Neue Reisende, neue Reiseziele und veränderte Nachfragemuster werden den Tourismus in Europa im kommenden Jahrzehnt prägen. Das geht aus einer neuen Studie von Accor hervor.
Rund eine Milliarde zusätzliche internationale Übernachtungen pro Jahr: So groß ist der Zuwachs, den eine neue Studie der Hospitality-Gruppe Accor für den Tourismus in Europa bis 2036 erwartet. Die Analyse beruht auf einer von Accor Auswertung der Prognosen von Tourism Economics aus dem Juni 2026. Demnach prägen neue Reisende, neue Reiseziele und veränderte Nachfragemuster das kommende Jahrzehnt. Die Nachfrage nach touristischen Übernachtungen soll zwischen 2026 und 2036 in Europa um 32 Prozent steigen, in Deutschland um 24 Prozent.
Internationale Gäste treiben das Wachstum
Den größten Anteil am Wachstum trägt laut Studie das internationale Reiseaufkommen. Die internationalen Übernachtungen sollen europaweit um 42 Prozent zunehmen, in Deutschland um 29 Prozent. Bei den inländischen Übernachtungen rechnet die Analyse mit einem Plus von 24 Prozent in Europa und von 22 Prozent in Deutschland. Als Gründe nennt Accor unter anderem wachsenden Wohlstand, zunehmende internationale Mobilität, bessere Anbindungen und anhaltende Investitionen in die touristische Infrastruktur.
„Europa bleibt dank seiner außergewöhnlichen Diversität das gefragteste Reiseziel der Welt. Es gibt allen Grund, zuversichtlich in die Zukunft der Hospitality-Branche zu blicken“, sagt Karelle Lamouche, CEO Europe & North Africa Premium, Midscale & Economy Brands bei Accor.
Etablierte Märkte blieben erfolgreich, ergänzte sie. Das Wachstum des kommenden Jahrzehnts werde jedoch auch von neuen Reisenden und Reisezielen geprägt, da Reisende andere Orte und Erlebnisse suchten. „Am besten werden sich jene Unternehmen entwickeln, die diese Veränderungen verstehen und sich darauf einstellen, um die sich wandelnde Nachfrage zu nutzen.“
Gäste aus Nachbarländern und Fernmärkten
Die Studie zeigt außerdem: Der Tourismus in Europa wird auch künftig stark vom innereuropäischen Reiseverkehr getragen. Für 2036 wird erwartet, dass 77 Prozent der internationalen Ankünfte aus Europa selbst stammen. Aus aufstrebenden europäischen Herkunftsmärkten sollen die Ankünfte im kommenden Jahrzehnt um 52 Prozent steigen, aus westeuropäischen Märkten um 34 Prozent. Besonders stark wachsen sollen Georgien (+123 Prozent), Moldau (+107 Prozent) und Armenien (+76 Prozent).
Auch die Nachfrage aus Fernmärkten soll deutlich zunehmen. Für Ankünfte aus dem Nahen Osten wird europaweit ein Wachstum von 93 Prozent erwartet (für Deutschland 112 %), aus dem asiatisch-pazifischen Raum ein Wachstum von 88 Prozent (für Deutschland 111 %). Unter den wichtigsten außereuropäischen Herkunftsländern dürften China (+138 %) und Südkorea (+121 %) europaweit besonders stark zulegen. In Deutschland sollen die Ankünfte aus China um 178 Prozent und aus Südkorea um 94 Prozent steigen. Auch aus Japan (+92 Prozent) und Indien (+84 Prozent) wird für Deutschland ein deutlicher Anstieg prognostiziert.
Wachstum jenseits der Hotspots
Spanien, Frankreich und das Vereinigte Königreich bleiben gefragt, heißt es in der Studie. Auf die fünf wichtigsten Zielländer dürften 2036 mehr als die Hälfte aller internationalen Übernachtungen kommen. Doch auch abseits der Hotspots werden hohe Wachstumsraten erwartet: Länder in Mittel- und Osteuropa, im Baltikum und in Teilen des Balkans dürften beim internationalen Tourismuswachstum den europäischen Durchschnitt deutlich übertreffen. Sie profitieren der Studie zufolge von verbesserten Verbindungen und dem Interesse an neuen, erschwinglichen Reiseerlebnissen. Für Investoren, Projektentwickler und Hotelbetreiber bietet das laut Accor die Chance, sich früh in Märkten zu engagieren, deren touristische Entwicklung noch am Anfang steht.
Chancen für die Economy-Hotellerie
Die Studie sieht insbesondere Chancen für die Economy-Hotellerie, da internationales Reisen für immer mehr und zugleich unterschiedliche Verbrauchergruppen zugänglich wird. Viele dieser neuen Reisenden – darunter Gäste aus schnell wachsenden Fernmärkten wie China und Indien sowie aus aufstrebenden europäischen Volkswirtschaften mit steigenden Einkommen und besseren Anbindungen – dürften sich für etablierte Economy-Marken entscheiden.
Mehr Ausgaben, mehr Geschäftsreisen
Die Ausgaben internationaler Gäste in Europa dürften von 825 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf mehr als 1,3 Billionen Euro im Jahr 2036 steigen – ein Plus von 64 Prozent. Für Deutschland erwartet die Studie bei den Gesamtausgaben internationaler Gäste ein stärkeres Wachstum von 75 Prozent. Auch bei den Ausgaben für Speisen und Getränke (+78 % gegenüber +72 % europaweit), im Einzelhandel (+72 % gegenüber +69 %) sowie für Freizeit, Kultur und Sport (+79 % gegenüber +66 %) wird für Deutschland ein stärkerer Zuwachs prognostiziert.
Die Zahl der Geschäftsreisen in Europa dürfte um 50 Prozent steigen, die der Urlaubsreisen um 39 Prozent. Besonders stark soll das Wachstum aus dem asiatisch-pazifischen Raum (+118 Prozent) und dem Nahen Osten (+112 Prozent) ausfallen. red/sar