Konstruktive Kritik gehört seit jeher zum journalistischen Credo von Tophotel. Nobeldomizile, die sich als hochpreisige Repräsentanten der Spitzenhotellerie betrachten und für die Branche Vorbildfunktion haben, stehen im Mittelpunkt des anonymen LuxushotelTests. Diesmal nahm unser Tester das Armani Hotel im Burj Khalifa Dubai unter die Lupe.
MI. 15/06, 11:39; Reservierung
Meine telefonischen und schriftlichen Anfragen werden freundlich und professionell beantwortet. In puncto Preis bekomme ich für das günstigste Zimmer umgerechnet 342 Euro genannt – womit das Hotel die gleichen Konditionen anbietet wie die Buchungsportale im Internet, bei denen Ratenparität herrscht. Wer sich etwas Zeit nimmt und direkt über die Hotelseite von Armani bucht, kann auch ein Zimmer für 266 Euro bekommen und so bei zwei Übernachtungen immerhin 152 Euro sparen. Nach der Buchung werden mir umgehend alle relevanten Daten und Preise schriftlich bestätigt. Außerdem meldet sich bei mir ein so genannter Lifestyle Manager, der sich nach besonderen Wünschen und Vorlieben erkundigt, auf die Gastronomie, das Spa, einen Flughafentransfer und das Aussichtsdeck des Burj Khalifa hinweist und entsprechende Reservierungen vornimmt. Auch er handelt schnell und bestätigt alle Buchungen schriftlich. Eine weitere Mail erhalte ich von ihm vor dem Abflug: Darin bietet er wiederholt seine Dienste an, wünscht eine gute Anreise und übermittelt seine Freude, mich schon bald als Gast begrüßen zu können.
Wertung: sehr gut
MI. 27/07, 13:39; Hoteltransfer
Der gewünschte Abholservice steht bei meiner Ankunft am Flughafen bereit: Während die meisten Hotels sehr salopp gekleidete Fahrer schicken, werde ich von zwei Mitarbeitern in schwarzen Armani-Anzügen abgeholt. Außerdem halten sie kein Schild mit meinem Namen hoch, sondern machen diskret mit dem großen Schriftzug des Armani-Hotels auf sich aufmerksam. Beide Herren begrüßen mich freundlich, nehmen sich meines Gepäcks an und begleiten mich zum Wagen, der direkt vor der Tür parkt. Der Range Rover ist tipptopp in Schuss und perfekt temperiert, zusätzlich erkundigt sich der Fahrer, ob die Temperatur so angenehm wäre, reicht mir ein kühles Tuch und lässt mich wählen zwischen einem stillen und einem sprudelnden Wasser. Die Fahrt selbst dauert keine 15 Minuten. Kurz vor der Ankunft im Hotel fragt mich der Fahrer außerdem, ob man mir einen Tee oder Kaffee zur Begrüßung aufs Zimmer bringen solle – und informiert das Hotel entsprechend. Die gesamte Abwicklung verläuft freundlich und sehr professionell.
Wertung: ausgezeichnet
13:53 Check-in
Gleich am Eingang werde ich von einer Armada freundlicher Mitarbeiter begrüßt, von einer Mitarbeiterin auch auf Italienisch. Mein persönlicher Lifestyle Manager ist ebenfalls zur Stelle und geleitet mich aufs Zimmer, wo das Check-in stattfindet. Zur Erfrischung reicht auch er mir ein kühles Tuch. Das Anmeldeblatt ist korrekt ausgefüllt und ich werde noch einmal auf den Zimmerpreis aufmerksam gemacht. Zugleich weist mich Herr T. Y. ohne Begründung höflich darauf hin, dass ich ein Upgrade in die nächsthöhere Zimmerkategorie erhalte: vom Deluxe Room (460 €, 45 qm) zum Classic Room (535 €, 70 qm). Danach erklärt er mir die wichtigsten Zimmerfunktionen inklusive allerlei Hightech-Raffinessen; eine freundliche Mitarbeiterin bringt mir den gewünschten Cappuccino, den sie direkt auf dem Zimmer mit Milch aufschäumt. Das gratis gereichte Getränk ist von ausgezeichneter Qualität und es gibt sehr leckere Gebäckstückchen dazu.
Wertung: ausgezeichnet
Zimmer 628
Das Besondere an diesem Zimmer sind sein Stil und die Technik. Und noch beeindruckender als der wohlüberlegte Style ist das Qualitätsbewusstsein en detail. Der Safe beispielsweise wurde mit einer passend geschnittenen edlen Armani-Folie in den Zimmerfarben Gold, Braun und Grau ausgelegt, befindet sich in angenehmer Höhe und verfügt über einen Aufladeplatz für den Laptop. Zusätzlich steht in ihm eine silberne Kassette mit Armani-Emblem. Die im Schrank bereitliegende Decke ist aus bester kaschmirzarter Wolle und die Schubladen öffnen sich beinahe wie von selbst: soft und leise. In puncto Technik gehören iPod-Station von Bose mit gutem Lautsprecherklang und LCD-Fernseher zur Grundausstattung. Hightech ist hingegen eine Fernbedienung, mit der sich vieles vom Sessel oder Bett aus aktivieren lässt: das »Do not Disturb«-Zeichen, die Vorhänge, Sonnenblenden, Lichtquellen, TV, Radio sowie den DVD-Player.
