Vom Nischenprodukt entwickelt sich alkoholfreier Wein zu einer festen Größe im Getränkemarkt. Was lange als Ersatz galt, wird heute in der Spitzengastronomie als eigenständiges Genusserlebnis verstanden.
Bisher galt alkoholfreier Wein vor allem als Kompromiss – als Alternative für Menschen, die bewusst auf Alkohol verzichten. Doch diese Sichtweise beginnt sich spürbar zu verändern. „Alkoholfreie Weine sollten nicht als Ersatz für klassischen Wein gesehen werden. Beides hat seine Berechtigung“, betont Gerlinde Mock, Ernährungs- und Gesundheitspädagogin sowie Weinakademikerin. Vielmehr handele es sich um eine eigenständige Getränkekategorie mit einem klaren Profil.
Diese Einordnung gewinnt zunehmend an Bedeutung, da sich alkoholfreier Wein heute nicht mehr primär über den Verzicht definiert, sondern über eigene sensorische, stilistische und konzeptionelle Ansprüche. Vergleichbar sei diese Entwicklung mit jener von alkoholfreiem Bier, das sich aus der Nische heraus zu einem etablierten Segment entwickelt hat. Laut dem Deutschen Weininstitut wächst der Bereich alkoholfreier und alkoholreduzierter Getränke weltweit dynamisch – mit jährlichen Zuwachsraten von bis zu zwölf Prozent.
Das Segment positioniert sich dabei zunehmend zwischen Mineralwasser, fermentierten Getränken, Tees, Proxies – sprich, komplexen alkoholfreien Getränkekreationen – und klassischen alkoholfreien Alternativen. Die Zielgruppen sind heterogen: von „Sober Curious“-Konsumenten über gesundheitsbewusste Gäste bis hin zu jüngeren Generationen, die Alkohol situativ reduzieren und bewusster konsumieren ...
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