Karriere Frauen in der Chefetage – "Warum denn nicht?!"

Während Politiker eifrig über eine gesetzliche Frauenquote debattieren, setzt die Hotellerie längst auf Frauenpower. Positionen im Management der internationalen Luxushotellerie sind nicht mehr nur ein Privileg der Männer; immer mehr Hotelgesellschaften fördern ehrgeizige Mitarbeiterinnen auf dem Weg nach oben. Und was sagen die Karrierefrauen zum Thema Frauenkarriere?
Beschäftigt man sich mit dem Thema »Frauen + Karriere« in der Hotellerie, könnte man fast meinen, es sei gar kein Thema. Gesetzliche Frauenquote? Überflüssig. Chancengleichheit? Schon lange Realität. Ganz zaghaft klingt mal etwas über den Spagat zwischen Berufsalltag und Familie an. Aber am Ende des Tages zähle doch Kompetenz und Qualität, wenn es um die Besetzung von Führungspositionen geht – ein toughes Statement aus Frauenmund. Kurzum: Wer will, der kann, unabhängig von seinem Geschlecht. Tatsächlich?
Verlässt man kurz den Mikrokosmos Hotellerie und betrachtet branchenübergreifend den Ist-Zustand, zeichnet sich schon eher eine Schieflage ab, auf die sich auch die Verfechter der gesetzlichen Frauenquote berufen: Nach Analysen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) waren Ende 2012 in den 200 größten Unternehmen nur 13 Prozent (2010: 10,6%) der Aufsichtsratspositionen und nur vier Prozent (2010: 3%) der Vorstandspositionen mit Frauen besetzt. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft stieg zwischen 2001 und 2010 um acht Prozentpunkte auf 30 Prozent. Fazit des DIW: Frauen bleiben trotz gleicher oder sogar besserer Qualifizierung nach wie vor in Führungspositionen unterrepräsentiert. Dabei gilt: Je größer das Unternehmen und je ausgeprägter die Hierarchieebenen, desto weniger Frauen dringen an die Spitze vor.
Frauen in der Chefetage – die Hotellerie scheint in dieser Hinsicht tatsächlich eine der fortschrittlicheren Branchen zu sein. Trotzdem gibt es noch Luft nach oben. So will Accor langfristig weltweit 50 Prozent der Hotelmanager-Positionen mit Frauen besetzen; bis 2015 soll das Zwischenziel von 35 Prozent erreicht werden. Um motivierte Mitarbeiterinnen weiter nach vorn zu bringen, hat der Hotelbetreiber Ende 2012 das internationale Frauennetzwerk »Women at Accor Generation« (WAAG) ins Leben gerufen. Die Zielsetzung lautet: Kampf gegen Stereotype und eine Gleichstellung der Geschlechter. »Unter den Studienabsolventen finden sich mehr Frauen als Männer, trotzdem sind Frauen in Managementpositionen unterrepräsentiert«, beschreibt Sophie Stabile, Global Chief Financial Officer bei Accor und Vorsitzende von WAAG, den Status quo. Das Netzwerk soll den Frauen mehr Vertrauen in ihr Potenzial geben, sie ermutigen und auf ihrem Weg begleiten.

