Start der Außengastronomie in NRW Warum dunkle Wolken die Öffnungen überschatten

Die schlechte Wetterprognose ist nur eine Hürde bei den Öffnungen der Außengastronomie in Nordrhein-Westfalen. © Pixabay/Alexas_Fotos

Nicht nur das regnerische Wetter könnte den Besuch von Biergärten und Außenterrassen in Nordrhein-Westfalen bremsen. Viele Gastronomen fürchten laut Dehoga NRW das wirtschaftliche Risiko und wollen nicht öffnen. Außerdem könnte es an Personal mangeln.

Nach monatelangem Lockdown können die Gaststätten in gut der Hälfte aller kreisfreien Städte und Kreise in Nordrhein-Westfalen am Pfingstwochenende erstmals wieder ihre Biergärten und Außenterrassen öffnen. Viele Menschen freuen sich schon darauf. Doch nicht nur das von den Meteorologen erwartete regnerische Wetter könnte ihnen einen Strich durch die Rechnung machen.
Auch die nüchterne Kalkulation der Wirte dürfte so manchen geplanten Kneipenbesuch unmöglich machen. Nach Einschätzung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) NRW werden am Pfingstwochenende nur gut ein Drittel der Gastronomen von den Öffnungsmöglichkeiten der Außenbereiche Gebrauch machen. Der Verband betonte, dass vielen Wirten aktuell das wirtschaftliche Risiko auch wegen des vorhergesagten schlechten Wetters schlicht zu hoch sei. "Einerseits freuen wir uns, durch Öffnungen wieder einen ersten Schritt in Richtung Normalität tun zu können und unseren Gästen ein Angebot zu machen. Andererseits lohnt es sich häufig einfach nicht", sagte Dehoga-Regionalpräsident Haakon Herbst.

Gleichzeitige Öffnung der Innen- und Außengastronomie

Dies gelte umso mehr, da die Meteorologen Temperaturen um die 13 Grad und eine sehr hohe Regenwahrscheinlichkeit vorausgesagt hätten. Daher mache sich der Verband weiterhin für eine gleichzeitige Öffnung von Innen- und Außengastronomie stark. Dort wo Gäste inzwischen wieder in Räumen bewirtet werden dürfen, wie in Münster, seien auch deutlich mehr geöffnete Restaurants und Gaststätten zu erwarten. Innenbereiche können in Nordrhein-Westfalen aber erst ab einer Inzidenz von unter 50 geöffnet werden.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnte unterdessen vor einem massiven Personalmangel im NRW-Gastgewerbe, weil viele Mitarbeiter nach dem langen Lockdown mittlerweile Arbeit in anderen Branchen gefunden hätten. "Es ist gut, dass die Außengastronomie bei Inzidenzen unter 100 nun endlich wieder öffnen kann", sagte der NGG-Landesvorsitzende, Mohamed Boudih, am Donnerstag in Düsseldorf. "Aber vielerorts gibt es schon jetzt niemanden mehr, der die Gäste bedient."

Massiver Personalmangel

Hotels, Gaststätten und Restaurants im bevölkerungsreichsten Bundesland verzeichneten einen Fachkräfteschwund historischen Ausmaßes, warnte Boudih. Allein zwischen Juni 2019 und Juni 2020 hätten 43.000 Beschäftigte - und damit jeder achte Arbeitnehmer - in NRW die Branche verlassen. Angesichts des Lockdowns seit dem Herbst sei mittlerweile möglicherweise fast ein Viertel aller Köche, Kellner und Hotelangestellten in andere Branchen abgewandert.
Zu den Hauptgründen für den Personalschwund zählen nach Beobachtung der NGG die Einkommenseinbußen durch das Kurzarbeitergeld. Angesichts der niedrigen Löhne im Hotel- und Gaststättengewerbe kämen die Beschäftigten selbst mit 80 Prozent des Kurzarbeitergeldes ab dem siebten Bezugsmonat nicht über die Runden - und seien dazu gezwungen, sich beruflich umzuorientieren. dpa