Seit 1992 fühlt Top hotel den Vorzeigebetrieben der gastlichen Branche auf den Zahn. Standen bislang ausschließlich Hotels der Luxuskategorie im Fokus der Tester, hat Top hotel im vergangenen Jahr seine Mystery Checks auf das Business- bzw. Wellness-Segment ausgedehnt. Dieses Mal im Test: das Estrel in Berlin
MO. 28/02, 16:05; Telefonische Reservierung
Frau G. wirkt zunächst verhalten freundlich, taut aber im Verlauf des Gesprächs hörbar auf. Nachdem klar ist, dass ich weder an einer Veranstaltung teilnehme, noch über eine Firmenrate buche, bietet sie mir die günstigste Tagesrate für das Standard-Einzelzimmer an: 128 Euro zuzüglich 18 Euro fürs Frühstück – ohne Alternative. Als ich auch an anderen Zimmerkategorien und am Hotel als solchem Interesse zeige, kommt die Reservierungsmitarbeiterin in Schwung. Das Formelle erledigt Frau G. korrekt: Sie vermerkt meine frühe Anreise, lässt sich den schwierigen Straßennamen meiner Adresse buchstabieren, offeriert Tischreservierung sowie Anfahrtsbeschreibung und fragt nach, ob ich eine bestimmte Zimmerlage, zum Beispiel in einem der oberen Stockwerke, bevorzuge. Das berühmte i-Tüpfelchen wäre gewesen, mir eine Massage nahe zu legen, als ich mich nach Sauna und Fitness erkundige. So könnte man diese – wie ich bei meinem Besuch feststelle – qualitativ wirklich gute Abteilung pushen. Am Ende des Telefonats wiederholt Frau G. die getroffenen Vereinbarungen, bedankt sich für meine Buchung und erkundigt sich, ob ich noch Fragen oder Wünsche habe – eine ebenso nützliche wie bei Reservierungsgesprächen selten gestellte Frage. Da dem nicht so ist, verbleiben wir gegenseitig mit guten Wünschen für einen schönen Tag. Die Reservierungsbestätigung ist schon am nächsten Morgen in der Post: fehlerfrei und mit allen gewünschten Informationen und Broschüren.
Wertung: sehr gut
Internetauftritt / Onlinebuchung
So viele Informationen so kompakt dargestellt – das freut den Business-User, der sich zügig informieren will. Die Homepage des Estrel ist grafisch glasklar gestaltet und ebenso übersichtlich wie informativ. Gegliedert in »Hotel«, »Convention Center« und »Entertainment« leitet die Seite den Besucher genau da hin, wo er hin will; ein Buchungsbutton und die Übersicht über Aktuelles komplettieren die Startseite. Wer eine Tagung plant, kann die Bankettmappe entweder komplett herunterladen oder sich nur auf einzelne Features beschränken. Ein E-Mail-Anfrageformular ist ebenfalls vorhanden. Die Onlinebuchung funktioniert unkompliziert und listet dieselben Preise, die telefonisch oder bei HRS angeboten werden. Die Bestätigung lässt sich sofort ausdrucken, erfolgt jedoch auch noch einmal automatisch generiert per E-Mail.
Wertung: sehr gut
Lage / Anfahrt
Die Sonnenallee, an der das Estrel liegt, ist trotz des hübschen Namens eine verkehrsreiche, mehrspurige und laute Straße im Osten Berlins. Einen idyllischeren Anblick bietet da der Spreekanal auf der Eingangsseite des Hotels. Hier kann man im Sommer auch per Schiff anreisen – und direkt im Biergarten des Estrel stranden.Auf dem Landweg ist Deutschlands größtes Hotel mit 1125 Zimmern ebenfalls gut zu erreichen. Die Stadtautobahn ist nah und mit öffentlichen Verkehrsmitteln braucht man sowohl vom Flughafen als auch vom Hauptbahnhof etwa 45 Minuten. Mit dem Taxi geht es ebenfalls nicht viel schneller. Wer mit dem eigenen Pkw anreist und kostenlos parken will, muss ein Stück laufen: Die 450 Stellplätze in der Hoteltiefgarage kosten je 15 Euro am Tag.
