Im Best Western Hotel Victoria Freiburg legt man großen Wert auf Umweltschutz: Wo es nur geht, wird Energie und Wasser gespart – dafür engagieren sich die Gastgeber Astrid und Bertram Späth. Ob unter diesen Maßnahmen der Komfort leidet, das überprüfte der anonyme Top hotel-Tester beim aktuellen Quality Check.
FR. 24/08, 17:15 Telefonische Reservierung
Am späten Freitagnachmittag scheint die Empfangsmitarbeiterin des Best Western Premier Hotel Victoria schon in den Energiesparmodus umgeschaltet zu haben. Ich muss ihr jedenfalls jede Information aus der Nase ziehen und erhalte wenig befriedigende Antworten: Der Unterschied zwischen Alt- und Neubau? »Der historische Altbau ist von 1785. Aber renoviert sind die Zimmer alle.« Schade, dass hier die Chance vertan wird, einem interessierten Gast die Buchung schmackhaft zu machen – schließlich hat das Hotel eine Menge zu bieten. Und es hat einen hohen Anspruch an sich selbst. Frau B. scheint dies aber gleichgültig zu sein. Anreise, Abreise, Frühstück ja/nein und eine E-Mail-Adresse, mehr will sie nicht von mir wissen und mehr als den Zimmerpreis von 159 Euro und die Information, dass das Frühstück mit 14 Euro zu Buche schlägt, gibt sie von sich aus nicht preis. Die Mitarbeiterin wirkt nicht unfreundlich, aber lustlos. Immerhin weiß sie den schwierigen Namen meiner Straße korrekt zu schreiben, wie ich auf der erst fünf Tage später auf postalischem Weg eingehenden Reservierungsbestätigung ersehe. Die Überschrift gibt mir dann auch endlich einen Hinweis darauf, wo ich gebucht habe: »Willkommen im umweltfreundlichsten Hotel der Welt!«
Wertung: noch befriedigend
Internet-Auftritt / Online-Buchung
Wer mehr über das klimaneutrale Vier-Sterne-Haus erfahren möchte, findet auf der Homepage des mehrfach zertifizierten und tatsächlich zweimal als »umweltfreundlichstes (Privat-)Hotel der Welt« ausgezeichneten Hauses jede Menge Informationen. Das Engagement des Inhaber-Ehepaares Späth in puncto Umweltschutz wird dort ebenso aussagekräftig dargestellt wie sein Anspruch, den Gastkomfort durch die umgesetzten Maßnahmen in keiner Weise einzuschränken – ganz im Gegenteil, man möchte ihn eher noch erhöhen. Auch das persönliche Engagement des inhabergeführten Hotels kommt auf der Website gut zur Geltung, zumal Astrid und Bertram Späth ihr Konzept gleich auf der Startseite mit Foto, Statement und handschriftlicher Unterzeichnung glaubhaft machen. User, die noch tiefer eintauchen möchten, können sich darüber hinaus die 24-seitige Umwelterklärung downloaden.
Wertung: sehr gut
Lage / Anfahrt / Parken
Plätzle, Gässle, Bächle, Brünnle – die Universitätsstadt Freiburg ist bekannt für ihr idyllisches Stadtbild, die vielen Grünanlagen und das historische Zentrum. Direkt am Colombipark und damit im Zentrum der Stadt liegt das Hotel Victoria – der ICE-Bahnhof und die Altstadt sind in nur wenigen Minuten zu erreichen. Schon deshalb und natürlich aus Gründen des Umweltschutzes empfiehlt das Hotel die Anreise mit der Bahn.
Für Autofahrer ist das hauseigene Parkangebot knapp, für zwei nahe Parkhäuser werden jedoch Gutscheine ausgegeben. Gute Idee: Hotelgäste erhalten Gratisfahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr in und um Freiburg.
