Steigenberger Grandhotel Handelshof Leipzig Grandios trotz kleiner Patzer

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Das Luxushotel in der Leipziger Innenstadt "entführt Sie mit seiner Geschichte und Tradition in eine andere Welt", verspricht die Marketingabteilung des Hauses – der Top hotel-Tester überprüfte diese Aussage.

SO. 24/02, 10:56 und MO. 25/02, 09:10 - Telefonische Reservierung

Immer wieder sonntags … sind die Reservierungsabteilungen in großen Hotels nicht besetzt. Das ist im Steigenberger Grandhotel Handelshof insofern nicht schlimm, als die Rezeption diese Aufgabe übernimmt. Die freundliche Rezeptionis­tin bietet mir einen Rückruf an − »damit ich in Ruhe mit Ihnen sprechen kann, ich habe hier gerade Gäste«. Das ist in Ordnung. Leider klappt es aber mit dem Rückruf nicht innerhalb der von mir erbetenen 20 Minuten; später sehe ich, dass man es nach einer halben Stunde zweimal probiert hat. Ich nehme am Folgetag selbst einen zweiten Anlauf und spreche nun mit Frau H. von der Reservierungsabteilung. Die Mitarbeiterin ist bestens geschult und bleibt auch dann noch gelassen und zuvorkommend, als ich mich ein bisschen kompliziert gebe. Sie macht eigentlich alles richtig. Nur die Möglichkeit des Frühbucherrabatts – gegen Vorkasse und ohne Stornierungsmöglichkeit lassen sich immerhin 15 Prozent des Zimmerpreises sparen – unterschlägt sie mir. Als ich selbst danach frage, entschuldigt sie sich dafür. Ich buche die einfachste Kategorie zur wirklich sehr günstigen Frühbucherrate von 139,40 Euro ohne Frühstück. Die Reservierungsbestätigung kommt unverzüglich und ist informativ. Als ich einen Tag vor Anreise schriftlich um ein ruhiges Zimmer bitte, wird auch diese E-Mail noch einmal sehr zuvorkommend beantwortet.
Wertung: sehr gut

Internetauftritt/ Online-Buchung

Übersichtlich, gut gegliedert, nichts Überflüssiges, aber alles Wichtige – obwohl nur eine Unterseite der Steigenberger-Website, ist die Homepage des Grandhotel Handelshof gelungen. Attraktive, großformatige Fotos wecken Vorfreude auf den Aufenthalt, ein viereinhalbminütiger Film zeigt das Haus auch in bewegten Bildern, die Onlinebuchung funktioniert schnell und unkompliziert. Tagungsplaner finden Informatives zu den Räumlichkeiten sowie Name, E-Mail-Adresse und Telefonnummer der Bankettverantwortlichen. Kulinarisch Interessierte können vorab in Speise- und Weinkarte stöbern und aus der Barkarte sogar schon ihren After-Dinner-Drink aussuchen. Es macht Laune, sich hier bereits zu informieren. Und der Ton der Website ist zwar selbstbewusst, in der Verwendung von Superlativen aber erträglich, weshalb die Wirklichkeit diesem Internetauftritt standhalten kann. Nur drei kleine Makel fallen dem Krümelsucher auf: ein paar Rechtschreibfehler (»Skatsport« klingt originell, soll aber »Skatesport« heißen), nicht mehr aktuelle Formulierungen auf der Seite Lage & Anreise (»…entsteht das neue Steigenberger …«) und das Fehlen der Spa-Broschüre als Download.
Wertung: sehr gut

Lage/Anreise

Mein Quartier liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Thomas- und Nikolaikirche, Gewandhaus und Oper. Und es befindet sich in vornehmer Gesellschaft. Denn mitten in der verkehrsberuhigten Leipziger Altstadt residieren Commerzbank und Deutsche Bank schlossartig und selbst Karstadt so herrschaftlich, dass der Auftritt des zum Grandhotel gewandelten historischen Handelshofs geradezu zurückhaltend wirkt. Die klar gegliederte Fassade mit den goldenen Steigenberger-Lettern zeigt schon von außen, was innen Sache ist: ­Luxus, dezent verpackt, und Historie, behutsam aufgearbeitet. Chefportier M. – weißhaarig und mit Frack, Zylinder und champagnerfarbener Krawatte eine ebenso beeindruckende wie adäquate Erscheinung – hilft mir aus dem Taxi und heißt mich charmant willkommen. Wer wie ich mit dem Zug anreist, könnte die 600 Meter vom Bahnhof aus im Prinzip auch zu Fuß gehen, wer mit dem Auto kommt, darf sich von diesem bequem am Hotel verabschieden. Valet-Parking heißt das Zauberwort, wenn dienstbeflissene junge Männer die Nobelkarossen im nahen Parkhaus abstellen und – mit viertelstündlicher Voranmeldung – auch wieder abholen.
Wertung: ausgezeichnet