Das kann sich auch die australische Hotelkette Adina Apartment Hotels auf die Fahnen schreiben. Alle Häuser in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Kopenhagen und Budapest werden von weiblichen GMs geführt, und auch zahlreiche weitere Positionen in den Führungsetagen sind mit Frauen besetzt. Dabei sind Familie und Kinder kein K.-O.-Kriterium auf dem Weg nach oben – auch das ist Teil der Firmenphilosophie. Adina ermutigt seine Mitarbeiterinnen, auch als Mütter ihre Karrriereziele zu verfolgen und unterstützt sie dabei mit flexiblen Lösungen.
Der Aufstieg von Claudia Anderle begann vor rund fünf Jahren bei Adina in Australien. 2011 wurde sie zum jüngsten General Manager innerhalb der Hotelgruppe befördert und leitet nun das Adina Apartment Hotel Berlin Checkpoint Charlie. Während der Elternzeit einer Kollegin sprang sie als GM-Vertretung in Hamburg ein, um dort das Team zu unterstützten. Die Kollegin kehrte nach einer viermonatigen Auszeit wieder in ihre Position zurück. Claudia Anderle ist überzeugt, dass in der Hotellerie   jeder, der gute Arbeit leistet, die Möglichkeit hat aufzusteigen. »Diese ›Förderung nach Leistung‹ ist unabhängig vom Geschlecht. Wer will, der kann!« Dass Frauen nicht zugetraut werde, Familie und Job unter einen Hut zu bringen, hält die 32-Jährige für einen alten Hut. »Dies ist eine Hinterlassenschaft des klassischen Rollenbildes der Frau. Das befindet sich zum Glück im Wandel, aber es wird mit Sicherheit noch einige Zeit dauern, bis sich das in den Köpfen verankert.«
Dass sich die zwei »K’s« – Kind und Karriere – durchaus miteinander vereinbaren lassen, stellt auch Sonja Salewska unter Beweis. 2004 wurde sie Mutter, 2008 stieg sie vom Resident Manager zum General Manager im Park Inn by Radisson Köln Belfortstraße auf. Und managt die Doppelrolle mit Bravour: Von den Kölner Event Hotels, zu denen das Park Inn by Radisson gehört, wurde die 38-Jährige als »Hoteldirektorin des Jahres 2012« ausgezeichnet. Ausschlaggebend für den Preis waren neben den Zahlen der Führungsstil, die Akzeptanz und das Vertrauen der Mitarbeiter in die Direktorin und last, but not least die Kundenzufriedenheit. Oft gefragt werde sie, wie sie in dem abwechslungsreichen, aber auch herausfordernden Beruf den Spagat zwischen Familie und Kind und Hotellerie bewältige. »Ich antworte dann, dass die Familie hinter mir steht und mich unterstützt, und ich hier im Hotel ein toll funktionierendes Team habe.
Interessanterweise wird Männern diese Frage praktisch nie gestellt.« Michael Lachmann, Sprecher der Event und Geschäftsführer der Provent Hotelgruppe: »Gerade im Hinblick auf den zu erwartenden Fachkräftemangel ist es wichtig, verstärkt auf weibliche Führungskräfte zu setzen und ihnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen.« Jede vierte Direktorenstelle ist bei den von Event und Provent gemanagten Park Inn by Radisson Hotels mit einer Frau besetzt, auf Ebene der Abteilungsleiter sind rund 60 Prozent der Mitarbeiter weiblich. 24 Prozent der weiblichen Führungskräfte haben ein oder mehrere Kinder bei gleichzeitiger Berufstätigkeit.