Wertung: gut
MO. 10/09 Anreise
Schmuck und gepflegt leuchtet die Fassade des 1785 errichteten Hotelgebäudes zur wenig befahrenen Eisenbahnstraße hin; den moderneren Anbau auf der Rückseite nimmt der Gast bei der Anreise gar nicht wahr. Statt einer Vorfahrt gibt es Parkplätze; der Stellplatz vor dem Eingang ist publikumswirksam mit einem auffälligen Elektro-Kleinstwagen belegt, den man im Hotel mieten kann. Rechts im Hotel sind ein Friseur und eine externe Wellnesspraxis angesiedelt, links stehen auf dem Bürgersteig ein paar Tische der im Souterrain beheimateten »Smoker Lounge«, zu der eine Treppe nach unten führt. Im Eingangsbereich liegt der obligatorische rote Läufer, der allerdings Schmutz gefangen und nicht wieder hergegeben hat.
Wertung: sehr gut
13:20 Check-in
Von der etwas zurückgesetzten Rezeption blickt mir Frau S. entgegen, während ich mich samt meinem zwar kleinen, jedoch ziemlich schweren Köfferchen die beiden Treppenabsätze hochwuchte. Wie ich später erfahre, stehen die Gepäckwagen im Untergeschoss. Nur: Was nützen sie mir da? Hilfe mit dem Gepäck wird mir ebensowenig angeboten wie eine Begleitung aufs Zimmer. Ansonsten checkt mich Frau S. professionell und auch sehr zuvorkommend ein. Sie verweist auf die kostenlose Heißgetränkestation in der kleinen Lobby, nennt mir die Frühstückszeiten und empfiehlt einen Besuch des außergewöhnlichen Dachgartens, von dem aus man einen grandiosen Blick über die Stadt hat. Dann überreicht sie mir einen Schlüsselpass mit Zimmerkarte sowie einen Frühstücksgutschein und erklärt mir den Weg zum Zimmer. Aussagen zum Thema »Umweltschutz« macht die gewandte Mitarbeiterin nicht. Schon hier fällt auf, was sich auch im Verlauf meines Besuches bestätigt: Dieses Thema ist zwar omnipräsent und wird im Haus auch auf vielfältige Weise kommuniziert, verbal hält man sich aber zurück. Nicht jeder Gast ist schließlich ökologie-affin.
Wertung: sehr gut
Zimmer 155
Umweltschutz im Hotel Victoria bedeutet laut Website »einen schonenden Umgang mit Rohstoffen, Vermeidung von schädlichen Produkten und Einsatz erneuerbarer Energien – und das auf höchstem Komfortniveau für unsere Gäste«. Ein als »Green Room« betiteltes Zimmerfoto ist mit 18 grünen Blättchen versehen, die – mit dem Cursor angeklickt – Informationen zur entsprechenden Ausstattung geben. Umweltschutz ohne Komforteinbuße? Ich teste das Zimmer auf genau die 18 Punkte. Da ist zunächst einmal der kleine Rucksack auf dem Boden: »Ihre Übernachtung ist emissionsfrei, es entstehen keine klimaschädlichen CO2 Emissionen – schlafen Sie gut!« Dieses Statement basiert auf der Tatsache, dass der Raumwärme- und der Warmwasserbedarf des Hotels mit einer modernen Holzpelletsheizung gedeckt wird. Bei der Verbrennung von Holz, das in der Freiburger Region in Hülle und Fülle anfällt, entsteht genauso viel CO2, wie während des Wachstums aus der Atmosphäre aufgenommen wurde. Von daher gilt das Hotel Victoria als Nullemissionshotel. Und da das gute Gewissen bekanntlich ein gutes Ruhekissen darstellt, stellt diese Aussage schon einmal die Weichen für eine ruhige Nacht. Weiter geht es mit der Klimaanlage. Draußen sind es 30, im Zimmer gefühlte 25 Grad Celsius– das ist nicht unangenehm, mir aber doch zu warm. Die Website klärt mich auf, dass die Klimaanlage über eine Grundwasserkühlung arbeitet und jeder Gast sie individuell einstellen kann. Das funktioniert in der Praxis nicht nur hervorragend, die Anlage läuft auch noch angenehm leise. Für eine optimale Isolierung sorgen eine 24 Zentimeter dicke Wärmedämmung, ein Fassadenlüftungselement, das für permanente Frischluftzufuhr sorgt, und Holzfenster mit einer dreifachen Wärmeschutzverglasung. Als Gast nehme ich nur das angenehme Raumklima wahr.