MO. 04/03, 13:11 - Check-in

»Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.« Der gute Goethe, der einige Stu-dienjahre in Leipzig verbrachte, begegnet dem Gast im Grandhotel Handelshof an vielen Stellen und in vielerlei Formen. Dieses Faust-Zitat ist in die Front des marmornen Empfangstresens eingeritzt und vermittelt ein angenehmes Gefühl des Angekommenseins. Die mich über den Tresen hinweg anstrahlende junge Dame tut das Gleiche. In ihrem schwarzen Jackenkleid mit Perlenkettchen (gehört zur Uniform!) tritt Frau L. als elegante Gastgeberin auf und begrüßt mich herzlich. Sie strahlt noch mehr, als ich meinen Namen nenne und gratuliert mir herzlich zum Geburtstag, den ich an diesem Tag aus Testgründen feiere, und der am Empfang aufgrund einer vorab bestellten »Überraschung« bekannt ist. Ihre Kollegin und der Chefportier schließen sich an. Ich unterschreibe den Meldeschein und erhalte einen Zimmerpass mit Kärtchen, einen Stadtplan sowie eine Art Lesezeichen mit den wichtigsten Informationen zum Haus. Diese hätte ich zwar lieber aus dem Mund von Frau L. erfahren, aber besser so als gar nicht. Frau L. weist mir den Weg zum Aufzug, Herr M. trägt mir mein Köfferchen dorthin. Er erzählt mir einiges Wissenswerte über die Geschichte und Architektur des Handelshofs und auch, dass er einmal in Leipzig Betriebswirtschaft studiert hat. Dann bietet er mir weitere Hilfe mit dem Gepäck an, die ich jedoch dankend ablehne. Die Begleitung zum Zimmer scheint nicht selbstverständlich zu sein. Das ist ein bisschen schade.
Wertung: sehr gut

Zimmer 410

Ein seltsames Hochgefühl bemächtigt sich meiner, als ich durch die hellen, breiten Flure zu meinem Zimmer gehe − ich schreite geradezu, so außerordentlich beruhigend, edel und ansprechend wirkt das Ambiente auf mich. Nur der Zutritt zum Zimmer bereitet mir Kopfzerbrechen, hat Frau L. doch nicht erklärt, wie dieser funktioniert. Kurz bevor ich versuche, mit dem Kärtchen wie im Krimi das Schloss zu knacken, fällt der Groschen: Ich muss es auf das seitlich von der Tür angebrachte Zimmernummernschild halten, dann öffnet sich die Tür. An diesem Panel kann man auch läuten und von innen das »Do not Disturb«- oder »Make up my Room«-Symbol aktivieren.

Zimmer 410 liegt besonders ruhig zum Innenhof, wobei Straßenlärm aufgrund der weitgehend autofreien Altstadt auch in den anderen Zimmern kein großes Problem darstellen dürfte. Der Raum gefällt mir auf Anhieb. Durch seine ungewöhnliche Höhe wirkt er fast wie ein Kubus. Das Farbkonzept, das sich durchs ganze Haus zieht, sorgt für unaufdringliche Noblesse: Schwarz und Cremetöne herrschen vor, akzentuiert mit Purpur-, Bronze-, Silber- und Goldnuancen. Dominiert wird das Zimmer von der ungewöhnlich hohen Rückwand des Doppelbetts, die ein eindringliches schwarz-bei-
ges Blätterrankenmuster in Streifen trägt. Wer will, kann darin Lorbeer- oder Eichenlaub erkennen und dem eine Symbolik zuordnen, zumal das Rankenmuster, ähnlich wie die Goethe-Zitate, im ganzen Hotel wiederkehrt. Vor dem Fenster steht ein Sofa, auf dem es sich zwei Menschen gemütlich machen und mithilfe zweier Extrahocker sogar die Beine hochlegen können. Eine Seltenheit, selbst in Fünf-Sterne-Häusern. Schade nur, dass der Fernseher an der Wand des TV-Schreibtisch-Möbels auf das Bett ausgerichtet ist und zwar eine Dreh-, aber keine Extensionsvorrichtung hat. So kann man vom Sofa aus nicht gut fernsehen.

