Die Branche in Mecklenburg-Vorpommern meldet zurzeit eine gute Buchungslage. Doch die weltweiten Krisen sind bemerkbar.
Hitzewelle und Waldbrände in Südeuropa haben das Fernweh vieler Deutscher ein wenig abklingen lassen. Mecklenburg-Vorpommern konnte von dieser Tendenz aber bislang wenig profitieren. Immerhin zieht die landeseigene MV Tourismus GmbH zieht eine positive Zwischenbilanz der bisherigen Hauptsaison – mit ein paar Wolken am Ferienhimmel.
„Laut unserer derzeit noch laufenden Branchenumfrage mit aktuell 140 Teilnehmenden, darunter Beherbergungsbetriebe, gastronomische Einrichtungen sowie Freizeit- und Erlebnisanbieter, ist ein erstes Stimmungsbild ablesbar“, sagte der Geschäftsführer von MV Tourismus, Peter Kranz. Die bisherige Hauptsaison werde positiv bewertet. „Jedes zweite Unternehmen zeigt sich damit zufrieden oder sehr zufrieden, ein Viertel verhält sich neutral, ein Viertel bewertet die Hauptsaison eher negativ.“
Die Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Lage sowie der Umsatz- und Ertragsentwicklung bei den Unternehmern sei in der Tendenz allerdings kritisch. Angesichts der Inflation schauten viele Gäste aufs Geld.
Klimawandel hilft Tourismus in MV noch nicht
Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in MV, Lars Schwarz, spricht von einem „soliden Ergebnis“ bislang. „«Das erste Halbjahr war schleppend“, vor allem das wechselhafte Wetter zu Ostern habe viele Hoteliers getroffen, meinte er.
„Dass der Klimawandel uns hilft, ist eine Wunschvorstellung seit Jahren, die sich aber bislang nicht verwirklicht hat“, sagte Schwarz. Sonnenwetter könne in Norddeutschland eben keiner garantieren, daher drehten sich die Touristenströme auch nicht völlig um. Ein Trend, den er allerdings ausmachte, ist das spontanere Buchungsverhalten der Urlauber. Diese entschieden sich kurzfristiger, wohin es geht – je nach Wetterlage.
Sommer freut Tourismusbranche
Immerhin zur Hauptsaison erfreut das Badewetter auch die Tourismusbranche. Zu den Sommerferien seien die Hotels und Ferienanlagen praktisch voll ausgelastet, sagte Schwarz. Die Hochsaison sei im Bundesland freilich ohnehin stets ausgebucht. Die Einrichtungen seien an ihrer Auslastungsgrenze angelangt – „mehr Betten haben wir nicht“, sagte Schwarz.
Damit es im Jahresendergebnis ein Plus gebe, sei die Tourismusbranche auf eine gute Nachsaison angewiesen. „Ein schöner Sommer hat aber Folgen auch für die Buchungen in den kommenden Jahren“, machte er Hoffnung für die Zukunft. Bislang sei das Wetter in den Wonnemonaten sehr erfreulich. Gegen übermäßige Hitze hat die Natur Mecklenburg-Vorpommern mit der Ostsee und den vielen Badeseen ohnehin begünstigt.
Plus bei Übernachtungen bis Mai
Genaue Zahlen zu Buchungen liegen für den Sommer dabei noch nicht vor – sie reichen nur bis Mai. Und hier widerspricht MV Tourismus dem Dehoga: Die ersten fünf Monate des Jahres sehen Kranz zufolge nämlich gut aus. Die Zahl der Übernachtungen sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,8 Prozent gestiegen, berichtete er unter Berufung auf das Statistische Bundesamt. Allerdings lagen die Pfingstfeiertage dieses Jahr im Mai. Sie seien für viele Menschen Anlass für eine Kurzreise.
Vor allem Campingplätze meldeten Wachstum. Das Plus betrug laut Campingwirtschaft-Verband 17,6 Prozent. „Im Camping-Segment wurden in den ersten fünf Monaten erstmals mehr als eine Million Übernachtungen verzeichnet“, so Kranz.
Sein Fazit: „Das Urlaubsland steht bei Reisenden weiterhin hoch im Kurs.“ MV offeriere viele Angebote, von Festivals über Lesungen bis zu Ausstellungen. Die große Bühne habe die Natur – die Ostsee, die Seen, die Naturlandschaften. Sollte das Wetter weiter mitspielen, rechnet Kranz bis zum Ende der Sommerferien mit einer guten bis sehr guten Auslastung der Gästebetten.
Tourismus sichert Zehntausende Arbeitsplätze im Land
Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige im Land. Im Kernbereich sind nach Angaben von Schwarz etwa 60.000 Menschen beschäftigt. Insgesamt seien es sogar doppelt so viele, sagte er. Da MV kaum andere wichtige Industrien aufweist, ist der Anteil des mehrere Milliarden schweren Tourismussektors an der Gesamtwirtschaft mit zehn bis zwölf Prozent verhältnismäßig hoch. dpa