Der Strom für alle 66 Hotelzimmer wird auf dem Dachgarten des Hotels erzeugt, wo ein 200 Quadratmeter großes Solarkraftwerk und vier Windturbinen die natürliche Energie von Wind und Sonne einfangen und umwandeln. Um den Energieverbrauch im Zimmer möglichst gering zu halten, wurden ein besonders sparsamer Flatscreen-TV und eine ebensolche Minibar ausgewählt. Bei den Lampen sind Energiesparleuchtmittel im Einsatz, die zwar etwas länger brauchen, bis sie ihre volle Leuchtkraft entfalten, dann aber für eine angenehme Grundbeleuchtung sorgen. Hervorragendes Leselicht spendet zudem die nur drei Watt verbrauchende LED-Lampe am Bett.
Bei der Einrichtung des Zimmers soll die Verwendung von dauerhaften, qualitativ hochwertigen Naturmaterialien dem Interieur einen »exklusiven und nachhaltigen Charakter« vermitteln. Der geölte Vollholz-Eichenboden, Nachttische aus altem Schwarzwälder Eichenkernholz und ein gemütlicher Ohrensessel mit hervorragender Polsterung und bequemer Lendenstütze tragen tatsächlich zum behaglichen Ambiente und Wohnkomfort bei. Das Boxspringbett ist mit einer Bandscheiben-Bonell-Federkernmatratze für optimale Körperanpassung ausgestattet, die Daunenfederbettdecke (mit Inlett aus 100 % Baumwolle/Ökotex-Standard) ist wunderbar leicht und die naturfarbene Bettwäsche aus merzerisiertem Satin (ebenfalls 100 % Baumwolle mit Ökotex-Standard) hat einen edlen, weichen Griff.
Fazit nach der »Blättchen«-Analyse: Sämtliche im Zimmer eingebrachten Maßnahmen zu Umweltschutz und -verträglichkeit dienen auch dem Komfort des Gastes. Was in Zimmer 155 meinen ganz persönlichen Komfort einschränkt, ist seine Größe. Mit nicht einmal drei Metern Breite und etwas über sechs Metern Länge ist es für ein Doppelzimmer zu klein. Der Raum wird dominiert von dem riesigen Doppelbett, um das herum man sich nur vorsichtig bewegen kann. Gäste, die den Ohrensessel nutzen, stoßen mit den Knien fast an die Bettkante, und wer am Schreibtisch sitzt, hat wenig Luft nach hinten. Meine Kniebeugen muss ich im Flur machen – bei offener Badezimmertür und nachdem ich den Kofferbock zusammengeklappt habe. Tatsächlich ist dieses Zimmer, wie ein Blick auf den Fluchtwegeplan zeigt, das schmalste im Neubautrakt. Es kostet 159 Euro ohne Frühstück, liegt ruhig und bietet einen Blick auf den Hof und die Bürofenster der Deutschen Bank nebenan. Am Schreibtisch gibt es zwei gut erreichbare Steckdosen oberhalb der Arbeitsfläche, WLAN ist im gesamten Haus kostenlos.
Der im Schrank zur Verfügung stehende Stauraum ist für zwei Personen äußerst knapp bemessen, zumal hier auch noch der laptoptaugliche Safe und die Minibar untergebracht sind. Ihr Inhalt ist durchschnittlich und böte noch viel Spielraum in Sachen »Bio«. Obwohl ein Wäscheservice angeboten wird, finde ich keine entsprechende Tüte; als Schreibutensilien gibt es einen Best-Western-Notizblock und einen Bleistift. Das Gäste-A-Z ist zweisprachig und bietet viele Informationen. Das gesamte Zimmer präsentiert sich bei der Anreise hervorragend gereinigt. Bis auf ein bisschen Staub auf der Umrandung des Spiegels gibt es nichts zu beanstanden, auch die Bettwaren sind einwandfrei sauber.