Auf einem Touchscreen kann ich darüber hinaus einen elektronischen Türspion aktivieren, der mir dank einer Kamera über der Tür zeigt, wer gerade Einlass begehrt – keine bloße Spielerei, sondern auch ein Stück Sicherheit. Öffnen kann ich die Tür ebenfalls über den Monitor. Nur die Türglocke ist etwas nervig: Sie erschallt nicht nur einmal, sondern stets im Dreiklang-Stakkato. Wie oft bei so viel Technik: Die Erkundung erfordert Zeit, die man als Hotelgast meist einfach nicht hat. Und nicht selten verbirgt sich hinter so viel Getöne nur Einheitsbrei – hier etwa beim Armani-Musikprogramm: Die vier zur Auswahl stehenden Richtungen klingen alle sehr ähnlich und erinnern eher an Fahrstuhlgesäusel als an gute Loungemusik. Empfohlen sei deshalb dem Armani und jedem anderen Hotel, sich einmal das Entertainmentprogramm der Fluglinie Emirates anzusehen: Dieses zeichnet sich nicht nur durch enorme Vielfalt und viel Aktuelles aus, sondern auch durch seine einfache Handhabung.
Ebenfalls ein Minuspunkt: Die viele Technik ist durch viele Dioden sichtbar. Sogar im Schlafzimmer blinken an verschiedenen Stellen kleine Lichter auf, was empfindliche Naturen erheblich stören kann. Darüber hinaus mag das gut gemeinte gedämpfte Licht ja dem Teint schmeicheln, doch an keiner Stelle sieht man sich abends wirklich gut – allerorten herrscht diffuses Licht. Ein Adapter liegt nicht bereit und ist erst auf Nachfrage erhältlich. Zusätzlich zum Entree mit Cappuccino und Gebäck steht zur Begrüßung eine Handvoll sehr guter Macarons bereit: Diese sind nicht nur ein netter Gruß aus der Patisserie, sondern zugleich ein Farbtupfer in dem dunkel gestalteten Zimmer.
Ein persönliches Begrüßungsschreiben oder eine Anrede über den TV-Monitor gehört nicht zum Prozedere. Insgesamt wirkt das edel und dezent eingerichtete Zimmer sehr ruhig, wobei als weitere »lebendige« Details eine Schale mit rosigen Äpfeln und eine weiße Kala zusätzlich Kolorit geben. Übergeben wurden die Räume picobello: Auch Problemstellen wie der Telefonhörer, Gläser, Lampenschirme und die Fernsehrückseite haben eine gründliche Reinigung erfahren. Das Bett besteht aus einem Guss und ist so gerahmt, dass es keine Unterseite gibt, an der sich Staub und anderes sammeln könnte. Auch Bilder als Staubfänger gibt es nicht.
Im Grunde ist das Zimmer eine Suite: An den Schlafbereich mit begehbarem Schrank schließt sich ein Wohn- und Arbeitsbereich an. Beide kann ich durch leicht bewegbare Schiebetüren voneinander trennen. Alles scheint sehr überlegt gestaltet und schwarzer Lack ergänzt das gold-grau-braune Dekor. Der Schreibtisch beispielsweise könnte auf den ersten Blick ein Klavier sein. Der Name Armani wird deutlich eingesetzt – nicht nur auf den Handtüchern und Bademänteln, auch die Zucker- und Gebäckstückchen tragen das große A. Die Minibar ist inklusive. Alkoholische Getränke stehen zwar nicht darin, dafür sechs stille und sprudelnde Wässer sowie neun Softdrinks, darunter originelle wie Goji-Berry-Saft mit Grünem Tee – die Himalaya-Beere gilt als besonders gesund und ist en vogue.
Nachgefüllt wird die Minibar grundsätzlich nach Verbrauch. Ergänzung erfährt sie zudem durch einen Wasserkocher und eine Nespressomaschine inklusive sechs Espressokapseln, die ebenfalls regelmäßig »nachgeladen« werden. Gleiches gilt für das Obst in wechselnden Sorten. Des Weiteren gibt es – ebenfalls gratis – delikate Nuss- und Schokoladenmischungen sowie Maisküchlein mit Rosmarin. Verschiedene Armani-Tees komplettieren das ungewöhnliche Angebot. Gläser, Kaffee- und Teegeschirr (alles blitzsauber) stehen nicht offen, sondern werden in Schubladen neben der Minibar aufbewahrt.
Das Kingsize-Bett – so gut wie neu und nicht durchgelegen – hat sehr weiche, nachgiebige Matratzen, die sich indes als überraschend bequem und angenehm elastisch erweisen. Ebenfalls positiv zu verbuchen ist der ausreichend große Arbeitsbereich mit Steckplätzen in Pulthöhe. Im begehbaren Kleiderschrank hängen ausreichend Holzkleiderbügel, die ungewöhnlich schwer und sperrig sind. Genügend Stauraum bieten die Schubladen. Am Fernsehgerät liegt keine TV-Kanalübersicht bereit, was allerdings bei über 100 Programmen besonders notwendig wäre. Die Hoteldirectory lässt sich nur schwer auseinanderklappen und weckt durch sparsame Informationen sowie blutarme Diktion kaum Vorfreude oder gar Lust auf die Angebote. Das »Armani Spa« wird auf dem Zimmer gar nicht verkauft, Angebote und Preise muss ich mir vor Ort selbst besorgen. Auch auf das Spitzenrestaurant »At.mosphere« wird nicht hingewiesen, dabei ist das am höchsten gelegene Restaurant der Welt zweifellos die Hauptattraktion des Burj Khalifa. An Lektüre liegt lediglich ein Magazin bereit: das ausgezeichnete Designjournal »Wallpaper«. Zusätzlich hängt jeden Morgen neben der Tür eine Dubai-Zeitung mit internationalen und regionalen Nachrichten. Wertung: sehr gut
Badezimmer
So etwas kann man wahrlich ein Badezimmer nennen: groß und stilvoll, mit Badewanne, Dusche, separatem WC und Bidet, Letztere mit selten zu erlebendem Nachtlicht. Außerden verfügt Zimmer 628 über ein zweites WC. Der Natursteinboden des Bades sieht schick aus, strahlt jedoch eine spürbare Kälte aus. Zwischen den beiden Waschbecken und darunter gibt es ausreichend Ablage- und Staumöglichkeiten. Die Guest supplies werden hübsch in schwarzen Schachteln mit Ar-mani-Aufdruck präsentiert: Die flachen Wattepads sind einzeln verpackt, während die Wattestäbchen außergewöhnlich lang ausfallen und Jumbogröße haben. Ebenso ansprechend verpackt sind Shampoo, Duschgel, Bodylotion und Seife von Ex Voto aus Paris. Die Kosmetika haben außerdem eine gute Qualität und fallen weniger parfümiert aus als in anderen Hotels von Dubai. Bademantel und schwarze Badeschlappen stehen genauso bereit wie mehr als ausreichend Handtücher in sehr guter Qualität und unterschiedlicher Größen parat liegen – ebenfalls versehen mit attraktivem und farblich auf das Zimmer abgestimmtem Armani-Emblem.
