Handtücher, Laken und Bademäntel aus dem Wellnessbereich stellen die Wäschereien hinsichtlich Aufbereitung und Pflege vor besondere Herausforderungen. Bei falscher Behandlung bleiben fettige und ölige Rückstände in der Ware. Im schlimmsten Fall kann das zur Selbstentzündung führen.
Nach der Lehre der ayurvedischen Medizin lassen sich heilende Substanzen am besten über die Haut in das Körpergewebe transportieren. Dazu werden reichlich Öle und flüssige Fette eingesetzt, die großzügig über den Körper verteilt werden. Für die Gäste eine angenehme Prozedur, für die Mitarbeiter der hoteleigenen oder externen Wäschereien weniger. Bei den Wellness-Anwendungen wird der Öl-überschuss von großen, saugfähigen Frottiertüchern aufgenommen, die unter anderem auch zur Verbesserung des Liegekomforts dienen. »Wir verwenden beispielsweise Öl bei den ayurvedischen Ganzkörpermassagen Abhyanga, dem Stirnguss oder auch bei der hawaiianischen Lomi Lomi-Massage«, sagt Nicole Praß-Anton, Spa-Leiterin des Hotels BollAnt’s im Park in Bad Sobernheim (www.bollants.de). Zum Einsatz kommen dabei unter anderem Sonnenblumen-, Kokos- und Sesamöl mit Kräuterauszügen – je nach Behandlung, beispielsweise dem Stirnguss, bis zu fünf Liter. In der Summe verursachen die Behandlungen einen mit Öl verschmutzen Anteil der Hotelwäsche von rund 30 Prozent. In dem Vier-Sterne-Superior-Haus wird die komplette Handtuchwäsche aus den Gästezimmern sowie aus dem Spa-Bereich hausintern gewaschen, Bettwäsche und Tischwäsche ist Mietware und wird somit außer Haus gegeben.
Über eine hauseigene Wäscherei verfügt auch das Hotel Historischer Krug Oeversee (www.historischer-krug.de). Inhaberin Lenka Hansen-Mörck hat ebenfalls einen »problematischen« Wäscheanteil aus dem Wellnessbereich von etwa 30 Prozent zu verzeichnen. In ihrem zweiten Haus, dem Genießer Hotel Altes Gymnasium in Husum, wird die komplette Hotelwäsche außer Haus gewaschen. In dem Fünf-Sterne-Hotel, das sie vor rund sechs Jahren gekauft und umfassend renovieren ließ, war die Einrichtung einer hoteleigenen Wäscherei nicht möglich. »Ich habe deshalb den direkten Vergleich«, resümiert Lenka Hansen-Mörk, die seit 27 Jahren Erfahrungen mit Ayurveda hat. »Ölverschmutzte Wäsche wegzugeben ist besser, als sie selbst zu waschen. Ob- wohl auch wir professionelle Waschmaschinen haben, werden die öligen Tücher in einer Wäscherei dennoch qualitativ hochwertiger gereinigt.« Ihrer eigenen Erfahrung nach sei Zwirnfrottierware ein wenig leichter sauber zu bekommen als Walkfrottier.
Erhöhte Kosten
»Die Behandlung von Textilien aus ayurvedischen Anwendungen ist für jede Wäscherei eine besondere Herausforderung – und zwar in mehrerlei Hinsicht«, bestätigt auch Helmut Börner, Verkaufsleiter von Greif Textile Mietsysteme. »Öle und Fette sind nicht wasserlöslich. Bei der Wäsche müssen daher spezielle fettlösende Hilfsmittel zugesetzt werden.« Ellen Petow, Textiltechnikerin bei Servitex ergänzt: »Die Dosierung der Fettlöser muss genau auf die Intensität der Verölung abgestimmt sein, damit die Fette mit einem einzigen Waschprozess entfernt werden können.« Die entstehenden Prozesskosten seien mehr als doppelt so hoch, weil Fettlöser teurer seien und die Schmutzwäsche erst von Textilreinigern gesichtet werden müsse, um eine ausreichende Dosierung vorzunehmen – ein Standardverfahren lasse sich in diesem Fall nicht programmieren. Claudia Urzinger-Woon, eine der Geschäftsführerinnen der Landshuter Wäscherei Josef Urzinger GmbH, kann dagegen kaum einen Mehraufwand verzeichnen. Das Unternehmen habe ein hohes Aufkommen an ölverschmutzten Handtüchern. »Die Frottierwäsche aus Wellnessbereichen wird allerdings mit einem speziell auf diese Verschmutzungen abgestimmten Waschprogramm behandelt. Dieses wird von den Waschmitteltechnikern unseres Dienstleisters CHT Group für uns individuell zusammengestellt.« Das funktioniere, weil die Wäscherei genau wisse, welche ihrer Kunden Wellness-Abteilungen im Haus haben und deren Wäsche bereits bei der Anlieferung separiert werde.