Der Stauraum im begehbaren Kleiderschrank ist großzügig bemessen, wenngleich man die höchsten Fächer nur mit einem Hocker erreicht. Acht multifunktionale Holzkleiderbügel, zwei Hosenspanner und zwei Pulloverbügel stehen zur Verfügung. Sowohl die beiden hier untergebrachten Zusatzdecken als auch die Bademäntel sind in Folie eingeschweißt, was zwar unter Hygieneaspekten ein Pluspunkt ist, unter Umweltgesichtspunkten aber fragwürdig erscheint. Die Badeschlappen gibt es in zwei Größen, beide Bademäntel hingegen haben Größe XL. Im Schrank finden sich weiterhin ein laptoptauglicher Safe und die üblichen Guest Amenities. Obwohl viel Platz ist, gibt es nur einen kleinen, klappbaren Kofferbock, der nicht für große Reisekoffer taugt.
Praktisch finde ich den Bewegungsmelder, der anstelle eines Lichtschalters installiert ist. Überhaupt ist die Beleuchtung geschickt geplant: Wo man Helligkeit braucht, sind Downlights installiert, über dem Couchtisch spendet ein moderner Kronleuchter angenehmes Licht und fungiert zudem als Hingucker. Die beiden Nachttischlampen wirken wie purpurfarbene Keramikflaschen mit langen Hälsen, auf die ein kleiner Schirm gesetzt wurde. Aufgrund der Höhe des Lampenschirms reicht ihr Licht aber auch zum Lesen im Bett. Lediglich die indirekte Beleuchtung des Schreibtischs ist ein bisschen dürftig. Das kombinierte TV-Schreibtischmöbel soll wohl die moderne Version eines Sekretärs darstellen, aber leider ist durch die Seitenwände des Korpus die Fläche des Schreibplatzes begrenzt und zudem recht vollgeräumt mit Wasserflasche und Gläsern, Infomappe und Zeitschriften. Den ersten Preis würde der Handelshof gewinnen, gäbe es einen Wettbewerb um die knappste Gäs­teinformation − auf sage und schreibe zwei Seiten und dazu noch in Deutsch und Englisch sind bis auf ein paar Öffnungszeiten lediglich Stichworte von A bis Z gelistet plus einem Kurzwahlsymbol auf dem Telefon, gemäß dem Motto »Wenn Du etwas wissen willst, ruf an!«. Tatsächlich landet man beim Drücken fast aller Kurzwahltasten (Spa, Housekeeping, Concierge) an der Rezeption, sodass die Mitarbeiter dort wahre Multitasker sein müssen beziehungsweise als Verteiler fungieren. Der auf dem TV-Menü angegebene Hotelfilm ist ebenso wenig eingespeist wie der »Sicherheitsfilm«. Zwar gibt es eine Aufstellung der Fernsehkanäle, aber kein TV-Programm. Zwar gibt es eine Frühstückskarte zum An-die-Tür-hängen, aber kein Spa-Menü. Zwar gibt es Türschilder, die auf Gehörlose hinweisen, solche, die vor Hunden im Zimmer warnen und es gibt sogar ein Wunschkissenmenü, aber ich finde keine Anleitung für die Nespressomaschine. Sie ist wie die Minibar in einem Wandschrank untergebracht und schaltet sich automatisch ein, wenn man die entsprechende Schublade herauszieht. Doch die leere Kapsel plumpst in den Abfallbehälter, ohne dass ein Kaffee damit gebrüht wurde – ich habe nicht beachtet, dass die Maschine zwar blinkt, aber kein Wasser eingefüllt ist. Bleiben noch zwei weitere Kapseln. Oder Tee und Kakao, für die ein kleines Heißwassergerät bereitsteht. Die Minibar ist gut bestückt, birgt aber keine Überraschungen. Die Preise sind moderat (Cola 3€, Bier 3,50€).

Von Seiten des Hotels gibt es außer einer kostenlosen Flasche Mineralwasser keinerlei Begrüßung in Form von Obst oder einer kleinen Süßigkeit. Das ist besonders verwunderlich, als ich – bzw. mein Ego – ja Geburtstag habe und die von wohlmeinenden Menschen für mich bestellten Aufmerksamkeiten wunschgemäß und pünktlich organisiert und mit einem netten Kärtchen versehen wurden. Da hätte eine Mini-Aufmerksamkeit des Hotels noch gut gepasst. Ich fühle mich aber auch so in diesem Zimmer ausgesprochen wohl. Zumal es bis auf zwei Krümel unter dem Bett picobello sauber ist.
Wertung: gut

Bad

Fast freue ich mich, als ich auf dem hölzernen Wandschränkchen eine deutliche Staubschicht finde. Denn ansonsten ist auch das Bad sehr sauber und verfügt über ein ausgesprochenes Wohlfühldesign: großzügig und kompakt gleichermaßen, links zwei satinierte Glastüren, die in Dusche und WC führen, rechts eine marmor­ummantelte Badewanne für zwei, über der ein Kronleuchter schwebt, und in der Mitte ein ebenfalls marmorner Waschtisch mit reichlich Ablagefläche. Im großen Spiegel ist rundum ein Lichtstreifen integriert, ein Downlight in der Decke sorgt für zusätzliche Erleuchtung. Im Wandregal sind ein beleuchteter Vergrößerungsspiegel, ein hochwertiger Haartrockner, Kleenex und Steckdosen untergebracht, sodass auf dem Waschtisch ausreichend Platz für Gästekosmetika bleibt. Die ebenerdige Dusche verfügt über Regen- und Handbrause und arbeitet einwandfrei. Große Badehandtücher sorgen für echten Kuschelkomfort, und wäre Goethes »Osterspaziergang« nicht nur als Auszug auf die satinierten Scheiben aufgebracht, könnte man vom stillen Örtchen aus seine Poesiekenntnisse auffrischen: »Vom Eise befreit ...«. Auch das Bad ist in Schwarz und Creme gehalten, ein purpurner Hocker sorgt für den Farb-Akzent. Bei so viel Positivem und Angenehmem fällt es auch unschwer ins Gewicht, dass an der Badewanne ein Griff fehlt.
Wertung: sehr gut

Wäscheservice

So wünscht man sich den Wäscheservice: Die Sachen werden umgehend abgeholt und das zu bügelnde Teil bereits nach 20 Minuten retourniert. Bei dem Kleidungsstück, das ich zum Waschen gebe, bemerkt das aufmerksame Housekeeping, dass man es nur reinigen darf. Prompt werde ich angerufen und um Erlaubnis gebeten, das Teil in die Reinigung geben zu dürfen. Als Rückgabezeitpunkt gibt man mir 18 Uhr des Folge-tages an, was exakt eingehalten wird.
Wertung: ausgezeichnet

15:05 - Tea-Time

Ein Flyer macht mich neugierig: Er lädt zur Tea-Time in die Bar. 14 klassische Kös­tlichkeiten sind gelistet, frisch gebackene Scones mit Clotted Cream und Erdbeerkonfitüre natürlich, diverse Sandwiches – zum Beispiel Kümmelbrot mit Gurke und Frischkäse oder Zwiebelbrot mit Chester und Branston Pickles – sowie kleine süße Speisen wie Beerentarteletts mit Vanillecreme, Rumkuchen mit Teefrüchten oder Bananen-Pecannussbrot. Das alles auf einer Etagere für 19 Euro (eine Person) bzw. 29 Euro (zwei Personen) einschließlich Tee. Aufpreis für ein Glas Champagner: zehn Euro pro Person. In der Orangerie des Kensington Palace kostet die Tea-Time ähnlich viel – in Pfund. Nun ist der Lichthof des Handelshofs schon für sich genommen ein Kracher: ein verglastes Atrium mit einer attraktiven Bar in der Mitte, mit offener (Gas-)Feuerstelle, trendigen Möbeln (ja, in Schwarz und Creme) und einem raffinierten Beleuchtungskonzept.