Wertung: sehr gut
Bad
Das Bad ist klein und mit Dusche, WC und Mini-Eck-Waschtisch normal ausgestattet. Dass der Spiegel ebenfalls über Eck angebracht ist, hilft dabei, sich nicht allzu beengt zu fühlen. Die Downlights sind zwar als Grundbeleuchtung ausreichend, aber nicht optimal für Schmink- und Rasierzwecke. Auch der auf den Spiegel installierte Kosmetikspiegel hilft kaum weiter, da er nicht beleuchtet und nur minimal kippbar ist. Zudem ist er an einer Stelle angebracht, wo man sich als Linkshänder ständig im Kabel des Haartrockners verhakt. Als Guest Supplies stehen zwei Spender am Waschbecken und in der Dusche zur Verfügung, die mit einer Öko-Flüssigseife bzw. einer Shampoo-Duschgel-Kombination gefüllt sind. Des Weiteren liegen ein Flakon mit Body Lotion, ein kleines Vanity Kit und ein Schuhputzschwamm bereit. Diese etwas magere Ausstattung lässt sich mit dem ökologischen Anspruch des Hotels erklären. Die Spülstopptaste an der Toilette erscheint in diesem Kontext ebenso selbstverständlich wie der Hinweis auf umsichtigen Handtuchgebrauch. Dass durch eine spezielle Umrüstung die WC-Spülkästen nur noch sechs statt neun Liter Wasser pro Spülgang verbrauchen, beeinträchtigt mich als Gast nicht – immerhin spart das Hotel durch diese Maßnahme allein 150.000 Liter Trinkwasser pro Jahr. Auch der Einsatz von Durchflussbegrenzern bleibt unbemerkt – im Gegenteil, der Druck der Dusche ist kräftiger als in vielen anderen Hotels. Monieren könnte man vielleicht, dass der Mülleimer aus Plastik ist. Andererseits ist dieser gut zu reinigen und spart so den Müllbeutel, den man beispielsweise bei einer Korbvariante bräuchte. Energie gespart, aber nur ihre eigene, hat die Reinigungskraft bei der Säuberung der Zahnputzgläser und beim Auffüllen der Kleenexbox. Diese enthält nur noch zwei Tücher. Außer der etwas verkalkten Brausearmatur sind dies aber auch die einzigen Kritikpunkte am Reinigungszustand des Bades.
Wertung: sehr gut
Housekeeping
Ab 14 Uhr ist niemand vom Housekeeping mehr da – weder, um mir ein spezielles Kissen aufs Zimmer zu bringen, noch um mir einen Knopf anzunähen. Die Damen, die ich am nächsten Vormittag treffe, scheinen zudem sehr gestresst und grüßen nur bedingt freundlich. Die Wäsche- und Housekeeping-Wagen wirken aufgeräumt, Zimmerlisten liegen zwar aus, allerdings ohne Namen der Gäste.
Wertung: befriedigend
Sicherheit
Ein Besucher erhält am Empfang nicht nur meine Zimmernummer, sondern darf auch – ohne telefonische Voranmeldung – in die oberen Etagen gehen. Das ist grob fahrlässig. Alle sonstigen Sicherheitsvorschriften werden erfüllt.