Wertung: gut
MI. 23/03; Anreise
Wäre das Hotelgebäude nicht so groß und in seiner Form markant, könnte man am Tag meiner Anreise denken, es handele sich um eine riesige Tankstelle. Tatsächlich weisen die zahllosen blauen Flaggen vor dem Eingang jedoch »nur« auf die Großveranstaltung einer Tankstellenkette hin. Auch in der Lobby und dem mehrstöckig offenen Atrium informieren mich große, blaue, auf die Spitze gestellte Quadrate, dass bei dieser Kette »alles super« ist. Was das sonstige Erscheinungsbild des Hotels betrifft, so gibt es – bis auf einen etwas schmutzverfärbten Teppich im Entree – nichts zu beanstanden.
Wertung: sehr gut
12:45; Check-in
Der Page hinter der Eingangstür grüßt mich zwar freundlich, nimmt sich aber weder meines Gepäcks an, noch zeigt er mir den Weg zur rechts gelegenen Rezeption, sodass ich erst einmal links beim Concierge und der Theaterkasse lande. An der Rezeption schließlich werde ich nett begrüßt und willkommen geheißen. Das Anmeldeformular muss ich nur noch unterschreiben; die Details meiner Reservierung werden allerdings nicht noch einmal abgeglichen. Dass ich keine Kreditkarte vorlegen kann, übergeht der adrett gekleidete Herr konziliant und er bittet auch nicht um Vorkasse. Dafür beschreibt er mir kurz den Weg zum Zimmer und wünscht mir einen angenehmen Aufenthalt. Leider erhalte ich von ihm keine Informationen zum Hotel – etwa die Frühstücks- oder Saunaöffnungszeiten. Ebenso nützlich wäre der Hinweis gewesen, dass aufgrund der Großveranstaltung – richtig: Tankstellen – nur ein einziges Restaurant für sonstige Gäste geöffnet hat.
Wertung: gut
Zimmer 11305
Zimmer 11305 liegt im 13. Stock und erlaubt einen weiten Blick über den Osten Berlins. Es gehört zur Kategorie Deluxe und kostet 143 Euro pro Nacht ohne Frühstück. Wie alle Zimmer im Estrel wurde es vor Kurzem erst renoviert und in modernem, edel-schlichtem Design gestaltet. Die Naturtöne und die kubischen Formen der Möbel sorgen dabei für eine angenehme und ruhige Atmosphäre. Schade nur, dass der großzügige, nicht ganz rechtwinklige Raum ein relativ kleines Fenster hat, aber daran ändert natürlich auch eine Renovierung nichts. Auf jeden Fall ist dieses Fenster gut isoliert, was bei dem außen herrschenden Geräuschpegel – vor allem in den unteren Stockwerken – nicht unwichtig ist. Zudem lässt es sich erfreulicherweise kippen. Für angenehme Temperaturen sorgen eine leise arbeitende Klimaanlage und ein separat zu regulierender Heizkörper. Die Möblierung besteht aus einem Doppelbett vor einer hohen, lederbespannten Rückwand, einer bequemen Sitzecke und einem komfortablen, im 90-Grad-Winkel zur Wand gestellten Schreibtisch. Letzerer ist zugleich so breit, dass darauf sogar noch ein rund um die eigene Achse drehbarer Flachbildschirm Platz findet, ohne zu stören. Schön ist außerdem, dass es sich bei Zimmer 11305 nicht um die klassische Tür-auf-rechts-Bad-links-Schrank-geradeaus-Lösung handelt, sondern ich mich nach dem Türöffnen gleich mitten im Raum befinde. Der Schrank steht neben dem Bett und bietet genügend Stauraum. Allerdings hätte man ruhig etwas mehr Geld in ordentliche Kleiderbügel investieren können – die acht vorhandenen sind billigste Plastikware. Darüber hinaus gibt es im Schrank zwar eine Minibar, aber keinen Zimmersafe – Wertsachen müssen in Schließfächern an der Rezeption deponiert werden.