Was Frau F. hier aber im Verlauf der nächsten Stunde für mich und andere
Gäste zelebriert, ist stilvollste Erlebnis-Gastronomie. Die junge Frau trägt eine strenge Garçonjacke mit Stehkragen, die in ihrem britisch-kolonialen Stil passend anmutet. In feinstem Porzellan kredenzt sie mir nach und nach vier Sorten Tee, weiß jede zu charakterisieren, kennt Herkunft, Pflückmethode und -zeitpunkt und natürlich auch die optimale Ziehzeit. Ein Teatimer hilft mir, diese einzuhalten. So lerne ich viel Neues und bin »very amused«. Die Bestückung der silbernen Etagere entspricht auf der Sandwichebene nicht ganz der Vorgabe des Flyers und die Qualität der Sandwiches auch nicht ganz dem britischen Vorbild. Aber die Scones sind köstlich, der Tee mundet bestens und das Angebot an sich hat Klasse.
Wertung: sehr gut

Spa

Ein Lob den Innenarchitekten und Spa-Planern − die »Spa World Premium« des Hauses dürfte Puristen Entzückungsschreie entlocken und wirkt dennoch überhaupt nicht kühl. »So viel wie nötig und so wenig wie möglich« könnte die Maxime der Einrichter gewesen sein. Es gibt einen kleinen Behandlungsbereich und einen tipptopp ausgestatteten Fitnessraum, auf dessen gläserner Eingangstür wieder einmal Goethe zwinkert: »Die Kraft ist schwach, allein die Lust ist groß.« Das Aha-Erlebnis hat man aber beim Betreten des Saunabereichs: Ein zweigeschossiger Kubus wird von einem zweiten hohen Raum umschlossen. Dessen originale Backsteinwände zu beiden Seiten werden so raffiniert beleuchtet, dass man den Eindruck hat, als würden Sonnenstrahlen darüber huschen. Dabei liegt das Spa im Untergeschoss.

Über der kleinen, feinen Saunawelt mit Sauna, Biosauna, Dampfbad und diversen Duschen gibt es einen Liegebereich mit Korbliegen, Fatboys und Wasserbetten. In einem abgetrennten Raum lassen sich zwischen den Liegen sogar Vorhänge zuziehen, sodass man eigentlich ungestört relaxen können müsste. Doch wird die im Hotel allgegenwärtige klassische Musik leider auch hier eingespielt. Und die beiden Projektoren, die bunte Kaleidoskope an die Wand werfen, haben ein sehr störendes Laufgeräusch. Schade. Es könnte hier so schön sein, wäre es einfach nur ruhig. Der Saunabereich präsentiert sich attraktiv und sehr gepflegt, lediglich im Dampfbad fallen starke Kalkablagerungen an den Fugen auf. Auch platzt der schwarze Lack an der Türverkleidung ab und ein Licht ist kaputt. Warum es im WC nur Saunatücher zum Handabtrocknen gibt, ist mir nicht klar. Aber insgesamt wirklich ein ausnehmend schönes Hotel-Spa.
Wertung: sehr gut

17:00 - Spa-Treatment

S. trägt Pferdeschwanz, ein graues T-Shirt und Flipflops. Dergestalt fällt der junge Masseur des externen Wellness-Providers etwas aus dem edlen Rahmen; er ist aber sympathisch und macht seine Sache prima. Meinen nicht auf dem Spa-Menü stehenden Extrawunsch nach 45 Minuten Massage, die sich je zur Hälfte in eine Rücken- und eine Fußreflexzonenmassage aufteilt (Kostenpunkt 60 €), erfüllt er weitestgehend. Leider hat S. kein Einweghöschen für mich parat, was eigentlich Standard sein sollte, und er findet in der Multifunktionskabine auch keines. Dafür ein hübsches Strumpfband und andere erstaunliche Dinge. Das ist der Nachteil, wenn externe Dienstleister sich Spa-Räume teilen: Der ansprechend gestaltete Behandlungsraum wirkt durch herumstehende Elemente wie Lupenleuchte und Kosmetiktrolley etwas unordentlich. Und er ist es auch, wie S. und ich beim gemeinsamen Blick in Schubladen und Schränke feststellen.
Wertung: gut

Message-Transfer

Während ich im Spa bin, wird an der Rezeption ein wichtiger Anruf für mich entgegengenommen. Die Nachricht erwartet mich bei meiner Rückkehr in einem roten Umschlag gut sichtbar auf dem Schreibtisch. Sie wurde korrekt notiert, auch die Uhrzeit des Anrufs sowie der Name der Empfangsmitarbeiterin sind auf dem Computerschreiben vermerkt. Zur Sicherheit leuchtet auch noch das rote Lämpchen am Telefon und eine weibliche Stimme informiert mich über das Vorliegen einer Nachricht am Empfang. Dummerweise erlischt das Licht nicht, sodass man im weiteren Verlauf des Aufenthalts nie weiß, ob es sich möglicherweise um eine neue Nachricht handelt. Als ich deswegen bei Frau S. am Empfang vorspreche, beruhigt sie mich: Jede Nachricht werde schriftlich ins Zimmer gebracht.
Wertung: sehr gut