Die vier Mitarbeiter der hoteleigenen Wäscherei im BollAnt’s sortieren die Stücke je nach Grad der Verschmutzung: Handtücher mit Öl- und Heil-erderückständen sowie Tücher von Kosmetikbehandlungen. »Zusatzkos-ten lassen sich durch eine Trennung der Wäscheposten aus ayurvedischen Anwendungen sowie geeignete Pflegeprozesse vermeiden«, bestätigt auch Manfred Börner von Greif. Genauso wie bei Greif wird auch bei Servitex verfahren: Die Hotels sortieren die ölverschmutzte Wäsche in extra gekennzeichnete Behälter. »Wenn dies nicht geschieht, müssen die Teile nach der normalen Wäsche aufwendig aussortiert und mit Fettlösern nachgewaschen werden«, erklärt Diplom-Ingenieurin Ellen Petow. Dies verbrauche einen zusätzlichen Waschgang und verkürze den ›Lebenszyklus‹ des Textils.
Bei den bundesweit zwölf Wäschereien der Alsco GmbH wird die Wäsche in der Regel nicht vom Hotel vorsortiert – hier setzt man stattdessen auf viele Sichtkontrollen. Allerdings besteht die zu reinigende Hotelwäsche vorrangig aus Flachwäsche wie Tischdecken und Bettwäsche. »Die Teile werden nach der Anlieferung begutachtet und sortiert«, erklärt Pressesprecherin Yvonne Karges. Danach findet zunächst der normale Produktionsablauf statt. Werden dann bei einer erneuten Kontrolle noch Flecken entdeckt, kommen spezielle Fettlöser sowie Bleiche zum Einsatz. »Deshalb wird bei uns auch hauptsächlich weiße Wäsche verwendet, die ganz anders behandelt werden kann als farbige.« Nach der Endkontrolle liefert der Fahrer die sauberen Wäscheteile wieder aus. »Tücher mit Flecken oder gar Löchern werden selbstverständlich aussortiert«, sagt Yvonne Karges.
Im Historischen Krug durchläuft die Wäsche meist zwei bis drei Waschgänge bei 90 Grad Celsius, bis sie wieder ansehnlich ist. Nach etwa 30 Behandlungen sei deshalb meist die Lebensdauer erreicht, sagt Lenka Hansen-Mörck. Auch Nicole Praß-Anton kann das bestätigen: »Generell haben wir durch die hohe Anzahl der Behandlungen einen größeren Wäscheverbrauch, der natürlich auch durch die Vielzahl der Waschvorgänge begründet ist.«
Je nach Art der verwendeten Öle und der darin enthaltenen Farbpigmente bleiben auf den Wäschestücken nicht selten Flecken zurück. »Es kommen deshalb auch farbige, bräunliche oder melierte Tücher zum Einsatz, falls die Wellnessbereiche Öle mit Duftstoff oder Farbstoffzusatz verwenden«, sagt Textiltechnikerin Ellen Petow. »Eventuell verbleibende Flecken fallen dann nicht auf. Die Tücher werden ja trotzdem hygienisch einwandfrei gereinigt.« Lenka Hansen-Mörck empfiehlt gelbe oder orangefarbene Wäsche. Extrem leiden ihrer Aussage nach auch die in der Anschaffung relativ teuren Bademäntel, weshalb im Historischen Krug Piqué-Mäntel in einem Eierschalenton auf den Zimmern liegen. »Ayurveda ist insgesamt gesehen eine sehr kostspielige Behandlungsart«, resümiert sie.
Unter Umständen kann es im Nachhinein sogar gefährlich werden. Eine bittere Erfahrung, die man bei Greif Textile Mietsysteme im Januar dieses Jahres machen musste: Ein Hotel lieferte Frottiertücher ohne besondere Deklaration an. Diese durchliefen daher lediglich den herkömmlichen Pflegeprozess. Nachts kam es dann zu den schwerwiegenden Folgen: ein Großbrand in der Augsburger Wäscherei. Servitex-Textiltechnikerin Ellen Petow erklärt: »Reste von Öl im sauberen, noch warmen Textilien haben die Eigenschaft, sich weiter zu erhitzen.« Schließlich bestehe die Gefahr der Selbstentzündung.
»Alle unsere Mitarbeiter sind zum Thema ›Vermeidung von Textilbränden‹ umfassend geschult«, sagt Claudia Urzinger-Woon. Wichtig sei es beispielsweise darauf zu achten, dass die maximale Trockenkapazität nicht überschritten und die Abkühlphase des Trockenvorgangs nicht vorzeitig beendet werde. Auch im BollAnt’s hat es vor einigen Jahren in der Waschküche gebrannt – die Wäsche lag über Nacht im Trockner. »Seitdem werden die Trockner abends ausgeschalten und es bleibt keine Wäsche im Trockner liegen«, erklärt Nicole Praß-Anton. Das Thema beschäftige sie immer wieder im Alltag und sei nicht einfach im Handling. »Daher ist es auch mein Bestreben, meine Spa-Mitarbeiter anzuhalten, sparsam mit den Ölen umzugehen, die Bänke mit speziellen Reinigungstüchern von Ölresten zu säubern und nicht ›eben mal schnell‹ mit dem Handtuch darüber zu gehen. Die Öle werden nun einmal benötigt, um unsere Gäste mit den Massagen zu verwöhnen.«
Info:
• www.mietwaesche.de
• www.servitex.de
• www.urzinger.de