, warum er Produkte nie nach Schema F entwickelt.

Hotel+Technik: Herr Grieb, Ihr Unternehmen für klappbare Möbel ist mit acht Jahren noch recht jung. Wie haben Sie es geschafft, sich mit Ihrer Idee am Markt zu etablieren?

Malte Grieb: Zunächst einmal haben wir, wie es oft bei Unternehmen der Fall ist, die sich auf organisches Wachstum beschränken, viel Durchhaltevermögen zeigen müssen. Dabei gab es natürlich einige Tiefen. Gerade die Produktionsseite hat uns immer wieder vor große Probleme gestellt. Aber die Tiefen wurden eindeutig von Highlights überlagert. Das waren zum Beispiel die Entwicklung und der Launch neuer Produkte oder die ersten Einsätze in größeren Projekten. Das sind dann schon sehr erhebende Momente. Dass wir uns etablieren konnten, lag sicher auch daran, dass wir sehr konsequent auf unsere Nische ‚flexible Möbel‘ gesetzt haben und so einen klaren Markenkern besitzen. Wir haben unseren Kerngedanken in all unseren Entwürfen konsequent beibehalten. Im Gegensatz zu anderen Klappmöbeln sind bei der ‚Fläpps‘-Serie alle Produkte sowohl als Einzelmöbel als auch im System in Kombination mit mehreren Produkten einsetzbar. Das verschafft uns eine große Breite an Vertriebswegen, vom Conceptstore über das Möbelhaus bis ins Objektgeschäft. Zentraler Punkt ist aber sicherlich auch die starke Veränderung in der Art und Weise, wie Menschen ihren Wohnraum nutzen und aufteilen. Die verschiedenen Bereiche wie Wohnen, Kochen, Arbeiten und Schlafen verschmelzen, die klassische Möblierung, in der die Dinge ihren traditionellen Platz haben, erodiert.

Woher nehmen Sie die Inspirationen zu neuen Möbeln?

Da ich selbst kein ausgebildeter Designer bin, habe ich auch keine festgelegten Herangehensweisen oder Prozesse. Daher sind die wichtigsten Inspirationsquellen für mich Alltagssituationen, Zufälle oder Situationen, in denen ich ein Problem lösen muss. So habe ich kürzlich ein Gitarrenregal entwickelt, nachdem ich nicht wusste, wo ich die neue Gitarre meiner Tochter unterbringen soll. Die besten Produkte sind ja meist die, die sich an den konkreten Bedürfnissen der Nutzer orientieren. Abgesehen davon habe ich auch einfach ein Faible für multifunktionale Dinge. Obwohl ich mich schon seit einigen Jahren mit den vorhandenen Produkten beschäftige, fallen uns immer wieder neue Möglichkeiten ein, was wir mit ihnen anstellen oder wo wir sie einsetzen können. Gerade im Hotelbereich gibt es unendliche Einsatzmöglichkeiten, zum Beispiel für das Sofasystem ‚Curt‘. Im Hotelzimmer, als Sessel, der einfach zur Liege werden kann, oder als klassisches Sofa – es eignet sich für vielfältige Gebrauchssituationen. Oder als Lounge-Sitzlandschaft im Konferenzbereich, die sich in Windeseile in einzelne Sessel oder gar Hocker zerlegen lässt und so für Zuhörer von Vorträgen zur Sitzgelegenheit wird.

Wenn die ersten Produkte entwickelt sind, läuft man dann Gefahr, nur noch nach Schema F vorzugehen?

Um ehrlich zu sein, manchmal wäre ich froh, ich hätte mal ein Schema F. Als wir mit der Entwicklung von ‚Curt‘ begonnen haben, haben wir bei null angefangen. Keiner von uns hatte schon mal etwas mit der Produktentwicklung eines Polstermöbels zu tun, und es gab kein einziges Produkt auf dem Markt, an dem wir uns hätten orientieren können. Ein Punkt, der mir sehr wichtig ist, ist, dass wir keine Produkte in die Kollektion aufnehmen, die sich nur in der Ästhetik von den anderen Produkten am Markt absetzen. Es muss immer etwas Neuartiges geben, eine neue Funktion oder einen Twist, der in der Modularität liegt. Bei manchen Produkten ist es vielleicht auch nur das Auf-die-Spitze-Treiben des Minimalismus. Diese Voraussetzung verbietet in der Regel ein Schema F.

Welche Materialien verarbeiten Sie in Ihren Produkten, und nach welchen Kriterien wählen Sie diese aus?