19:52 - Roomservice

Aus der Roomservice-Karte, die einen guten Standard zu akzeptablen Preisen bietet, picke ich mir die vermeintlich interessantesten Offerten heraus: Mango-Avocado-Salat mit geräuchertem Perlhuhn und Shisokresse in Balsamicodressing (12 €) sowie Indischer Kichererbsencurry mit hausgemachtem Panir und Naan-Brot (13 €). Der freundliche Herr am Telefon bestätigt mir eine gute Wahl und erkundigt sich nach meinen Getränkewünschen. Ich bestelle ein Bier. Auf der Roomservice-Karte ist zwar kein frisch gezapftes Pils vermerkt, der Restaurantmitarbeiter hätte aber ruhig noch einmal darauf hinweisen können, dass das Bier in der Flasche serviert wird. Die Servicezeit von 20 bis 25 Minuten wird unterschritten – nach 18 Minuten klingelt es an meiner Tür. Eine Auszubildende lächelt mich an und schiebt den Servierwagen ins Zimmer. Dort bleiben beide ratlos stehen. Wohin? Wir schieben gemeinsam den erstaunlich schweren Couchtisch zur Seite und den Servierwagen an seine Stelle. Die junge Frau öffnet die Bierflasche und schenkt ein, dann lässt sie mich den Beleg unterzeichnen und wünscht guten Appetit. Als ich frage, was mit dem Wagen passieren soll, meint sie, ich solle ihn einfach vor die Tür schieben. Auf einem Kärtchen finde ich aber auch eine Telefonnummer, die man zum Abräumen anrufen kann.

Der Servierwagen ist sauber eingedeckt und mit einer weißen Rose geschmückt. Neben dem indischen Fladenbrot steht auch ein Körbchen mit Baguette auf dem Wagen sowie ein Tellerchen mit drei Scheiben Butter darauf. Die Cloche hat die Mitarbeiterin wohl schon vor der Tür vom Teller mit dem warmen Gericht genommen; so kühlt dieses leider aus, bis ich den Salat gegessen habe. Schön wäre gewesen, die Mahlzeit in zwei Gängen anzubieten. Aber ich bin eh schnell durch. Der Salat sieht nämlich nur schön aus, schmeckt allerdings ziemlich fade. Das Currygericht ist leider auch nur Durchschnitt, das Naan-Brot erweist sich als zu fest und trocken. Es ist zudem sehr unbequem, am Servierwagen zu essen, weil die Tischseiten heruntergeklappt sind und an der Schmalseite eingedeckt ist. Ein Metallrost unten am Tisch verhindert, dass ich die Füße unter den Wagen stellen kann.
Wertung: noch befriedigend

Schuhputzservice

Meine schwarzen Stiefeletten sehen am Morgen nach dem in Anspruch genommenen Schuhputzservice schlimmer aus als vorher. Die Wildlederteile daran wurden komplett ignoriert, die Glattlederteile sind von einem gräulichen Schleier überzogen. Erst das Schuhputztuch aus dem Schrank verhilft den Stiefeln halbwegs zu altem Glanz. Dann kann man sich das Procedere aber auch sparen.
Wertung: mangelhaft

DI. 05/03, 07:00 - Weckruf

Der Weckruf erfolgt pünktlich, die Mitarbeiterin wirkt aber etwas gehetzt. Sie wünscht mir einen guten Morgen, nennt meinen Namen und die Uhrzeit und sie sagt, was ich schon weiß, nämlich: »Das ist Ihr Weckruf.« Die Zeit, die dieser Satz in Anspruch nimmt, hätte sie netter nutzen können, indem sie mir einen schönen Tag gewünscht hätte. Und perfekt wäre gewesen, hätte sie sich selbst mit Namen gemeldet. Am nächsten Tag lasse ich es klingeln und warte ab. Nach drei Minuten erfolgt ein weiterer Anruf in gleicher Manier wie am Vortag.
Wertung: gut

08:20 - Frühstücksbuffet

Im ersten Stock liegt das Hauptrestaurant, das zum Zeitpunkt meines Besuches jedoch nur zum Frühstück genutzt wird. Einmal mehr überzeugen edles Ambiente und stilvolle Accessoires. Hier sind es Klarinetten und Geigen, die streng grafisch arrangiert aus Leuchtkästen punkten. Das Frühstück kostet 23 Euro, die Tageszeitung ist inklusive. Dafür kann sich der Gast von einem Buffet bedienen, das die von Steigenberger vorgegebenen Standards erfüllt, auf – sagen wir mal – gutem Vier-Sterne-Niveau. Es gibt alles, was ein ordentlich sortiertes Frühstücksbuffet bieten sollte, aber nichts, was an Originalität darüber hinausgeht.

