Acquisitions Manager von Premier Inn im InterviewSo könnte sich die Krise auf die Immobilienbranche auswirken

Andrea Latzel ist Acquisitions Manager bei Premier Inn Germany. Die Expansion von Premier Inn in Deutschland schreitet trotz Krise voran, wie sie erzählt. (Bild: privat)

Auch für die Immobilienbranche wird die Coronakrise Folgen mit sich bringen. Das weiß auch Andrea Latzel, Acquisitions Manager bei Premier Inn Germany. Im Interview spricht sie über die Expansionspläne der britischen Hotelkette, Realisierung von Projekten und das Thema Marktbereinigung.

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Tophotel: Frau Latzel, Premier Inn expandiert seit 2016 im deutschen Hotelmarkt und hat aktuell neun Hotels hierzulande geöffnet. Bis Ende 2020 sollten mindestens 20 Hotels in Betrieb sein. Welche Auswirkungen hat die Coronakrise auf die Expansionspläne?

Andrea Latzel ist seit Anfang 2019 Acquisitions Manager bei Premier Inn. Für die Hotelmarke betreut sie den Ankauf und die Anmietung von Grundstücken, Neubau- und Bestandsimmobilien in Deutschland. Zuvor war sie als Development Manager bei der Berliner HR Group sowie in den Entwicklungsabteilungen von Ruby Hotels & Resorts und Accor Deutschland tätig.

Andrea Latzel: Unser Management hält auch in der aktuellen Situation an unseren mittel- und langfristig angelegten Expansionsplänen fest. Daher läuft meine tägliche Arbeit im Grunde genommen relativ normal weiter. Wenige Projekte verzögern sich nun ein klein wenig, da Finanzierungen erschwert werden oder die geplante Nutzung als Betreiberimmobilie noch einmal verifiziert werden soll. Den öffentlich diskutierten absoluten Investitionsstopp kann ich bisher aber nicht bestätigen. Da wir sowohl über Kauf als auch Miete expandieren und Projekte sowohl selbst als auch in Partnerschaften entwickeln, haben wir ausreichend Flexibilität. Auch wir achten zurzeit natürlich verstärkt auf die Gesamtliquidität des Unternehmens und prüfen genau, ob ein kapitalintensiver Ankauf eines Grundstücks oder Hotels gerade sinnvoll ist oder gegebenenfalls um ein paar Monate geschoben werden kann – zusammen mit unseren Partnern finden wir in diesem Fall eine neue Deal-Struktur.

Wie wird sich der Immobilienmarkt verändern?

Im Immobilienbereich sind die Preise in den vergangenen Jahren stetig angestiegen. Ein Effekt auf meine Arbeit wird daher sicherlich sein, dass bei künftigen Projektierungen verstärkt auf ein solides Fundament geachtet wird und Faktoren wie die Nachhaltigkeit der Miete oder die Bonität des Betreibers, die während des Höhenfluges der letzten Jahre vielleicht etwas aus dem Fokus geraten sind, wieder mehr an Bedeutung gewinnen.

Auch das Stichwort ‘Marktbereinigung’ kommt mir in Zusammenhang mit einer Krise schnell in den Sinn; die aktuelle Situation wird den ohnehin laufenden Verdrängungswettbewerb sicherlich etwas beschleunigen. Ob dies Häuser betrifft, die potenziell in unser Portfolio passen, wird sich zeigen – Mergers & Acquisitions sind aber auf alle Fälle ein wichtiger Wachstumsmotor für uns.

Aus Investorensicht werden Themen wie Finanzierung oder Exit in den kommenden Monaten sicherlich herausfordernder als bislang, sodass beispielsweise Modelle wie eine Zahlung nach Baufortschritt ein guter Weg sein können, um Hotelprojekte auch weiterhin zu realisieren. Unsere Flexibilität bei der Gestaltung der Projekte hilft uns sehr dabei, uns an die neuen Marktgegebenheiten anzupassen und unsere Pipeline auch kurz- und mittelfristig gefüllt zu halten.

Was hat sich für Sie persönlich in den vergangenen Wochen verändert?

Die für mich persönlich größte Veränderung in den letzten Wochen sind die wegfallenden Geschäftsreisen, die einen oft großen Teil meiner Woche ausgemacht haben. Diese lassen sich aber größtenteils ganz gut durch Telefon- und Video-Konferenzen ersetzen. Neben den Reisen habe ich zwar auch vor Corona fast ausschließlich im Home Office gearbeitet, jedoch war meine Abendgestaltung vor der Pandemie deutlich abwechslungsreicher. Insofern freue ich mich sehr auf den Moment, in dem ich meine Familie, Freude und Geschäftspartner wieder persönlich treffen kann.

Interview: Laura Schmidt

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