Die Auswahl der Materialien hat sich mit den Jahren aus unterschiedlichen Gründen verändert. Während wir zu Beginn stärker kostengetrieben waren, haben uns die größeren Abnahmemengen und die durch die erfolgreiche Etablierung der Marke gestiegene Preisbereitschaft der Kunden etwas mehr Spielraum eingeräumt. So achten wir mittlerweile noch stärker auf Aspekte der Nachhaltigkeit. Zusätzlich hat der vielfache Einsatz im Objektgeschäft auch die eine oder andere Materialanpassung erfordert. So haben wir bei der Materialauswahl für ‚Curt‘ auch darauf geachtet, dass die Sofas bedenkenlos in Hotels oder Büros eingesetzt werden und die entsprechenden Feuerschutznormen erfüllen können.

Was macht das Thema Platzsparen aktuell relevant?

Wir leben in einer Zeit, in der an viele Dinge der Anspruch gestellt wird, dass sie ‚smart‘ sein sollen. Sie sollen viele Funktionen auf einmal erfüllen und sich flexibel den Bedürfnissen der Nutzer anpassen. Wir haben versucht, diesen Anspruch ganz analog auf Möbel anzuwenden. Wohnraum in den Städten ist knapp und wird immer knapper. Gerade hier in Berlin kann ich das am eigenen Leib miterleben. Viele unserer Kunden suchen konkret nach Lösungen, wie sie durch flexible Möbel den nutzbaren Platz erweitern können. Im Hotelbereich führen steigende Immobilienpreise und die sinkende Anzahl an Bauflächen zu immer kleineren Grundrissen, die wiederum neue Einrichtungslösungen notwendig machen. Hinzu kommt, dass viele Menschen ein Bedürfnis nach der Reduktion auf das Wesentliche haben. Sie wenden das Konzept des Minimalismus auf alle Lebensbereiche an. Daraus entsteht seit einigen Jahren zum Beispiel das Tiny-House-Movement.

Für welche Art von Hotels eignen sich die klappbaren Möbel?

Im ersten Moment denkt man an Hotels mit eher kleinen Zimmern. Tatsächlich wurden unsere Produkte schon in sehr unterschiedlichen Hotels eingesetzt, das reicht vom kleinen Boutique-Hostel über Konferenz-Hotels wie das Hotel Rossi in Berlin bis zu großen Häusern wie dem Moxy Hotel am Times Square in New York. Denn ein Schreibtisch, der wegklappbar ist, schafft auch in einem großen Zimmer mehr Platz und lässt es großzügiger erscheinen. Durch ihr schlichtes Auftreten fügen sich unsere Klappmöbel auch mehr oder weniger in jedes Ambiente ein. Und durch unsere vielfältigen Möglichkeiten der Individualisierung lassen sich die Möbel mit jedem Stil verbinden. Zum Beispiel können unsere Produkte ab Losgröße eins im Digitaldruck individuell bedruckt werden. Auch die Abmessungen sind für Projekte sehr einfach anpassbar.

Sie sagten, dass die klassische Möblierung, in der die Dinge ihren traditionellen Platz haben, erodiert. Was bedeutet das für Möbel in Hotelzimmern?

Das Verschwimmen der Wohnbereiche stellt die Planung und Einrichtung von Hotelzimmern vor umso größere Herausforderungen. In Hotelzimmern muss der Planer es vielen unterschiedlichen Nutzerbedürfnissen gleichzeitig recht machen. Umso flexibler – und ich nenne es mal bedürfnisübergreifender – müssen die verwendeten Möbel funktionieren. Viele Hotelgäste können heute auf einen Schreibtisch verzichten und setzen sich zum Beispiel mit dem Laptop oder dem Tablet aufs Bett. Aber für einige Gäste ist der Schreibtisch äußerst wichtig. Ein einklappbarer Sekretär kann da eine Brücke bilden und dem Planer dabei ein paar Quadratzentimeter mehr Raum geben.

Hand aufs Herz, hängt bei Ihnen zu Hause auch der Esstisch an der Wand?

Gute Frage. Bisher noch nicht. Ich habe das Glück, dass ich schon vor vielen Jahren nach Berlin kam, als der Wohnraum noch nicht so knapp war. Aber tatsächlich habe ich kürzlich einen unserer Sekretäre zu Hause installiert. An dem erledigt meine Tochter, die jetzt in die zweite Klasse geht, stolz ihre Hausaufgaben. Und ja, ich gebe zu, in jedem Zimmer hängen Produkte von uns.

Interview: Mareike Knewitz

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