Als ich nach einem frisch gepressten Saft frage, erhalte ich die Antwort, alle Säfte seien frisch gepresst. Tatsächlich ist es aber keiner der angebotenen Orangen-, Apfel-, Multivitamin-, Mango-, Tomaten- und Grapefruitsäfte. Warum glauben nur so viele Hotels, dem Gast einen guten Direktsaft, gegen den ja nichts einzuwenden ist, als frisch gepresst verkaufen zu müssen? Von guter Qualität sind die beiden Lachssorten, die Wurstwaren und das Angebot an Zerealien, das auch Dinkelflocken und ein Biomüsli umfasst. Das Käsesortiment dagegen zeichnet sich durch Schlichtheit aus: drei Schnittkäse, Schnittlauchrolle, Bavaria Blu, Chaumes und ein Alten- burger Ziegenkäse. Ansprechend sind die aufgeschnittenen Früchte und die Etagere mit dem Stückobst präsentiert, gänzlich ohne Dekoration kommen Wurst, Käse und Fisch aus. Die Brötchen sind von mittelmäßiger Qualität, die einzige »dunkle« Sorte kaum erwähnenswert. Gleiches gilt fürs Brot. Viel zu nusslastig ist das Birchermüsli, das ich mit einem Actimel »strecke«. Die warmen Speisen bleiben mit überbackenen Tomaten, Baked Beans, gebratenen Champignons, Speck, Würstchen und Frikadellen auf absolutem Standardniveau, die kleinen Pancakes sind steinhart, knochentrocken und kaum noch warm. Der Koch hinter der Front-Cooking-Station könnte frische Pancakes backen, ist aber nur für Eierspeisen zuständig. Mein Mini-Omelett gelingt perfekt. Natürlich sind die Konfitüren von Faller hochwertig – warum überrascht das Grandhotel aber nicht zusätzlich mit hausgemachten Aufstrichen? Nun ja, jedenfalls ist der Service aufmerksam und freundlich. Gebrauchtes Geschirr wird nach einer kurzen Frage – »Darf ich das schon mitnehmen?« – ausgehoben und frisches Besteck offeriert. Als ich mich am Teebuffet umschaue, bietet mir eine lächelnde Servicekraft an, den gewünschten Tee zum Tisch zu bringen. Mit einem Lächeln und den Wünschen für einen schönen Tag werde ich auch verabschiedet.
Wertung: befriedigend

Housekeeping

Das Zimmer ist ordentlich wiederhergerichtet, die Minibar aufgefüllt und die zuvor angebrachten Markierungen beseitigt. Der Sektkorken liegt aber noch unter dem Bett und mein Pullover hängt noch genauso unordentlich über dem Schreibtischstuhl, wie ich ihn dort platziert habe. Im Bad hat es wohl für den Boden nicht mehr gereicht − er wurde weder gekehrt noch gewischt.
Wertung: befriedigend

Sicherheit

Auch im Steigenberger Grandhotel Handelshof lassen sich die Aufzüge nur mit der Zimmerkarte bedienen. Im Gegensatz zu manchen anderen Häusern sind hier aber zusätzlich die Zugänge aus den Treppenhäusern gesichert. Entweder durch Glastüren, die sich per Zimmerkarte öffnen lassen, oder − im offenen Treppenhaus in der dritten Etage − mit einer gläsernen Barriere am Ende der Treppe, die sich ebenfalls nur mit Zimmerkarte zur Seite bewegen lässt. Auch die sonstigen Brandschutz- und Fluchtwegebestimmungen werden eingehalten. Und ich jubiliere fast, als die
Housekeepingmitarbeiterin, die ich bitte, meine Zimmertür zu öffnen, kopfschüttelnd ablehnt – das sei strengstens verboten. Die gestandene Reinigungskraft ruft aber hilfsbereit an der Rezeption an, und während wir gemeinsam warten, entschuldigt sie sich nochmals für ihre Weigerung – zu meinem Amüsement mit der Begründung, es könne ja auch einmal ein Tester kommen, der die Sicherheit des Hauses prüft. In Gedanken verteile ich schon ein »sehr gut« zu diesem Punkt, als ein weiblicher Page kommt und mir die Zimmertür einfach aufschließt – ohne auch nur nach meinem Namen zu fragen.
Wertung: mangelhaft

Front Office/Concierge

Ob vorab als Geburtstagsüberraschung bestellte Blumen und Champagner, ob Sektflaschenverschluss oder Zahnseide, ob Special Spa Treatment oder Leipzig in 60 Minuten – jedes meiner Anliegen wird von der superfreundlichen Empfangscrew und/oder der blondbezopften Concierge Frau Z. bestens erledigt. Letzterer sollte zur Information ihrer Gäste aber ein großformatigerer Innenstadtplan zur Verfügung gestellt werden.
Wertung: ausgezeichnet

Turndownservice

An beiden Abenden ist der Turndownservice – einmal in meiner Anwesenheit, einmal, als ich beim Essen bin – eine halbherzige Angelegenheit. Das Notwendigste wird erledigt: Bett abdecken, Betthupferl, Wetterplan und Bettvorleger auslegen, Vorhänge zuziehen. Auch die Kaffeetasse wird gespült. Aber weder ordnet die adrette Zimmerfrau Kleidung und Schuhe noch leert sie den Papierkorb. Im Bad verläuft die Sache ähnlich. Aber immerhin bringt mir die Mitarbeiterin binnen fünf Minuten das gewünschte härtere Kopfkissen.
Wertung: befriedigend

