Profil im Wellnessbereich entsteht jetzt anders: mit Prävention, individuellen Gesundheitsangeboten und neuen Konzepten für Regeneration und Entspannung. Diese Beispiele aus der Hotellerie zeigen, wohin im Spa die Reise geht.
Die Vielfalt der Wellnesshotels gerade im deutschsprachigen Raum ist enorm. Der Gast kann wählen. Das hat allerdings als Folge, dass sich die Hotels für ihren Erfolg noch deutlicher und klarer von den Mitbewerbern abheben müssen. Zur Marke werden ist heute wichtiger denn je – und dabei gilt es, „authentisch“ zu sein. Ein Spagat, der nicht nur mit finanziellen Mitteln gelingt. Der Kern ist stets die Philosophie, das Prozedere, das Flair, das den Betrieb erfüllt. Nur so lässt sich der Mehrwert für den Gast darstellen und echtes Erlebnis inszenieren.
Neu aufgestellt für die Nachfrage im Winter
Ein gelungenes Beispiel dafür ist das Seehotel Niedernberg bei Aschaffenburg. Das „Dorf am See“ mit 18 Häusern setzt auf moderne Gesundheitsvorsorge. Prävention steht im Fokus, was jetzt auch durch die Erweiterung und den Umbau des „Miranu Spa“ deutlich wird.
„Wunder beginnt mit Ruhe“, betont Hoteldirektorin Violeta Pantic. Sie ist davon überzeugt, dass regelmäßige Erholung, Entspannung und Achtsamkeit einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Gesundheit leisten.
Unter diesem Aspekt hat das Management seit Oktober 2025 rund 1,2 Millionen Euro in die Erweiterung des Spa inklusive eines Spa-Bistros investiert. Aus bisher rund 600 Quadratmetern Spa-Fläche wurden 2.800 Quadratmeter mit den bisherigen Pools, Saunen, der Blockhaussauna und jetzt zwei weiteren großen Glassaunen, einem Dampfbad mit „Espuro“-Schaumfunktion, Infrarotkabinen sowie im letzten Bauabschnitt einem Termarium, Fußwechselbad, zwei kleineren Ruheräumen und einem Schlafruheraum. Acht Gästezimmer im Schlösschen wurden dafür geopfert – so aber kann das Haus jetzt besser auf die stetig wachsende Nachfrage im Winter eingehen. Bei der Hardware setzte das Management komplett auf Klafs, von dessen Qualität die Hoteldirektorin überzeugt ist. Eine detailverliebte Ausstattung und ein Innendesign, das von Regina Tröber kreiert wurde, prägen das Miranu Spa – mit hochwertigen Materialien auch mal in kräftigen Farbtönen.

Geleitet wird das Spa von einer Doppelspitze: Lisa Hörth, die auf moderne Spa-Kultur setzt, und Saunameister und Gesundheitscoach Frank Rosnizeck, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Saunaerlebnis zu etwas Besonderem zu machen – mit Aufgüssen aus reinen Natursuden, die gesundheitlich fördernd und vor allem entspannend wirken. Das Erfolgsrezept basiert auf den 120 Mitarbeitenden, die im Seehotel Niedernberg beschäftigt sind. Absolute Fachkompetenz sei dabei das Fundament: Kürzlich wurde das Spa-Team durch vier ausgebildete Wellness- und Massagetherapeuten erweitert.
Neu ist zudem das „Spa Bistro Aikoi“, direkt gegenüber dem Miranu Spa gelegen, das Asien & Franken kulinarisch vereint und die Philosophie des Spa-Konzeptes ergänzt. Das Seehotel Niedernberg will sich als Kraftort positionieren – das hat auch mit seinem eigenen Strand und seiner eigenen Insel zu tun, die das Angebot über den klassischen Wellnessbereich hinaus vergrößert und die Verbindung zwischen Wellness und Natur auf besondere Weise erlebbar macht. „Jetzt haben wir einen Ort geschaffen, an dem Menschen bewusst auftanken können“, sagt Violeta Pantic.
Sauna-Trend: Weniger heiß, gern mit mehr Textil am Körper
Neue Energie tanken können auch die Gäste des Hotel Kronelamm in Bad Teinach-Zavelstein. Hoch über dem Schwarzwald, in Hanglage, realisiert das privatgeführte Haus seit Mai 2025 einen umfassenden Neu- und Erweiterungsbau. Unter der Regie von Architekt Daniel Heibel aus Calw und den Alpstein Architekten aus Immenstadt entstanden zusätzlich zu den 63 Zimmern weitere 29. Darunter sind drei Spa-Suiten und vier Hideaway-Suiten, die mit privater Sauna auf dem Balkon oder der Terrasse, Whirlwanne, swingendem Hängebett, einem Designkamin und einer Fitnesswand ausgestattet sind. Darüber hinaus wurde der bestehende Spa-Bereich mit seinen bisher 1.600 Quadratmetern um 800 Quadratmeter vergrößert.
