Alexander Aisenbrey im Interview "Wir müssen uns lossagen von Booking, HRS und Co."

Klare Worte findet Alexander Aisenbrey, Vorsitzender der Fair Job Hotels und Geschäftsführer des Öschberghofs, im Tophotel-Interview. (Bild: Fair Job Hotels e.V.)

Die Hospitality-Branche darf sich nicht selbst verramschen, sagt Alexander Aisenbrey, Vorsitzender der Initiative Fair Job Hotels und Geschäftsführer des Öschberghofs. Die Chance der Stunde sei, endlich die Preis-Leistungs-Verhältnisse anzupassen. Dazu, so Aisenbrey, müsse man sich auch “von denen lossagen, die sich auf unsere Kosten die Taschen füllen.”

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Tophotel: Herr Aisenbrey, Fair Job Hotels steht für den fairen Umgang mit Mitarbeitern. Wofür steht Ihre Initiative in der Krise?

Alexander Aisenbrey: Wir stehen natürlich weiterhin zu unseren Werten. Daran hat sich nichts geändert. Die Krise ist aber insbesondere für unsere Mitarbeiter aus Hotellerie und Gastronomie alles andere als fair. Es ist eine wirklich schwierige Zeit. Natürlich müssen wir unsere Kernthemen in und nach der Krise der Situation anpassen.

Welche Risiken bringt die Krise für die Hotellerie als Arbeitgeber?
Die Risiken sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht wirklich absehbar. Ich bekomme Anrufe von jungen Menschen, die eine Ausbildung beginnen wollten, und sich jetzt die Frage stellen, ob die Hotellerie überhaupt noch die richtige Wahl ist. Mitarbeiter rufen an und sind verzweifelt, weil aktuell keine Perspektive vorhanden ist. Wir könnten durch die Krise gute Mitarbeiter verlieren. Und meine größte Sorge ist, dass wir auf Grund der wieder zu Verfügung stehenden Mitarbeiter auf deren Kosten Dumpingpreise für unsere Leistung verlangen.

Und welche Chancen bietet die Krise?
Dass wir zunächst einmal genügend Mitarbeiter haben werden, da viele Betriebe entlassen müssen, ist sicherlich auch eine Chance. Zudem haben wir die einmalige Chance, unsere Preise so anzuheben, dass wir unseren Mitarbeitern die Wertschätzung, die sie schon lange verdient hätten, auch monetär zukommen lassen können.

Wie kann dies gelingen und welche Lehren muss die Branche aus der Krise ziehen, damit die Chancen überwiegen?
Wir müssen selbstbewusst und überzeugt von unserer Leistung sein. Wir dürfen uns nicht verramschen. Diese Chance müssen wir nutzen. Wichtig ist, dass wir mit Preis-Leistungsverhältnissen arbeiten, durch die wir unsere Mitarbeiter gerecht bezahlen, unsere Häuser in Schuss halten können und natürlich auch noch etwas verdienen. Wir müssen uns von denen lossagen, die sich auf unsere Kosten die Taschen füllen: Booking, HRS, Secret Escapes und so weiter. Und wir müssen uns von den wenigen Gästen verabschieden, die durch Drohungen unsere Leistung nicht bezahlen wollen.

Die Branche macht mit vielen Aktionen auf sich und ihre Not aufmerksam. Wird sich Fair Job Hotels daran beteiligen?
Wir haben einige Zeit überlegt, wie wir uns in dieser Phase aufstellen. Täglich ändert sich die Situation; das, was heute gesagt wird, ist morgen schon wieder anders. Wir werden am Wochenende mit einer Aktion starten, mehr werde ich dazu aber nicht verraten. Und wenn es dann endlich wieder losgeht, müssen wir eine neue Kampagne kreieren, die sich auf die Wertschätzung, Wertschöpfung und den Respekt fokussiert.

Interview: Nina Fiolka

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