18:25 - »Brasserie Le Grand«

»Wir freuen uns schon sehr auf Sie«, strahlt die Mitarbeiterin am Telefon bei meiner Tischbestellung. Das Strahlen kann man in diesem Fall hören. Und später auch sehen, denn Frau St. agiert mit so viel Offenheit, Herzlichkeit und Freude am Beruf, dass es schlichtweg Spaß macht, von ihr bedient zu werden. Das an diesem Abend rein weib-
liche Service-Team ist gut aufeinander eingespielt und arbeitet ebenso kompetent wie zuvorkommend. Steif geht es dabei ganz und gar nicht zu, im Gegenteil, es bleibt immer wieder Zeit für einen kleines Pläuschchen oder einen Scherz. Das passt prima zum Thema Brasserie, auch wenn das Restaurant – man ahnt es – genauso luxuriös, edel und zurückhaltend daherkommt wie alle anderen Bereiche des Hotels. Die Damen tragen Hosen, Bistroschürzen und Krawatte und passen damit gut ins klare Gesamtbild. Auf meinem weiß ­gedeckten Tisch steht eine hübsche ­Ranunkel in voller Blüte, Besteck und Gläser sind schlicht und von guter ­Qualität.

Die Speisekarte kann man auch im Internet einsehen und wird aktuell von einem Vier-Gänge-Menü für 49 Euro ergänzt. Sie kommt ambitioniert daher, die Hauptspeisen liegen im Mittel bei 25 Euro. Frau St. kann nahezu all meine Fragen gut beantworten, nur beim ­Duroc-Schwein weicht sie augenzwinkernd aus. Das sei auf jeden Fall ein »glückliches Schwein«, meint sie. Zumindest hat sie insofern recht, als das ursprünglich aus Amerika stammende Duroc-Schwein älter wird als das normale Mastschwein, sein Fleisch somit einen längeren Reifeprozess durchmacht und einen intensiveren Geschmack aufweist. Seine ausgeprägte Fettstruktur sorgt dafür, dass das Fleisch außerordentlich saftig und zart wird – was auch auf das zum Hauptgang verkostete Kotelett zutrifft. Es wird mit einem cremigen Kartoffelgratin gereicht und einer sehr aromatischen weißen Pfeffersoße mit Trompetenpilzen. Vorab gibt es zwar kein Amuse Bouche, aber sehr leckeres Brot (Walnussbrot und Olivenciabatta) mit Kartoffel-Feldsalat-Aufstrich, Meerrettich-Frischkäse und Paprika-Tomaten-Salsa. Doch der Hauptgang ist mein Favorit in dem von mir selbst zusammengestellten Vier-Gänge-Menü. Direkt gefolgt von einer klassischen Bouilla-baisse, die ich in kleiner Portion als Zwischengang erbat (sie wird auf der Karte als Hauptgericht geführt). Überhaupt nicht überzeugen konnte hingegen der als Starter bestellte Wintersalat mit Feigen, gerösteter Paprika und mariniertem Fenchel. Wenn schon mit dem Salat Essig- und Ölmenagen auf den Tisch gestellt werden, muss etwas faul sein. Und so ist es, denn »benetzt« wäre schon zu viel gesagt, will man beschreiben, wie intensiv der Salat mit Dressing in Kontakt kam. Die Flasche rutscht mir bei der Zugabe von Balsamico aus, sodass ich fast den ganzen Salat stehen lasse. Auch das Dessert − eine wohl regional inspirierte gebrannte Schwarzbiercreme mit Bananeneis und Karamell-Marshmallows − enttäuscht: Das Leckerste an einer gebrannten Creme ist schließlich die noch warme Karamellkruste auf der kalten Creme. Doch diese kommt komplett aus dem Kühlschrank und schmeckt samt Marshmallows »gradnaus«, wie meine fränkischstämmige Oma sagen würde.

Am meisten Spaß machen mir die Weine, die Frau St. mir mit gutem Gespür und in kleiner Menge zum Menü kredenzt: einen knackigen Pfälzer Sauvignon Blanc zum Salat, einen cremig-vanilligen Dido Macabeu i Garnatxa zur Bouillabaisse und eine noch junge und nicht zu kräftige Cuvee Belleruche zum Kotelett vom glück-lichen Schwein. Zum Weinangebot, welches auch in einer gläsernen Vinothek am Brasserieeingang verkostet werden kann, ist generell zu sagen, dass es sich dabei um eine mit 170 Positionen überschaubare, qualitativ recht gute Auswahl handelt, die keineswegs überteuert ist. Ich beschließe mein Mahl mit einem doppelten Espresso, zu dem eine feine, hausgemachte Praline gereicht wird. Die Rechnung beläuft sich auf knapp über 90 Euro, wobei die Bouillabaisse mit 19,50 Euro (statt 24 € als Hauptgang) deutlich zu teuer zu Buche schlägt.
Wertung: noch gut

22:10 - Bar

Auch am Abend ist die Bar im Lichthof des Hotels ein attraktiver Treffpunkt für internationale Hotelgäste und einheimische Flanierer. Um die in den verglasten Himmel ragende spiralförmige Lichtsäule kann man an der Bar sitzen und den Barkeepern bei der Arbeit zuschauen; kleinere und größere Sitznischen und die Empore mit ihren Plätzen rund um das Gasfeuer bieten Raum für eine ganze Menge Gäste. Und die Bar füllt sich zusehends, als ich kurz nach zehn am Tresen Platz nehme. Barkeeperin Sch., die zunächst noch mit zwei weiblichen Auszubildenden auskommt, erhält später Verstärkung aus der Brasserie. Die Barchefin hat die Ruhe weg, mixt Drinks, weist die Azubis an und bleibt gleichbleibend freundlich. Auch die Gäste, die außerhalb des direkten Barsichtfelds teilweise länger warten müssen, scheinen dies nicht übel zu nehmen. Die Stimmung ist gut, der Geräuschpegel – nicht zuletzt aufgrund des hohen Raumes und der wenig schallschluckenden Einrichtung – ziemlich hoch.