Der Fokus lag allerdings nicht allein auf einer Vergrößerung: Auch das inhaltliche Spa-Konzept wurde grundlegend überarbeitet. Elisabeth Röber-Berlin, die das von den Eltern aufgebaute Hotel heute gemeinsam mit ihren beiden Brüdern führt, besann sich bei den Überlegungen eigenen Angaben zufolge „auf das Wesentliche“. Fragen wie „Was zeichnet uns aus? Wie begegnen wir unseren Gästen? Und welche Werte möchten wir vermitteln?“ führten schließlich zu einem neuen Leitmotiv und einem neuen Namen für den Wellnessbereich.
Die Kernaussage „So nah. So weit.“ zieht sich nun unter dem Namen „Hautnah“ durch das ganze Spa, fünf Kosmetikerinnen und acht Masseure und Physiotherapeuten stehen für die Gäste bereit. Geleitet wird das Spa von Vanessa Berlin, der Schwägerin der Hotelchefin, die konsequent auf Produkte und Treatments setzt, die einen spürbar gesundheitlichen Nutzen bringen. Echte Fango-Packungen gehören dazu, Kräuterpeelings mit selbstgesammelten Kräutern aus der Region beziehungsweise Produkte von Pharmos Natur und Annemarie Börlind. Zu den sechs Bestandssaunen – darunter die auf Stelzen errichtete Hochsitzsauna mit Blick über den Schwarzwald – kam ein 20 Meter langer Panoramapool entlang einer Fensterfront hinzu, der in einen Außenwhirlpool mit Infinity-Blick übergeht.
Neu sind zudem Angebote für Gäste, die entweder keine zu heiße Sauna mögen oder sich in textilfreien Bereichen nicht wohlfühlen. Im Hotel Kronelamm reagiert man darauf mit einem 45-Grad-Tepidarium und einem 55-Grad-Caldarium sowie mit Infrarotliegen und einer Sole-Inhalatioskammer. „Wir haben eine deutliche Nachfrage nach solchen Alternativen festgestellt“, so Elisabeth Röber-Berlin. „Die Menschen wünschen sich ganz klar eine sanftere, mehr an der römischen Badekultur orientierte Form des Wellnesserlebnisses.“ Wobei das Hotel weiterhin am Adults-only-Prinzip festhält, weil die Kernklientel – Best Ager, Gourmets, Naturfreunde und Paare, die ohne ihre Kinder verreisen – sehr positiv darauf reagiere.
Holistic Wellness für Ruhe suchende Gäste ab 16 Jahren
Die Zielgruppe für Adults-only hat auch das Bollants Spa im Park nun stärker ins Visier genommen. Das Haus, das Teil der Autograph Collection by Marriott ist und seit Herbst 2025 in mehreren Abschnitten umgestaltet und modernisiert wurde, wendet sich mit seinem Wellnessangebot künftig an Gäste ab 16 Jahren. „Wir mögen Kinder, aber wir haben keine Einrichtungen für sie, wo sie sich wohlfühlen würden“, erläutert Britta Krug, die das Hotel seit Anfang 2025 leitet. „Bei uns gibt es nichts Lautes, sondern ganz viel Ruhe, um anzukommen und runterzukommen.“
Während der vier Monate, in denen das Haus für die Baumaßnahmen geschlossen war, erhielten in erster Linie die 91 Zimmer und Suiten sowie die öffentlichen Bereiche ein Update. Außer der Optik stand bei der Gestaltung in den Zimmern speziell auch die Auswahl der Materialien im Fokus – Stoffbezüge etwa, die kein Wasser aufnehmen und Öl von den Behandlungen einigermaßen vertragen. Ebenso mussten die Überzüge bei Möbeln und Liegen „wellnesstauglich“ sein.
Das Spa mit seinen 3.500 Quadratmetern bekam neue Behandlungsräume, eine finnische Sauna und ein Dampfbad, gleichzeitig wurden aus vielen kleinen Räumen großzügigere, helle Flächen mit neuem Farbkonzept. Von der Struktur her wurde nichts geändert: Ruhe und die historischen Felke-Lehmbäder im Spa-Garten seien nach wie vor die Highlights des Hotels und Eckpfeiler des Spa-Konzeptes.
Individuelle Definition von Wohlbefinden
„Das Felke-Konzept mit seiner 120 Jahre alten Geschichte ist letztlich genau das, was heute gefragt ist – mehr Bewegung, gesunde Ernährung, frische Luft, das Fokussieren auf sich selbst“, sagt Britta Krug. „Das haben wir belassen, wir haben nur die Umsetzung weiterentwickelt und in spezielle Programme eingebaut, die es uns ermöglichen, gezielt mit Lehm zu behandeln.“
Um seine Gäste mit wirksamen ganzheitlichen Methoden zu betreuen, setzt das Bollants Spa im Park viel auf Holistic Wellness. Die Kraft der Natur, die Weisheit der Felke-Lehre und moderne Spa-Rituale bilden eigenen Angaben zufolge die Basis für den Erfolg. Dazu gibt es auch besondere Treatments zur Tiefenentspannung, Relax-Massagen und das „Prana-Spa“, einen Bereich innerhalb des Spas, in dem Gäste Yoga und andere Bewegungsmethoden üben können. „Bei uns kann jeder das Thema Wohlbefinden für sich selbst definieren“, erläutert Britta Krug.
>> Der Beitrag ist in der Tophotel Ausgabe 9/2026 erschienen.
