Vier Oscars für Wes Andersons Komödie »The Grand Budapest Hotel« – das wird vor allem in Budapest gefeiert, wo das Originalhotel steht. Denn das Corinthia Hotel Budapest lieferte dem Filmemacher die Vorlage zu diesem preisgekrönten Film. Herr über das Grandhotel ist seit 2012 der Münchner Thomas M. Fischer, für den eigentlich einer anderer Beruf vorgesehen war.
Wir haben natürlich den Filmerfolg genutzt, um unser geschichtsträchtiges Haus im Rahmen einer speziellen Oscar-Tour einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen«, erklärt Thomas Fischer, dem seine Aufgabe als Hotelmanager in Budapest großen Spaß macht. Dabei sei es eher Zufall gewesen, dass er in der Hotellerie gelandet ist. »Eigentlich dachte ich an ein Jura-Studium und besuchte deshalb zusammen mit einer Freundin anderthalb Jahre vor dem Abi eine Probevorlesung an der Uni. Da war mir gleich klar – das ist nichts für mich«, erinnert er sich. Während der Schulzeit habe er gekellnert, um sein Taschengeld aufzubessern. Das habe ihm viel besser gefallen und er habe zunächst an eine Kochausbildung gedacht. Seine Eltern waren von den Vorstellungen des Sohnes wenig begeistert, doch Thomas Fischer ließ sich von seinem Berufswunsch nicht mehr abbringen. Ein Praktikum in einem Vier-Sterne-Hotel bestärkte ihn in seinen Plänen.
Mit einer Ausbildung zum Hotelkaufmann im Münchner Hilton startete er 1992 seine Karriere. Direkt danach besuchte er die Hotelfachschule Altötting. Es folgte eine kurze Station bei einem Caterer, bevor Fischer für zwei Jahre ins Kölner Crowne Plaza wechselte. »Du bist schon zu lange in Deutschland. Wenn Du was werden willst, musst Du mal raus in die Welt«, legte ihm sein damaliger Chef Martin Tamm nahe. »Ich hatte in der Tat bis dato keine Erfahrungen im Ausland und hörte mich bei meinen alten Hilton-Kontakten um«, erinnert sich Fischer. Die Wahl fiel auf das Hilton Luxor, und weil kein Geld für eine Vorstellungsreise da war, führte der mit dem dortigen General Manager eng befreundete Direktor des Düsseldorfer Hilton stellvertretend das Einstellungsgespräch mit Fischer.
»Ich wusste nicht, was mich in Ägypten erwarten würde«, gesteht Fischer. »Bei der Ankunft auf dem Flughafen schlugen mir 50 Grad Hitze entgegen – da wollte ich gleich wieder umdrehen. Zehn Tage lang habe ich den Koffer nicht ausgepackt und überlegt, was ich machen soll, doch ich hatte ja einen Vertrag als F&B Manager unterschrieben«, erzählt er weiter. Aber mit Ahmed Hegazi habe ihn ein exzellenter General Manager erwartet, der ihn nicht nur forderte, sondern auch förderte. Ihm habe er es zu verdanken, dass er sich schnell in seine neue Aufgabe einarbeiten konnte und auch den Umgang mit einer gänzlich anderen Kultur rasch erlernte.
»Mit 30 Jahren wollte ich eigentlich Hotelchef sein, ein Ziel, das ich knapp verpasst habe«, lacht Fischer. Immerhin hatte er es mit 29 bereits zum Stellvertreter gebracht, einer Position, die er fast zwei Jahre lang im Hilton Luxor ausübte. Danach wechselte er als Nummer zwei im Management ins InterConti Churchill London, heute ein Hyatt Hotel. Doch nach einem Betreiberwechsel und der Übergangsfrist verlor er seinen Job. Enttäuscht von der Kettenhotellerie entschied er sich dennoch in London zu bleiben und arbeitete dort schließlich im Brocket Hall, einem kleinen, privat geführten Haus vor den Toren Londons, zu dem ein Manor House, zwei Golfplätze mit Akademie sowie ein Fine-Dining-Restaurant gehörten. Ein Hotel sollte dazukommen, doch die Pläne wurden letztendlich nicht umgesetzt.