Ich selbst fühle mich zwar auch wohl an diesem Ort, habe aber wenig Glück mit meinen Getränken. Die »Margarita«, von einer Auszubildenden nach Karteikarte gemixt und mit einer ziemlich zerfetzten Zitronenscheibenhälfte garniert, ist zu stark und schmeckt mir nicht. Als ich stattdessen Frau Sch. um eine fruchtige Alternative bitte, ergreift diese nicht die Chance, mir eine ihrer Eigenkreationen anzubieten (die Barkarte listet derer einige), sondern schlägt einen »Cosmopolitan« vor, den abermals die Auszubildende mixt, der abermals mit einer zerfetzten Zitronenscheibenhälfte garniert ist, und der zwar besser schmeckt als die »Margarita«, aber keineswegs nach Wiederholung schreit. Und wie funktioniert hier eigentlich das System der Nüsschenverteilung? Ich erhalte zum ersten Cocktail ein Mini-Schälchen grässlich aromatisierter Margarita-Erdnüsse und danach nichts mehr. Meine Nachbarn haben ein Glasgefäß mit Wasabinüssen vor sich stehen, andere Gäste Erdnüsse, wieder andere gar nichts. Nun ja. Nüsse machen sowieso nur dick. Nach dem zweiten Getränkeversuch gebe ich auf und ziehe mich aufs Zimmer zurück. Frau Sch. wünscht mir lächelnd noch einen guten Abend.
Wertung: befriedigend

MI. 06/03, 08:57 - Zimmerfrühstück

Das Zimmerfrühstück gerät zur Farce: Die à la carte ausgewählten Speisen und Getränke entstammen eins zu eins dem Frühstücksbuffet und kosten, obwohl sie nur einen kleinen Ausschnitt desselbigen darstellen, mehr. Für grünen Tee, Orangensaft, Obstsalat, Birchermüsli und den kleinen Brötchenkorb mit Butter und Marmelade zahle ich 24 Euro plus vier Euro Servicezuschlag. Obwohl ich »frisch gepresst« mit drei Ausrufezeichen auf den Frühstückshänger geschrieben habe, kommt der Direktsaft vom Buffet. Der »frische Obstsalat« stammt wie der vom regulären Frühstück aus dem großen Eimer, die Brötchenauswahl ist uninteressant und das Birchermüsli schmeckt genauso stark nussig wie am Tag zuvor. Der grüne Tee wird nicht lose, sondern als Teecaddy und separat mit einer Thermoskanne heißem Wasser serviert. Das ist nahezu der einzige Pluspunkt. Ach nein: Der Rost unter dem Servierwagen ist diesmal hochgeklappt, sodass ich besser sitzen kann. Und Frau B. serviert das Frühstück mit einer solchen Herzlichkeit, nimmt sich meiner Blumen an, die ich gerne mitnehmen möchte und fragt auch noch, ob ich später ein Taxi brauche, dass es in der Wertung doch noch für ein »befriedigend« reicht.
Wertung: befriedigend

10:25 - Check-out

Beim Check-out fühle ich mich wie ein liebgewonnener Stammgast. In herzlichem Plauderton erkundigt sich Frau W., wie mir der Aufenthalt im Hotel gefallen hat. Ich erhalte unaufgefordert eine Informationsrechnung, und die angebrochene Schokolade, von der ich sage, dass sie muffig geschmeckt hat, wird nicht berechnet. Alles verläuft korrekt, freundlich und professionell. Die Rechnung beläuft sich (ohne Blumen und eine halbe Flasche Champagner) auf insgesamt 596,60 Euro. Als Taxi hat mir Herr W. eine schwarze Luxuslimousine bestellt und Grandseigneur Portier lässt es sich auch nicht nehmen, mir in den Wagen zu helfen. Noblesse oblige.
Wertung: ausgezeichnet

Lost & Found

Das unter den Sofakissen liegengebliebene Buch ist gefunden worden und wird mir auf meine telefonische Nachfrage hin zugeschickt. Allerdings fragt mich Frau Sch., ob man die vorliegende Kreditkartennummer mit den Portokosten belasten dürfe. Man darf. Aber das finde ich ein bisschen kleinlich.
Wertung: trotzdem sehr gut

Bilanz

Obwohl die Steigenberger Hotels unter Führung des ägyptischen Touristikkonzerns Travco zunehmend international expandieren, hat man sich mit dem Leipziger Grandhotel Handelshof doch auch ein Juwel ins deutsche Krönchen gesteckt, das dort vorzüglich funkelt. Zum einen ist das Haus bildschön und sehr stringent gestaltet, zum anderen hat sich dort eine Mannschaft zusammengefunden, die den Luxusgedanken leicht und locker transportiert. Die wenigen negativen Ausschläge bei diesem Test sind überwiegend auf kleine, menschliche Patzer zurückzuführen, die sich leicht ausmerzen lassen. Das Potenzial der Küche ist ganz sicher noch nicht ausgereizt. Aber so ist das mit den Juwelen: Sie müssen poliert werden, um zu glänzen. Oder um es mit Goethe zu sagen: »Du kannst! So wolle nur!«

Gesamteindruck: 81%
Testurteil: gut

100-81 sehr gut;   80-61 gut;   60-41 befriedigend;   40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend. Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!