TV- und Radio-Lautsprecher sowie ein leicht zu handhabender Haartrockner sind vorhanden. Die Lüftung funktioniert bestens. Der Blick aus dem Fenster richtet sich auf die Dubai-Skyline mit den verspiegelten Emaar-Hochhäusern im Vordergrund; Vorhänge und Jalousien lassen sich per Knopfdruck schließen und öffnen.
Soweit so gut. Der Dusche jedoch ist nur mit äußerster Vorsicht zu begegnen. Denn was wie ein Licht an der Decke aussieht, ist eine Brause – die im Handumdrehen komplett nass macht. Alles andere ist hingegen gar nicht so leicht und im Handumdrehen zu bedienen. Ich kann zum Beispiel nicht erkennen, welche Drehelemente »heiß« und welche »kalt« bedeuten und muss die Armaturen wie den Zauberwürfel bewegen, was höchste Konzentration erfordert und unbedingt vor dem eigentlichen Duschen geschehen sollte. Die eckigen Armaturen und die ebenfalls eckige Seife sind zudem nicht handfreundlich. Der unbeleuchtete und kantige Kosmetikspiegel lässt sich weder in der Höhe verstellen noch nach vorn ziehen. Der Wasserdruck ist stark, allerdings fließt das Wasser im linken Waschbecken nur mühsam ab. Die Ausleuchtung ist alles andere als optimal, weibliche Gäste könnten sich in diesem Licht wahrscheinlich nicht schminken. An der Tür fehlt ein Dämpfer, sodass sie immer mit einem lauten Knall zufällt.
Sieht man von einigen Schwächen ab, handelt es sich um ein sehr schönes, elegantes Badezimmer, das blitzsauber übergeben wurde. Bilanz: Ein Raum mit äußerst attraktiver Optik, aber etwas holpriger Handhabung bei letztlich doch mangelnder Effizienz.
Wertung: gut
Internet
Die Internetverbindung kommt schnell und völlig problemlos zustande, ich muss noch nicht einmal ein Passwort eingeben. Zudem ist der Internetzugang gratis. Wi-Fi funktioniert im ganzen Hotel einwandfrei.
Wertung: sehr gut
Wäscheservice
Mein Lifestyle-Manager regelt alle Servicebelange bis auf den Roomservice. Dafür ist das Housekeeping zuständig und schnell zur Stelle. Ich übergebe der sehr freundlich lächelnden Mitarbeiterin eine Hose für die Wäsche und eine Jacke, die ich so schnell es geht aufgebügelt haben möchte.
Die Jacke erhalte ich wie versprochen innerhalb von 30 Minuten zurück: tipptopp behandelt auf einem Plastikkleiderbügel unter Cellophan mit Armani-Aufdruck. Die Hose wird nicht am selben Abend geliefert und auch erst am nächsten Mittag auf Nachfrage. Sie wurde ebenfalls bestens behandelt.
Wertung: noch befriedigend
»Ristorante Armani«
Hohe Decken, stämmige Säulen und große Fenster machen aus dem Restaurant eine Art gastronomisches Kolosseum. Dennoch wirkt das Mondäne hier wie selbstverständlich und nicht überdimensioniert. Die Tische stehen in sehr angenehmem und lauschfreiem Abstand zueinander. Das Dekor ist elegant und luftig, die Tischkultur ausgezeichnet: Allein schon den zarten Leinenservietten gebührt höchstes Lob. Der Service agiert sehr korrekt und freundlich, aber keineswegs persönlich. Am besten und individuellsten vertritt das Lokal der italienische Küchenchef höchstselbst: Fast schon kumpelhaft und heiter gelaunt macht er seine Runde und empfiehlt dabei auch gezielt Gerichte. Er hält sich allerdings nie allzu lange draußen auf und weiß, wann er wieder zurück in die Showküche muss, in der in erster Linie Europäer zu sehen sind. Die lobenswerten hausgemachten Brote und Brötchen sowie gutes Olivenöl werden umgehend gebracht, das Amuse-Gueule wird flott serviert: eine Garnele mit Fenchel und Creme aus Zuckererbsen, die von schlichter Schönheit ist.
