Hunde-Service Hunde willkommen

Als Journalistin reist Reni Walther seit vielen Jahren mit ihren Hunden um die Welt. Daraus hat sie eine pfiffige Geschäftsidee entwickelt – ein Seminar für Fünf-Sterne-Hotels. Das Ziel: das Hotelpersonal im Umgang mit Hunden und deren Besitzern zu schulen.

»Nehmen wir für unseren Bello das gekochte Lammfleisch mit Langkornreis, Sonnenblumenöl und Eigelb oder lieber Huhn mit Kartoffeln und Karotten, Leinsamen, dazu zwei rohe Eier?« Solche Fragen sind im Brenners Park-Hotel & Spa nicht ungewöhnlich. Das Fünf-­Sterne-Domizil im exklusiven Kurort Baden-Baden bietet eine ganze Menü-Karte extra für Hunde an. »Gute Ernährung muss sein, das wissen Sie! Auch Ihr Hund soll dabei nicht zu kurz kommen«, heißt es dort. Acht bis zwölf Euro lassen sich die Gäste die frisch zubereiteten Speisen kosten.

Viele Hotels in Deutschland akzeptieren Haustiere – vor allem Hunde – zumindest auf den Hotelzimmern. Im Brenners kostet das 35 Euro pro Tag – Korb, Näpfe, Willkommens-Leckerli und ein Schild für die Zimmertür inklusive. »Wir haben einige sehr treue Stammgäste, die immer wieder gern mit ihrem Gefährten anreisen«, sagt Bärbel Göhner, Director of PR & Communications. Im Hotel habe man dadurch langjährige Erfahrung mit Vierbeinern – zum Großteil seien das Hunde, in Einzelfällen werde auch schon mal eine Katze mitgebracht.

Um neue Anregungen zu erhalten, hat Direktor Frank Marrenbach im Oktober 2010 ein Hundeseminar von Reni Walther für die Hotelangestellten im Haus organisiert. Die Reisejournalistin testet mit ihren vier Hunden seit vielen Jahren weltweit Luxushotels auf ihren Service für Hunde. »Der gute Wille zum tierischen Service wird in vielen Hotels nur halbherzig umgesetzt«, weiß die Hunde-Expertin aus eigener Erfahrung. »Selbst in Fünf-Sterne-Häusern gibt es oft weder Napf noch Kissen oder Decke für den Hund. Und in puncto Sicherheit kennen sich die wenigsten Hotels wirklich aus.« Aus dieser Erkenntnis entstand eine lukrative Geschäftsidee: »Deutschlands First Class Hotel Consulting für Gäste mit Vierbeinern« nennt sie diese. In Zusammenarbeit mit Tierärzten, Trainern und Produkt-Herstellern für Zubehör entwickelte die Berlinerin das Programm »Fünf Sterne für vier Pfoten«, ein Konzept speziell für Hotels im oberen Segment. Unter anderem gab sie dem Berliner Adlon, dem Vier Jahreszeiten Hamburg und dem Excelsior Hotel Ernst Köln Nachhilfe in Sachen Hunde. Das dreitägige Seminar (Kosten 850 € / Tag zzgl. Übernachtung und Verpflegung) umfasst rund 50 Punkte – von der telefonischen Reservierung über Check-in, Sicherheit, Handling und Produkt-Beratung bis hin zu Check-out und – last, but not least – Merchandising.

»Ein ungewöhnliches Seminar-Thema«, gibt Sales- und Marketing Direktorin Manuela Busch vom Brenners Park-Hotel zu. »Uns wurde jedoch deutlich gemacht, welche Möglichkeiten wir bei Gästen mit Hunden bislang verpasst hatten.« Außerdem seien die Anregungen von Reni Walther ganz einfach und relativ kostengünstig umzusetzen. Dazu gehört beispielsweise, dass bei Gästen, die mit Hunden einchecken, im Zimmer nichts Essbares in Reichweite des Tieres steht, Verhaltensregeln für das Personal oder auch die geeignete Präsentation eines Welcome-Körbchens. Im Brenners heißt darüber hinaus ein persönliches Anschreiben Hund und Besitzer willkommen – auch ein Tipp von Reni Walther. Ebenso wie die Hundekissen, die neben den bereits vorhandenen Körben nach dem Seminar angeschafft wurden. Schöner Nebeneffekt: Die Kissen aus antibakteriellem Nanogewebe mit schmutzabweisendem Perleffekt können im Haus oder im Online-Shop des Hotels in drei verschiedenen Größen gekauft werden – zwischen 240 und 320 Euro müssen die Gäste für das Urlaubs-Souvenir allerdings ausgeben. Dafür wird es auf Wunsch mit dem Namen des Vierbeiners versehen.

Diese Marketing-Idee hat man auch im Kempinski Vier Jahreszeiten München aufgegriffen: Vor drei Jahren fand das Seminar für Hotelmitarbeiter aus den Bereichen Housekeeping, Frontoffice, Concierge und PR statt. »Gleich im Anschluss wurde ein mehrstelliger Betrag für die Ausstattung wie neue Körbchen, Decken etc. investiert«, erzählt Front Office Managerin Teresa von Seubert. »Weitere Investitionen finden ­regelmäßig statt.«

Ein Anstieg der Nachfrage konnte – ebenso wie im Brenners – allerdings nicht verzeichnet werden; lediglich ein bis zwei Prozent der Gäste bringen ein Haustier mit in das Fünf-Sterne-Hotel, fast ausnahmslos sind das Hunde. Generell sind im Kempinski alle Tiere erlaubt, die keine Gefahren für die Gäste darstellen und den Fünf-Sterne-Betrieb nicht beeinträchtigen. Das ausgefallenste Tier, das ein Gast in das Luxus-Domizil bisher mitbrachte, war ein Papagei.

Die Übernachtungsraten für Vierbeiner liegt im Kempinski derzeit bei 50 Euro – ohne Verpflegung. »Dogsitting« bzw. Spaziergänge werden – ebenso wie im Brenners – mit 20 Euro pro Stunde berechnet. ­Teuer sei eben vor allem die besonders intensive Zimmerreinigung nach der Abreise, denn spezielle Gästeeinheiten für Besucher mit Haustieren gibt es nicht. Andere Bereiche sind für Hunde meist strikt tabu – dazu gehören insbesondere die Restaurants und selbstverständlich das Spa. »Generell versuchen wir alle Wünsche der Gäste zu erfüllen, die im Rahmen unserer Möglichkeiten und des Moralischen liegen«, sagt Teresa von Seubert. Beschwerden anderer Gäste seien selten. Das bestätigt auch Bärbel Göhner vom Brenners Park-Hotel: »Die Grenzen liegen aber sicherlich dort, wo sich andere Gäste durch die Tiere gestört oder belästigt fühlen.« Häufig entwickelten sich über die Tiere, beispielsweise bei Begegnungen im Park oder beim Check-in, aber auch Gespräche und nicht selten sogar Urlaubsbekanntschaften. »Und normaler­weise sind selbst unsere vierbeinigen Gäste fünf-Sterne-tauglich.«