Die Minibar ist laut Preisliste üppig und vielseitig bestückt – nur fehlen im Kühlschrank selbst mehrere der angeführten Artikel, darunter auch der Paris-Hilton-Prosecco »Rich« und die Spreewaldhof-Gurke »Get One«. Ob Bier, Wein, Saft oder Sekt – alles muss aus zwei kleinen Stielgläsern mit Werbeaufdruck getrunken werden – das ist genauso wenig standesgemäß wie die Kleiderbügel. Als groß und nützlich erweist sich hingegen die breite Kofferbank. Zudem ist das Zimmer angenehm und sinnvoll ausgeleuchtet. Und die Ausstattung auf dem Schreibtisch stimmt ebenfalls: Hotelinformationen, Gäste A-Z, Schreibzeug, TV-Zeitung – alles vorhanden und trotzdem noch genügend Platz zum Arbeiten. Das Formular zum Quick-Check-out wurde allerdings schon von Herrn Pilz ausgefüllt – am 5. Oktober 2010. Der Internetzugang per Kabel funktioniert leicht und schnell, kostet allerdings drei Euro pro Stunde bzw. 24 Euro für 24 Stunden. Schade ist auch, dass es nur eine Steckdose am Schreibtisch gibt. Von den 40 Fernsehkanälen sind einige nicht wie ausgeschildert belegt, dafür gibt es zusätzlich Radiokanäle. Sky wird als Bezahlfernsehen angeboten – entweder mit oder ohne »Blue Movies«. Das Zimmer ist picobello sauber – sieht man einmal ab von der dicken Staubschicht auf den Türrahmen und den Farbspritzern auf dem großen Spiegel. Beides stammt sicher noch von der Renovierung.
Wertung: noch sehr gut
Badezimmer
Das Bad fällt im Vergleich zum Zimmer bescheiden aus und blieb wohl bei der Renovierung außen vor. Zu zweit kann man sich hier drin kaum bewegen. Es gibt eine Badewanne, in der man auch duschen kann, einen Waschtisch mit ausreichend Ablagefläche, einen beleuchteten Kosmetikspiegel und natürlich die Toilette. Letztere hat nicht nur den viel zitierten Sprung in der Schüssel, sondern gleich mehrere davon. Darüber hinaus sind zu bemängeln: die leichte Sporenbildung an zwei Fugenstellen und die Tatsache, dass sich die beschichteten Streifen lösen, die in der Badewanne für Rutschfestigkeit sorgen sollen. Ansonsten ist das Bad sehr sauber. Seife und Duschgel kommen aus dem Spender, aber immerhin von Bogner.
Wertung: gut
Housekeeping
Die Mitarbeiterinnen des Housekeepings tragen adrette Berufskleidung samt Namensschildern und grüßen höflich. Die Etagenwagen machen einen aufgeräumten Eindruck und stehen während der Zimmerreinigung korrekt mit der offenen Seite vor der ebenfalls offenen Zimmertür. Ein Bademantel sowie die gewünschte Nackenrolle werden mir innerhalb von 15 Minuten aufs Zimmer gebracht und von der Hausdame mit einem ebenso freundlichen wie typisch berlinerischen »Muss so gehen, wa?« überreicht.
Wertung: sehr gut
Sicherheit
In puncto Sicherheit werden fast alle Kriterien erfüllt. Die Housekeeping-Räume auf den einzelnen Etagen sind mit Kartenschlössern gesichert und auf den Reinigungswagen liegen keine Zimmerlisten sichtbar aus. Als ich am Empfang um eine Ersatzschlüsselkarte bitte, muss ich mich korrekterweise ausweisen. Bedenklich ist allerdings, dass im ersten Stock von Flügel 1 in dem Flur, der zu Sauna und Fitnessraum führt, vormittags all jene Türen verschlossen sind, die als Fluchtwege ausgeschildert wurden: die Treppenhaustür, die Tür zu den Saunen und die Tür zum Zwischenflügel.