Fischer schaute sich deshalb wieder in Deutschland um. Nach einer kurzen Zwischenstation bei Starwood in Frankfurt ging es weiter zu Kempinski nach Peking. »Dort erlebte ich die Olympischen Spiele, vielleicht die schönste Zeit meiner bisherigen Karriere«, schwärmt Fischer, der für das Hotel mit über 500 Zimmern verantwortlich war. Eigentlich sollte er für das Unternehmen weiterhin in China arbeiten, doch der damalige CEO Reto Wittwer hatte dann doch andere Pläne mit ihm: Er sollte ins bulgarische Bansko oder nach Halle/Saale wechseln: »Eines der beiden Häuser ist für Dich, überlege es Dir bis morgen früh«, waren die Worte von Reto Wittwer. Noch während der Olympiade flog Fischer nach Halle und trat seinen ersten GM-Posten bei Kempinski an. Da das Hotel nach sechs Monaten verkauft wurde, folgte ein Wechsel nach Moskau, wo das damalige Kempinski Nikolskaya Hotel in Bau war. Nach einem weiteren halben Jahr wurde Fischer nach Gravenbruch bei Frankfurt entsandt. »Das Haus war damals in keinem guten Zustand und große Renovierungspläne waren angedacht. Doch als der damalige Besitzer Dieter Bock plötzlich verstarb, wurden leider auch die Renovierungspläne nicht mehr verwirklicht«, erinnert er sich.
Schweren Herzens hat sich Fischer nach dem Verkauf des Hotels von Kempinski getrennt. Ein großes Haus in einer sich entwickelnden, zentraleuropäischen Hauptstadt, das war sein Ziel. Mit dem Corinthia Hotel Budapest fand Fischer schließlich eine Herausforderung, die seinen Vorstellungen entsprach. »Corinthia ist eine kleine, privat geführte Hotelgruppe mit nur neun Häusern und immer noch ein Familienunternehmen«, sagt Fischer. Die Gruppe will weiter wachsen und ist auf der Suche nach 1-a-Standorten, auch außerhalb Europas. In Budapest sei es zunächst darum gegangen, das Hotel auch für die Ungarn zu öffnen. »Lange Zeit hatten wir bei den Einheimischen den Status eines Fünf-Sterne-Hauses, das man nicht betritt. Wir haben jetzt einmal jährlich einen Open Day, der sehr gut angenommen wird.« Zudem sollen auch weitere Veranstaltungen wie die Silvestergala Einheimische in die »repräsentativen Räumlichkeiten locken«.
»Eine andere Aufgabe war die Erschließung des amerikanischen Marktes. Auch das ist inzwischen gelungen«, konstatiert der Hotelchef. Selbstverständlich sei es auch darum gegangen, die Servicequalität und die technische Ausstattung zu verbessern und dabei nicht zu vergessen, dass man ein Grandhotel sei. Auch an der Hardware werde gearbeitet – gerade im Business-Bereich seien Verbesserungen notwendig, um mehr Geschäftsreisende ansprechen zu können. Überdacht werde auch das F&B-Konzept.
Alles in allem wurde in den vergangenen Jahren offensichtlich Einiges richtig gemacht, da das Corinthia im Fünf-Sterne-Bereich einstimmig von der ungarischen Hotel- und Gaststättenvereinigung in Kooperation mit dem Ungarischen Tourismusbüro zum »Hotel des Jahres 2014« und Fischer kürzlich mit dem »Best of Budapest Award 2015« in der Kategorie Bester Hotelier vom ungarischen Verlag Budapest Week Publishing ausgezeichnet wurde. »Verantwortliche für ein Unternehmen müssen heute auf die veränderten Bedürfnisse der Mitarbeiter eingehen«, erklärt Fischer seinen Führungsstil. »Flexible Arbeitszeiten, flache Hierarchien, direkte Kommunikation und ein Vorbild an Disziplin gehören unbedingt dazu. Eine gute Portion Humor und Spaß an der Arbeit dürfen nicht fehlen, genau so wenig wie Zielvorgaben und langfristige strategische Ausrichtung«, betont er. Idealerweise sei ein Managementteam so aufgebaut, dass es gemeinsame Entscheidungen treffen und sich gegenseitig vertreten könne. Ein patriarchisches Leitbild gehöre der Vergangenheit an.