Analyse Alpenraum startet stabil in den Sommer 2026

Der Alpenraum bleibt ein gefragtes Sommerziel, doch die Rahmenbedingungen für die Betriebe werden anspruchsvoller.
Der Alpenraum bleibt ein gefragtes Sommerziel, doch die Rahmenbedingungen für die Betriebe werden anspruchsvoller. © olyasolod - stock.adobe.com

Die Sommersaison läuft für die Hotellerie im Süden solide an. Wachstum entsteht vor allem über höhere Zimmerpreise – gleichzeitig steigen Preissensibilität und Margendruck.

Kohl & Partner und Rate Board haben aktuelle Buchungsdaten für den Alpenraum ausgewertet. Demnach liegt die durchschnittliche Auslastung für den Zeitraum Mai bis Oktober 2026 bei 42 Prozent – nahezu identisch mit dem Vorjahr. Der durchschnittliche Zimmerpreis (ADR) stieg von 281 Euro auf 295 Euro, ein Plus von fünf Prozent. Die Nachfragebasis sei damit solide, zusätzliche Dynamik fehle jedoch, so Kohl & Partner.

Starker Mai täuscht

Der Mai 2026 schloss mit einer Auslastung von 58 Prozent deutlich über dem Vorjahresniveau. Der Wert dürfe jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Feiertage und Pfingsttermine, die 2025 noch in den Juni fielen, lagen 2026 bereits im Mai. Viele Betriebe öffneten zudem früher als im Vorjahr. Der Juni erreicht ebenfalls 58 Prozent Auslastung, liegt damit aber leicht unter dem Vorjahreswert. Kumuliert betrachtet gleichen sich die beiden Monate weitgehend aus – der vermeintliche Aufschwung im Mai ist im Wesentlichen ein Kalendereffekt, wie Kohl & Partner festhält.

Für die Hauptmonate Juli und August weist der aktuelle Forecast 51 beziehungsweise 45 Prozent Auslastung aus. Beide Monate hätten damit noch erhebliches Potenzial. Auffällig sei zudem, dass die Buchungskurven flacher verlaufen als im Vorjahr: Gäste buchen später, der sogenannte Pickup – also der Zuwachs an Reservierungen im Zeitverlauf – erfolgt deutlich kurzfristiger. „Preisentscheidungen müssen eng an der realen Nachfrage ausgerichtet werden. Dynamische Steuerung ist entscheidend, um Auslastung und Rate im Gleichgewicht zu halten“, rät Matthias Trenkwalder, Geschäftsführer von Rate Board.

Nachfrageentwicklung im Alpenraum

Regional zeichnet die Analyse ein differenziertes Bild. Südtirol erreicht mit 48 Prozent die höchste Gesamtauslastung im Alpenraum und festigt damit laut Kohl & Partner seine Marktposition. Bayern liegt mit 43 Prozent nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Tirol verzeichnet mit 37 Prozent zwar das stärkste relative Wachstum, bleibt im absoluten Niveau aber weiterhin hinter den beiden anderen Regionen zurück.

Eine geopolitisch bedingte Sonderkonjunktur – etwa durch eine verstärkte Verlagerung von Reiseströmen in den Alpenraum – ist laut der Analyse derzeit nicht erkennbar. „Wir sehen aktuell keinen Nachfrageboom, sondern eine stabile Basis in einem fragileren Umfeld. Die geopolitischen Spannungen wirken weniger als kurzfristiger Schock denn als dauerhafte Unsicherheitskomponente“, sagt Thomas Steiner, Managing Partner von Kohl & Partner.

Preise steigen überall – Zahlungsbereitschaft stößt an Grenzen

Beim Zimmerpreis zeigt sich ebenfalls ein regional unterschiedliches Muster. Südtirol bestätigt laut den Analysten seine Preisführerschaft mit einem ADR von 330 Euro, was einem Plus von fünf Prozent entspricht. Tirol kommt auf 256 Euro (+4 Prozent). Das stärkste relative Preiswachstum verzeichnet Bayern mit einem ADR von 242 Euro und einem Anstieg von sechs Prozent – allerdings ohne dass die Auslastung mitzieht.

Grundsätzlich sei die Zahlungsbereitschaft der Gäste vorhanden, heißt es in der Analyse. Gleichzeitig steige jedoch die Preissensibilität. Gäste verglichen intensiver, buchten kurzfristiger, und Preisunterschiede zwischen vergleichbaren Angeboten wirkten unmittelbarer auf die Buchungsentscheidung.

Die zentrale Frage des Sommers ist laut den Analysten deshalb nicht, ob der Umsatz steigt, sondern ob die Betriebe davon tatsächlich profitieren. Denn parallel zu den höheren Zimmerpreisen belasten weiterhin gestiegene Kosten für Personal, Energie und Wareneinsatz die Margen. „Entscheidend ist nicht, ob der RevPar steigt, sondern ob Betriebe ihre Ergebnisstruktur nachhaltig absichern. Wer Fixkostenquote, Kapitalbindung und Produktivität nicht konsequent optimiert, wird trotz höherer Umsätze unter Margendruck geraten“, betont Thomas Steiner. red/sar

Über Kohl & Partner

Die Kohl & Partner GmbH ist ein unabhängiges und international tätiges Beratungsunternehmen mit Schwerpunkt im alpinen Raum und mehr als 40 Jahren Erfahrung. Das Tourismusberatungsunternehmen mit Hauptsitz in Villach (Österreich) ist spezialisiert auf die Hotel- und Tourismuswirtschaft und verfügt aktuell über ein Netzwerk aus acht Büros in vier Ländern sowie einem Berater-Team von über 40 Experten.