Wertung: noch gut
Frontoffice
Schon vorab fiel mir bei mehreren Anrufen im Hotel die natürliche, ungezwungene Freundlichkeit der Mitarbeiter auf. Vor Ort bestätigt sich dieser Eindruck. Man zeigt sich hilfsbereit und herzlich und was die Rezeptionistin am Abend nicht 100-prozentig zu beantworten wusste, ergänzt der Concierge am nächsten Morgen aufs Ausführlichste. Wer sich wecken lassen möchte, wird gebeten, dies mithilfe des Telefons zu tun – dass ein persönlicher Weckruf bei so vielen Gäs-ten kaum machbar ist, lässt sich nachvollziehen. Gästen, die im Hotel arbeiten müssen und entsprechendes Equipment brauchen, steht ein komplett ausgestattetes, schickes Business Center zur Verfügung. Dessen Nutzung kostet drei Euro pro halbe und fünf Euro pro ganze Stunde – selbst der, der nur ein Dokument ausdrucken möchte, muss dafür löhnen. Ein vorab geschicktes Fax wird mir bei meiner Anreise korrekt in einem geschlossenen Umschlag überreicht, ein Anruf an das Mailboxsystem weitergeleitet und eine Nachricht via TV-Bildschirm übermittelt.
Wertung: sehr gut
Öffentliche Bereiche
Bei den Treppenhäusern der Wohnflügel handelt es sich um reine Fluchttreppenhäuser, in denen noch Farbspritzer und fleckige Betonböden von der jüngsten Renovierungsphase zeugen. Ansonsten präsentieren sich die öffentlichen Bereiche des Hotels sehr gut gepflegt und instand gehalten. Lediglich der Teppichboden in den häufig frequentierten Fluren des Erdgeschosses ist etwas abgetreten und fleckig.
Wertung: sehr gut
Restaurant Portofino
Bereits beim Imbiss am Mittag – eine überaus erfreuliche Angelegenheit – hatte mir der sympathische Restaurantleiter des »Portofino« eröffnet, dass das italienische Restaurant auch am Abend die einzige Möglichkeit sei, innerhalb des Hotels zu speisen. Die anderen Restaurants auf der Piazza des Estrel-Atriums – das euro-asiatische und das internationale Spezialitätenrestaurant sowie die »Altberliner Stube« – seien entweder geschlossen oder würden von den 700 Gästen in Tankstellen-Blau genutzt. Letztere erzeugen zudem eine überaus laute Geräuschkulisse, sodass ich mich gern, wie vom Restaurantleiter vorgeschlagen, ins Innere des »Portofino« zurückziehe. Dort werde ich nett und aufmerksam umsorgt von Herrn A., dem Restaurantleiter, und Kellner T.
Die Karte macht Lust aufs Essen und hält nicht nur anspruchsvollere italienische Küche bereit, sondern auch eine Wochenempfehlung sowie Pizza und Pasta. Es ist kein Problem, die Hauptspeise als kleine Portion zu bestellen und T.s Weinempfehlung passt. Als heftigen Ausrutscher muss ich allerdings seine Reaktion auf meine Bitte werten, den Trebbiano gut gekühlt zu servieren: Er stellt einfach ein Glas mit Eiswürfeln dazu. Die Eiswürfel hätte er besser zum Kühlen der kleinen Karaffe verwendet. Ich bin allerdings tatsächlich kurzfristig versucht, das Eis zu nutzen, denn der Wein ist definitiv zu warm. Lecker schmecken das in zwei Versionen angebotene Ciabatta mit gekräuterten Oliven und das Amuse-Gueule: warmer Linsensalat und drei Scheibchen eines Lachs-Frischkäse-Crêpe. Gleiches gilt für das Carpaccio mit Rucola, Kirschtomaten und Parmesanspänen.
