Almodóvar Hotel Minimalismus trifft Öko-Luxus

Das Hotel verdankt seinen Namen dem Regisseur Pedro Almodóvar. Filmrequisiten lassen sich auf allen Zimmern wiederfinden, wie hier im Loftroom. (Bild: Peter Kiss)

Ein Hotelkonzept mit klarem Fokus auf Nachhaltigkeit erwartet die Gäste im Berliner Almodóvar Hotel. Hotelière Alexandra Müller-Benz hat es sich zur Aufgabe gemacht, größtmögliche Ressourcenschonung mit ihrem Verständnis von modernem Luxus zu verbinden.

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Der Ostberliner Bezirk Friedrichshain ist bei Bewohnern und Städtereisenden gleichermaßen beliebt für seinen alternativen Charme und seine Clubszene. Wo, wenn nicht dort passt ein unkonventionelles Hotelkonzept wie das Almodóvar hinein? 2012 hat Alexandra Müller-Benz das Hotel eröffnet, damals als geteiltes Konzept mit ihrer Firma, die Schulungen im Gesundheitsbereich anbot. Heute ist es ein Hideaway mitten im quirligen Bezirk der Hauptstadt.

Mitten im lebhaften Bezirk Friedrichshain gelegen, bietet das Almodóvar einen Rückzugsort für Städte- und Businessreisende.

Mit seinen insgesamt drei Tagungsräumen lockt das Hotel neben Leisuregästen auch Businessreisende. Einen besonderen Charakter erhält das Almodóvar schon durch seinen Namen. Alexandra Müller-Benz: „Als wir auf der Suche nach einem passenden Namen waren, ist uns der Regisseur Pedro Almodóvar in den Sinn gekommen. In seinen Filmen zeigt er auf eine großartige Art und Weise Missstände auf und behält dabei den Humor für das Leben bei.“ Für das Konzept, echte Nachhaltigkeit zu leben, ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit einem Augenzwinkern, sei das einfach passend gewesen, so die Hotelière.

Nachhaltigkeit, Luxus, Relaxen

In Anlehnung an den Namen finden sich in den Zimmern dezent eingestreut Filmrequisiten, wie die Regiestühle in den sogenannten Loftzimmern. Der Fokus des Almodóvar liegt auf Nachhaltigkeit, aber ohne dass die Gäste auf Luxus verzichten müssen. Im Obergeschoss befindet sich ein kleiner Spa-Bereich mit Sauna und Yogaraum. Massagen werden ganz privat auf den eigenen Zimmern angeboten. Dafür arbeitet Alexandra Müller-Benz mit externen Anbietern zusammen.

Im Sommer wird die Sauna nur auf Anfrage eingeschaltet – das spart Energie. So entstehe auch ein Austausch zwischen den Gästen und dem Personal, was sich die Hotelgründerin ausdrücklich wünscht. „Wir möchten unsere Gäste beim Check-in nicht mit Informationen überfordern. Im Hotel angekommen, wollen sie meist einfach aufs Zimmer und sich ausruhen. Wir haben aber viele Anknüpfungspunkte geschaffen, damit sie das Personal ansprechen können.“

Wellness bieten das Almodóvar im obersten Stockwerk des Hotels. Im Sommer wird die Sauna nur auf Anfrage eingeschaltet. Massiert werden die Gäste nicht im Spa-Bereich, sondern auf den Zimmern.

Teil davon sind Informationskärtchen aus Recyclingpapier, die in den Zimmern an schmalen Holzstreifen an der Wand angebracht sind. So bleibt es den Gästen selbst überlassen, wie sehr sie sich über das Hotelkonzept informieren möchten. Über die Kärtchen erfahren sie zum Beispiel, dass in den Zimmern auf eine Minibar verzichtet wurde. Lediglich die drei Suiten verfügen über einen kleinen Kühlschrank, der Teil der Pantry-Küche ist. Natürlich müssen Gäste, die ein Standardzimmer gebucht haben, nicht auf gekühlte Getränke verzichten. Aus der „Maxibar“ in der Lobby können sie sich bedienen und sogar ihre eigenen Getränke kühlen.
Die Hotelchefin motiviert ihre Gäste auch, gutes Berliner Leitungswasser zu trinken: „Wir haben das Wasser dafür extra testen lassen. Unsere Gäste können bedenkenlos das Wasser aus dem Hahn trinken. Dafür steht auf jedem Zimmer auch eine Glasflasche, die sie füllen können.“

Objekte aus Verschnitt und Schiffholz

Die Böden sind mit geöltem, FSC-zertifiziertem Holz verlegt. Gereinigt werden sie mit umweltfreundlicher Bodenseife. Die in Weiß gehaltenen Wände wurden mit Sumpfkalkfarbe gestrichen. „Diese ist offenporig und ermöglicht den Wänden das Atmen. Dadurch bildet sich keine Staunässe, auch nicht im Bad“, sagt die Eigentümerin. Kommt Farbe zum Einsatz, wie bei der Wand hinter dem Bett, so besteht diese aus Naturpigmenten.

Nachhaltiges Material: In den Räumen ist zertifiziertes Holz verlegt, die Wandfarbe besteht aus Naturpigmenten.