Einer, der schon lange auf Frauenpower setzt und sich seit Jahren für die Förderung weiblicher Führungskräfte einsetzt, ist Peter Borer, COO der Peninsula Hotels und Executive Director der Muttergesellschaft HSH. In immerhin vier Häusern der weltweit neun Hotels umfassenden Luxusgruppe steht heute eine Frau an der Spitze; hinzu kommen drei GM-Stellen auf Corporate-Office-Ebene. Sonja Vodusek lenkt seit 2011 die Geschicke des Peninsula Manila; zuvor war die gebürtige Australierin als Hotelmanagerin im Peninsula New York tätig. Auch in anderen Unternehmen bekleidete sie bereits Managementpositionen. Um Karriere zu machen, braucht »frau« ihrer Ansicht nach keine »spitzen Ellenbogen«. Aber dafür »breite Schultern mit pinkfarbenen Schulterpolstern«. Sonja Vodusek: »Ich glaube, es ist generell eine gute Idee, an die Dinge diplomatisch heranzugehen.« Diplomatie wird ebenso wie Einfühlungsvermögen und Kommunikationsfreude den Frauen zugeschrieben. Aber auch über die typischen »weiblichen Skills« gehen die Meinungen auseinander – viele Frauen wollen das nicht mehr hören. Als Klischee empfindet Sonja Vodusek, dass Frauen im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen »nicht alles haben können« und dass Karrierefrauen zwangsläufig schlechtere Frauen, Mütter oder Partnerinnen sind. »Ich kenne eine Menge Frauen, die genau das Gegenteil beweisen.«
Einen Schritt weiter geht Katja Henke: »Ich persönlich finde es nervig, wenn es überhaupt als etwas Besonderes betrachtet wird, dass Frauen in Führungspositionen sind. Warum denn nicht?« Sie ist das neueste Mitglied in der Topriege der Hotel-Direktorinnen der Luxusgruppe Peninsula. Die Deutsch-Schweizerin wurde Ende vergangenen Jahres zum General Manager des Peninsula Bangkok ernannt, davor war sie Hotel Manager des Peninsula Shanghai. Für sie war »dieses Thema« ein ausschlaggebender Grund für die Auswahl ihres Arbeitgebers. »Für Peninsula und die Hongkong and Shanghai Hotels zählen Leistung und Talent, nicht das Geschlecht«, betont die 42-Jährige.

Jüngste Direktorin in Berlin

Die beeindruckende Karriere der gebürtigen Bonnerin bei ARCOTEL Hotels begann vor fast zwei Jahren. Nach ihrem Studium „International Hospitality Management“ und einem anschließenden Management Trainee unterstützte sie die Kollegen des Quality Managements als “Assistant to Quality Manager“. Seit August 2013 ist sie bereits stellvertretend für Resident Manager Sandy Fischer tätig und konnte so bereits Erfahrungen auf der Management-Ebene sammeln. Nun ging es noch eine Sprosse auf der Karriereleiter nach oben: Ab 1. April 2014 ist Jenny Krumme als Rooms Division Manager alleinverantwortlich für das 85 Zimmer umfassende ARCOTEL Velvet Berlin tätig und ist damit die jüngste Hoteldirektorin in Berlin! "Wir freuen uns mit Jenny Krumme einen engagierten und zielstrebigen Rooms Division Managergefunden zu haben. Trotz ihres jungen Alters, verfügt sie bereits über umfassende Erfahrungen, welche sie im operativen Hotelbetrieb einsetzen kann", sagt Dr. Renate Wimmer, Vorstand der ARCOTEL Hotel AG und Eigentümer der Unternehmensgruppe ARCOTEL.
Dass das Geschlecht heute keine Karrierebremse mehr sein darf, darüber sind sich die befragten Frauen einig. Wie sieht es mit Vorteilen aus? Die sieht zum Beispiel Doris Greif, gebürtige Bayerin und General Manager im 2011 eröffneten Jumeirah Etihad Towers in Abu Dhabi. Sie bringt ihre Sichtweise und die vielgerühmte »weibliche Intuition« ganz bewusst in die Arbeit ein, was vor allem in Hinblick auf die Zielgruppe der weiblichen Reisenden von Vorteil ist. Generell ist eine tiefe Leidenschaft für das, was man tut, ihrer Ansicht nach Grundvoraussetzung für den Erfolg. Und wie sieht es mit der Chancengleichheit aus? Gibt es die? »Einerseits ja. Ich glaube, dass die meisten Führungspositionen in der Hotellerie qualifizierten männlichen und weiblichen Kandidaten angeboten werden.« Andererseits sei die Entscheidung für die Karriere zugleich eine Entscheidung für einen betimmten Lifestyle. Hotels seien naturgemäß Betriebe, die 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche laufen. Für viele Frauen, die gern viel Zeit zu Hause und mit der Familie verbringen, sei das keine Option. »Ich verstehe voll und ganz, dass das nicht die Lebensweise ist, die sich viele Frauen aussuchen würden und das respektiere ich. Aber es ist die Lebensweise, die ich gewählt habe und für mich funktioniert es sehr gut.«