Am besten munden allerdings die nach Inhaber Ekkehard Streletzki benannten Spaghetti mit würziger Tomatensauce, Flusskrebsschwänzen und Riesengarnelen. Schade nur, dass die Speisen in so rascher Folge aus der gläsernen Showküche geschickt werden, dass ich vom Betreten des Restaurants bis zum abschließenden Espresso kaum 50 Minuten zu Gast war – fast habe ich den Eindruck, man wolle mich schnell wieder los werden. Da allerdings das Atrium aufgrund der Großveranstaltung nicht sowieso nicht sonderlich zum Verweilen einlädt, bin ich darüber nicht böse.
Wertung: sehr gut
21:00 ; »Atriumbar«
Die »Atriumbar« sieht aus wie ein Pavillon, ist umgeben von vielen kleinen Tischen und befindet sich am Ende der Piazza zum Convention Center hin. Warum es hier allerdings so unangenehm zieht, erklärt sich mir nicht. Noch ist wenig los an der Bar und ich nehme auf einem der Hocker am Tresen Platz. Dieser recht tiefe Tresen und die niedrige Decke des Pavillons behindern ein bisschen die Kommunikation mit Barkeeperin J., die aber sowieso keine Zeit zum Plaudern hat: Fast alle Getränke muss sie allein zubereiten, während die anderen Servicekräfte »draußen« bedienen.
Die junge, adrett in Uniform gekleidete Frau scheint zudem auch wenig Lust auf ein Gespräch zu haben. Mein Versuch, mich mit ihr zu unterhalten, während sie meinen Cocktail zubereitet, scheitert kläglich. Immerhin ist J. bereit, mir eine Margarita zu mixen, obwohl diese nicht auf der wenig originellen Barkarte steht. Vom Mischungsverhältnis her gelingt ihr diese weitgehend, allerdings fehlt das richtige, grobkörnige Salz für den Glasrand, gerät die Menge des Getränks zu gering und wird der Cocktail nicht kalt genug serviert. Das lieblos abgehobelte Stück Zitronenschale, das in der trüben Flüssigkeit schwimmt, lässt die Margarita zudem wenig attraktiv aussehen.
Wenig attraktiv ist es übrigens auch, allein hier zu sitzen. Vom Trubel auf der Piazza bekommt man wenig mit, es zieht, wie gesagt, und es gibt noch nicht einmal ein paar Erdnüsschen, mit denen man sich die Zeit vertreiben könnte. Vielleicht ist die Atmosphäre angenehmer, wenn mehr Gäste die Bar bevölkern, aber darauf zu warten, habe ich keine Lust.
Wertung: noch befriedigend
DO. 24/03, 7:50; Frühstücksbuffet
Die Servicecrew beim Frühstück verdient meine Hochachtung. Bewusst erscheine ich zu einem Zeitpunkt, an dem ich mich in Gesellschaft von 700 Tankstelleninhabern und -pächtern wähne – was gut klappt. Kurz vor acht Uhr kann ich mir meinen Platz noch aussuchen, doch nur wenige Minuten später ist das weitläufige Atrium bis auf den letzten Tisch besetzt. Und? Bringt das die Servicemitarbeiter aus der Ruhe? Nein! Freundlich wird jeder Gast nach seinem Getränkewunsch gefragt und mein Sonderwunsch nach einem frisch gepressten Orangensaft ohne Murren erfüllt – wenn auch gegen Aufpreis von sechs Euro zum Frühstückspreis von 18 Euro. Mit Übersicht und Ruhe räumt der Service benutztes Geschirr ab und fragt dabei immer höflich, ob das auch so recht sei. Mit ebenso viel Übersicht und Aufmerksamkeit füllen dienstbare Geister ständig die an mehreren Stellen aufgebauten Buffets auf, sodass es an keiner Stelle und zu keinem Zeitpunkt zu Engpässen kommt. Nun gut, wird man sagen, bei über 1125 Zimmern sind solche morgendlichen Gruppenüberfälle keine Ausnahme – das heißt aber noch lange nicht, dass der Service deshalb automatisch so gut funktioniert. Darum: Chapeau.