Die Einrichtung der Zimmer und Suiten ist bewusst reduziert gehalten. Es gibt keine Schälchen oder sonstige Dekoartikel. Aus einer kleinen Sharing-Bibliothek können sich die Gäste Bücher ausleihen oder es mit eigener Literatur füllen. Die wenigen kleinen Eichenregale an den Wänden stammen von der deutschen Firma Verschnitt, die individuelle Designobjekte aus Holzverschnitt des familieneigenen Sägewerks kreiert. Außerdem gibt es Möbel aus indischem Schiffsholz.

„Wir sind weltweit auf der Suche nach Partnern, mit denen wir für solche Projekte zusammenarbeiten können“, betont Alexandra Müller-Benz. Dass das nicht immer so einfach ist, habe sich bei den Gardinen gezeigt, die aus Biobaumwolle sein sollten. Was bei der Bettwäsche kein Problem gewesen sei, habe sich bei den Vorhängen schwieriger gestaltet. An diese Sonderanfertigungen habe sich zunächst keine Schneiderei so recht herantrauen wollen: „Sie hatten Angst, dass sich die Biobaumwolle anders verhält als die konventionelle.“ Doch mittlerweile habe sich eine Schneiderei gefunden, die die Gardinen für das Almodóvar fertigt.
Neben der Nachhaltigkeit ist für Alexandra Müller-Benz vor allem der Luxus für die Gäste wichtig. Zusätzlich zu den Standardzimmern und Loftrooms bietet das Hotel zwei Spa-Suiten – eine mit einer Sauna, die andere mit einem Whirlpool – sowie zwei Apartments.

Eine der Spa-Suiten verfügt über einen Whirlpool, der sich elegant in das Raumkonzept einfügt.

Vergleichbar sei das Almodóvar, so die Inhaberin, mit einem Viersterneplus-Hotel, der Ansatz sei dennoch ein anderer. Die Idee des Grandhotels als Luxusunterkunft ist aus der Sicht der Hotelière „relativ gestrig“. Zukunftsfähig sei vielmehr das Zuhause-Gefühl. „Das ist in unserer unglaublich dynamischen Gesellschaft ganz wichtig. Wenn man viel unterwegs ist, muss man zwischendurch Kraftorte finden: Sich einfach abends auf die Couch fallen lassen und es sich richtig gemütlich machen. Ich glaube, dass Hotels in Zukunft das leisten müssen.“

„Trial and Error“

Alexandra Müller-Benz ist Hotelière aus Leidenschaft, auch wenn sie kein Brancheneigengewächs ist. Ursprünglich hatte sie das Eckhaus in der Boxhagener Straße bauen lassen, um Schulungsräume für ihre Firma zu schaffen, die sich auf Gesundheitsbildung fokussiert hatte. Damit die übrigen Räume nicht leer standen, hatte sie beschlossen, ein Hotel zu eröffnen. Dadurch hatte sie eine ganz eigene Herangehensweise an ihr Hospitality-Konzept. „Das Almodóvar ist nichts, was in einer Kiste designt wurde und bei Eröffnung sofort zu 100 Prozent funktioniert hat. Wir haben schon sehr viel ausprobiert, vor allem was das Interior betrifft. Wir sind in einem ständigen Wandel. Wenn wir wieder auf etwas Neues stoßen, probieren wir es aus, und entweder es funktioniert oder eben nicht“, betont die Eigentümerin.

So zum Beispiel die Bänke, die aus Getränkedosen gefertigt wurden. Sie hielten nur ein paar Jahre, weshalb sie mittlerweile durch andere Möbel ersetzt worden sind. Durch „Trial and Error“ bleibe das Hotel agil. Auch, wenn größere Veränderungen anstehen. „Ich habe mich vor einiger Zeit von der Firma, die Gesundheitsbildung anbietet, getrennt. Ich wollte mich auf eine Sache konzentrieren und habe mich für das Hotel entschieden. Die Konsequenz war, dass wir plötzlich sehr viel Platz zur Verfügung hatten.“

Doch nicht nur das: Die freien Räume waren mit 4,50 Metern viel höher als die übrigen Zimmer. Was also damit tun? So entstand die Idee zu den Loftzimmern mit ihrem ganz eigenen Stil. Das Bett auf der Mezzanine-Ebene erreichen die Gäste bequem über breite Stufen, die den Schlafraum vom offenen Bad, dem Ankleidebereich und dem Schreibtisch mit Regiestuhl abgrenzen.

Über eine Treppe erreichen Gäste im Loftroom das Bett. Außerdem fungiert sie als Raumtrenner und als Kleiderschrank.

Alexandra Müller-Benz hat in Friedrichshain einen Rückzugsort für ihre Gäste geschaffen. Das Hotel entwickelt sich unaufhörlich weiter. Vor allem mit Ideen, wie es in Sachen Nachhaltigkeit weitergehen kann. So soll die Partnerschaft mit Greenpeace, die der Eigentümerin sehr wichtig ist, vertieft werden. Die Zimmerkarten aus Plastik sollen künftig Pappkarten mit RFID-Chips weichen. Darüber hinaus ist Alexandra Müller-Benz unaufhörlich auf der Suche nach weiteren nachhaltigen Ideen für ihr Almodóvar. Mareike Knewitz

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