Überhaupt kommen die Speisen ganz anders daher, als das Ambiente vermuten lässt. Zum einen zeichnen sie sich durch Produktqualität und handwerkliches Können aus, zum anderen setzen die Köche statt auf Luxusprodukte auf die Kernkompetenzen der italienischen Küche: Pasta und Risotto. Die Pappardelle mit zartem Ossobuco sind ebenso erstklassig wie die Tagliatelle mit Tintenfischragout und Langustinen. Die Pasta ist selbstredend bissfest und dabei trotzdem so saftig, wie man das nur bei Spitzenitalienern erlebt. Auch das Risotto gelingt exzellent: Die Körner sind im Kern noch leicht fest, die Hülle zart und prall. Dazu gibt es sehr gute, aromatische Pilze und Sommertrüffel, die erstaunlich viel Geschmack abgeben – und der kommt keineswegs vom Trüffelöl. Solche Geschmacksverstärker braucht die Küche nicht. Vertrauen schafft der Begriff »Sommertrüffel« auf der Speisekarte: So macht man deutlich, dass es sich hier nicht um die hochwertigen, teuren Trüffel handelt.
Insgesamt präsentiert sich die Küche sehr authentisch und ehrlich. Es kommt kein Schischi zum Einsatz, vielmehr geht es um den reinen konzentrierten Geschmack. Vorspeisen kosten im Schnitt 29 Euro, Hauptgerichte 48 Euro. Die Weinauswahl ist gut, die Preise reichen allerdings von sehr exklusiv bis explosiv. Relativ günstig liegt man mit einem ordentlichen Sauvignon Blanc aus dem Friaul für 55 Euro. Anspruchsvolle Weinfreunde werden frühestens ab 100 Euro fündig – und selbst dann nur nach langem Studieren.
Gratis hingegen kann man im »Ristorante Armani« ein spektakuläres Schauspiel genießen, blickt man doch von hier direkt auf den »Dubai Fountain«, der alle 15 Minuten das wahrscheinlich schönste Wasserballett der Welt zeigt. Bei dieser Inszenierung der Extraklasse schießen riesige Fontänen in den Himmel, begleitet von dramatischer Musik – quasi ein Feuerwerk aus Wasser. Raucher haben einen Logenplatz: Für sie ist ein separater Balkon reserviert, von dem sich der beste Blick bietet. Zusätzlich gibt es für sie noch eine edle Raucherlounge mit gutem Zigarrensortiment.
Wertung: sehr gut
Turndownservice
Verbrauchtes Duschgel, benutzte Handtücher und leere Wasserflaschen wurden aufgefüllt bzw. ausgetauscht. Die Abfallbehälter sind geleert, das Zimmer abgedunkelt. Ein extra Betthupferl gibt es nicht, aber es stehen ja bereits ausreichend Süßigkeiten auf dem Zimmer.
Wertung: gut
DO. 28/07, 8:15 Weckruf
Der Weckruf kommt pünktlich. Ein höflicher Mitarbeiter spricht mich persönlich mit Namen an, nennt die Uhrzeit und wünscht mir noch einen schönen Tag. Einziges Manko: Der entsprechende Mitarbeiter erschreckt an beiden Tagen mit einer so finsteren Stimme, als käme sie von Darth Vader aus »Star Wars«.
Wertung: gut
9:38 Frühstücksbuffet
Das Frühstück wird von sieben bis elf Uhr im »Mediterraneo« angeboten – einem Restaurant, das durch sein entspanntes Ambiente und die Aussicht auf eine Lagune, die wie eine Oase mitten in der Stadt wirkt. Um halb zehn morgens bin ich der erste Gast. Die fast ausschließlich arabischen Gäste kommen erst knapp eine Stunde später. Präsentiert wird das Buffet optisch sehr übersichtlich und so appetitlich wie nicht oft zu erleben. Die gusseisernen Pfannen wirken wie aus Großmutters Küche, die Töpfchen und Schälchen sind blitzsauber, jeder von den Gästen verursachte »Schaden« wird umgehend weggewischt. Nicht weniger eindrucksvoll sind die Induktions-Herdplatten, auf denen viele Gerichte warmgehalten werden. Außerdem ist das Buffet nahezu geruchsfrei: An keiner Stelle herrscht dicke Luft. Alle Positionen sind beschriftet und äußerst bequem zu erreichen – darunter ausgezeichnete und überraschend frische Eggs Benedict. Weitere Eierspeisen werden auf Wunsch zubereitet. Nicht auf dem Buffet stehen – aus Rücksicht auf muslimische Essgewohnheiten – Schweineprodukte; für alle anderen gibt es aber auch Schweinespeck. Von hervorragender Machart sind die (Brat-)Kartoffeln sowie die Brot- und Brötchenauswahl.
Am größten fällt jedoch die arabische Abteilung mit Hummus, Falafel, Kibbeh, Fava-Bohnen und Auberginenmus aus – alles tadellose Produkte. Und auch das Angebot an Süßem ist der arabischen Esskultur entsprechend überproportional. Die Gebäck- stückchen schmecken sehr gut, noch besser ist das ungewöhnliche Brioche-Trio. Die Patisserie glänzt mit allerlei Hausgemachtem. An Aufschnitt gibt es kaum mehr als Hühnchenmortadella und auf Käse wird ganz verzichtet. Der Lachs hat eine gute Qualität und ich kann mir individuell einen Salat zusammenstellen. Die Obstauswahl ist gut, Erdbeeren und Ananas sind topp. Für meinen europäischen Gaumen zu süß sind allerdings die kandierten Früchte. Nicht wenig Platz nehmen Müslis und Joghurts in Bio-Qualität ein, von denen das Bircher Müsli einwandfrei ausfällt. Vieles steht in kleinen Gläschen bereit, was einen delikaten Eindruck macht und bewirkt, dass keine Reste bleiben. In Italien produzierte Marmeladen, Konfitüren und Honig von Armani stehen bereits auf dem Tisch.