Was Speisen und Getränke anbelangt, bietet das Buffet keine große Überraschung, aber alles, was ein ordentliches Vier-Sterne-Frühstück beinhalten sollte. Ein schmackhaftes Rührei samt Speck, kleinen Frikadellen und Nürnberger Würstchen gehört ebenso dazu wie Spiegeleier, die beim Service bestellt werden können. Darüber hinaus gibt es: eine gute Auswahl an Wurst, Schinken und Käse, einige Salate und Fischangebote, frisches Obst und Gemüse sowie eine umfassende Auswahl an Cerealien inklusive Nüssen, Kernen und Trockenobst. Besonders hervorzuheben sind die Landbrote von Demeter und die Top-Qualität des frisch zubereiteten Estrel-Müslis. Orangensaft, Apfelsaft und Multivitaminnektar stehen in Dispensern bereit; am Teebuffet gibt es frische Zitrone und Kandiszucker. Normaler Kaffee steht vorbereitet in Kannen auf den Tischen, aber auch Milchkaffee und Latte Macchiato werden ohne Aufpreis serviert. Gäste, die am Stehpult am Eingang zum Atrium ihr Kärtchen abgeben, mit dessen Hilfe das Frühstück auf die Zimmerrechnung gebucht wird, können sich von ebenda kostenlos eine aktuelle Zeitung mit an den Tisch nehmen.
Wer in den Krümeln suchen will, kann bemängeln, dass es auf dem Buffet keine fettarmen Milchprodukte gibt und keinen frischen Obstsalat (wer möchte für so viele Gäste auch schnippeln…), dass die Beschilderung bei den Cerealien fehlt und dass die Blume auf dem Tisch schon ziemlich welk ist.
Wertung: sehr gut
Sauna / Fitness
Nur nach dezidierter Suche finde ich auf der Estrel-Homepage unter »Hotel - Besondere Services« die Begriffe Sauna und Wellness. In den Broschüren des Hotels ist dieses Angebot ebenfalls kaum erwähnt. Dabei gibt es nicht nur einen Fitnessraum, zwei Saunen und ein Solarium, sondern auch eine Getränke- und Snackbar sowie ein richtig attraktives Massageangebot. Vor Ort offenbart sich mir der Grund für die vornehme Zurückhaltung: Der Saunabereich ist in die Jahre gekommen und nicht mehr zeitgemäß. Zwar sind Saunen und Duschen sauber und nutzbar, aber kein Angebot, das man als attraktiv bezeichnen könnte. Kein Wunder, dass sich Betreuer Sch. schon sehr auf den Umbau und die Renovierung des Bereichs im Juli freut. Welcher Stil dabei wohl einziehen wird, zeigt schon jetzt der neu gestaltete, hübsche Ruheraum mit seinen formschönen Liegen, den sanften Farben und den Holzlamellen vor den Fenstern. Ebenfalls jetzt schon toll: der sympathische Herr Sch., der dem Gast hier richtig Service angedeihen lässt.
Mich heißt er bei meinem Eintritt herzlich willkommen und überreicht mir zwei Handtücher. Überhaupt ist er sehr beflissen und dienstleistungsbereit. Schon am Telefon konnte mir der junge Mann einen guten Überblick über das Massageangebot geben und mir versichern, dass es sich bei Masseur H. um einen ausgebildeten Physiotherapeuten handele, der sich meines malträtierten Schulter-Nacken-Bereiches ganz sicher kompetent annehmen werde. So geschieht es auch und ich könnte die gute, klassische Teilkörpermassage in dem kleinen Massageraum beinahe genießen, wäre der Geräuschpegel von der Straße nicht so enorm hoch. Bleibt nur zu hoffen, dass bei der Renovierung im Sommer sämtliche Fenster durch schalldichte Exemplare ersetzt werden.
Der Fitnessraum ist mit einigen qualitativ ordentlichen Ergometern und einem Multifunktions-Muskeltrainingsgerät gut ausgestattet. Es gibt Tageslicht, Wasser, Handtücher und einen Fernseher. Allerdings ist das Kurzhantelsortiment nicht mehr vollzählig und die Matte unter der Hantelbank beschädigt.