Wertung: mangelhaft
Front Office
»Sie erholen sich am besten, wenn Ihnen in geschmackvoller Atmosphäre jeder Wunsch erfüllt wird – das ist unser täglicher Anspruch«, heißt es auf der Hotelwebsite. Nur klaffen Anspruch und Wirklichkeit manchmal auseinander. Im Hotel Victoria ist die Servicequalität stark mitarbeiterabhängig, wie schon die telefonische Reservierung gezeigt hat. Ein Nackenkissen? »Schau ‘mal im Regal im Kofferraum«, sagt eine Mitarbeiterin zur anderen, die bereits verneinend mit den Schultern gezuckt hat. Fehlanzeige. Ich finde ein solches Kissen übrigens später im Housekeeping-Office auf meiner Etage. Einen Knopf annähen? »Morgen früh ab neun ist wieder jemand vom Housekeeping da«, erklärt Frau B. Auf die Idee, mir diese kleine Dienstleistung selbst anzubieten, kommt sie nicht. Und sogar nach einem Nähetui muss ich mich erst selbst erkundigen. Beim Weckruf wären vorgegebene Standards hilfreich: »Guten Morgen – sieben Uhr – Ihr Weckruf« ist etwas dürftig für ein so persönlich geführtes Hotel. Die telefonisch von einem Anrufer übermittelte Bitte um dringenden Rückruf erreicht mich erst nach einer halben Stunde – ebenfalls per Telefon, als ich mich wieder auf dem Zimmer aufhalte. An die Uhrzeit des Anrufs kann sich die Rezeptionistin nur ungefähr erinnern, und das »dringend« in der Rückrufbitte wird unterschlagen. Gut, dass es da noch Frau S. gibt, die durch Kompetenz, angenehme Umgangsformen und natürliche Dienstleistungsbereitschaft vieles wettmacht. Durch sie werden die meisten meiner Anliegen zuvorkommend erfüllt.
Wertung: noch gut
Öffentliche Bereiche
Die öffentlichen Bereiche des Hotels präsentieren sich alle sehr gut gepflegt und geben kaum Anlass zur Beanstandung. Bei den Toiletten im Untergeschoss dürften die Kabinenelemente aus schwarz satiniertem Glas für Stoßseufzer beim Reinigungspersonal sorgen, da sie jeden Fingerabdruck zeigen. Bei den Toiletten im Erdgeschoss hat man hingegen pflegeleichtere naturfarbene Elemente gewählt. Hier fallen auch die helle Beleuchtung, ein illuminierter Schminkspiegel in der Damentoilette und der effiziente Dyson-Händetrockner positiv auf. Als Aufenthaltsraum dient die kleine Lobby neben der Rezeption, die zwar nicht über Tageslicht verfügt, aber behaglich eingerichtet ist. Durch kostenlose Zeitungen und ebenfalls kostenlose Heißgetränke in Bio-Qualität können Wartezeiten gut überbrückt werden. Originell ist der als Entspannungsoase angepriesene Energie-Dachgarten, wo neben den Solarzellen noch etwas Platz für Liegestühle, Wasserspiele und einen Duftgarten gelassen wurde. Hier quoll beim Testbesuch allerdings ein Standaschenbecher über.
Wertung: sehr gut
Restaurant
»Wir würden es bedauern, wenn unsere Gäste nicht zu einer kulinarischen Exkursion durch Freiburg aufbrechen würden …«: Das Hotel Victoria wird als garni geführt, was für den Gast keinen Nachteil hat, außer dass er das Haus zum Essen noch einmal verlassen muss. Fußläufig erwartet ihn ein breitgefächertes gastronomisches Angebot von regionaler Küche bis hin zum Top-Japaner.
Sauna / Fitness
Im ersten Stock des Anbaus befindet sich ein winziger Fitness- und Saunabereich. Dieser ist jedoch so durchdacht und geschickt gestaltet, dass – vorausgesetzt, er wird nicht von mehr als zwei bis drei Personen gleichzeitig genutzt – man sich dort auspowern wie auch entspannen kann. Im schmalen Fitnessraum mit Frühlingswaldtapete stehen sinnvollerweise nur ein Laufband und ein Fahrrad-Ergometer von Technogym, außerdem gibt es einen Kurzhantelsatz. Auch eine Yogamatte ist vorhanden, darüber hinaus Handtücher und einige Traubenzuckerpäckchen. Das Laufband hat einen Ein- und Ausschalter an der Wand, sodass es nicht permanent auf »stand by« ist. Nebenan bietet eine kleine, natürlich mit Doscha-Wolle isolierte Sauna Platz für drei Gäste, mehr können im Ruheraum auch anschließend nicht liegen. In der Dusche der Sauna finde ich den einzigen Instandhaltungsschaden im ganzen Haus: Schimmelsporen in den Fugen des unteren Fliesensegments. Die Saunatücher aus Waffelpikee sind genauso groß wie nötig und leicht zu trocknen. Es gibt einen CD-Spieler mit Entspannungsmusik, Wasser in Flaschen, eine Karaffe mit Ingwerwasser und Kuschelhandtücher zum Einhüllen. Trotz aller Energiesparmaßnahmen ist es kein Problem, mir die Sauna außerhalb der normalen Nutzungszeiten anzuschalten. Hier hat der Wunsch des Gastes eine höhere Priorität als die erhöhte Energie, die er verursacht.