Neben den Säften vom Buffet gibt es auf Nachfrage auch frischgepresste – von Melone über Apfel und Ananas bis hin zu Karotte. Der Tee in Cristal-Sachets von Dammann Frères, einer Tochter der italienischen Illy-Gruppe, schmeckt ausgezeichnet und wird besonders schön in einer silbernen Teekanne mit Hitzeschutz am Griff serviert. Der Cappuccino fällt ebenfalls hervorragend aus – wir sind schließlich in einem italienischen Hotel. Wie überall spürt man auch beim Frühstück die großartige Armani-Tischkultur, etwa bei den schweren silbernen Salz- und Pfefferstreuern. Alles ist perfekt eingedeckt – inklusive der schon bekannten geschmeidigen feinen Leinenservietten. Diese sind obendrein noch cappucci- nofarben und nicht blütenweiß, sodass sich nicht sofort jedes Fleckchen erschreckend abzeichnet. Bis auf ein russisches Pärchen und mich sind alle anderen Gäste arabischer Herkunft. Die Frauen treten zumeist schwarz verschleiert auf, während die Männer extrem salopp in Shorts, T-Shirts und Sandalen daherkommen. Der schmale Oberkellner in seinem engen schwarzen Armani-Anzug wirkt in diesem Umfeld sehr exotisch. Der übrige Service, zumeist asiatischer Herkunft und weiblich, arbeitet freundlich, aufmerksam und effizient. Benutztes wird stets umgehend ausgetauscht.
Allerdings wird mir noch bevor ich fertig bin – und damit zu schnell – die Rechnung zur Unterschrift gebracht.
Punkt elf Uhr macht eine freundliche Mitarbeiterin die Runde und fragt, ob es noch etwas vom Buffet sein darf, da dieses gleich abgeräumt werde. Die arabischen Gäste laden sich daraufhin ein letztes Mal die Teller randvoll. Ab zwölf Uhr wird der Frühstücksraum dannfür den Lunch und später für das Abendessen genutzt.
Wertung: sehr gut
Housekeeping
Dieses Mal hat das Housekeeping nicht durchgängig ordentlich gearbeitet. Die verbrauchte Bodylotion wurde nicht erneuert und von vier Markierungen im Bad hat das Zimmermädchen zwei übersehen – dort hat es also nicht geputzt. Außerdem liegen noch immer eine benutzte Badekappe auf dem Wohnzimmertisch und ein nasses Handtuch auf einem Lampenschirm daneben.
Wertung: mangelhaft
Schuhputzservice
In der Hotelinformation wird ein solcher Service angeboten. Allerdings kann man die Schuhe nicht einfach vor die Tür stellen, sondern muss das telefonisch anmelden. Als ich das tun möchte, behauptet die Mitarbeiterin, dass ein solcher Service nicht existiere – was sie nach Rücksprache aber gleich wieder korrigiert. Meine am Abend vor die Tür gestellten Schuhe werden dann umgehend gesäubert, jedoch nicht sofort retourniert, da das »Do not Disturb«-Zeichen aktiviert ist. Die Rückgabe erfolgt deshalb erst am nächsten Morgen auf einem schicken Silbertablett – alles blitzblank.
Wertung: gut
14:43 Spa
Zum Spa gehören neben Anwendungsräumen eine Sauna, Duschen und ein Außenpool. Die Dusch- und Umkleideräume werden gut in Schuss gehalten. Im Ruhebereich stehen angenehmerweise voneinander abgetrennte Liegekabinen, zudem gibt es genügend ausgesuchte Lektüre sowie Wasser, Tee und Obst. Im Wartebereich hingegen liegen keine Zeitschriften aus. Insgesamt ist die Abteilung sehr dunkel und es fällt schwer sich zu orientieren, zumal der Ruheraum nicht als solcher gekennzeichnet ist. Eine Führung erhalte ich erst auf gezielte Nachfrage. Mühe macht es auch, sich über die Spa-Angebote zu informieren: Auf dem Zimmer liegen weder Broschüren noch Flyer mit Informationen oder Preisen. Ich buche telefonisch einen Tag im Voraus eine Massage, die mir dankend bestätigt wird. Am Behandlungstag selbst konfrontiert man mich nach der höflichen Begrüßung sogleich mit den obligaten medizinischen Fragen zu Allergien und Herzproblemen. Danach heißt mich eine freundliche Therapeutin willkommen, die sich namentlich vorstellt.
Der Behandlungsraum ist klein, dunkel und nicht sonderlich charmant eingerichtet. Die zierliche asiatische Masseurin dagegen langt hin wie ein Sumoringer. Sie fragt, ob der Druck ausreichend sei. Mindestens genauso wichtig wären die Fragen nach der Kabinentemperatur und der Musik gewesen: Es ist kalt und zugig, die Musik besteht aus esoterisch-sphärischen Klängen, die nicht mein Geschmack sind. Handwerklich arbeitet die Dame gerade einmal durchschnittlich: Die Ganzkörpermassage bringt kein Wohlgefühl, keine Entspannung, keinen Energiegewinn. Vor allem ist der Aufenthalt im Spa kein emotionales Erlebnis. Und weder vor noch nach der Behandlung wird mir ein Tee oder Wasser angeboten. Die Kosten für diese 50 Minuten betragen 94 Euro.
Wertung: mangelhaft
Pool
Die recht einfach gestaltete Poolanlage macht einen sehr gepflegten Eindruck, wird vorbildlich geführt und liegt im dritten Stock des Burj Dubai. Der Blick fällt von hier auf Hochhäuser, Baustellen – und die deutlich attraktivere Poolanlage des benachbarten Hotels The Address.
