Didi, den die wenigsten unter seinem vollständigen Namen Dietmar Kögerl kennen, ist für die Hotellerie geboren. Dem charmanten General Manager des Niyama-Resorts auf den Malediven fallen nicht nur tolle Events ein, er übernimmt in dem Haus auch noch die Aufgaben des Bauherrn und »Bürgermeisters«.
Didi, könntest du bitte mal.« Für Dietmar Kögerl, kurz Didi, sind derlei Anrufe zu jeder Tages- und Nachtzeit normal. Eine Mitternachtsparty im Spa, kein Problem. Eine neue 25.000-Euro-Küche im Garten aufzubauen sowie zwei Sterneköche für einen russischen Oligarchen einfliegen zu lassen, ebenfalls nicht. Didi macht es möglich. Der groß gewachsene, sonnengebräunte Mann mit der markanten Brille verkörpert Leidenschaft und Dynamik, ist aber weder Anzugträger noch Schreibtischhengst: So ist sein Büro im zur Minor- und Universalgruppe gehörenden per AQUUM-Resort Niyama auf den Malediven verwaist; stattdessen arbeitet der General Manager mit Laptop an einem Konferenztisch.
Die üppig bewachsene, fast zwei Kilometer lange Sandinsel im Dhaalu-Atoll, 180 Kilometer südlich der Hauptstadt Malé, ist seit Juni sein Zuhause. Dort empfängt er Gäste fast schon wie Freunde. Die gut betuchte Klientel weiß, dass der Ingolstädter Wünsche wahr werden lässt und dabei sowohl diskret als auch verschwiegen ist. Und dass er ein Hotelier und Gastgeber ist, wie man es auf keiner Hotelfachschule lernen kann. Geht nicht, gibt es nicht. »Kein Limit« sagt er selbst und das setzt er dann mit Charme und der entsprechenden Arbeit und Organisation um. Kurzum: Didi, dessen Spitzname auch auf seinem Namensschild steht und mit dem er jegliche Einladung oder das Begrüßungsschreiben auf dem Zimmer unterzeichnet, ist für die Bühne Hotel geboren.
Das Niyama hat der Bayer, der seinen Dialekt auch in der Ferne pflegt, übernommen, weil er als Spezialist für Hoteleröffnungen gilt. »Die ersten zwei Jahre liefen nicht so gut, da fehlte es an Struktur«, gibt Didi zu. Nach wenigen Monaten hat sich vieles verbessert, gerade beim Service merkt man die täglichen Schulungen.
86 Strand- und Wasservillen gilt es bislang von rund 280 Mitarbeitern zu unterhalten; »Das ist wie eine kleine Stadt, man muss sich um jeden Einzelnen kümmern. Ich bin hier sozusagen der Bürgermeister«, erklärt Didi. Ende des Jahres kommen auf der durch eine Brücke verbundenen kleineren Nachbarinsel weitere 49 bis 1.000 Quadratmeter große Villen hinzu. »Die nennen wir ‚Play’, weil sie für Familien konzipiert sind«, so der GM. Mit deren Eröffnung werden 120 weitere Mitarbeiter angestellt. Auf dem »älteren« Eiland besteht unter dem Motto »Chill« das Pärchen-Paradies weiter. Aber auch dort kommt der Spieltrieb des neuen Hoteldirektors durch. Alle Villen verfügen neben einer XL-Minibar mit kostenloser Eiscreme auch über Popcornmaschinen.
Kögerl erklärt seine Arbeit
Mit Shorts, lässigem Designerhemd und Tablet ist Didi am frühen Morgen als Bauherr unterwegs. Er checkt den Fortschritt der Bauarbeiten und weist stolz auf den Gastrospot des Playgrounds hin. »Wir eröffnen ein Baumhausrestaurant«, erklärt er. Dem gelernten Koch, der später an der Cornell University im Staat New York und an der Insead Business School in Fontainebleau bei Paris studiert hat, liegen Food & Beverage besonders am Herzen. So werden für das in sieben Metern Höhe gelegene Restaurant, das künftig verschiedene Küchen anbietet, auch die geeigneten Küchenchefs angestellt, welche die authentischen Landesküchen wie koreanisches Barbecue, den Hotpot oder den Teppan-yaki Grill beherrschen. Der vor den Inseln drei Bootsminuten entfernt gelegene Unterwasserclub »Subsix« wird ebenfalls zu einem Restaurant umgebaut, in dem die Gäste lunchen und dinieren können.
Seit 30 Jahren arbeitet Didi bereits in Asien und im pazifischen Raum. Malediven, Seychellen, Thailand und zurück, so könnte man sein Asien-Afrika-Hopping nennen: Zunächst für Le Méridien im Barbarons und im Fisherman’s Cove auf den Seychellen, wo er als GM Komplettrenovierungen durchgeführt hat, später für Anantara im Kihavah Villas auf den Malediven. »Die Region an sich war Zufall, aber inzwischen kann ich mir eigentlich gar nicht mehr vorstellen, anderswo zu leben und zu arbeiten«, gesteht er. Weil er im Grunde hier alles hat: Einen boomenden Tourismus – die Touristenzahlen auf den Malediven steigen jährlich um knapp 20 Prozent – und auch seine Familie. Der Sohn geht in Thailand, wo Didi ein Haus besitzt, ins Internat. Seine chinesische Lebensgefährtin Amelia arbeitet ebenfalls auf der Insel und eröffnet demnächst ihr eigenes Fotostudio.
Dem Bayern, der im November seinen 52. Geburtstag feiert, fallen immer neue Events ein, die seinen Teams in den jeweiligen Hotels schon manchen Nerv geraubt haben. Als Weihnachts-Fan hat er im Anantara Kihava den wahrscheinlich ersten Unterwasser-Weihnachtsbaum mit angeschwemmten Korallen und LED-Beleuchtung aufgestellt, seine weiblichen Angestellten als »Atoll-Angels« verkleidet und auch eine Römerparty auf die Beine gestellt, für die er sich in Cäsar »verwandelte«. Nun gilt es an Weihnachten 2014 und an den Jahreswechsel im Niyama zu denken. »Natürlich habe ich schon ein paar Ideen«, gibt er sich geheimnisvoll. Nur so viel: »Ich lasse dafür eigens in Deutschland Lebkuchen backen«, so der GM.
Selbst wenn die Festtage und die Eröffnung von Niyama-»Play« vorüber sind, ist kein Ende des Aktionismus abzusehen. Universal will im kommenden Jahr auf einer der Nachbarinseln einen kleinen (Land)Flughafen eröffnen. »Dann können auch Learjets landen. Gäste mit späten internationalen Weiterflügen haben keine langen Wartezeiten auf Malé mehr«, begrüßt der GM die Pläne, welche die Gäste wahrscheinlich zu noch mehr »Didi, kannst du mal schnell«-Ideen und ihn zu noch mehr Highclass-Entertainment verleiten werden.