Wertung: gut
21:55 »Hemingway Bar«
»Hemingway Bars« gibt es viele. Das Outlet im Hotel Victoria wurde gerade renoviert und offeriert mit Bücherregal, großformatigen Schwarzweißfotos und gerahmten Handschriften schöne Reminiszenzen an den Namensgeber. Im Detail fehlt es noch an Dekoration, aber wie gesagt: Die Bar hat gerade erst wiedereröffnet. Während die hinterleuchtete und mit unzähligen Flaschen bestückte Tresen-Rückwand für tolle Baratmosphäre sorgt, lässt sich das von den an der Wand entlang gereihten Tischen mit Halbsesseln nicht behaupten. Warum man sich für diese entschieden hat, offenbart sich mir am nächsten Morgen, als die Bar als Erweiterung des Frühstücksraumes genutzt wird.
Den Barkeeper Herrn B. kann offenbar nichts aus der Ruhe bringen, auch nicht das Fragenbombardement von mir und meinem Gast zum Getränkeangebot. Denn die umfangreiche Cocktailkarte ist zwar originell in Form einer alten Zeitung gestaltet, aber auch sehr unübersichtlich. Herr B. erfragt unsere Präferenzen und mixt uns dann zwei herbe Drinks – einmal alkoholisch, einmal auf Gurkensaftbasis – die unseren Geschmack perfekt treffen und auch noch originell aussehen. Er erklärt uns Feinheiten der Zubereitung und stellt dabei Fachwissen und Kommunikationsbereitschaft unter Beweis – Grundvoraussetzungen für einen guten Barkeeper.
Wertung: sehr gut
DI. 11/09, 08:45 Frühstück
Der holzgetäfelte, hohe Frühstücksraum, dessen historisches Ambiente durch eine hübsche Sammlung antiker Bücher, Zigarrenkisten und ein altes Transistorradio unterstrichen wird, bietet eigentlich eine sehr stilvolle und angenehme Frühstücksatmosphäre. »Eigentlich« deshalb, weil aus der hinter einer Regalwand versteckten Küche ein nicht enden wollendes Klappern und Scheppern von Geschirr und Gläsern ertönt, das lautstärkemäßig nur noch von der Unterhaltung der Mitarbeiterinnen getoppt wird. Auf diese Weise erfährt auch der Frühstücksgast – ob er will oder nicht – Hotel-Interna, die Familie Späth ganz sicher nicht weitergegeben haben will. Das nebenan aufgebaute Frühstücksbuffet ist nach Hotelinformationen biozertifiziert – das »Bio« trifft aber längst nicht auf alle Produkte zu. So handelt es sich beispielsweise bei den Faller Konfitüren zwar um regionale, weil aus dem Schwarzwald stammende Premium-Produkte, aber eben nicht um biozertifizierte Konfitüren. Gleiches gilt (bis auf die Regionalität) für die Säfte von Granini. Der »frische Obstsalat« ist Convenienceware und Nutella ist eben Nutella. Nichtsdestotrotz bietet das zu 14 Euro pro Person angebotene Frühstück eine gute Auswahl hochwertiger Speisen und Getränke, viele von regionalen Lieferanten und von biozertifizierten Betrieben. Es gibt einen Bio-Apfelsaft, ein Ingwerwasser und lactosefreie Milch, ein ansprechendes Sortiment an Käse, Wurst und Zerealien, etwas Fisch und die gängigen Warmspeisen (gekochte Eier, Rührei, Speck und Würstchen). Die Auswahl ist ausreichend, aber im Hinblick auf den eigenen Anspruch des Hotels durchaus steigerungsfähig. So fehlen fettarme und Soja-Varianten bei