Kaum bin ich eingetroffen, umsorgt mich jedes Mal sogleich ein freundlicher Mitarbeiter, wobei vor allem der asiatische starken Arbeitseinsatz zeigt. Das Personal ist sofort zur Stelle, wenn man es braucht, zieht sich aber immer wieder diskret zurück, um nicht aufdringlich oder gar observierend zu wirken. Neben gratis »Aqua Panna« in Plastikflaschen gibt es Erfrischungen in Form von Obstspießen und kalten Tüchern. Ausreichend Handtücher liegen bereit.
Wertung: gut
Lost & Found
Im Spa habe ich im Spint der Umkleidekabine meine Badehose »vergessen«, was von dem schon erwähnten aufmerksamen asiatischen Mitarbeiter bemerkt wird: Noch bevor ich die Abteilung verlassen kann, erreicht er mich und befragt mich zu dem Fundstück. Eine ähnliche Situation erlebe ich in der Bar: Hier trägt man mir sogleich meinen an der Theke zurückgelassenen Kugelschreiber hinterher.
Wertung: sehr gut
Flure, Aufzüge & Treppen
Alle Abteilungen sind sehr sauber und gut in Schuss. Es wird spartanisch dekoriert und deutliches Understatement gepflegt. Die Flure wirken wie eine einzige lange Wand; nur die Notausgänge haben Klinken. Die rund 1,70 Meter breiten Gänge sind dunkel und die Türen mit stilisierten Lampenschirm-Emblemen beleuchtet. Alles ist gut gelüftet und an manchen Stellen ist angenehm unaufdringliches Raumspray wahrzunehmen.
Die Aufzüge sind lediglich mit großen Spiegelflächen dekoriert und die Armaturen zwar edel, aber etwas zu niedrig angebracht. Zudem kann man kaum erkennen, welche Etage man drücken muss. Mit Treppen werde ich in diesem Hotel so gut wie nie konfrontiert.
Wertung: gut
Außenansicht
Der Burj Khalifa ist schmal wie ein Spargel; die Höhe von 828 Metern wirkt in Zahlen allerdings mächtiger als in natura. Die Außenanlagen inklusive der kleinen Raucherlounge neben dem Eingang werden penibel sauber gehalten. Der Armani-Schriftzug ist eher dezent, es bedarf aber auch keiner plakativen Hinweise: Jeder Taxifahrer kennt den Turm.
Wertung: gut
Sicherheitsaspekte
Die Fluchtwege sind zu jeder Tageszeit gut zu erkennen und bei verschiedenen Stichproben weder verschlossen noch durch Hindernisse versperrt. Versuche, meine Zimmernummer ausfindig zu machen, scheitern am guten Sicherheitsverständnis des Personals. Das Housekeeping arbeitet nicht sichtbar mit Gästelisten. Ein von mir vor der Rezeption abgestelltes und »vergessenes« Gepäckstück wird sofort bemerkt und mir hinterhergetragen.
Wertung: sehr gut
Messagetransfer
Ein Testfax erreicht mich innerhalb von schnellen zwölf Minuten auf dem Zimmer. Nicht gut ist jedoch, dass man mir dasselbige telefonisch ankündigt – und zwar um Mitternacht (»DnD« ist aktiviert).
Wertung: noch gut
»Lifestyle Manager«
Hinter diesem schicken Titel verbirgt sich eine allgemeine Servicenummer, die für alle Fälle aktiv wird, außer für den Roomservice.Der Lifestyle Manager ist damit im Grunde eine Serviceabteilung und dessen Kopf jener japanische Manager, der mich in Empfang nahm. Wie ich höre, kommt er nicht aus dem Hotelgewerbe und war zuvor im Modegeschäft. Seine Mitarbeiter sind stets sehr schnell zu erreichen. Beispielsweise bestätigten sie umgehend meine Reservierung fürs »Ristorante Armani« und bringen mir diese aufs Zimmer (die fürs »At.mosphere« allerdings nicht). Gleiches gilt für mein Ticket für das »Observatory Deck«, das nur von der nahen Dubai Mall aus zu erreichen ist und auf dessen Höhe von 452 Metern einen schnell und leise ein Spezialaufzug befördert. Zur Mall laufen muss ich bei 40 Grad Celsius allerdings nicht, sondern werde mit einem Buggy gefahren. Die Kosten dafür betragen umgerechnet rund 20 Euro.
Der Mechaniker für den defekten Fernseher im Wohnzimmer kommt hingegen erst nach über einer Stunde – kann dann aber sofort helfen. Vielleicht sah man dieses Problem als nicht so eilig an, da im Schlafzimmer ja noch ein weiteres Gerät steht. Darüber hinaus kam es zu einem ungünstigen Zeitpunkt vor – frühmorgens um acht Uhr –, dass die Servicenummer alias der Lifestyle Manager nicht zu erreichen ist und sich ein Anrufbeantworter meldet.
Wertung: sehr gut
Mitarbeiter
Grundsätzlich treten die Mitarbeiter sehr höflich auf, fast alle grüßen und sprechen mich persönlich mit Namen an. Wenn ich nach dem Weg frage – und ich frage sehr oft nach dem Weg – deuten sie nicht einfach in irgendeine Richtung, sondern eskortieren. Manche Mitarbeiter sind etwas unsicher, einige bereits mit Geldwechseln oder der Frage nach dem Zeitpunkt für den Sonnenuntergang überfordert.
