Die Kunst der Reduktion

Der Lanserhof Lans ist längst zur Institution geworden. Anfang Januar wurde der Lanserhof Tegernsee eröffnet – mit dem gleichen medizinisch-therapeutischen Konzept, aber noch großzügiger dimensioniert als das Tiroler Haus. Hier wie dort geht es um die Verbindung von Gesundheit, Genuss und Gastlichkeit, doch Lanserhof II. hat die Messlatte besonders hoch gelegt. Man möchte nichts weniger sein als »Europas modernstes Gesundheitsresort«.

Der Tegernsee hat seinen ganz eigenen Charme, seine ganz eigene Hotelszene. Der neue Lanserhof positioniert sich bewusst abseits dieses Schemas – in puncto Lage, Erscheinungsbild, Konzept und Zielgruppe. Über dem beschaulichen Ort Marienstein thront auf 900 Metern das auf ganzheitliche Regeneration und Prävention spezialisierte Gesundheitsresort – eingebettet in Wiesen und Wäldern, umrahmt von der Bergkulisse des Alpenvorlandes. Hier oben herrschen vollkommene Ruhe und Abgeschiedenheit. Lediglich der Golfclub Margarethenhof ist in Sichtweite, der 18-Loch-Golfplatz erstreckt sich bis zum Lanserhof – ein Teil des Grüns verläuft rund ums Hotel. »Ein Kraftplatz«, wie Geschäftsführer Nils Behrens den Standort nennt und damit der ideale Rahmen für das auf Regeneration und Revitalisierung ausgelegte LANS Med Concept mit seinen vielfältigen Diagnose- und Therapieformen. Die reichen von der 24-Stunden-Herzratenmessung über Nahrungsmittelunverträglichkeitstests bis hin zu sportwissenschaftlichen Bewegungschecks und Mental ­Coachings. Neben der Gesundheit können die Gäste auch ihre Ausstrahlung optimieren, unter anderem durch Behandlungen mit der hauseigenen LANS Med Derma-­Linie.

Architekt Christoph Ingenhoven und Landschaftsarchitekt Enzo Enea haben dafür gesorgt, dass sich das gedankliche Grundkonzept in der Gestaltung des Gebäudes widerspiegelt. »Beide sind langjährige Lanserhof-Gäste«, wie Nils Behrens erklärt. Sie haben den »spirit« verinnerlicht und in die Planung eingebracht. Das 80 mal 80 Meter große Haus folgt dem klassischen Grundriss einer Hofanlage mit begrüntem Innenhof und wurde nach den Grundzügen eines Klosters konzipiert. Die Fassade aus Holz und Glas signalisiert Naturverbundenheit. »Freiraum« ist das magische Wort, denn den 70 Gästezimmern und Suiten ­stehen mehr als 21.000 Quadratmeter ­Gesamtfläche gegenüber. Zum Vergleich: In Lans kommen 62 Zimmer auf 7000 Quadratmeter – diese Fläche nimmt am Tegernsee schon allein der medizinisch-therapeutische Bereich ein. Im Gartengeschoss des Gebäudes liegen Rezeption, Restaurant inklusive »Tegernseer Stube«, Vortragsraum, Bibliothek, Kaminlounge sowie der LANS Med-Bereich mit Ärztezimmern und Behandlungsräumen. In den zwei darüber liegenden Obergeschossen sind 34 Doppelzimmer, zwei barrierefreie Zimmer, 26 Suiten und acht Eck-Suiten untergebracht. Großzügigkeit auch hier: Das kleinste Zimmer misst 55, die Suiten bis zu 100 Quadratmeter; zu jeder Einheit gehört eine von Holzlamellen umschlossene Loggia, um größtmögliche Privatsphäre zu garantieren. Behrens: »Unsere Gäste halten sich viel in ihren Zimmern auf, dem hat man bei der Konzeption Rechnung getragen.« In Hinblick auf die Größe, aber auch auf die Einrichtung, die mit ultraflachen Fernsehern, hochwertigen Bettensystemen und Luxus-WCs der neuesten ­Generation – sogenannten Washlets der Firma Toto – größtmöglichen Komfort bietet. Durch schlichte Formen, dezente Farben und den Verzicht auf Bilder kommen Augen und Geist zur Ruhe. Der Blick richtet sich nach draußen in die Natur oder aber nach Innen – Gedanken können in einem Notizbüchlein auf dem Nachttisch festgehalten werden.

Das Konzept der Reduktion von Form und Farbe wurde im gesamten Hotel konsequent eingehalten. Weiß ist vorherrschend, ansonsten variieren einige wenige Naturtöne. Selbst die Rollen des Steinway-Flügels, die üblicherweise golden sind, hat man durch schwarze ersetzen lassen. Jedes Detail ist sorgsam ausgewählt – von den Buchtiteln in der offen gestalteten Bibliothek bis hin zu den wechselnden Arrangements auf dem »Tisch der schönen Dinge« im Eingangsbereich. Mal ist eine Ansammlung von Pflanzen zu sehen, mal ein knorriger Ast. Der Geschäftsführer: »Das kann man fast als künstlerische Installation bezeichnen.« Als Kunstwerke muten auch die weißen »Röckchen«-Stehlampen von Designer Philippe Starck an, die sich in verschiedenen Bereichen des Hotels wiederfinden. Andere stilistische Extras wie die samtigen Lederverkleidungen in den Aufzügen, die schimmernden Mosaikfliesen in den Gästebädern – eine Sonderanfertigung – und der horizontal geprägte Sichtbeton im Flur zum »Badehaus« offenbaren sich erst auf den zweiten Blick. Das blaue Sofa im Empfangsbereich des medizinisch-therapeutischen Bereichs ist eine Reminiszenz an den Lanserhof Lans. 

Im sogenannten Badehaus sind Sauna, Dampfbad und Sanarium um eine Kaminlounge gruppiert; daneben befindet sich ein Ruheraum. Ein Fitnessbereich mit neuestem Equipment sowie einen Yogaraum ergänzen den Wohlfühlbereich. Ein Highlight ist der ganzjährig beheizte Salzwasseraußenpool mit Unterwassermusik, der nach Auskunft von Nils Behrens so fein eingestellt ist, »dass wir unseren Gästen Meerwasserqualität mitten in den Bergen bieten können. Hier morgens mit Blick auf die Berge zu schwimmen, ist ein echter Genuss.« Gesunden Genuss verspricht auch die »Energy Cuisine« – das in Lans entwickelte Ernährungskonzept, welches nun auch am Tegernsee zum Einsatz kommt. Da Entgiften, Entschlacken und Entsäuern nach F.X. Mayr wichtige Bestandteile von LANS Med sind, gilt auch beim Essen das Motto: Weniger ist mehr. Alkohol und Kaffee sind im »Luxuskloster« tabu, dafür gibt es Wasser und verschiedene Tees zur Selbstbedienung. Übermäßiges Schlemmen steht nicht auf dem Programm. Nils Behrens: »Im Prinzip ist für jeden unserer Gäste der Speiseplan festgelegt.« Und jeder absolviert das medizinische Basispaket, das zumindest eine Woche dauert. Wer hier her kommt, hat ein Ziel vor Augen: sich bei Abreise deutlich vitaler und ausgeglichener zu fühlen. Dass dies gelingt, zeigen die ersten Einträge im Gästebuch. Sogar eine Zeichnung ist dabei: »Blick aus Zimmer 216«. Der ist zweifellos grandios.

 

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