der Milch und den Milchprodukten, auch ein frisch gepresstes Saftangebot würde passen. Beim Brot – es gibt nur noch eine Sorte, wenngleich eine sehr gute, vollkörnige – wäre etwas mehr Auswahl wünschenswert. Obwohl die Frühstückszeit noch eine ganze Weile andauert, werden die wenig ansehnlichen Käse- und Obstplatten nicht mehr optisch aufbereitet, die leere Tomatensaftflasche wird nicht entfernt. Zum Tee gibt es keine Zitrone und der Kandiszucker steht weit entfernt auf der Anrichte über dem Joghurt. Die Beschilderung ist unvollständig und teilweise nicht dem richtigen Produkt zugeordnet. Würstchen und Speck mögen von Tieren aus artgerechter Haltung stammen – wenn sie zu lange warmgehalten werden und im eigenen Fett schwimmen, sieht dies nicht mehr appetitlich aus. Obwohl das Frühstück nicht im Übernachtungspreis inbegriffen ist und mir deshalb bei Anreise ein Gutschein ausgehändigt wurde, wird dieser nicht eingefordert und ich werde auch nicht nach meiner Zimmernummer gefragt. Frau F. serviert mir freundlich einen guten Milchkaffee, konzentriert sich dann aber auf das Abräumen der vielen noch mit schmutzigem Geschirr beladenen Tische, anstatt ab und zu einmal an meinem vorbeizuschauen. So sammelt sich dort peu-à-peu mein gebrauchtes Geschirr an. Das bestellte Spiegelei ist im Dotter fest und im Eiweiß labbrig, dazu sehr unbeholfen dekoriert.
Wertung: befriedigend
11:10 Check-out
»Haben Sie gut geschlafen?« Frau S. macht auch beim Check-out fast alles richtig. Einmal mehr fällt mir die hübsche Kleidung der Empfangsmitarbeiter auf, die zu T-Shirt und Rock oder Hose eine bordeauxfarbene Hüftschärpe mit Rosenmuster tragen und eine farblich passende Ansteckrose. Das ist ungewöhnlich und sieht nicht nur gut aus, sondern ist, wie mir Frau S. bestätigt, auch sehr bequem. Astrid Späth, die Inhaberin, habe diese Kleidung selbst entworfen, erzählt Frau S. stolz. Ein weiterer Beweis für ein sehr individuelles und persönlich geführtes Haus.
Wertung: sehr gut
Bilanz
»Gefühlt« möchte man dem Best Western Premier Hotel Victoria in Freiburg gerne ein »sehr gut« auf die Fahne schreiben. So konsequent, beispielhaft und überaus einfallsreich setzen die sympathischen Inhaber ihre Überzeugung eines Ressourcen schonenden, den Einsatz erneuerbarer Energien fördernden Hotelmanagements um – ohne dass der Gast dabei irgendwelche Abstriche am Komfort hinnehmen müsste, ganz im Gegenteil. Lage, Einrichtung und Ausstattung sind top, das ganze Haus strahlt Persönlichkeit und Individualität aus, vom guten Ökogewissen einmal ganz abgesehen kann man sich hier absolut wohlfühlen. Der anonyme Hoteltest zeigt allerdings Optimierungsmöglichkeiten zum einen beim Frühstücksbuffet auf, zum anderen lief am Front Office manches nicht rund. Es traten jedoch keine Probleme auf, die sich nicht leicht beheben ließen. Dazu ist das Hotel zu gut.
Ergebnis: 75%
Testurteil: gut
100-81 sehr gut; 80-61 gut; 60-41 befriedigend; 40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend.
Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!