Insgesamt ist das Hotel in der Mitarbeiterstruktur sehr international. Das Housekeeping besteht vor allem aus Asiaten, im Service der gastronomischen Outlets kommen in erster Linie Europäer zum Einsatz. Zudem begegnet man vielen russischen Mitarbeitern, deren Englisch meist schwer zu verstehen ist. Die Informationspolitik ist grundsätzlich schwach und ich werde bei zu vielen wichtigen Details im Unklaren gelassen – viele Mitarbeiter kennen ihr eigenes Hotel nicht. Als ich etwa gezielt nachfrage, ob ich oben in der Bar den Sonnenuntergang beobachten könne, heißt es, diese mache erst um 19 Uhr auf – was aber nur auf das Restaurant »At.mosphere« und nicht die dazugehörige Bar daneben zutrifft.
Wertung: noch gut
19:42 Restaurant »At.mosphere«
Ein Highspeed-Lift beamt die Gäste in weniger als einer Minute auf die 122. Etage und damit in 442 Meter Höhe – so leise und druckfrei, dass man es kaum bemerkt. Das hier untergebrachte »At.mosphere« bietet von überall einen fabelhaften Blick über Dubai, sogar von der Küche aus. Generell überzeugen Touristenattraktionen dieser Art gastronomisch eher selten – das »At.mosphere« ist eine Ausnahme und bewegt sich tatsächlich auf Sterne-Niveau. Küchenchef Dwayne Cheer verspricht saisonal ausgerichtete erstklassige Produkte und bietet viel Hausgemachtes mit persönlicher Note, geschmacksichere Kombinatioen sowie eine ideenreiche Präsentation. Gearbeitet wird mit ausgefeilter Logistik, denn vom 122. Stockwerk aus kann man nicht mal eben schnell ins Kühlhaus oder in den Weinkeller gehen. Die Gerichte wirken angenehm unangestrengt und überhaupt nicht kapriziös. Der Preis für ein Sechs-Gänge-Menü liegt dabei umgerechnet bei 150 Euro; die A-la-carte-Preise bewegen sich bei den Hauptgerichten zwischen 55 und 75 Euro. Als Appetitanreger kommen sogleich ein gebackenes Ziegenkäse-Minisandwich mit Chilisoße sowie hausgemachtes, noch dampfendes Brot mit Limonenbutter und selbstgemachter Tomaten-Chili-Paste. Der gedünstete Langostino mit gedämpfter Zucchiniblüte und knackig-süßen Kaiserschoten offenbart sich optisch und geschmacklich als sehr gelungene Kombination, wobei die Küche schonend mit den Grundprodukten umgeht und das Optimale an Aroma gewinnt.
Der bretonische Hummer wird pochiert und durch Rhabarberkompott, braune Vanillebutter und alten Balsamico pointiert. Ebenso ausgezeichnet schmeckt der saftig-pralle Heilbutt mit besonders feiner Briochekruste, schmelziger Kartoffelmousseline, dezenter Limonensa-bayon und marokkanisch gewürzten Datteln. Die Gänsestopfleber wird in verschiedenen Texturen serviert: gebraten, als Eis und gewürfelt, mit Süßweingelee und Ingwerbrot sowie mit geräuchertem Dinkelrisotto – eine superbe Melange. Einige Gerichte vom Lamm, Hühnchen, Rind und Maine-Hummer bereiten die Köche bei bis zu 400 Grad Celius sehr geschmacksintensiv im geschlossen Josper-Holzkohlegrill zu, damit Aroma und Saft bleiben. Dieser Spezialgrill aus Spanien ist derzeit bei Spitzenköchen wie Heston Blumenthal und Gordon Ramsey besonders beliebt und verstärkt im Einsatz. Zum Espresso gibt es warme, köstliche Madeleins und andere Petits Fours. Ein Blick in die Showküche zeigt heiter gestimmte Köche, die sichtlich Spaß an ihrer Arbeit haben und entsprechende Gute-Laune-Gerichte auf die Teller bringen. Die Plätze an der Küche sind bei den Gästen genauso beliebt wie die am Fenster – das Restaurant ist vollkommen ausgebucht. Es herrscht eine entspannte Stimmung und keine Flüsteratmosphäre wie in so vielen anderen Gourmettempeln.
Die Tische sind adrett und stilvoll eingedeckt, die Service- und Glaskultur stimmig. Der Service arbeitet sehr aufmerksam, flink und freundlich und ein Sommelier ist ebenfalls zur Stelle. Dieser kann sich auf eine gute Weinkarte stützen, die nicht – wie so oft in Dubai – von einem einzigen Weinlieferanten bestimmt wird, sondern eine individuelle Auswahl erkennen lässt. Allein das stattliche Champagnersortiment umfasst ein gutes Dutzend Edelperlen in Übergrößen von 1,5 bis neun Litern – denn selbst ein Salmanazar wird in Dubai, wo gern alles eine Nummer größer ausfallen darf, nicht selten bestellt. Die Weinkarte ist international, aber nicht beliebig, und die Preise entsprechen der Höhe des Burj Khalifa. Ihr Schwerpunkt liegt auf Frankreich; Deutschland spielt keine Rolle. Darüber hinaus enthält die Karte neben einem roten auch einen sehr guten, nicht oft zu bekommenden weißen Châteauneuf-du-Pape von Mont-Redon, der sogar glasweise zu jeweils 30 Euro ausgeschenkt wird.
Wertung: sehr gut
»Bar 122«
Die »Bar 122« ist ein eigenständiges Lokal und kein bloßer Restaurantanhang. Man genießt von hier aus eine ähnliche Panoramasicht wie im »At.mosphere«, weshalb die Fensterplätze besonders begehrt sind. Insgesamt gibt es 120 Plätze inklusive einer Raucherabteilung, was eher selten vorkommt in Dubai. Schön in Szene gesetzt wird die Bar durch Mahagoni und stylishes Rot. Und während es draußen mollige 40 Grad Celsius hat, sitzt man hier wie in einer Tiefkühltruhe, die zudem ein DJ viel zu laut beschallt. Der Barservice jedoch ist sehr freundlich, aufmerksam und legt mir umgehend die Karte vor.