Wertung:gut
Check-out
Mein Check-Out verläuft freundlich, zügig und professionell. Die Mitarbeiterin listet keine Summen, sondern nur die Art der einzelnen Positionen auf – zweimal Restaurant, Massage, Trinkgeld… – und dies in dezentem Ton. Allerdings vergisst sie, mich nach dem Minibarverzehr zu fragen, wodurch sich die Rechnung auf 296 Euro beläuft. Ebenso unterbleibt die Frage, wie es mir im Hotel gefallen bzw. ob ich einen angenehmen Aufenthalt gehabt habe. Obwohl ich darum bitte, Zimmer und Internetzugang noch einige Zeit nutzen zu dürfen, bin ich ausgecheckt und muss vom Zimmer aus noch einmal daran erinnern, mich wieder einzuchecken, da sonst der Internetzugang nicht freigeschaltet ist. Bevor ich das Hotel endgültig verlasse, zahle ich noch meine Minibarrechnung und die neu angefallenen Internetgebühren – insgesamt 8,50 Euro. Die Mitarbeiterin bedankt sich herzlich, wünscht mir einen schönen Tag und eine gute Heimreise. Wertung: gut
MO. 28/03, 11:50; Telefonische Bankettanfrage
Ein Viertelstündchen plaudere ich sehr angenehm mit Herrn N. von der Bankettabteilung. Der sympathische und kompetente Assistant Convention & Event vermittelt mir glaubhaft, dass in einem Haus, in dem man Veranstaltungen mit bis zu 5000 Personen durchführen kann, auch ein Seminar mit 25 anspruchsvollen Teilnehmern nicht in der Masse untergeht. Tatsächlich erkundigt sich Herr N., um welche Art Seminar es sich exakt und inwiefern es sich um anspruchsvolle Gäste handelt. Damit ist er vielen seiner Kollegen, die sich lediglich durch die gängigsten Anforderungen fragen, voraus. Was Herr N. dann vorschlägt, orientiert sich an den von mir genannten Anforderungen. Immer wieder betont er Vorteil und Nutzen des angebotenen Packages – beispielsweise, dass der persönliche Ansprechpartner für die Tagung immer greifbar sei, da dem Seminarleiter ein Handy mit einprogrammierter Durchwahl zur Verfügung gestellt werde. Solche Details schaffen Vertrauen – und Sicherheit ist beim Buchen von Veranstaltungen ein wichtiges Kauf- kriterium.
Das schriftliche Angebot kommt pünktlich per E-Mail, ist optisch und inhaltlich gut aufbereitet und gibt meine Anforderungen korrekt wieder. Das Angebot ist mit einem Optionsdatum versehen und enthält sowohl die Durchwahl von Herrn N. als auch seine E-Mail-Adresse. Bis auf einige Details wurde meine Anfrage sorgfältig bearbeitet.
Wertung: gut
Bilanz
Dass das Estrel Berlin als größtes Hotel Deutschlands in einem Businesshotel-Test ein »Sehr gut« erzielt, darf als außergewöhnliche Leistung gelten. Hier zeigt sich, dass Masse nicht automatisch einen Verlust an Klasse bedeuten muss. Vielmehr beweist das Estrel, dass sich die kontinuierliche Investition in die Hardware und die offensichtlich ebenso kontinuierliche wie intensive Schulung der Mitarbeiter unbedingt bezahlt machen. Natürlich dominieren Großveranstaltungen in einem solchen Haus die Atmosphäre, weshalb jeder Mitarbeiter umso mehr gefordert ist, auch Einzelgästen das Gefühl zu geben, genauso wichtig zu sein wie große Gruppen. Das gelang dem Team bei meinem Besuch im Estrel prima – von der kleinen Ausnahme in der Bar abgesehen. Sehr gute gastronomische Leistungen und die top-renovierten, komfortablen Zimmer rundeten den Eindruck positiv ab.
Ergebnis: 83%
Testurteil: sehr gut
100-81 sehr gut; 80-61 gut; 60-41 befriedigend; 40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend.
Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!