Da die meisten Gäste unmittelbar am Fenster sitzen wollen, übersehen sie die kleine runde Bar am Eingang. Dort kann man Bekanntschaft mit einem hellwachen, hoch talentierten Barkeeper aus Sri Lanka machen: Alles, was S. aus dem Mixer schüttelt, hat Klasse. Seine Drinks sind ausgesprochen ausbalanciert und perfekt in der Zusammenstellung. Selbst Klassiker wie der »Singapore Sling«, der »Margarita« oder der »Mojito«, die oft nur durchschnittlich zubereitet werden, vermitteln dank S. wieder viel Freude. Die Kosten dafür liegen im Schnitt bei 13 Euro. Das übrige Spirituosensortiment ist ebenfalls gut, wobei der Schwerpunkt auf Martinis liegt – der Birnen-Mandel-Martini etwa fällt sehr harmonisch aus. Die Weine kommen nicht nur perfekt temperiert, sondern auch in passenden stilvollen Gläsern auf den Tisch. Gereicht wird zu allen Getränken eine Nussmischung inklusive Löffeln und Servietten. Für den kleinen Hunger werden neben den üblichen Barsnacks auch einige sehr originelle Gerichte angeboten – von Pizza mit geräuchertem Wagyu-Beef, Avocado, Korianderkresse und Rucola über Bio-Chicken-Burger bis hin zu orientalischen Lammkoteletts mit Harissa-Gewürzpaste.Eine sehr gute Auswahl an kubanischen und anderen Zigarren im Humidor komplettiert das durchweg positive Bild der Bar.
Wertung: sehr gut
FR. 29/07, 10:21 Etagenfrühstück
Ich bestelle für 35 Euro das amerikanische Frühstück, die freundliche Mitarbeiterin wiederholt die Details der Bestellung, gibt eine Servierzeit von 35 bis 40 Minuten an und bedankt sich anschließend. Gebracht wird mir das Bestellte innerhalb dieser Zeit in einem schicken turmhohen, vollkommen geschlossenen Schiebewagen, der eher an einen noblen Rollkoffer als an einen banalen Trolley erinnert. Er ist mit einer Hotbox ausgestattet und hat bequem zu erreichende Schubfächer: Der sehr freundliche, mehrsprachige Mitarbeiter aus Marokko kann so in aufrechter Haltung alle Positionen entnehmen, um sie vorbildlich auf dem Tisch im Zimmer anzurichten: zwei perfekte Spiegeleier, wie gewünscht Sunny Side Up, mit gutem Speck, Ofentomaten, ein wenig Bratkartoffeln, einer halben lila Kartoffel, gebratenen Pilzen, grünem Spargel, Burgunderbutter, perfektem Toast und sehr guten Gebäckstückchen.
Die mundgerecht geschnittenen, hübsch angerichteten Obststücke und die Beeren fallen ausgezeichnet aus. Wie auf dem Buffet gibt es auch fürs Zimmerfrühstück die Armani-Marmelade und die exzellenten Tees.
Die Heißwasser-Thermoskanne riecht nicht nach Kaffee, was ja leider eher selten ist, und auch an den Abfallbehälter für die Teebeutel wurde gedacht. Der frisch gepresste Karottensaft kommt in einem großen Glas. Insgesamt ist das Zimmerfrühstück nicht überladen und maßgeschneidert für eine Person.
Wertung: sehr gut
11:58 Check-out
Ich werde gebeten, vor der Rezeption Platz zu nehmen, bis die Rechnung fertig wäre. Als dem dann so ist, umrundet die Mitarbeiterin die Rezeption – die Barriere zwischen Hotel und Gast – kommt zu mir und geht mit mir jedes Detail der Rechnung durch – die korrekt ist und sich auf 1482 Euro beläuft. Das wirkt sehr persönlich und sympathisch, wobei der ganze Abreisevorgang keine fünf Minuten dauert. Dennoch fand Frau A.-L. Zeit, sich bei mir über den Aufenthalt zu erkundigen.
Zum Schluss verabschiedet sie sich freundlich und wünscht mir eine gute Heimreise. Das Gepäck wurde inzwischen in das vorbestellte Taxi geladen und ich werde auch von den Doormen höflich verabschiedet.
Wertung: sehr gut
Bilanz
Ein weltbekannter Designername muss noch lange nicht gute Hotelleistungen garantieren. Ja, man ist sogar eher dazu geneigt, einem solchen Unternehmen skeptisch gegenüberzustehen: Ein Luxusschneider ist schließlich kein Hotelier. Doch das Armani Hotel im Burj Khalifa glänzt nicht nur in puncto Einrichtung und Dekor, sondern auch die gastronomischen Outlets überzeugen mit ausgezeichneten Leistungen. Die F&B-Abteilung leistete durchweg hervorragende Arbeit. Bei den 600 Angestellten allerdings ist man durchgängig nicht ganz so gut aufgestellt, fehlt es einigen doch an exakten Kenntnissen zum Hotel. Vor allem Rezeption, Housekeeping und Spa sind noch verbesserungswürdig. Trotzdem hat das Armani Hotel in nur kurzer Zeit seinen Weg nach oben gefunden – in einem so starken Markt wie Dubai ist das auch die einzige Chance. Was Qualitätsbewusstsein, Individualität und Stil betrifft, liegt das Armani Hotel im Scheichtum sicherlich ganz weit vorn.
Gesamteindruck: 92 %
Testurteil: sehr gut
100-81 sehr gut; 80-61 gut; 60-41 befriedigend; 40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend.
Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!